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Rekord-Huchen aus dem Inn: 148 Zentimeter – doch an vier von fünf alten Vorkommen fehlt die Art

Ein toter Huchen-Rogner mit 148 Zentimetern und 35,73 Kilo ist am Inn bei Teufelsbruck angeschwemmt worden. Der Fund zeigt, was der Fluss kann – und wie selten die Art geworden ist.

LMLorena de MarcoHuchen, Donaulachs, Inn

Ein neunjähriger Jungfischer und sein Vater standen als Erste neben dem Fisch: 148 Zentimeter lang, 35,73 Kilogramm schwer, tot angeschwemmt am Inn bei Teufelsbruck. Der Huchen gilt als einer der größten, die in Bayern je gemessen wurden. Bemerkenswert ist er aber auch aus einem zweiten Grund: Ein solcher Rekordfisch wächst in einem Flusssystem heran, in dem die Art an vier von fünf ursprünglichen Vorkommen nicht mehr nachgewiesen wird.

Ein Rogner mit Eierstockentzündung

Gefunden haben den Fisch Leonhard Hanslmeier, neun Jahre alt, und sein Vater Thomas, Jugendwart beim Anglerbund ISARIA München. Der Verein bewirtschaftet einen Abschnitt des Inns zwischen Wasserburg und Mühldorf. Wie die Wasserburger Stimme am 16. Oktober berichtete, war das Tier ein Weibchen, ein Rogner. Bei der Obduktion zeigte sich eine Eierstockentzündung als Todesursache. Wann genau der Huchen angeschwemmt wurde, nennt die Meldung nicht.

Noch offen sind zwei Antworten, die der Fund eigentlich erst wertvoll macht. Der Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie der TU München übernimmt die genetische Analyse und die Altersbestimmung. Die Genetik kann zeigen, ob der Fisch zur ursprünglichen Inn-Linie gehört, auf deren Erhalt der Verein mit eigener Aufzucht achtet. Das Alter verrät, wie schnell ein Huchen in diesem Fluss auf fast eineinhalb Meter abwächst. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Der Fisch selbst liegt inzwischen beim Präparator Christian Hofinger im oberösterreichischen Ohlsdorf. Als Präparat soll er später öffentlich zu sehen sein.

Wie groß 148 Zentimeter beim Huchen wirklich sind

Ob es der größte Huchen der Welt ist, lässt sich nicht seriös beantworten, denn ein amtliches Rekordregister für Huchen gibt es nicht. Belastbar ist der Vergleich mit dokumentierten Zahlen:

VergleichswertLängeGewicht
Rekordhuchen vom Inn bei Teufelsbruck (2026)148 cm35,73 kg
Maximallänge der Art laut Landesfischereiverband Bayernrund 150 cm–
Bekannter Großhuchen aus dem Inn bei Rosenheim141 cm30,5 kg
Größenangabe der Bayerischen Staatsregierungüber 140 cmüber 30 kg
Schonmaß in Bayern90 cm–

Der Fund reicht also fast an die Maximallänge heran, die für die Art überhaupt angegeben wird. Dazu kommt das Gewicht: Fünf Kilo mehr als beim Rosenheimer Fisch bedeuten nicht nur einen längeren, sondern einen deutlich kräftigeren Körper. Ein Huchen erreicht so etwas nur, wenn er über viele Jahre genug Beute findet. Große Exemplare fressen Fische bis etwa 30 Zentimeter, darunter Forellen.

Huchen-Präparat im Infozentrum des Lech-Kraftwerks Roßhaupten: Auch der Rekordfisch vom Inn soll als Präparat ausgestellt werden. Foto: Bruno413 / Wikimedia Commons, CC0

Der Huchen ist ein Gradmesser für den ganzen Fluss

Der Huchen (Hucho hucho), auch Donaulachs genannt, ist der größte Lachsartige Europas, der dauerhaft im Süßwasser lebt. Anders als der Atlantische Lachs zieht er nicht ins Meer. Er kommt nur im Einzugsgebiet der Donau vor, in Deutschland also ausschließlich in Bayern: in der Donau selbst und in Nebenflüssen wie Isar, Inn und Schwarzem Regen.

Fachleute nennen ihn eine Schirmart. Gemeint ist eine Art, deren Ansprüche so hoch sind, dass mit ihr viele andere Arten geschützt werden, wenn man ihren Lebensraum erhält. Der Huchen braucht kaltes, sauerstoffreiches Wasser, tiefe Gumpen als Einstand und Rückzugsort, schlammfreie Kiesbänke zum Laichen und genug Futterfische. Zur Laichzeit zieht er häufig in Seitengewässer und legt seine Eier in flache Gruben im groben Kies. Wo ein Fluss das alles bietet, geht es meist auch Äsche, Nase und Barbe gut.

Ein Rekordfisch ist deshalb ein gutes Zeichen für den betroffenen Abschnitt. Für die Art in Bayern ist er noch kein Beleg einer Erholung.

Nachweis an 20 Prozent der ursprünglichen Vorkommen

Die Landesanstalt für Landwirtschaft hat den Huchen in ihrem Fischzustandsbericht 2024 als Indikatorart ausgewertet. Grundlage sind Elektrobefischungen aus dem Monitoring nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie:

Kennzahl Huchen in BayernWert
Untersuchte ursprüngliche Vorkommen142
Nachweis 2011–201736 Vorkommen (25 %)
Nachweis 2018–202329 Vorkommen (20 %)
Rote Liste Bayern (2021)Kategorie 2, stark gefährdet
Rote Liste Deutschland (2023)Kategorie 2, stark gefährdet
FFH-RichtlinieAnhang II und V

An vier von fünf Flussstrecken, in denen der Huchen früher heimisch war, fanden die Befischungen zuletzt keinen einzigen. Die Quote ist zwischen den beiden Zeiträumen weiter gesunken. Anhang II der FFH-Richtlinie bedeutet, dass für die Art Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen. Bei Arten aus Anhang V darf die Entnahme nur so geregelt sein, dass ein günstiger Erhaltungszustand gewahrt bleibt.

Als Ursachen nennt der Bericht Wanderbarrieren, fehlende Laichplätze, Jungfischhabitate und Wintereinstände, einen Mangel an Futterfischen und extreme Abflüsse infolge des Klimawandels. Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hat bei der Vorstellung des Huchens als Fisch des Jahres 2025 zusätzlich Prädatoren wie den Fischotter genannt. Wie groß der Anteil jeder einzelnen Ursache ist, beziffert keine der Quellen.

Wasserburg am Inn aus der Luft: Am Inn zwischen Wasserburg und Mühldorf meldet der Anglerbund ISARIA stabile Bestände großer Fische, auch Huchen. Foto: Carsten Steger / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Am Inn hilft Besatz nach

Wie stark der Huchen auf Hilfe angewiesen ist, steht ebenfalls im Fischzustandsbericht: Ohne bestandsstützende Maßnahmen wären vor allem beim Huchen deutlich weniger Fische und Fundorte zu verzeichnen. Der Anglerbund ISARIA betreibt deshalb eine eigene Zucht und achtet darauf, dass die eingesetzten Jungfische aus der ursprünglichen Inn-Genetik stammen. Er pflegt Kiesbänke und strukturiert das Gewässer. Mit der TU München laufen gemeinsame Forschungsprojekte.

Vereinschef Markus Huber sieht im Fund einen Erfolg dieser Zusammenarbeit, zu der auch die Nachbarvereine und der Kraftwerksbetreiber VERBUND Innkraftwerke gehören. Der Betreiber legt naturnahe Umgehungsgewässer an, die Fischen den Weg am Kraftwerk vorbei öffnen, und schafft neue Laichplätze und Jungfischhabitate. Ob der Rekordfisch selbst aus Besatz oder aus natürlicher Vermehrung stammt, ist bislang offen.

Schonmaß 90 Zentimeter: die Huchen-Regeln am Wasser

Huchen in Bayern: die Regeln am Wasser

  • Schonzeit: 15. Februar bis 30. Juni. Bayern hat sie Anfang 2023 verlängert.

  • Schonmaß: 90 Zentimeter. Kleinere Huchen kommen sofort und schonend zurück ins Wasser.

  • Geltungsbereich: Die Regel gilt im Einzugsgebiet der Donau. Nur dort lebt der Huchen.

  • Vor Ort nachfragen: Viele Fischereiberechtigte legen in ihren Erlaubnisscheinen strengere Regeln fest. Maßgeblich ist der Schein für den jeweiligen Abschnitt.

  • Tote Großfische melden: Wer einen verendeten Huchen findet, informiert den Fischereiberechtigten. Nur so lassen sich Todesursache, Alter und Herkunft untersuchen.

Schonzeiten und Schonmaße gehören zum Prüfungsstoff der staatlichen Fischerprüfung in Bayern. Mit 90 Zentimetern hat der Huchen das größte Schonmaß aller Arten auf der bayerischen Liste.

Wie andere Länder mit Fangbegrenzungen arbeiten, zeigt das neue Hecht-Tageslimit an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern. Was ein Fischsterben für die Fangregeln bedeutet, steht in unserem Beitrag zum Fischsterben in der Kieler Förde. Und warum der Personalausweis am Wasser in Niedersachsen bald nicht mehr reichen soll, erklärt der Artikel zur geplanten Fischereischeinpflicht. Alle weiteren Themen rund ums Wasser findest du in der Rubrik Angeln.

Quelle

Fund, Maße, Todesursache und Angaben des Anglerbunds ISARIA München: Wasserburger Stimme, „Jahrhundert-Fund am Inn bei Teufelsbruck“, 16. Oktober 2026: wasserburger-stimme.de

Bestandsdaten, Gefährdung und Ursachen: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Fischzustandsbericht 2024 (LfL-Information): lfl.bayern.de

Verbreitung, Größe und Gefährdungsursachen: Bayerische Staatsregierung, Pressemitteilung „Zum Tag der Fische: Ministerin Kaniber warnt vor Verschwinden des Huchens“, 21. August 2025: bayern.de

Schonzeit und Schonmaß: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus, Merkblatt zu den fischereirechtlichen Bestimmungen in Bayern, Stand 8. Januar 2025: stmelf.bayern.de

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