Bei den Ostsee-Fangmengen 2027 bleibt für Angler alles, wie es ist: Pro Person und Tag darf weiterhin ein Besatzlachs mit abgeschnittener Fettflosse entnommen werden. Die EU-Fischereiminister haben sich am 26. Oktober in Luxemburg gegen den Vorschlag der Kommission gestellt, die Freizeitfischerei auf Lachs vor der deutschen Küste ab 2027 ganz zu verbieten. Der Dorsch bleibt dagegen gesperrt.
Die Kommission hatte im August vorgeschlagen, das Lachsangeln südlich der Ålandsee vollständig zu streichen. Damit wäre auch das Trolling vor Rügen betroffen gewesen. Wie der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) zusammenfasst, ist der Rat diesem Vorschlag nicht gefolgt und hat auch die übrigen Kürzungsvorschläge für die deutschen Kernbestände nicht übernommen.
Vorschlag gegen Einigung: die Zahlen für 2027
| Bestand | 2026 | Vorschlag Kommission | Einigung Rat 2027 |
| Lachs Hauptbecken (Unterdivisionen 22–31) | 25.537 Stück | 25.537 Stück, nur Beifang | 25.537 Stück, nur Beifang |
| Lachs, Freizeitfischerei | 1 Besatzlachs pro Tag | vollständiges Verbot | 1 Besatzlachs pro Tag |
| Dorsch westliche Ostsee (22–24) | 266 t, nur Beifang | 31 t, nur Beifang | 266 t, nur Beifang |
| Dorsch östliche Ostsee (25–32) | 430 t, nur Beifang | 211 t, nur Beifang | 430 t, nur Beifang |
| Hering westliche Ostsee (22–24) | 788 t | 437 t, nur Beifang | 788 t, Ausnahme für Kleinfischerei bleibt |
| Hering zentrale Ostsee | – | 143.860 t | 165.228 t (+71 %) |
| Sprotte | – | – | 291.590 t (+44 %) |
Rechtsstand: politische Einigung des Rates vom 26. Oktober 2026, geprüft am 1. November 2026. Die förmliche Annahme der Verordnung steht noch aus.
Die Unterdivisionen sind die Fanggebiete, in die der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) die Ostsee einteilt. Das deutsche Küstenmeer liegt vollständig in den Unterdivisionen 22 bis 24, der westlichen Ostsee.
Was ab 1. Januar 2027 beim Lachsangeln gilt
Rechtlich bleibt die Freizeitfischerei auf Lachs in den Unterdivisionen 22 bis 31 grundsätzlich verboten. Erlaubt ist sie nur über eine Ausnahme, die an vier Bedingungen hängt:
höchstens ein Lachs mit abgeschnittener Fettflosse pro Angler und Tag,
nach dem ersten entnommenen Besatzlachs ist für den Rest des Tages Schluss mit dem Lachsangeln,
alle entnommenen Fische, egal welcher Art, werden im Ganzen angelandet,
jeder Lachs, der nicht entnommen werden darf, geht sofort zurück ins Wasser.
Die Mitgliedstaaten dürfen strengere Regeln erlassen. An der deutschen Küste gelten zusätzlich die Fischereivorschriften der Länder.
Woran Angler den Besatzlachs erkennen
Ein Besatzlachs wächst in einer Zuchtanlage auf und wird als Jungfisch in die Flüsse ausgesetzt. Vorher wird ihm die Fettflosse abgeschnitten. Diese kleine, weiche Flosse ohne Flossenstrahlen sitzt auf dem Rücken zwischen Rücken- und Schwanzflosse. Fehlt sie, darf der Fisch entnommen werden. Ist sie vorhanden, handelt es sich um einen Wildlachs, auch wenn er groß und kräftig ist.
Um die Wildlachse geht es bei der ganzen Debatte. Einige Bestände im östlichen und südöstlichen Ostseeraum sind weiterhin in schlechtem Zustand. Der ICES empfiehlt für das Hauptbecken deshalb weiterhin null Fang und verweist auf die Sterblichkeit von Wildlachsen, die Angler zurücksetzen. Nach neuen Daten des Thünen-Instituts stammten vor Rügen 2024 und 2025 allerdings nur 1,9 Prozent der geangelten Lachse aus den bedrohten Wildbeständen der südlichen und mittleren Ostsee. Deutschland, Dänemark, Finnland, Litauen und Schweden wollen gemeinsam Regeln für das schonende Zurücksetzen entwickeln, unter anderem zu Hakengröße und Hakenform und zur Zeit, die der Fisch an der Luft verbringt.
Für die Trollingsaison 2027
Vor dem Abhaken auf die Fettflosse achten. Fehlt sie nicht, gehört der Lachs zurück ins Wasser.
Wildlachse möglichst im Wasser abhaken. Je kürzer die Zeit an der Luft, desto besser stehen die Überlebenschancen.
Nach dem ersten entnommenen Besatzlachs die Lachsmontagen einholen. Das gilt auch, wenn noch andere an Bord fangen dürfen.
Den entnommenen Fisch im Ganzen an Land bringen, nicht schon auf See filetieren.
Vor der Ausfahrt prüfen, welche Vorschriften das Land vorgibt, in dem der Hafen liegt.
Warum der Dorsch für Angler gesperrt bleibt
Beim Dorsch bleibt es in der westlichen und der östlichen Ostsee bei Beifangquoten. Gezielt befischen darf ihn niemand, auch nicht mit der Angel. Dass der Rat die Beifangmengen nicht auf die von der Kommission vorgeschlagenen 31 und 211 Tonnen gekürzt hat, hilft vor allem den Berufsfischern: Ohne Dorsch-Beifangquote müssten sie die Plattfischfischerei einstellen, weil bei der Jagd auf Scholle immer wieder Dorsche ins Netz gehen. Bundesminister Alois Rainer (CSU) sprach von einer „Balance zwischen Schutz und Nutzung“.
Was bis Januar noch offen ist
Die Einigung vom 26. Oktober ist politisch. Förmlich annehmen will der Rat die Verordnung, sobald der Text in allen Amtssprachen vorliegt, voraussichtlich im November. Erst dann sind die Zahlen rechtsverbindlich. Sie gelten ab dem 1. Januar 2027. Ob Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein darüber hinaus eigene Einschränkungen beim Lachs planen, ist bisher nicht bekannt. Offen bleibt auch, wie lange die Ausnahme hält, denn an der ICES-Empfehlung von null Fang im Hauptbecken hat sich nichts geändert.
Wie die Kommission ihr Verbot im Sommer begründet hat, steht in unserem Beitrag Ostsee-Lachs 2027: Die Besatzlachs-Ausnahme soll fallen. Welche Regeln seit Oktober in der Kieler Förde für Dorsch, Meerforelle und Lachs gelten, erklärt der Artikel zum Fischsterben in der Kieler Förde. Wer den Kormoran als Faktor beim Jungdorsch verstehen will, liest die Kormoran-Studie zur Ostsee. Mehr Meldungen gibt es unter Angeln.
Quelle
Fangmengen, Kommissionsvorschlag, Ausnahmeregeln, Thünen-Daten und Zeitplan nach dem Deutschen Angelfischerverband (DAFV) (30. Oktober 2026). Das DAFV stützt sich auf die Pressemitteilung des Rates der EU und die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (beide vom 26. Oktober 2026). Das Zitat von Bundesminister Rainer und die Begründung der Dorsch-Beifangquoten stammen aus der Meldung der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Abgerufen am 1. November 2026.