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Target Sprint in München: 127 zu 127 – und ein Streichresultat entscheidet mit

Punktgleich vor dem letzten Lauf: Beim Finale der Deutschland Trophy in München hängt der Gesamtsieg der Herren I nicht nur am Rennen, sondern an einer Rechenregel.

LMLauritz Maaßen13. September 2026Sportschießen, Target Sprint, Deutschland Trophy
Target Sprint in München: 127 zu 127 – und ein Streichresultat entscheidet mit

127 zu 127: Vor dem letzten Wettkampf der Target Sprint Deutschland Trophy 2026 stehen Jochem van der Graaf und Dominik Hermle in der Klasse Herren I exakt gleichauf. Entschieden wird die Serie vom 4. bis 6. September in München – und mitentscheidend ist dort eine Rechenregel, die mit dem Rennen selbst wenig zu tun hat: Wer alle fünf Stationen bestreitet, dem wird das schwächste Ergebnis gestrichen.

KlasseSportlerin / SportlerVereinPunkte
Herren IJochem van der GraafRW Rottemeeren (NL)127
Herren IDominik HermleSC Gosheim127
Herren ILuca GöhmannSV Schorborn106
Damen IAlena WeinmannSC Gosheim116
Damen IRomy LinhartSV Tischardt108
Damen IKarin HeinzlerSV Wolfartsweiler99
JuniorenLukas BürkiHubertus-Alpenjäger Haibach160
JuniorinnenJohanna WirtzSchützenverein Lindlar123
JuniorinnenJudith WirtzSchützenverein Lindlar122
JuniorinnenLisa EnderleSG Schützenlisl II Englschalking120

Zwischenstand der Gesamtwertung nach vier von fünf Wettkämpfen, veröffentlicht vom Deutschen Schützenbund als Anlage zum Münchner Vorbericht.

Warum das Patt bei 127 Punkten nicht im Rennen aufgelöst werden muss

Gewertet wird nach einem 20er-Schlüssel: Die ersten 15 Platzierten eines Laufs bekommen Punkte, beginnend mit 20 für den Sieg, dann 16, 14, 12, 11, 10 und weiter absteigend bis 1. Dazu kommen zehn Teilnahmepunkte für jeden Start – auch dann, wenn jemand das Rennen nicht beendet und in der Ergebnisliste als DNF geführt wird.

Der eigentliche Hebel steckt jedoch in zwei Nebenregeln. In die Gesamtwertung kommt nur, wer mindestens drei gewertete Einzelläufe vorweisen kann. Und gewertet werden höchstens vier Läufe: Wer bei allen fünf Stationen antritt, dem fällt das schwächste Resultat aus der Rechnung. Ein starker Münchner Lauf wirkt für die beiden Punktgleichen deshalb doppelt – er bringt Punkte und verdrängt zugleich ihr bislang schlechtestes Ergebnis. Ein schwacher Lauf dagegen kostet nichts außer der Chance, weil er selbst zum Streichresultat wird.

Gebäude und Anlage der Münchner Hauptschützengesellschaft
Gastgeber des Finales: die Hauptschützengesellschaft München, auf deren Target-Sprint-Anlage vom 4. bis 6. September die Serie entschieden wird. Foto: Henning Schlottmann (User:H-stt) / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Bürkis 160 Punkte sind der Ausreißer der ganzen Serie

Während bei den Herren I und in geringerem Abstand auch bei den Juniorinnen alles offen ist, hat Lukas Bürki von den Hubertus-Alpenjägern Haibach die Junioren-Wertung praktisch für sich entschieden: 160 Punkte nach vier Wettkämpfen sind der höchste Wert aller ausgewiesenen Einzelklassen und liegen 37 Punkte über der stärksten Juniorin.

Bei den Juniorinnen liegen dagegen drei Athletinnen innerhalb von drei Punkten: Johanna Wirtz führt mit 123 vor ihrer Vereinskameradin Judith Wirtz mit 122 und Lisa Enderle mit 120. In dieser Konstellation kann bereits ein einziger Platz Unterschied im Zielsprint die Reihenfolge drehen – und der Streicheffekt greift auch hier.

Das gelbe Trikot rechnet nach eigenen Regeln

Neu in der Saison 2026 sind separate Eliteläufe für Frauen und Männer. Qualifiziert sind die jeweils acht Schnellsten des ersten Zeit- beziehungsweise Vorlaufs aus den Klassen Jugend, Juniorinnen und Junioren sowie Damen I und Herren I. Für diese Läufe gilt eine eigene 10er-Wertung – 10, 8, 6, 5, 4, 3, 2, 1 –, die unabhängig von der Trophy-Wertung geführt wird. Wer sie anführt, trägt das gelbe Trikot.

Elite-WertungPlatz 1Platz 2Platz 3
MännlichLukas Bürki (38)Luca Göhmann (22)Jacob Hofmann (13)
WeiblichLisa Enderle (30)Milia Kußmaul (24)Vlada Rudych (16)

Der Verband begründet die zweite Wertung damit, dass sich Startplätze für internationale Wettbewerbe so transparenter vergeben lassen. Praktisch heißt das: Ein Athlet kann in seiner Altersklasse hinter jemandem liegen und im direkten Vergleich der acht Schnellsten trotzdem vorn stehen – zwei Wertungen, zwei Aussagen.

Drei Runden, zwei Einlagen, zehn Sekunden Strafe

Target Sprint ist ein Lauf-Schieß-Wettbewerb auf kurzer Distanz: drei Runden à 400 Meter für alle Altersklassen, dazwischen zwei Schießeinlagen nach der ersten und der zweiten Runde. Geschossen wird ausschließlich stehend, mit einer Druckluftwaffe auf zehn Meter, auf fünf Klappscheiben mit 35 Millimetern Trefferfläche. Bis zu zehn Schuss stehen dafür zur Verfügung, einzeln nachgeladen. Fällt danach noch eine Scheibe nicht, gibt es zehn Sekunden Zeitstrafe in der Penalty Box. Gestartet wird als Massenstart mit höchstens zwölf Teilnehmenden pro Lauf; über Vor- und Halbfinalläufe geht es in die Finals.

Reihe von Klappscheiben einer Biathlon-Schießanlage im Freien
Fünf Klappscheiben pro Einlage: Beim Target Sprint stehen sie auf zehn Meter, die Trefferfläche misst 35 Millimeter. Foto: Migrant / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Das unterscheidet die Disziplin vom klassischen Sommerbiathlon, der über drei bis vier Kilometer läuft, liegend und stehend schießen lässt und Fehlschüsse mit einer 75-Meter-Strafrunde ahndet statt mit Sekunden. Wie stark sich die letzte Schießeinlage in solchen Formaten auf das Endergebnis auswirkt, hat zuletzt der City Biathlon in Dresden gezeigt.

Athletin läuft bei einem Sommerbiathlon-Wettkampf mit Gewehr auf dem Rücken
Laufen und Schießen im Wechsel: Sommerbiathlon-Wettkampf in Oberhof. Beim Target Sprint bleibt das Gewehr am Stand, die Sportler laufen ohne Waffe. Foto: Miceman / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Fünf Stationen, fünf Landesverbände – und ein Starter aus den Niederlanden

Die Serie führte 2026 quer durch die Republik: Auftakt am 18. und 19. April in Dortmund-Aplerbeck, danach Ulm am 9. und 10. Mai, Steinwenden am 27. Juni, Lebach am 22. und 23. August und nun das Finale in München. Ausgerichtet wird es von der Hauptschützengesellschaft München gemeinsam mit dem Bayerischen Sportschützenbund – in derselben Stadt, in der im August schon die DM Sportschießen stattfand.

Auch international ist die Disziplin angekommen: Der Weltverband ISSF trägt seit 2017 Meisterschaften im Target Sprint aus, 2026 standen unter anderem ein World-Tour-Wettkampf in München Ende Mai und die Europameisterschaft Anfang August in Italien im Kalender. Dass mit Jochem van der Graaf ein niederländischer Starter die deutsche Serienwertung der Herren I anführt, passt zu diesem offenen Zuschnitt.

Was der Zwischenstand aussagt – und was nicht

Die Tabellen oben geben den Stand nach vier von fünf Wettkämpfen wieder, nicht das Endergebnis. Weil höchstens vier Läufe gewertet werden, ist die aktuelle Punktzahl bei Sportlerinnen und Sportlern mit fünf Starts nicht einfach fortschreibbar.

Die Trophy-Wertung ist eine Serienwertung über die gesamte Saison und keine Deutsche Meisterschaft; sie sagt nichts über Titel aus, sondern über Konstanz.

Die Ergebnisse aus München lagen bei Redaktionsschluss am 6. September noch nicht vor.

Ergebnisse, Termine und Regelwerke aus dem Schießsport bündeln wir laufend in unserer Rubrik Sportschießen – dort landen auch die Münchner Endstände, sobald sie offiziell vorliegen.

Quelle

Deutscher Schützenbund: Vorbericht zum Finale der Deutschland Trophy in München samt Zwischenständen (dsb.de), Ausschreibung der Deutschland Trophy 2026 sowie die Disziplinbeschreibung Target Sprint / Sommerbiathlon. Abgerufen am 6. September 2026.

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