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595 Ringe bei der DM Sportschießen: Deutscher Rekord aus dem Nicht-Kader

Isabella Straub schießt in Garching-Hochbrück einen Ring unter Weltrekord – und im Junioren-Finale zeigt sich, warum 16 Ringe Vorsprung aus der Qualifikation nichts wert sind.

LMLauritz Maaßen03. September 2026Sportschießen, Deutsche Meisterschaft, München
595 Ringe bei der DM Sportschießen: Deutscher Rekord aus dem Nicht-Kader

595 von 600 möglichen Ringen: Mit diesem Qualifikationsergebnis im Kleinkaliber-Dreistellungskampf hat Isabella Straub bei der DM Sportschießen 2026 in Garching-Hochbrück einen deutschen Rekord aufgestellt – einen einzigen Ring unter dem Weltrekord. Straub gehört keinem Nationalkader mehr an und bezeichnet sich selbst als „ambitionierte rentnerische Leistungssportlerin".

DisziplinTitelVereinErgebnis
KK-Gewehr 3x20 FrauenIsabella StraubKgl. Priv. FSG Der Bund Allach595 Ringe Quali (dt. Rekord), 360,2 im Finale
Luftgewehr MännerMaximilian UlbrichSG Wilzhofen252,9 Ringe, dritter Titel in Serie
Schnellfeuerpistole MännerOliver GeisSV 1935 KriftelTitelverteidigung nach 583 Ringen Quali
Skeet MixedIsis Niels / Felix HaaseWTC Bad Salzuflen56 Treffer bei 60 Scheiben
KK-Gewehr 3x20 JuniorinnenXenia MundRot-Weiß Schützen FrankenEntscheidung im 35. Schuss
Luftpistole Mixed JuniorenFinja Schlünz / Tjark BuchwaldSV Vier Tore Neubrandenburg14,6 Ringe Vorsprung
Schnellfeuerpistole JuniorenBen SpangenbergBüdinger SGes 135323 Treffer nach Fehlstart

Ein Ring unter Weltrekord – und dann auch noch das Finale

Der Dreistellungskampf verlangt dieselbe Schussanzahl aus kniend, liegend und stehend; das Stehendprogramm gilt als das schwerste. Straub brachte laut Deutschem Schützenbund in allen drei Stellungen zusammen 595 Ringe auf die Scheibe und lag damit einen Ring unter der internationalen Bestmarke. Ihr Kommentar dazu fiel trocken aus: Wenn es laufe, solle man es nicht aufhalten.

Bemerkenswert ist weniger die Qualifikation als das, was danach kam. Im Finale traf sie auf Europameisterin und Weltrekordhalterin Nele Stark sowie auf Anna Janßen, die 2026 den Weltcup in Granada gewonnen hat. Straub führte nach dem Kniendanschlag mit 2,1 Ringen, nach zehn Liegendschüssen bereits mit 3,5 – und schloss mit 360,2 Ringen ab. Die Vize-Weltmeisterin von 2018 verteidigte damit ihren Vorjahrestitel gegen ein Feld, das komplett aus dem aktiven Kaderbetrieb kommt.

Blick in die Kleinkaliber-Gewehrhalle der Olympia-Schießanlage Garching-Hochbrück
Die Kleinkaliber-Gewehrhalle in Garching-Hochbrück: Hier fällt die Qualifikation im Dreistellungskampf, entschieden wird der Titel anschließend in der Finalhalle. Foto: Reinhard Fraunholz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Warum 16 Ringe Vorsprung im Finale nichts wert sind

Das Gegenbeispiel lieferten die Schnellfeuerpistolen-Junioren. Colin Hilk schoss in der Qualifikation 580 Ringe und hatte damit mindestens 16 Ringe Vorsprung auf die gesamte Konkurrenz. Im Finale wurde er Fünfter. Sein Vereinskollege Ben Spangenberg startete mit einer Null in die erste Serie – und gewann mit 23 Treffern den Titel.

Möglich ist das, weil der Finalmodus die Qualifikation vollständig zurücksetzt: Wer sich unter die besten acht schießt, beginnt bei null. In der Schnellfeuerpistole zählen im Finale außerdem keine Ringe mehr, sondern Treffer – jeder Schuss ab 9,7 Ringen gilt als ein Hit, alles darunter als Fehlschuss. Ein Vorsprung aus dem Vorkampf lässt sich in diese Wertung nicht mitnehmen.

Wie eng das wird, zeigte auch das Männerfinale derselben Disziplin. Titelverteidiger Oliver Geis führte lange souverän, ehe Aaron Sauter mit zwei perfekten Fünfer-Serien bis auf einen Treffer herankam. In der Schlussserie brachte Geis nur noch zwei Treffer zustande. Er selbst führte das auf den Publikumsdruck in der voll besetzten Finalhalle zurück – die Zuschauer klatschten mit, und er habe kurz die Kontrolle verloren.

Innenansicht der Finalhalle auf der Olympia-Schießanlage Garching-Hochbrück
Die Finalhalle in Garching-Hochbrück: Seit 2026 werden hier auch Sport- und Schnellfeuerpistole entschieden – vor Publikum statt in der abgeschirmten Pistolenhalle. Foto: Reinhard Fraunholz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ein Münchner Verein und ein hessisches Podest

Auffällig ist, wie stark sich die Medaillen auf wenige Adressen konzentrieren. Im Luftgewehr der Männer belegten mit Maximilian Ulbrich, Maximilian Dallinger und David Koenders drei Schützen der Kgl. Priv. FSG Der Bund Allach das komplette Treppchen. Derselbe Verein stellte im Dreistellungskampf der Frauen Gold und Bronze.

In der Schnellfeuerpistole der Männer gingen die Plätze eins, drei, vier und fünf an hessische Vereine – neben Geis unter anderem an den Olympia-Vierten Florian Peter und an Rio-Olympiasieger Christian Reitz. Solche Häufungen sind kein Zufallsprodukt, sondern folgen den wenigen Standorten in Deutschland, an denen Trainingsgruppen, Trainer und geeignete Stände auf Bundesniveau zusammenkommen.

Die WM-Qualifikation liegt den Schützen noch in den Knochen

Auf die Formkurve wirkt in diesem Jahr ein Terminproblem. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Doha, die vom 1. bis 14. November stattfindet, lag unmittelbar vor der DM. Mehreren Aktiven war das anzumerken: Anna Janßen sprach davon, dass nach der WM-Qualifikation bei allen ein wenig die Luft raus gewesen sei und die DM eher als Startschuss für den Saisonendspurt tauge. Maximilian Ulbrich holte seinen dritten Titel in Folge nach eigener Aussage aus einer Formkrise heraus.

Genau dieses Umfeld erklärt, warum eine Schützin ohne Kaderverpflichtungen ein Kaderfeld schlagen kann. Straub selbst nennt als Vorbereitung, sie habe siebenmal pro Woche mental trainiert – ein Trainingsanteil, der sich neben einem Vollzeitberuf organisieren lässt, während Wettkampfreisen es nicht tun.

Was diese Ergebnisse aussagen – und was nicht

Ein DM-Ergebnis misst eine Tagesleistung unter Wettkampfbedingungen, keine Saisonform. Qualifikations- und Finalergebnisse sind zudem nicht vergleichbar: Die Qualifikation wird in Ringen über die volle Schusszahl gewertet, das Finale in einer eigenen, verkürzten Wertung. Rekorde gelten erst als offiziell, wenn der Verband sie anerkannt hat; die Meisterschaft in Garching-Hochbrück läuft noch bis zum 30. August, weitere Entscheidungen stehen aus.

Was Schützen daraus für den eigenen Wettkampf mitnehmen

  • Finaltraining getrennt vom Vorkampf planen: Der Modus setzt zurück, die Qualifikation ist nur die Eintrittskarte.

  • In Trefferdisziplinen die Hit-Grenze bewusst trainieren – nicht die schönste Serie zählt, sondern die Zahl der Treffer.

  • Geräuschkulisse simulieren: Wer nur auf stillen Ständen übt, trifft im Finale auf eine Situation, die er nie geschossen hat.

  • Nach einer Nullserie weiterrechnen statt abzuhaken – Spangenbergs Titel zeigt, wie viel nach einem Fehlstart noch möglich ist.

Pistolenhalle auf der Olympia-Schießanlage Garching-Hochbrück mit Schießbahnen
Die Pistolenhalle der Anlage in Garching-Hochbrück nimmt ab Wochenmitte die Großkaliber-Entscheidungen auf. Foto: Reinhard Fraunholz / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Offen bleibt, ob Straubs 595 Ringe formal als deutscher Rekord bestätigt werden und ob sie bei den verbleibenden Wettkampftagen erneut antritt. Eine Stellungnahme zur Anerkennung liegt bislang nicht vor.

Wie die Meisterschaft organisatorisch aufgebaut ist, steht in unserem Überblick zu Zeitplan und Anreise in Hochbrück. Wer der Schnellfeuerpistole folgt, findet die Vorgeschichte in der WM-Qualifikation von Suhl und in der aktuellen WM-Nominierung. Alle weiteren Meldungen sammeln wir in der Rubrik Sportschießen.

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Quelle

Ergebnisse, Zitate und Zahlen: Deutscher Schützenbund, Wettkampfberichte zur Deutschen Meisterschaft Sportschießen 2026 in Garching-Hochbrück vom 23. und 24. August 2026 – dsb.de. Termin der Weltmeisterschaft in Doha nach Angaben desselben Verbands.

Bilder: Reinhard Fraunholz / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0.

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