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Steinmarder oder Baummarder: Der Unterschied steckt im Nasenspiegel

Ein weißer oder gelber Kehlfleck gibt meist einen Hinweis auf die Art. Sicherer unterscheidet der Nasenspiegel die beiden Marder, solange das Tier lebt.

LMLorena de MarcoSteinmarder, Baummarder, Marder

Steinmarder und Baummarder unterscheidest du am sichersten am Nasenspiegel: Beim Steinmarder ist die Nase hell und fleischfarben, beim Baummarder dunkelbraun. So beschreibt es die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in ihrer Unterscheidungshilfe für beide Arten. Der Kehlfleck, weiß und gegabelt beim Steinmarder, gelb und rundlich beim Baummarder, gibt meist einen guten Hinweis. Er schwankt nach Angaben der FVA aber in Farbe, Form und Größe von Tier zu Tier.

Sieben Merkmale im Vergleich

Die Tabelle fasst die Merkmale aus der Unterscheidungshilfe der FVA und den Artporträts des Wildtierportals Bayern zusammen. Die oberen Zeilen helfen beim lebenden Tier, die unteren bei Spuren und im Revier.

MerkmalSteinmarder (Hausmarder)Baummarder (Edelmarder)
Nasenspiegelhell, fleischfarbendunkel, braun
Kehlfleckmeist weiß, oft gegabelt, reicht bis auf die Vorderläufemeist dotter- bis rötlichgelb, rundlich, ungegabelt, teils in Einzelflecken aufgelöst
Fellgraubraun, helle Unterwolle scheint durchgleichmäßig dunkelbraun, dichte gelblichbraune Unterwolle
Ohren und Kopfkleinere Ohren weiter außen, flacher breiter Kopf, große runde Augenlängere Ohren eng auf der Stirn mit hellem Rand, schmaler spitzer Kopf, kleinere mandelförmige Augen
SohlenZehenballen frei, im Trittsiegel deutlichZehenballen häufig von Haaren bedeckt, „pelzige Fährte"
Gewicht1,2 bis 2,1 Kilogramm0,9 bis 1,7 Kilogramm
TagesversteckDachboden, Scheune, Schuppen, ReisighaufenBaumhöhle, Greifvogelhorst, geschlossener Altholzbestand

Die Gewichtsangaben stammen vom Wildtierportal Bayern des bayerischen Landwirtschaftsministeriums. Der Steinmarder ist dort als häufigste Marderart Mitteleuropas beschrieben.

Nasenspiegel und Kehlfleck am lebenden Marder

Der Nasenspiegel ist die unbehaarte Haut an der Nasenspitze. Die FVA nennt ihn ein sicheres Unterscheidungsmerkmal: hell und fleischfarben beim Steinmarder, dunkel und braun beim Baummarder. Wer die Nase eines lebenden Marders auf einem scharfen Foto von vorn sieht, kann die Art damit bestimmen.

Beim Kehlfleck zählt neben der Farbe die Form. Der Steinmarder trägt ihn meist weiß und häufig gegabelt, die beiden Äste ziehen bis auf die Vorderläufe. Der Baummarder färbt seinen Kehlfleck nach Angaben der FVA mit einem Sekret aus dem Bauchdrüsenfeld dotter- bis rötlichgelb ein. Die Form ist oft unregelmäßig, ungegabelt und manchmal in mehrere Einzelflecken zerfallen.

Baummarder von vorn: Der gelbliche, ungegabelte Kehlfleck und der dunkle Nasenspiegel kennzeichnen die Art, die hell gerandeten Ohren stehen eng auf der Stirn. Foto: Charles J. Sharp / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Fell, Ohren und Kopf auf dem Wildkamerabild

Marder lassen sich selten lange beobachten. Häufiger landen sie auf dem Foto einer Wildkamera, wo Nase und Kehlfleck oft nicht zu sehen sind. Dann helfen Fell und Kopf. Der Baummarder hat dunkelbraunes Deckhaar über einer sehr dichten Unterwolle und wirkt dadurch gleichmäßig braun. Am Bauch kann sich die Unterwolle wie der Kehlfleck orange färben. Beim Steinmarder ist das Deckhaar lichter, die weiße Unterwolle scheint fleckig hindurch. Das Fell wirkt graubraun bis grau, und die helle Unterwolle ist nach Angaben der FVA auf Farbfotos oft gut zu erkennen.

Am Kopf achtest du auf Ohren und Augen. Die Ohren des Baummarders sind länger, stehen eng zusammen auf der Stirn und haben durch helle Haare an der Innenseite und am Rand einen starken Farbkontrast. Der Kopf wirkt schmal und spitz, die Augen klein und mandelförmig. Der Steinmarder hat kleinere Ohren, die weiter außen sitzen, einen flach und breit wirkenden Kopf und große runde Augen. Im Gang wirkt der Baummarder hochbeiniger, wie es in der Unterscheidungshilfe weiter heißt.

Bälge aus der Sammlung der Bundes-Pelzfachschule Frankfurt am Main, um 1978: links Baummarder mit gleichmäßig dunkelbraunem Fell, rechts Steinmarder mit durchscheinender heller Unterwolle. Der Maßstab zeigt die ähnliche Größe beider Arten. Foto: Mickey Bohnacker / Wikimedia Commons, gemeinfrei

Behaarte Sohlen und die „pelzige Fährte"

Beim Baummarder bedecken Deckhaare häufig die Zehenballen. Im Schnee oder in weicher Erde entsteht dann ein verwischter Abdruck, den die FVA als „pelzige Fährte" bezeichnet. Beim Steinmarder bleiben die Zehenballen frei und zeichnen sich deutlich im Trittsiegel ab. Der bayerische Fragenkatalog nennt den Steinmarder zudem unter den Raubwildarten, deren Trittsiegel auf geeignetem Untergrund fünf deutliche Krallenabdrücke zeigt.

Wie du Trittsiegel richtig misst und welche Spurbilder Marder, Fuchs und Dachs hinterlassen, steht im Artikel Trittsiegel bestimmen.

Pfoten eines Baummarders aus Kantabrien: Dichte Haare verdecken die Zehenballen teilweise, im Schnee entsteht so ein verwischter Abdruck. Foto: Juenti el toju / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Drei Verwechslungen beim Ansprechen

Die erste Verwechslung entsteht beim Kehlfleck. In seltenen Fällen färben auch Steinmarder ihren Kehlfleck gelblich, schreibt die FVA, und beim Baummarder kann die gelbe Färbung mit der Zeit verblassen. Für die Ansprache als Baummarder reicht ein gelber Fleck allein deshalb nicht aus. Die Form des Flecks und der Nasenspiegel entscheiden in diesem Fall.

Die zweite betrifft Totfunde. Bei verendeten Tieren und Präparaten ist der Nasenspiegel nach Angaben der FVA immer dunkel verfärbt. Ein überfahrener Steinmarder am Straßenrand trägt also eine dunkle Nase wie ein Baummarder. Bei Fallwild zählen deshalb Kehlfleck, Fellfarbe, Ohren und Kopfform.

Die dritte betrifft die Sohlen. Ihre Behaarung schwankt nach Angaben der FVA mit der Jahreszeit und von Tier zu Tier und gilt dort als uneindeutiges Merkmal. Ein Trittsiegel mit frei abgedrückten Ballen schließt den Baummarder deshalb nicht sicher aus.

Dachboden oder Baumhöhle

Der Steinmarder ist laut Wildtierportal Bayern ein ausgeprägter Kulturfolger. Er habe seine Scheu vor dem Menschen weitgehend verloren, verbringe den Tag gern auf Dachböden, in Scheunen und Schuppen oder in Reisighaufen und besiedle Bayern vom Offenland bis in die Städte, heißt es dort. Deshalb werde er auch Hausmarder genannt. Welche Schäden er dabei an Autos anrichtet, beschreibt der Artikel über Marderschäden und die Ranz des Steinmarders.

Der Baummarder bevorzugt nach derselben Quelle geschlossene, strukturreiche Wälder mit Altholz. Seine Reviere können bis zu 1.180 Hektar groß werden. Als Tagesversteck nennt der bayerische Fragenkatalog Höhlen in Waldbäumen und Greifvogelhorste. Der Baummarder frisst nach Angaben des Wildtierportals Kleinsäuger, Insekten, Vögel, Eier, Aas, Beeren und Obst, der Steinmarder ist dort bei Nahrung und Unterschlupf als wenig wählerisch beschrieben. Beide Arten leben als dämmerungs- und nachtaktive Einzelgänger.

Ranz im Sommer, Junge im Frühjahr

Beide Arten paaren sich im Sommer. Die Ranz, so heißt die Paarungszeit beim Raubwild, liegt nach Angaben des Wildtierportals Bayern im Juli und August. Beim Baummarder führt das Portal eine Keimruhe auf: Der befruchtete Keim ruht monatelang, bevor er sich einnistet und weiterentwickelt. Die Jungen beider Arten kommen deshalb erst im März oder April zur Welt, nackt und blind, beim Steinmarder im Schnitt drei je Wurf. Kreuzen lassen sich Stein- und Baummarder nach dem bayerischen Fragenkatalog nicht.

Jagdzeit vom 16. Oktober bis 28. Februar

Beide Marder zählen nach § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes zum Haarwild. Die Bundesjagdzeitenverordnung vom 2. April 1977 legt in § 1 für „Stein- und Baummarder" eine Jagdzeit vom 16. Oktober bis 28. Februar fest. Nach § 22 Abs. 1 BJagdG können die Länder diese Jagdzeiten abkürzen oder aufheben. Bayern wendet laut Wildtierportal die Bundesfrist an, den übrigen Teil des Jahres sind beide Arten dort geschont. Die Regelungen der anderen Länder stehen in der Übersicht der Jagdzeiten und Schonzeiten aller 16 Bundesländer.

Das fragt die Prüfung

Der Fragenkatalog des bayerischen Landwirtschaftsministeriums für das Sachgebiet 2 (Wildbiologie) enthält einen eigenen Block zu den Mardern. Drei der Fragen mit den Antworten des Katalogs:

  • Um welchen Marder handelt es sich, wenn der Kehlfleck weiß und gegabelt ist? Um den Steinmarder.

  • Welche Kennzeichen finden sich beim Baummarder? Gelber Kehlfleck, nicht gegabelter Kehlfleck und behaarte Sohle der Pranten.

  • Welche Marderart lebt häufig in Feldscheunen? Der Steinmarder. Der Baummarder nimmt Höhlen in Waldbäumen und Greifvogelhorste als Tagesversteck an.

Weitere Fragen des Katalogs zielen auf die Ranzzeit beider Arten im Juli und August und auf die Keimruhe des Baummarders.

Merksatz

Stein wie Stein: grau, weiß gegabelt, helle Nase, nackte Sohle. Baum wie Baumrinde: braun, gelb und rund, dunkle Nase, behaarte Sohle.

Dieselbe Arbeitsweise aus Merkmal, Gegenprobe und Verwechslungspaar hilft auch beim Bestimmen der Losung. Weitere Artporträts sammelt die Rubrik Wild & Natur.

Kehlfleck, Ranzzeit und Keimruhe kommen in der Prüfung im Block. In der kostenlosen Jagdkompass-App übst du die Wildkunde-Fragen deines Bundeslands im Prüfungsmodus, und die fachweise Fehlerstatistik zeigt dir, ob das Raubwild bei dir schon sicher sitzt.

Quellen

  • Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA): „Baum- oder Steinmarder? Hilfreiche Unterscheidungsmerkmale", 2022 (zum PDF)

  • Wildtierportal Bayern, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus: Artporträts Steinmarder und Baummarder

  • Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten: Fragenkatalog zur Jägerprüfung, Sachgebiet 2, Mai 2021 (zum Katalog)

  • Bundesjagdgesetz, § 2 und § 22

  • Verordnung über die Jagdzeiten vom 2. April 1977, § 1

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