Der Bayerische Jagdverband erlebt einen Neustart: Rund 100 Tage nach der überraschenden Wahl von Hubert Stärker zum Präsidenten hat der größte Jägerverband des Freistaats seinen Kurs abgesteckt. Für Bayerns rund 50.000 organisierte Jägerinnen und Jäger – und für alle, die auf den Jagdschein hinarbeiten – geht es dabei um mehr als Personalfragen: Es geht um die Rückkehr in den Deutschen Jagdverband und um ein neues bayerisches Jagdgesetz, das Wolf und Bockjagd neu regelt.
Kurz gesagt
Hubert Stärker führt den Bayerischen Jagdverband (BJV) seit dem Landesjägertag Ende April 2026. Die Weichen, die er jetzt stellt, betreffen die Jagdpraxis in Bayern unmittelbar – vom Wolf bis zur Jagdzeit auf den Rehbock.
Was ist passiert?
Beim Landesjägertag in Straubing setzte sich Herausforderer Hubert Stärker mit knapp 52 Prozent der Stimmen gegen den bisherigen Amtsinhaber Ernst Weidenbusch durch. Das berichtete die Bayerische Staatszeitung unter Berufung auf eine dpa-Meldung. Der frühere CSU-Landtagsabgeordnete Weidenbusch hatte den Verband seit Dezember 2020 geführt – die Wahl galt als offen, der Ausgang überraschte viele Beobachter.
Rund 100 Tage später steht fest, in welche Richtung es gehen soll. Stärker stammt aus Augsburg; die Jagdtradition seiner Familie reicht nach eigenen Angaben rund 130 Jahre zurück. Der verheiratete Vater von drei Kindern führt als Diplom-Kaufmann einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb mit Teichwirtschaft und beschreibt sich als seit Kindheit begeisterten Jäger und Fischer. Nach seiner Wahl versprach er den Mitgliedern, ihr Vertrauen nicht zu enttäuschen und die anstehenden Themen gemeinsam anzupacken.
Der Verband in Zahlen
| Kennzahl | Stand |
| Jagdscheininhaber in Bayern | mehr als 80.000 |
| Im BJV organisierte Mitglieder | rund 50.000 |
| Wahlergebnis Stärker (Präsident) | knapp 52 Prozent |
| 1. Vizepräsident (v. Gemmingen-Hornberg) | rund 80 Prozent |
| Nicht mehr im DJV seit | 2009 |
Neben Stärker wählten die Delegierten auch das übrige Präsidium: Der 1. Vizepräsident Eberhard Freiherr von Gemmingen-Hornberg erhielt mit rund 80 Prozent besonders starken Rückhalt, der 2. Vizepräsident Sebastian Ziegler und der 3. Vizepräsident Thomas Bär kamen auf knapp 59 beziehungsweise 54 Prozent.
Die zwei großen Baustellen
Zwei Themen prägen Stärkers Start – und beide sind für die Jagdpraxis wichtiger als jede Personaldebatte.
Rückkehr in den Deutschen Jagdverband. Der BJV ist seit 2009 als einziger der 16 Landesverbände nicht mehr Teil des Deutschen Jagdverbandes (DJV). Stärker hatte vor der Wahl angekündigt, im Fall seines Erfolgs Gespräche mit dem DJV führen zu wollen; eine abschließende Bewertung zu einer möglichen Wiederangliederung stellte er zunächst zurück. Eine Rückkehr würde Bayerns Jäger auf Bundesebene wieder mit einer Stimme vertreten – etwa bei den laufenden Debatten um das Bundesjagdgesetz.
Das neue bayerische Jagdgesetz. Bereits am 19. März 2026 hatte der Bayerische Landtag ein neues Jagdgesetz beschlossen, das auf den „Waldpakt 2023" der Staatsregierung zurückgeht. Es bringt laut Bayerischer Staatsregierung drei zentrale Änderungen: mehr Eigenverantwortung der Grundbesitzer bei der Rehwildbejagung, mehr rechtliche Klarheit bei der Wildtierrettung – und eine frühere Jagdzeit. Die Bockjagd auf Rehböcke und Schmalrehe beginnt in Bayern künftig zwei Wochen früher, nämlich am 16. April statt am 1. Mai. Zudem wird der Wolf ins bayerische Jagdrecht aufgenommen. Forstministerin Michaela Kaniber begründete die frühere Jagdzeit mit den veränderten Vegetations- und Klimabedingungen und mit mehr Spielraum für die Reviere.
Was bedeutet das für Jäger?
Für die Praxis zählt vor allem das neue Jagdgesetz. Die vorgezogene Bockjagd ab dem 16. April gibt bayerischen Revierinhabern mehr Spielraum bei der Rehwildbejagung – gerade dort, wo junge Wälder vor Verbiss geschützt werden müssen. Beim Wolf schafft die Aufnahme ins Jagdrecht zunächst vor allem einen rechtlichen Rahmen; ob und wann eine Entnahme möglich wird, hängt weiter von der Regelung auf Bundesebene ab.
Konkret jetzt beachten
Jagdrecht ist Landesrecht: Was in Bayern gilt, kann im Nachbarland anders sein. Wer die Prüfung macht, lernt die Regeln seines Bundeslandes.
Neue Jagdzeit merken: In Bayern beginnt die Bockjagd künftig am 16. April – zwei Wochen früher als bisher.
Wolf im Jagdrecht heißt nicht automatisch „bejagbar": Aufnahme ins Jagdrecht und eine geltende Jagdzeit sind zwei verschiedene Dinge.
Verbandspolitik verfolgen: Ob Bayern in den DJV zurückkehrt, entscheidet mit, wie stark Jäger bundesweit vertreten sind.
Hintergrund: ein lange zerstrittener Verband
Dass der Neustart überhaupt nötig war, hat eine Vorgeschichte. Im Bayerischen Jagdverband schwelen seit Jahren Machtkämpfe, die teils bis in regionale und lokale Strukturen reichen. So wurden unter anderem die Kreisgruppen Bad Kissingen und Neuburg an der Donau aus dem Verband ausgeschlossen, weil sie ihre Satzungen so geändert hatten, dass diese nicht mehr mit dem Landesverband übereinstimmten.
Der BJV
Mit rund 50.000 Mitgliedern der mit Abstand größte Jägerverband Bayerns – und der einzige Landesverband, der seit 2009 nicht mehr im DJV organisiert ist.
Der ÖJV
Der deutlich kleinere Ökologische Jagdverband agiert eher nach der Devise „Wald vor Wild" und setzt bei der Bejagung stärker auf den Schutz junger Wälder.
Auch die Forstministerin knüpft Erwartungen an den neuen Präsidenten: Für den zukunftssicheren Umbau der Wälder sei eine enge Zusammenarbeit mit der Jägerschaft nötig, teilte Kaniber mit – die Jäger seien „ein zentraler Pfeiler" beim Waldumbau, beim Schutz junger Bäume und bei der Hege des Wildes.
Häufige Fragen
Wer ist der neue Präsident des Bayerischen Jagdverbands?
Hubert Stärker aus Augsburg. Er wurde Ende April 2026 beim Landesjägertag in Straubing mit knapp 52 Prozent gewählt und löste Ernst Weidenbusch ab, der den Verband seit Dezember 2020 geführt hatte.
Ab wann darf man in Bayern auf den Rehbock?
Nach dem neuen bayerischen Jagdgesetz beginnt die Jagdzeit für Rehböcke und Schmalrehe zwei Wochen früher als bisher, nämlich am 16. April. Damit reagiert der Freistaat nach eigenen Angaben auf veränderte Vegetations- und Klimabedingungen.
Ist der Wolf in Bayern jetzt jagdbar?
Nicht automatisch. Der Wolf ist zwar ins bayerische Jagdrecht aufgenommen worden, eine konkrete Bejagung hängt aber weiter von der Regelung im Bundesjagdgesetz ab, an der Bund und Länder derzeit arbeiten.
Jagdrecht, Jagdzeiten und die Frage, welche Art wann bejagbar ist, sind Dauerbrenner in der Jägerprüfung – und von Bundesland zu Bundesland verschieden. Mit der Jagdkompass-App übst du genau diese Fragen, abgestimmt auf dein Bundesland: mehr dazu auf unserer Jagdschein-Seite und in der Kategorie Nachrichten. Wie schnell Jagdzeiten und geschützte Arten zum Streitfall werden, zeigen auch unsere Beiträge zur Jagdzeitenverordnung in Thüringen, zur Blattzeit und Bockjagd und zum Rekord bei den Jungjägern.
Quelle
Wahl und Personalien: Bayerische Staatszeitung (dpa) vom 26. April 2026. Zum neuen Jagdgesetz: Pressemitteilung „Landtag beschließt neues Jagdgesetz für Bayern" der Bayerischen Staatsregierung vom 19. März 2026.