Die Blattzeit 2027 liegt wieder zwischen Mitte Juli und Mitte August – das ist die Rehbrunft, und in ihr steht die einzige Lockjagd des Jahres auf den Rehbock. Nach diesem Artikel wissen Sie, in welchem Fenster Sie ansitzen, zu welcher Tageszeit der Bock am ehesten zusteht, in welcher Reihenfolge Sie die Laute setzen und welche Fehler ihn vergrämen, bevor Sie ihn überhaupt sehen.
Stand: September 2026. Rechtsstand: September 2026, Fundstellen geprüft am 16.09.2026.
| Phase der Blattzeit | Zeitraum (Flachland) | Was im Revier passiert | Jagdrechtlich |
| Brunftbeginn | ab etwa 20. Juli | Erste Ricken werden brunftig, Böcke treiben und markieren | Bock frei |
| Höhepunkt | Ende Juli bis Mitte August | Die meisten Ricken werden beschlagen | Bock frei |
| Beste Blattzeit | etwa 25. Juli bis 15. August | Böcke finden kaum noch brunftige Stücke und suchen | Bock frei |
| Brunftende | ab Mitte August | Das Blatten verliert schnell an Wirkung | Bock bis 15. Oktober frei |
Die vier Begriffe, die Sie dafür brauchen
Die Ricke ist das weibliche Reh, der Bock das männliche, das Kitz das Jungtier. Beschlagen heißt: erfolgreich begattet. Blatten ist die Lockjagd, bei der der Jäger den Fiepton von Ricke oder Kitz nachahmt – früher mit einem Buchenblatt zwischen den Daumen, heute meist mit einem Blatter, einem kleinen Instrument mit Metallzunge.
Brunftzeit der Rehe: 60 bis 64 Tage nach dem Setzen
Die Rehbrunft ist kein fester Kalendertermin, sondern hängt daran, wann die Ricken gesetzt haben. Der Landesjagdverband Baden-Württemberg nennt die Spanne genau: Die Geißen werden etwa 60 bis 64 Tage nach dem Setzen wieder brunftig. Wer im eigenen Revier weiß, wann die ersten Kitze standen, kann daraus den Brunftbeginn abschätzen – und liegt damit näher an der Wirklichkeit als jede Faustregel aus dem Kalender.
Wie weit die Brunft im einzelnen Revier vom Kalender abweicht, lässt sich vorab nicht sicher sagen – die Setzzeit schwankt mit Witterung und Äsungsangebot. Die Böcke reiben in dieser Zeit Gehörn und Stirnlocke an dünnen Bäumchen, verteidigen ihr Territorium und treiben die brunftige Ricke oft lange. Trifft ein Nachbarbock auf den Platzbock, endet das regelmäßig in einem kurzen Kräftemessen.
Richtig blatten: erst der Standort, dann die Uhrzeit, dann der Ton
Der Standort ist die halbe Miete. Gut sind Flächen, die der Bock nicht einsehen kann – hohe Wiesen, stehendes Getreide, deckungsreiche Ränder. Der Bock muss den Rufer suchen, nicht prüfen. Und er kommt eher vom Boden aus: Rehwild äugt selten nach oben, weshalb der Ansitz am Boden dem Hochsitz vorzuziehen ist. Aus dem Dunklen ins Helle lässt sich ein Bock dagegen nur ungern locken; der Stand gehört also dorthin, wo das Licht nicht gegen Sie arbeitet.
Die Uhrzeit wird unterschätzt. Blatten funktioniert den ganzen Tag, doch besonders erfolgversprechend sind die Mittagsstunden: Im Hochsommer nutzt das Rehwild nachts die kühlsten Stunden und kehrt mittags in den normalen Äsungsrhythmus zurück. Bei Vollmond lohnt die Morgendämmerung selten, weil die Stücke die Nacht durchgeäst haben.
Die Rufreihenfolge geht von leise nach laut. Zuerst der helle Kitzfiep, dann das Fiepen der Geiß, danach das Locken – ein längerer, schmelzend abfallender Ton. Sprengruf und Geschrei sind die letzte Stufe und kein Standardmittel: Der Kitzangstschrei wirkt zwar, wird von erfahrenen Blattjägern aber bewusst zurückgehalten. Zwischen den Rufen stehen Pausen, in denen Sie nichts tun außer aufmerksam sein. Wer will, imitiert mit Hand, Fuß oder Stock zusätzlich Schrecken, Plätzen oder Fegen.
Fünf Fehler, die den Bock kosten
Dauerkonzert statt Pausen. Wenige glaubwürdige Laute wirken, ein Rufteppich vergrämt gerade die alten Böcke.
Vom Hochsitz blatten. Der Bock sucht auf Augenhöhe und äugt selten nach oben.
Gegen den Wind arbeiten. Rehwild windet den Jäger, bevor es ihn hört.
Zu früh beginnen. In der ersten Brunfthälfte steht der Bock bei einer brunftigen Ricke und reagiert nicht.
Aus dem Dunklen ins Helle locken. Diesen Weg tritt der Bock ungern an.
Die Eiruhe: warum die Kitze trotzdem erst im Mai kommen
Gepaart wird im Hochsommer, gesetzt wird im Frühjahr – dazwischen liegt ein Mechanismus, den unter dem heimischen Schalenwild nur das Reh hat. Nach dem Beschlagen nistet sich die Eizelle zwar ein, entwickelt sich aber zunächst nicht weiter. Das Wildtierportal des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus beziffert diese Keimruhe auf etwa vier Monate; sie endet zum Jahreswechsel, dann erst beginnt die eigentliche Embryonalentwicklung. Gesetzt wird im Mai oder Juni, in der Regel zwei Kitze.
Der Sinn ist ein energetischer: Paarungs- und Setzzeit liegen beide in der günstigen Jahreszeit, und die Ricke trägt die teure Entwicklung nicht durch den Winter.
Das fragt die Prüfung
„Wann geht die Keimruhe (Eiruhe) beim Rehwild zu Ende?" – Antwort: um den Jahreswechsel, danach läuft die eigentliche Trächtigkeit bis zur Setzzeit im Mai/Juni. Merksatz: Brunft im Hochsommer, Entwicklungsstart zu Neujahr, Kitze im Mai. Das Reh ist unser einziges heimisches Schalenwild mit verzögerter Keimruhe.
Jagdzeit auf den Rehbock: der Bund setzt den Rahmen, das Land entscheidet
Die Blattzeit fällt in jedem Bundesland in die offene Bockjagdzeit – nur beginnt und endet die unterschiedlich. Bundesrechtlich ist der Rehbock nach § 1 der Verordnung über die Jagdzeiten (JagdzeitV, Fassung vom 25. April 2002) vom 1. Mai bis zum 15. Oktober jagdbar; Grundlage ist § 22 Abs. 1 des Bundesjagdgesetzes, der den Ländern zugleich erlaubt, davon abzuweichen. Die meisten tun das. In Bayern etwa läuft die Bockjagd nach § 19 der Ausführungsverordnung zum Bayerischen Jagdgesetz (AVBayJG, Stand Juni 2026) vom 16. April bis 15. Oktober.
Maßgeblich ist immer die Verordnung des eigenen Landes, nicht die Bundesfassung. Die Termine aller 16 Länder mit ihren Fundstellen stehen in der Übersicht zu den Jagdzeiten und Schonzeiten 2027.
Die drei Sätze für den Ansitz
Rechnen Sie den Brunftbeginn aus der Setzzeit Ihres Reviers, nicht aus dem Kalender.
Wählen Sie den Stand am Boden an einer Fläche, die der Bock nicht einsehen kann.
Rufen Sie von leise nach laut, mit langen Pausen – und hören Sie auf, bevor es zu viel wird.
Häufige Fragen zur Blattzeit
Wann ist die Blattzeit in Mittelgebirge und Alpen?
Später als im Flachland. Weil dort im Schnitt später gesetzt wird und die Brunft 60 bis 64 Tage danach einsetzt, verschiebt sich das nutzbare Fenster um ein bis zwei Wochen nach hinten. Dieselbe Verschiebung gilt Richtung Osten.
Wann darf ich in der Blattzeit eine Ricke erlegen?
In der Blattzeit gar nicht: Ricken sind bundesrechtlich erst ab dem 1. September jagdbar, Kitze ebenfalls. Wer während der Brunft schießt, spricht deshalb ausschließlich Böcke an – und muss sie vor dem Schuss sicher ansprechen können.
Wann sollte ich das Blatten an einem Stand abbrechen?
Sobald der Wind dreht – dann ist der Stand für diesen Tag verbrannt. Auch mehrere Rufserien ohne Reaktion sind ein Abbruchgrund: Ein Stand erholt sich, ein Bock, der den Jäger hinter dem Ruf gewindet hat, kommt dort so schnell nicht wieder.
Für die Jägerprüfung üben: Brunftzeiten, Eiruhe und Jagdzeiten sind Standardstoff im Sachgebiet Wildkunde. In der Jagdkompass App lernen Sie den Fragenkatalog Ihres eigenen Bundeslandes, sehen Ihre Fehlerquote je Fach und können den Prüfungsmodus unter Zeitdruck proben. Das Gegenstück zur Rehbrunft im Herbst ist die Hirschbrunft beim Rotwild; weitere Beiträge stehen in der Pflanzen-, Wild- und Jagdkunde.
Quellen
Brunftzeitraum und Blatten als Lockjagd: Deutscher Jagdverband. Brunftbeginn 60–64 Tage nach dem Setzen, Tageszeit, Standortwahl und Rufreihenfolge: Landesjagdverband Baden-Württemberg. Keimruhe, Setzzeit und Kitzzahl: Wildtierportal Bayern des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus. Jagdzeiten: § 1 Verordnung über die Jagdzeiten (Bundesministerium der Justiz) und Jagdzeiten in Bayern (Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, oberste Jagdbehörde).