Jagdkompass
Wild & NaturWolf

Wolfsrisse 2025: Fünfmal so viele wie 2015 – und trotzdem das zweite Jahr in Folge weniger

3.783 Nutztiere fielen 2025 Wölfen zum Opfer, fünfmal so viele wie 2015. Gegenüber 2024 sanken die Schäden aber um 13 Prozent, und oft fehlte der Mindestschutz.

LMLorena de MarcoWolf, Wolfsrisse, Nutztierschäden

Die Zahl der Wolfsrisse an Nutztieren hat sich in zehn Jahren verfünffacht: 2025 wurden in Deutschland bei 990 bestätigten Übergriffen 3.783 Weidetiere getötet, verletzt oder als vermisst gemeldet, 2015 waren es 737. Die Kurve zeigt trotzdem nach unten. Gegenüber 2024 gingen die Schäden das zweite Jahr in Folge zurück, obwohl es mehr Wölfe gibt als je zuvor.

Drei Jahrgänge im Vergleich

Kennzahl2015202420252025 zu 2024
Bestätigte Übergriffe auf Nutztiere199rund 1.100990−11 %
Getötete, verletzte und vermisste Tiere737rund 4.3003.783−13 %
Wölfe im Monitoringjahr davor268 (2014/15)–1.633 (2024/25)–

Die 413 Prozent beschreiben zehn Jahre, nicht das letzte

Ende September machte eine Zahl die Runde: Die Wolfsschäden seien um 413 Prozent gestiegen. Sie stammt vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) und vergleicht 2025 mit 2015. Das stimmt, verdeckt aber die jüngere Entwicklung. Der Jahresbericht der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW), erschienen im Juli 2026, zeigt für 2025 elf Prozent weniger Übergriffe und 13 Prozent weniger geschädigte Tiere als im Vorjahr. Das Schadensniveau lag damit unter dem von 2022.

Im selben Zeitraum ist der Bestand weiter gewachsen. Im Monitoringjahr 2024/25 lebten 219 Rudel, 43 Paare und 14 sesshafte Einzelwölfe in Deutschland, zusammen 1.633 Tiere. Brandenburg und Niedersachsen zählen je knapp 400 Wölfe. Mehr Wölfe bedeuten also nicht automatisch mehr Risse.

Schafe tragen die Last, Gehegewild folgt mit Abstand

TierartGeschädigte Tiere 2025Anteil
Schafe3.16783,7 %
Gehegewild3038,0 %
Rinder (meist Kälber)1664,4 %
Ziegen1102,9 %
Sonstige (Pferde, Alpakas)371,0 %

Schafe und Ziegen machen zusammen 86,6 Prozent aus. Bei vielen Rassen ist das Fluchtverhalten durch die Domestikation abgeschwächt. Bricht ein Wolf in eine Herde ein, tötet er deshalb häufig mehrere Tiere auf einmal. Rinder und Pferde wehren sich besser und halten als Herde zusammen; trifft es sie, sind es meist Kälber oder einzeln gehaltene Tiere.

Für Jäger ist Platz zwei interessant. 303 Stück Gehegewild, in der Regel Dam- oder Rotwild aus Wildgattern, zählt die Statistik. Wer ein Gatter betreibt, braucht also denselben Zaunschutz wie ein Schäfer.

Gehegewild ist nach den Schafen die zweitgrößte Gruppe: 303 Tiere aus Wildgattern wurden 2025 von Wölfen gerissen oder verletzt. Foto: Daniel Mirlea / Unsplash+ License

Herdenschutz kostet zwanzigmal so viel wie der Schadensausgleich

2025 gaben die Bundesländer 17.156.799 Euro für Herdenschutz aus, vor allem für Zäune und Herdenschutzhunde. Für Ausgleichszahlungen nach Rissen flossen 747.249 Euro, also nicht einmal ein Zwanzigstel. Das Geld geht damit überwiegend in die Vorbeugung statt in die Entschädigung.

Ausgeglichen wird nur, was nachgewiesen ist. Ein Rissgutachter und eine genetische Analyse prüfen zuerst, ob wirklich ein Wolf zugebissen hat. In vielen Ländern zahlt der Staat außerdem nur, wenn der vorgeschriebene Mindestschutz stand.

Herdenschutzhund bei einer Schafherde auf der Alp Lavaz in Graubünden. Zäune und Hunde verschlingen den größten Teil der 17 Millionen Euro Präventionsgeld. Foto: Whgler / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Warum die Schäden trotz mehr Wölfen sinken

Die meisten Übergriffe passieren dort, wo sich Wölfe gerade neu ansiedeln und die Halter noch nicht auf sie eingestellt sind. Nach ein, zwei Jahren gehen die Schäden in solchen Gebieten meist zurück, sobald Zäune und Hunde stehen. Ein einzelner Wolf, der an ungeschützten Schafen gelernt hat, wie leicht die Beute ist, kann die Zahlen allerdings wieder hochtreiben. Solche Tiere suchen gezielt nach Schafen und lernen teils, Schutzmaßnahmen zu überwinden.

Der vorgeschriebene Mindestschutz ist ein Kompromiss, etwa ein 90 Zentimeter hoher Elektrozaun. Empfohlen wird mehr: 120 Zentimeter mit fünf stromführenden Litzen in 20, 40, 60, 90 und 120 Zentimetern Höhe. Welchen Anteil Herdenschutz, Abschüsse oder Zufall am Rückgang 2025 haben, beziffert der Bericht nicht. Für die Bilanz der Abschussverfahren lohnt ein Blick nach Niedersachsen: Dort haben 15 Schnellabschuss-Verfahren keinen einzigen erlegten Wolf gebracht.

Was die Statistik zeigt und was nicht

Gezählt werden Übergriffe, die die Länder dem Wolf zuordnen. Wie sicher diese Zuordnung ist, unterscheidet sich von Land zu Land. Ob die Tiere beim Übergriff geschützt waren, verraten die Gesamtzahlen nicht. „Mindestschutz vorhanden“ heißt außerdem nicht, dass der Zaun funktionierte. Die Einstufung gilt oft auch, wenn Schafe aus einer kleinen Koppel ausgebrochen sind und draußen gerissen wurden.

Wo der Mindestschutz fehlte: sieben Länder im Vergleich

Die meisten Risse meldet Niedersachsen, wo auch die meisten Wölfe leben, gefolgt von Brandenburg und Sachsen. Selbst Bremen, Hamburg und das Saarland verzeichneten Übergriffe. Unter den Ländern mit mehr als zehn Wolfsterritorien sanken die Zahlen fast überall, nur Sachsen-Anhalt meldete einen Anstieg.

Sieben Länder veröffentlichen, wie die Schafe und Ziegen geschützt waren. Überall fehlte bei einem großen Teil der Übergriffe ein ausreichender Schutz:

LandÜbergriffe auf Schafe und Ziegen ohne oder mit eingeschränktem Mindestschutz (2025)
Schleswig-Holstein100 %
Nordrhein-Westfalen86 %
Niedersachsen73 %
Rheinland-Pfalz70 %
Brandenburg69 %
Sachsen-Anhalt57 %
Sachsen46 %

Die Länder erheben das unterschiedlich. Sachsen etwa erkennt auch nicht elektrifizierte Festzäune ab 120 Zentimetern als Mindestschutz an, die ein Wolf leichter überwinden kann. Wie konzentriert die Schäden sein können, zeigt eine Auswertung aus Sachsen: Im Rekordjahr 2023 entfielen dort 78 Prozent der Schäden auf nur 17 Prozent der Wolfsterritorien. In fast der Hälfte der Territorien gab es in einem Jahr gar keinen Übergriff.

Ein mobiles Elektronetz wie hier im Schlosspark Charlottenburg in Berlin gilt vielerorts als Mindestschutz. Empfohlen sind 120 Zentimeter mit fünf Litzen. Foto: RobbieIanMorrison / Wikimedia Commons (CC BY 4.0)

Für Revier und Prüfung: Nutztiere sind die Ausnahme auf dem Speiseplan

Wölfe in Mitteleuropa leben vor allem von Reh-, Rot- und Schwarzwild, örtlich auch von Dam- und Muffelwild. Nutztiere machen ein bis zwei Prozent ihrer Nahrung aus. Für das Revier heißt das: Wo sich ein Rudel etabliert, verändert sich vor allem das Verhalten des Schalenwilds. Die Risse an Schafen sind politisch brisant, ökologisch aber eine Randerscheinung. Wie die Länder den Wolf ins Jagdrecht holen, zeigen die Beispiele Brandenburg und Sachsen.

Riss im Revier gefunden

  • Den Kadaver nicht bewegen und nicht anfassen, damit die DNA-Spuren für die Genetik erhalten bleiben.

  • Fundort, Datum und Uhrzeit notieren und den Riss mit Maßstab fotografieren.

  • Sofort den Wolfsberater des Landkreises oder die zuständige Landesbehörde informieren. Erst das Rissgutachten entscheidet, ob ein Wolf beteiligt war.

Noch offen ist, wie 2026 ausfällt. Die Länder melden ihre Zahlen erst im Folgejahr, der nächste Bericht ist im Sommer 2027 zu erwarten.

Wildbiologie sicher beherrschen: Die Jagdkompass-App trainiert Wildarten, Raubwild und Jagdrecht mit Prüfungsfragen aus allen Bundesländern. Mehr Meldungen zu Wolf und Artenschutz findest du in unserer Rubrik Wild & Natur.

Quelle

Schadens-, Präventions- und Ausgleichszahlen 2025, Vorjahresvergleich, Schutzsituation je Land und Hotspot-Auswertung Sachsen: DBBW, Wolfsverursachte Schäden, Präventions- und Ausgleichszahlungen in Deutschland 2025 (Juli 2026) sowie Bundesweite Schadensstatistik. Vergleich 2015/2025 und Aufteilung nach Tierarten: agrarheute vom 30. September 2026. Diese Angaben sowie Wolfsbestand, Werte 2024, Nahrungsanteil und Rissbegutachtung stammen vom BZL: Wie viele Wölfe hat Deutschland? und Wolf und Weidetierhaltung. Bilder: Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0, CC BY-SA 4.0, CC BY 4.0) und Unsplash+.

Teilen:WhatsAppFacebookX