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Hecht an der Küste von MV: Nur noch einer pro Tag – und der Kapitale muss zurück ins Wasser

Seit dem 29. September gilt an Ostsee, Bodden und Haffen ein Hecht-Entnahmefenster von 60 bis 90 Zentimetern und ein Tageslimit von einem Fisch. Auch Barsch und Meerforelle sind betroffen.

LMLorena de MarcoHecht, Boddenhecht, Mecklenburg-Vorpommern

Wer an der Ostseeküste von Mecklenburg-Vorpommern einen Hecht von 95 Zentimetern landet, darf ihn seit dem 29. September nicht mehr mitnehmen – und einen zweiten maßigen Hecht am selben Tag auch nicht. Die geänderte Küstenfischereiverordnung führt für den Hecht ein Entnahmefenster von 60 bis 90 Zentimetern und ein Tageslimit von einem Fisch ein. Für Barsch und Meerforelle wird es ebenfalls strenger.

Drei Hechte gestern, einer heute: die neuen Grenzen im Vergleich

Die fünfte Änderung der Küstenfischereiverordnung gilt seit dem Tag ihrer Bekanntgabe. Das Schweriner Landwirtschafts- und Umweltministerium hat sie am 29. September vorgestellt; die bisherigen Werte nennt eine dpa-Meldung vom Folgetag.

ArtBisherSeit 29. September 2026
Hecht, Mindestmaß50 cm60 cm
Hecht, Höchstmaß (Handangel)keins90 cm
Hecht, Tageslimit Freizeitfischerei3 Fische1 Fisch je Person und Angeltag
Barsch, Tageslimit Freizeitfischereikeins15 Fische je Person
Meerforelle, Mindestmaß45 cm48 cm
SteinbuttSchonzeit nach LandesrechtLandesschonzeit gestrichen, EU-Recht gilt

Das Höchstmaß gilt für die Handangel und für Hechte, die lebend in Reusen gefangen werden. Ein Hecht von 85 Zentimetern darf also in den Kescher und in die Kühlbox, einer von 55 oder 95 Zentimetern muss schonend zurückgesetzt werden.

Nur Küstengewässer

Die Regeln gelten in den Küstengewässern des Landes, also an der Ostsee sowie in Bodden und Haffen. Für Seen, Flüsse und Kanäle im Binnenland bleibt es bei den Bestimmungen der Binnenfischerei und den Gewässerordnungen der Vereine.

Warum der Boddenhecht den Ausschlag gab

Bodden auf Rügen: In diesen flachen Brackwasserbuchten lebt der Boddenhecht, für den das neue Entnahmefenster vor allem gedacht ist. Foto: Leonhard Lenz / Wikimedia Commons, CC0

Angler an den Bodden rund um Rügen meldeten seit 2014 sinkende Fänge, ab 2019 untersuchte ein vom Land beauftragtes Forschungsprojekt unter Leitung des Fischereiwissenschaftlers Robert Arlinghaus den Bestand. Der Deutsche Angelfischerverband hat die Ergebnisse 2023 zusammengefasst: 2006 fing ein Angler am Bodden im Schnitt rund drei Hechte pro Tag, das entsprach 0,4 Hechten pro Angelstunde. Zuletzt waren es nur noch 0,14 pro Stunde.

Als Ursachen nennt das Projekt kein einzelnes Problem, sondern ein Bündel: Fraßdruck durch Kormorane und Kegelrobben, mehr Nährstoffe im Wasser, wachsende Stichlingsbestände, die Hechtbrut fressen, Lebensraumverluste, den Klimawandel und den Konkurrenzdruck zwischen Freizeit- und Berufsfischerei. Unter 54 Managementempfehlungen standen das Mindestmaß von 60 und das Höchstmaß von 90 Zentimetern – genau diese beiden Werte stehen jetzt in der Verordnung.

Die Logik des Fensters: Große Rogner, also laichreife Weibchen, tragen ein Vielfaches an Eiern kleiner Artgenossen. Wer sie zurücksetzt, schützt den Laichbestand, ohne den Hecht als Speisefisch zu verbieten. Entnommen werden die mittelgroßen Fische, von denen der Bestand am ehesten einen Teil abgeben kann.

Barsch, Meerforelle und die Reusen der Berufsfischer

Für Barsche gilt in den Küstengewässern von Mecklenburg-Vorpommern erstmals ein Tageslimit von 15 Fischen je Angler. Foto: Christa Rohrbach / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Das Barsch-Limit von 15 Fischen ist neu und trifft vor allem Angler, die im Herbst an den Bodden gezielt auf Barschschwärme fischen. Die Meerforelle muss drei Zentimeter länger sein als bisher, bevor sie entnommen werden darf.

Ein zweiter Schwerpunkt betrifft weniger die Angler als die Berufsfischerei. Die obere Fischereibehörde darf künftig räumlich und zeitlich begrenzte Vorgaben erlassen und Anforderungen an Fanggeräte festlegen, wenn empfindliche Arten wie Kegelrobben oder andere Wal- und Robbenarten gefährdet sind. Auslöser waren die gehäuften Totfunde von Kegelrobben im Jahr 2024. Die Regeln für die Reusenfischerei werden angepasst, damit Robben seltener in Fanggeräte geraten.

Kegelrobben am Stubber im Greifswalder Bodden: Nach den gehäuften Totfunden 2024 darf die Fischereibehörde nun gezielt Fanggeräte und Fanggebiete beschränken. Foto: Piekfrosch / Wikimedia Commons, gemeinfrei

Minister Till Backhaus betont, es gehe dabei „nicht um pauschale Verbote“: Eingreifen wolle das Land nur dort und nur so lange, wie es zum Schutz der Tiere nötig sei.

Vor dem nächsten Angeltag an der Küste

  • Maßband mit gut lesbarer 60- und 90-Zentimeter-Marke einpacken – das Fenster entscheidet sich am Wasser, nicht an der Waage.

  • Nach dem ersten entnommenen Hecht des Tages jeden weiteren Hecht zurücksetzen, auch wenn er ins Fenster passt.

  • Große Hechte möglichst im Wasser abhaken, Kiemen nicht berühren, Fisch nicht am Kiemendeckel hochheben.

  • Beim Barschangeln mitzählen: Bei 15 entnommenen Fischen ist Schluss.

  • Auf See- und Bodden-Touren die örtlichen Bestimmungen zusätzlich prüfen, etwa in Schutzgebieten.

Was die Verordnung noch offenlässt

Wie und wie oft die Fischereiaufsicht das neue Fenster kontrolliert und welche Bußgelder bei Verstößen drohen, hat das Ministerium nicht mitgeteilt. Offen ist auch, ob und wo die Behörde ihre neuen Befugnisse zum Robbenschutz zuerst nutzt. Ob das Fenster den Boddenhecht erholt, zeigen erst die Fangraten der kommenden Jahre. Unter den 54 Empfehlungen des Projekts stehen auch Lebensraummaßnahmen wie Wanderkorridore zu den Laichgebieten; die Fangregeln decken nur einen Teil davon ab.

Häufige Fragen zum neuen Hecht-Fenster an der Küste

Gilt das Tageslimit pro Boot oder pro Person?

Pro Person und Angeltag. Drei Angler in einem Boot dürfen zusammen drei Hechte entnehmen, sofern jeder Fisch im Fenster liegt.

Entnahmefenster sind kein Sonderfall der Ostsee. Am Steinhuder Meer gilt seit August ein Hecht-Entnahmefenster von 50 bis 90 Zentimetern. Wie stark Kormorane an der Ostsee auf die Fischbestände drücken, zeigt die Kormoran-Studie zu Jungdorsch und Flunder, und welche Fangverbote für den Aal an Nord- und Ostsee gelten, steht in unserem Beitrag zur Aalschonzeit 2026. Alle weiteren Regeln fürs Wasser findest du in der Rubrik Angeln.

Quelle

Pressemitteilung Nr. 305/2026 „Geänderte Küstenfischereiverordnung stärkt Fischbestände und schützt Meeressäuger“ des Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern vom 29. September 2026: regierung-mv.de

Bisherige Fangregeln: dpa-Meldung „An MV-Küste nur noch ein Hecht pro Tag und Angler erlaubt“ vom 30. September 2026, veröffentlicht bei proplanta.de. Ergebnisse des Boddenhecht-Projekts und Geltungsbereich: Deutscher Angelfischerverband – Boddenhechtprojekt abgeschlossen und Deutscher Angelfischerverband – Fenstermaß für den Boddenhecht.

Rechtsstand: Küstenfischereiverordnung Mecklenburg-Vorpommern in der Fassung der fünften Änderung, in Kraft seit 29. September 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung.

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