Im Wolfsmonitoring Niedersachsen sind nach dem Sommer mindestens 152 Welpen in 37 Rudeln dokumentiert, die Zahl der Territorien ist binnen eines Jahres von 64 auf 69 gestiegen. Bei den Nutztierschäden zeigt die Kurve dagegen nach unten: Von Juli bis September bestätigte das Monitoring 37 Übergriffe durch den Wolf, im selben Quartal 2025 waren es 78.
Sommerquartal 2026 und 2025 im Vergleich
| Kennzahl (1. Juli bis 30. September) | 2025 | 2026 |
| Wolfsterritorien zum Quartalsende | 64 | 69 |
| davon Rudel / Paare / residente Einzelwölfe | 59 / 3 / 2 | 67 / 1 / 1 |
| Meldungen zu Wolfsvorkommen | 1.838 | 1.769 |
| Anteil eindeutiger Nachweise (C1) | 49,2 % | 53,0 % |
| C1-Nachweise von Jägerinnen und Jägern | 88,9 % | 93,0 % |
| Gemeldete bzw. dokumentierte Nutztierschadensereignisse | 100 | 43 |
| davon Wolf als Verursacher bestätigt | 78 | 37 |
Die Zahlen stammen aus den Quartalsberichten der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), die das Monitoring im Auftrag des Landes koordiniert. Den Bericht für das dritte Quartal 2026 hat sie am 6. Oktober veröffentlicht.
Mehr Territorien, weniger Übergriffe
Der auffälligste Befund ist der Rückgang bei den Schäden, und zwar in der Weidesaison. 2025 gingen für die Monate Juli bis September 100 Meldungen über Übergriffe ein, 78 davon gingen nachweislich auf den Wolf zurück. 2026 wurden 43 Schadensereignisse dokumentiert, bei 37 stand der Wolf als Verursacher fest. Bei diesen bestätigten Übergriffen starben 70 Nutztiere, 15 wurden verletzt, keines gilt als verschollen.
Der Abwärtstrend ist auch im Jahresverlauf sichtbar. Im zweiten Quartal 2026 bestätigte das Monitoring noch 53 Wolfsübergriffe mit 232 getöteten und 156 verletzten Tieren. Das Sommerquartal liegt damit nicht nur unter dem Vorjahr, sondern auch deutlich unter dem Frühjahr.
Aus Paaren werden Rudel
Die Zahl der Territorien ist gegenüber dem Vorquartal gleich geblieben, ihre Zusammensetzung nicht. Ende Juni zählte das Monitoring 63 Rudel und 5 Paare, Ende September 67 Rudel und nur noch ein Paar. Ein Paar wird in der Monitoring-Logik zum Rudel, sobald Nachwuchs nachgewiesen ist. Genau das ist im Sommer passiert: Die Welpenzahl stieg von 131 auf mindestens 152, die Zahl der Rudel mit Welpennachweis von 32 auf 37.
Bestätigt sind für das laufende Monitoringjahr 2026/27 bisher 41 der 69 Territorien, bei 28 steht der Nachweis noch aus. Für die übrigen Rudel fehlen damit bislang auch die Welpenzahlen. Die 152 sind eine Untergrenze, keine Schätzung des tatsächlichen Nachwuchses. Dazu kommen acht Totfunde im Quartal, zwei mehr als im Frühjahr.
Neun von zehn harten Nachweisen kommen aus der Jägerschaft
Von den 1.769 Meldungen des Sommerquartals stammten 1.278 von Jagdscheininhabern, also knapp drei Viertel. Bei den eindeutigen Nachweisen ist ihr Anteil noch höher: 93 Prozent aller C1-Nachweise kamen aus der Jägerschaft, ein Jahr zuvor waren es 89 Prozent. Der Grund liegt im Material. Fast zwei Drittel aller Meldungen waren Fotofallenbilder (1.144), danach folgten Sichtungen (291) und Losungsfunde (178), also Kot, der sich genetisch untersuchen lässt. Wildkameras gehören im Revier zum Alltag, das erklärt den hohen Anteil der Jägerschaft.
C1, C2, C3: Wie das Monitoring Meldungen bewertet
Die Länder bewerten Wolfshinweise nach einheitlichen Kriterien. C1 ist ein eindeutiger Nachweis, etwa ein Foto, eine Genetikprobe oder ein Totfund. C2 ist ein Hinweis, den eine geschulte Person bestätigt hat, zum Beispiel eine Fährte oder ein Riss. C3 bleibt unbestätigt, darunter fallen die meisten Sichtungen ohne Beleg. Das Monitoringjahr läuft vom 1. Mai bis zum 30. April. Die Quartalszahlen sind vorläufig und gelten als Mindestwerte: Nachmeldungen können sie nur erhöhen.
Warum die Schäden sinken, sagt der Bericht nicht
Eine Ursache für den Rückgang nennt der Quartalsbericht nicht. Abschüsse taugen als Erklärung kaum: Der Schnellabschuss nach Nutztierrissen ist in Niedersachsen erst seit April möglich, und bis September wurde in 15 Verfahren kein einziger Wolf erlegt. Die ersten zwei Erlegungen meldete das Land erst im Oktober.
Ob besserer Herdenschutz, ein anderes Jagdverhalten der Rudel oder schlicht Zufall hinter den Zahlen steckt, lässt sich aus einem einzelnen Quartal nicht ablesen. Offen ist auch, wie viele Schadensfälle noch nachgemeldet werden. Der aktuelle Quartalsbericht erschien gut zwei Wochen früher als der des Vorjahres. Belastbar wird der Vergleich erst mit dem Jahresbericht zum Monitoringjahr 2026/27.
Bundesweit zeigt sich ein ähnliches Bild: Auch die Schadensstatistik für 2025 verzeichnet das zweite Jahr in Folge weniger Wolfsrisse, obwohl der Bestand wächst.
So landet ein Wolfsnachweis aus dem Revier im Monitoring
Fotofallenbild mit Datum, Uhrzeit und Standort (Koordinate oder Revier) sichern, Original unbearbeitet aufheben.
Losung nicht anfassen. Fotografieren, mit Maßstab daneben, Fundort notieren.
Meldung an den zuständigen Wolfsberater oder an das Wolfsmonitoring über wolfsmonitoring.com geben.
Totfund oder verletzten Wolf nicht bergen, sondern sofort Polizei oder Wolfsberater verständigen.
Wer die Spuren im Revier sicher ansprechen will, findet die Unterschiede zwischen Fuchs, Dachs und Co. im Beitrag Losung bestimmen.
Wildbiologie sicher beherrschen: Die Jagdkompass-App trainiert Raubwild, Wildkrankheiten und Jagdrecht mit Prüfungsfragen aus allen Bundesländern. Mehr zu Wolf und Artenschutz findest du in der Rubrik Wild & Natur.
Quelle
Quartalszahlen 2026 zu Meldungen, Nachweiskategorien, Territorien, Welpen, Totfunden und Nutztierschäden: Landesjägerschaft Niedersachsen e.V., Wolfsmonitoring, Bericht für das III. Quartal 2026 (6. Oktober 2026) und Bericht für das II. Quartal 2026 (24. September 2026). Vorjahreswerte: Bericht für das III. Quartal 2025 (21. Oktober 2025). Organisation des Monitorings und Monitoringjahr: Niedersächsisches Ministerium für Umwelt, Energie und Klimaschutz, Wolfsmonitoring. Bilder: Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 4.0).