Jagdkompass
Wild & NaturArtenschutz

Auerhuhn in der Niederlausitz: 230 Vögel, 84 Prozent dort geschlüpft – und die Jägerschaft bekommt 45 Fallen

Die Wiederansiedlung trägt: Die meisten Lausitzer Auerhühner stammen nicht mehr aus Schweden. Woran es hakt, sind die Küken – deshalb rückt das Raubwild in den Fokus.

LMLorena de MarcoAuerhuhn, Auerwild, Niederlausitz

Rund 230 Auerhühner leben inzwischen in der Niederlausitz, und 84 Prozent von ihnen sind dort geschlüpft, nicht in Schweden. Das Auerhuhn, in Brandenburg 1998 verschwunden, hält sich damit zunehmend selbst. Der Engpass sind die Küken: Zu wenige werden erwachsen. Deshalb gibt das Projekt jetzt Fallen an die örtliche Jägerschaft aus, 2026 sollen es 45 Betonrohrfallen sein.

Die Zahlen der Lausitzer Auerhühner

KennzahlWertStand
Geschätzter Bestandca. 230 TiereEvaluierung, veröffentlicht Juli 2026
Ermittelte Lebensraumkapazitätca. 300 TiereEvaluierung
In der Niederlausitz geboren84 %Genetik aus Kot- und Federproben 2025
Ausgewilderte Tiere aus Schweden16 %Genetik 2025
Längster Nachweis einzelner Tiere7 Jahre (2 Tiere)Oktober 2026
Fallen an die Jägerschaft17 Holzkastenfallen (2025), 45 Betonrohrfallen geplant (2026)Oktober 2026

Die Werte stammen aus dem zehnten Rundbrief des Brandenburger Auerhuhnprojekts, den der Förderverein Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft im Oktober 2026 veröffentlicht hat. Grundlage ist eine unabhängige Evaluierung am Ende der Förderperiode 2024, deren Ergebnisse im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Wildlife Biology erschienen sind.

Aus Schweden geholt, in der Heide geschlüpft

Seit 2012 werden Auerhühner aus Schweden gefangen und in den Wäldern rund um Finsterwalde freigelassen, bis zu 60 Tiere pro Jahr. Das Wiederansiedlungsgebiet umfasst etwa 500 Quadratkilometer in den Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft und Niederlausitzer Landrücken. Den letzten wildlebenden Auerhahn vor dem Projekt hatte man 1998 in der Rochauer Heide gesehen.

Traubeneichenwald in der Rochauer Heide auf dem Niederlausitzer Landrücken: Hier wurde 1998 das letzte wilde Auerhuhn Brandenburgs gesehen, 2026 gab es hier wieder Balz, Brut und Gesperre. Foto: hcklaege / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der aussagekräftigste Wert ist der Anteil der vor Ort geborenen Vögel. Solange ein Bestand vor allem aus ausgewilderten Tieren besteht, hängt er am Nachschub aus Skandinavien. Bei 84 Prozent Lausitzer Nachwuchs trägt die Fortpflanzung im Gebiet den Bestand. Ermittelt wurde der Anteil genetisch: Aus gefundener Losung und Federn lässt sich das einzelne Tier bestimmen, ohne es zu fangen.

Auch die Lebensdauer spricht für das Gebiet. Zwei Tiere sind seit sieben Jahren nachgewiesen. Im Schnitt erreichen weniger als fünf Prozent der Tiere einer Wildpopulation ein Alter von sechs Jahren. Die Überlebensrate der Altvögel steht einem sich selbst tragenden Bestand laut Evaluierung nicht im Weg.

Wo 2025 und 2026 gebalzt und gebrütet wurde

2025 gab es vergleichsweise wenige Nachweise. Balzende Hähne meldeten Beobachter aus der Liebenwerdaer Heide, aus Weißhaus und einen Hahn aus dem Schadewitzer Forst. Brut- oder Gesperrenachweise kamen aus der Liebenwerdaer und der Rochauer Heide. Ein Gesperre ist in der Jägersprache die Henne mit ihren Küken. Ein großes Gesperre, das spät im Jahr gesichtet wurde, deutete auf ein gutes Fortpflanzungsjahr hin. 2026 stieg die Zahl der Nachweise wieder deutlich, mit Balz, Brut und Gesperren in beiden Heiden.

Offene Heide mit lockerem Baumbestand in der Liebenwerdaer Heide: eines der beiden Gebiete, aus denen 2025 und 2026 Brutnachweise kamen. Foto: Silvio John, Elsterwerda / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Warum die Küken der Engpass sind

Die Evaluierung zeigt die Schwachstelle klar: Zu wenige Jungvögel überleben. Die Hennen sind dabei doppelt wichtig. Sie bestimmen die Nachwuchsrate, und sie besiedeln neue Waldgebiete. Bis Ende 2028 konzentriert sich das Projekt deshalb auf die Lebensbedingungen der Hennen und ihren Bruterfolg.

Woran die Küken im Einzelnen scheitern, schlüsselt der Rundbrief nicht auf. Das Projekt setzt an zwei Stellen an. Erstens beim Lebensraum: Ab diesem Winter sollen gezielte Pflegemaßnahmen über Vertragsnaturschutz laufen, außerdem wird bei der Holzernte stärker auf Auerhuhn-Habitate geachtet. Zweitens beim Raubwild.

Fallen und Fallenmelder für die örtliche Jägerschaft

Neben der Fallenbetreuung durch das Projekt selbst gehen Fallen und Fallenmelder an Jägerinnen und Jäger vor Ort. Ein Fallenmelder schickt eine Nachricht aufs Handy, sobald eine Falle auslöst. So kann das gefangene Tier schnell versorgt werden, und die Kontrollgänge lassen sich gezielter planen. 2025 wurden 17 Holzkastenfallen ausgeliefert, 2026 sollen 45 Betonrohrfallen folgen. Beides sind Lebendfangfallen, wie sie bei der Bejagung von Fuchs, Marder oder Waschbär üblich sind. Welche Raubwildarten im Projektgebiet den größten Anteil an den Verlusten haben, ist nicht veröffentlicht.

Der Rotfuchs gehört zu den Beutegreifern, die Gelege und Küken bodenbrütender Vögel erbeuten. Mit Lebendfallen und Fallenmeldern will das Projekt den Druck auf die Auerhuhn-Gesperre senken. Foto: Charles Jackson / Unsplash+ License

Ein zweites Risiko sind Zäune. Für Raufußhühner, die niedrig durch den Bestand fliegen, sind Wildschutzzäune eine bekannte Kollisionsgefahr. In der Rochauer Heide und in Weißhaus wurden 2026 großflächige Zäune verblendet, also sichtbar gemacht. Auf Flächen der DBU Naturerbe und des Landesforsts wurden mehrere Kilometer Zaun abgebaut. Waldbesitzer mit bestehenden oder geplanten Zäunen in Auerhuhngebieten bekommen vom Projekt kostenlos Material.

Für Jäger und Waldbesitzer in den Auerhuhngebieten

  • Auerhuhn-Nachweise wie Federn, Losung, Huderstellen (Sandbadestellen) oder Sichtungen über das Online-Meldeformular des Projekts melden.

  • Interesse an Fallen und Fallenmeldern direkt beim Projekt anmelden. Für die Fallenjagd gelten die Vorgaben des Landesjagdrechts.

  • Zäune in Auerhuhngebieten beim Projekt melden. Es stellt Material zur Verfügung.

  • Balzplätze im Frühjahr meiden, auch bei Ansitz und Pirsch.

  • Der nächste Freiwilligeneinsatz zur Lebensraumpflege ist am 7. November 2026.

Was die Zahl 230 aussagt und was nicht

Zur Methode

Die 230 Tiere sind eine Schätzung aus der Evaluierung, keine Vollzählung. Frühere Angaben nannten deutlich weniger Tiere, 2023 etwa rund 100. Weil Methode und Zeitraum nicht identisch sind, lässt sich daraus nicht genau ablesen, wie stark der Bestand gewachsen ist. Belastbar ist die Richtung: mehr Tiere, überwiegend vor Ort geboren. Wie viele Jungvögel pro Jahr hinzukommen, ist bisher nicht beziffert.

Die Lausitz unterscheidet sich damit deutlich vom Schwarzwald, wo der Bestand zuletzt auf nur noch 93 balzende Hähne gesunken ist. Dort geht es darum, einen alten Bestand zu halten, in Brandenburg darum, einen neuen zu festigen. In beiden Gebieten spielt die Bejagung von Raubwild eine zentrale Rolle. Wie unterschiedlich Gemeinden das Thema angehen, zeigt die Waschbär-Prämie in Selters. Welche Regeln bei Lebendfallen gelten, wenn ein Haustier hineingerät, steht im Beitrag zur Katze in der Lebendfalle.

Auerwild in der Jägerprüfung: Das Auerhuhn ist nach Paragraf 2 des Bundesjagdgesetzes Federwild, hat aber keine Jagdzeit und ist ganzjährig geschont. Die Unterscheidung von Hahn und Henne, Begriffe wie Balz, Gesperre und Huderstelle sowie die Jagd- und Schonzeiten der Länder übst du in der Jagdkompass-App mit Prüfungsfragen für dein Bundesland. Weitere Meldungen findest du unter Wild & Natur.

Quelle

Stand: 26.10.2026

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