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Blattzeit: Wann die Rehbrunft läuft und wie das Blatten auf den Rehbock funktioniert

Von Mitte Juli bis Mitte August ist Blattzeit. Wann die Rehbrunft ihren Höhepunkt hat, wie das Blatten funktioniert und warum die Eiruhe ein Prüfungsklassiker ist.

LMLorena de Marco28. Juli 2026Blattzeit, Rehwild, Rehbock
Blattzeit: Wann die Rehbrunft läuft und wie das Blatten auf den Rehbock funktioniert

Mitten im Hochsommer beginnt für das Rehwild die aufregendste Zeit des Jahres: die Blattzeit. Von Mitte Juli bis Mitte August läuft die Rehbrunft, und mit ihr die klassische Lockjagd auf den Rehbock. Wer jetzt „blattet", ahmt den Fiepton der Ricke nach und lockt den brunftigen Bock in Schussdistanz. Für Jäger und Jagdschein-Anwärter steckt in der Blattzeit gleich doppelt Prüfungsstoff: eine spannende Jagdmethode und einer der genialsten Tricks der heimischen Wildbiologie.

Kurz gefasst

Blattzeit ist die Paarungszeit des Rehwilds. „Blatten" bezeichnet die Lockjagd, bei der der Fiepton von Ricke oder Kitz nachgeahmt wird. Die eigentliche, erfolgreichste Blattzeit liegt gegen Ende der Brunft – wenn die meisten Ricken bereits beschlagen sind.

Wann ist die Blattzeit?

Nach Angaben des Deutschen Jagdverbands (DJV) hat das Rehwild von Mitte Juli bis Anfang August Paarungszeit – Jäger nennen sie Brunft oder Blattzeit. Grob umfasst die Rehbrunft die Spanne von Mitte Juli bis Mitte August, im Flachland etwa vom 20. Juli bis zum 15. August. In höheren Lagen und weiter im Osten verschiebt sie sich nach hinten.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der gesamten Brunft und der eigentlichen Blattzeit. Die produktivste Phase für das Blatten beginnt erst gegen Ende der Brunft, wenn der Großteil der Ricken und Schmalrehe bereits beschlagen ist. Dann finden die Böcke kaum noch brunftige Stücke – und stehen umso schneller einem lockenden Jäger zu.

PhaseZeitraum (Flachland)Was passiert
Brunftbeginnab ca. 20. JuliErste Ricken werden brunftig, Böcke treiben
HöhepunktEnde Juli bis Mitte AugustDie meisten Ricken werden beschlagen
Erfolgreichste Blattzeitca. 25. Juli – 15. AugustBöcke springen am besten aufs Blatt
Reh steht wachsam im hohen Sommergras
Eine Ricke im hohen Sommergras. Ihren Fiepton ahmt der Jäger beim Blatten nach, um den Bock anzulocken. Foto: Ralf Hüsges / Wikimedia Commons (CC BY 2.0).

Was bedeutet „Blatten"?

Der Name geht auf die traditionelle Methode zurück: Ursprünglich wurden die Fieplaute des weiblichen Rehs oder des Kitzes erzeugt, indem man ein frisches Laubblatt, einen Grashalm oder eine Lamelle Birkenrinde zwischen die Daumen zu den Lippen führte und anblies. Daher der Begriff.

Heute nutzen die meisten Jäger sogenannte Blatter – kleine Instrumente mit einer Metallzunge, ähnlich einer Mundharmonika. Der DJV beschreibt das Blatten als erfolgreiche Form der Lockjagd: Der Jäger ahmt mit einem Buchenblatt oder einem Blatter den Fiepton der Ricke nach und lockt so den Bock heran. Entscheidend sind Ansitzdisziplin, Wind und das richtige Maß – zu viel und zu lautes Blatten verprellt erfahrene Böcke eher, als dass es sie anlockt.

Der biologische Trick: die Eiruhe

Hier wird es prüfungsrelevant. Obwohl die Rehe sich schon im Juli und August paaren, kommen die Kitze erst im Mai oder Juni des Folgejahres zur Welt. Möglich macht das ein bei heimischem Schalenwild einzigartiges Phänomen: die Eiruhe (auch Keimruhe genannt).

Eiruhe verständlich erklärt

Nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle zwar in der Gebärmutter ein, entwickelt sich aber zunächst nicht weiter. Erst nach rund viereinhalb Monaten Keimruhe startet die eigentliche embryonale Entwicklung. So ergibt sich eine Gesamttragzeit von etwa neuneinhalb Monaten – und die Kitze werden in der günstigen, warmen Jahreszeit gesetzt.

Das Reh ist damit unser einziges heimisches Schalenwild mit verzögerter Keimruhe – ein beliebtes Detail in der Jägerprüfung. Merke: Brunft im Hochsommer, Setzzeit im Frühjahr, dazwischen die Eiruhe.

Rehkitz mit weißen Tupfen liegt geduckt im Gras
Trotz Brunft im Hochsommer werden Rehkitze erst im Mai/Juni geboren – dank der Eiruhe. Foto: Kristian Pikner / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Was bedeutet das für Jäger?

Die Blattzeit ist eine der spannendsten, aber auch anspruchsvollsten Jagdmethoden. Sie verlangt genaues Ansprechen: Der Bock muss sauber angesprochen werden, bevor der Finger krumm wird. In den meisten Bundesländern ist der Rehbock vom 1. Mai bis 15. Oktober jagdbar – die Blattzeit fällt also mitten in die offene Jagdzeit. Die konkreten Jagd- und Schonzeiten regeln aber die Länder; ein Blick in die Landesverordnung ist Pflicht.

Konkret für die Blattjagd

  • Nur bei gutem Wind ansitzen – das feine Rehwild windet den Jäger sofort.

  • Sparsam blatten: lieber wenige, glaubwürdige Fieptöne als ein Dauerkonzert.

  • Ein gutes Fernglas ist Pflicht, um Bock und Alter sicher anzusprechen.

  • Gegen Ende der Brunft (Anfang bis Mitte August) sind die Chancen am größten.

  • Immer die aktuelle Jagdzeit des eigenen Bundeslandes prüfen.

Warum springen die Böcke gegen Ende besser?

Der Mechanismus ist einfach: Solange viele Ricken brunftig sind, steht der Bock ohnehin bei einem heißen Stück und lässt sich kaum ablenken. Je mehr Ricken beschlagen sind, desto knapper wird das Angebot – und desto eher reagiert ein suchender Bock auf den nachgeahmten Fiepton. Deshalb gilt die Faustregel: Je näher am Brunftende, desto besser das Blatten.

Häufige Fragen

Wann ist die beste Blattzeit?

Die erfolgreichste Phase liegt in vielen Revieren zwischen Ende Juli und Mitte August, wenn ein Großteil der Ricken schon beschlagen ist. In Bergregionen und weiter östlich verschiebt sich das Zeitfenster nach hinten.

Warum kommen die Kitze erst im Frühjahr, obwohl die Brunft im Sommer ist?

Wegen der Eiruhe: Die befruchtete Eizelle ruht rund viereinhalb Monate, bevor die Entwicklung startet. So werden die Kitze erst im Mai/Juni gesetzt.

Ist „Blattzeit" dasselbe wie „Rehbrunft"?

Nicht ganz. Die Rehbrunft ist die gesamte Paarungszeit; die Blattzeit ist die Phase daraus, in der die Böcke am besten aufs Blatt zustehen.

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Quelle

Fachliche Grundlage zu Brunftzeit, Blatten und Wildbiologie des Rehwilds: Deutscher Jagdverband (DJV). Zum DJV-Beitrag „Rehe im Liebesrausch"

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