Im Juli und August ist beim Steinmarder Ranz — und genau in dieser Zeit häufen sich die Marderschäden an Autos und Dachböden. Der Deutsche Jagdverband hat am 12. August 2026 erklärt, warum die Rüden jetzt besonders aggressiv auf fremde Duftmarken reagieren. Die Schadenzahlen der Versicherer zeigen, wie teuer das wird.
620 Euro pro Biss: die Bilanz eines Jahres
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft führt eine der wenigen belastbaren Statistiken zum Steinmarder im Siedlungsraum — allerdings nur über den Umweg der Kaskoschäden. Für 2024 weist sie folgende Werte aus:
| Kennzahl (2024) | Wert | Veränderung zu 2023 |
| Gemeldete Marderschäden an kaskoversicherten Pkw | rund 252.000 | + 7,4 % |
| Schadenhäufigkeit je 1.000 kaskoversicherte Pkw | 6,1 | + 6,8 % |
| Schadenaufwand insgesamt | rund 157 Mio. Euro | — |
| Durchschnittlicher Schaden | rund 620 Euro | — |
Besonders teuer wird es bei Elektrofahrzeugen: Ist ein Hochvoltkabel angebissen, tauschen Werkstätten häufig den kompletten Kabelsatz aus statt einer einzelnen Leitung. Ein einzelner Biss kann außerdem Folgeschäden nach sich ziehen, wenn eine beschädigte Leitung erst spät auffällt und der Motor überhitzt.
Zwei Bissspitzen, zwei verschiedene Konflikte
Hier wird es für Jägerinnen und Jäger interessant, weil sich Statistik und Biologie auf den ersten Blick widersprechen. Die Versicherer datieren den Schwerpunkt der Schäden auf April bis Juni. Die Ranz — so heißt die Paarungszeit bei Marderartigen — fällt dagegen in den Hochsommer, üblicherweise Juli und August.
Beides schließt sich nicht aus, weil zwei unterschiedliche Auslöser dahinterstecken. Im Frühjahr wandern die Jungmarder ab und suchen eigene Reviere, im Hochsommer verteidigen die Rüden ihr Territorium gegen Konkurrenten. In beiden Phasen gilt dasselbe Prinzip: Riecht ein Marder im Motorraum die Duftmarke eines Artgenossen, greift er die markierten Leitungen an. Berufspendler trifft das überdurchschnittlich, weil ihr Fahrzeug abwechselnd in zwei fremden Revieren steht. Wie sich beide Spitzen zahlenmäßig zueinander verhalten, ist aus den veröffentlichten Daten nicht ableitbar — eine monatsscharfe Aufschlüsselung liegt nicht vor.
Warum die Jungen trotzdem erst im Frühjahr kommen
Die Ranz im Hochsommer, der Wurf aber erst im März oder April — das ergibt rechnerisch keine Tragzeit von acht Monaten. Verantwortlich ist die Keimruhe: Die befruchtete Eizelle nistet sich nicht sofort in der Gebärmutter ein, sondern verharrt monatelang in der Entwicklung. Die eigentliche Tragzeit dauert danach nur rund einen Monat. Dasselbe Prinzip kennen Jagdschein-Anwärter vom Reh und vom Dachs; es ist regelmäßig Prüfungsstoff in der Wildbiologie.
Praktisch heißt das: Wer im Hochsommer Marderaktivität am Haus feststellt, hat es mit ranzenden Alttieren zu tun, nicht mit einer Familie. Ab dem Frühjahr sieht das anders aus — dann können Jungtiere im Gebäude sein, und ein Einschlupfloch darf nicht verschlossen werden, solange sich Tiere darin befinden.
Nicht jeder Marder darf gefangen werden
Der Steinmarder unterliegt dem Jagdrecht und hat je nach Bundesland eine eigene Jagdzeit — im Sommer ist er in aller Regel geschont. Auf befriedeten Bezirken wie Wohngrundstücken ruht die Jagd ohnehin. Eigenmächtiges Töten oder Fangen durch Hausbesitzer ist deshalb keine Option, unabhängig vom Schaden. Wer ein Tier im Gebäude hat, klärt das Vorgehen mit der unteren Jagdbehörde, dem Jagdausübungsberechtigten oder einem zugelassenen Schädlingsbekämpfer.
Anspracheübung fürs Revier: Steinmarder oder Baummarder
Im Siedlungsraum ist praktisch immer der Steinmarder unterwegs. Sicher unterscheiden lässt er sich am Kehlfleck: Beim Steinmarder ist er weiß und läuft gegabelt zwischen die Vorderläufe, beim Baummarder ist er gelblich bis orange und ungegabelt. Der Baummarder bleibt zudem an zusammenhängende Wälder gebunden und meidet Gebäude weitgehend. Wer Streckenzahlen im Blick behalten will: Die Landesjagdverbände weisen Raubwild getrennt aus, etwa in der Jagdstrecke Rheinland-Pfalz 2025/26.
Das lässt sich jetzt konkret tun
Motorraum nach Nahrungsresten, Haaren und angebissenen Leitungen absuchen, bevor Warnleuchten aufleuchten.
Nach einem Marderbesuch eine professionelle Motorwäsche machen lassen — sie entfernt die Duftmarke, die den nächsten Biss auslöst.
Draußen parkende Fahrzeuge mit welligem Maschendraht unter dem Motorraum oder Kabelummantelungen sichern.
Am Gebäude Äste auf mindestens vier Meter Abstand zur Dachfläche bringen und lose Abschlussbleche sowie Dachziegel schließen.
Kompost abdecken und Tierfutter über Nacht hereinholen — das nimmt auch Fuchs und Waschbär die Nahrungsgrundlage.
Für das Ansprechen von Haarraubwild anhand von Losung und Spuren lohnt ein Blick in den Fall aus dem Oberallgäu, bei dem eine vermeintliche Bärenlosung am Ende von einem Dachs stammte. Weitere Meldungen aus der Branche sammelt unsere Rubrik Nachrichten.
Prüfungswissen wie Keimruhe, Ranzzeiten und Kehlfleck-Ansprache trainierst du in der Jagdkompass-App mit den Originalfragen deines Bundeslandes — mit Wiederholung genau dort, wo es noch hakt.
Quelle
Deutscher Jagdverband, Meldung „Kleiner Marder, großer Schaden" vom 12. August 2026: jagdverband.de. Schadenzahlen: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Medieninformation zur Mardersaison, Stand 12. März 2026: gdv.de.