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Myxomatose bei Feldhasen erreicht Straubing: Ob die Hasenjagd ab 16. Oktober ruht, entscheidet das Fallwild

Eine hasenadaptierte Myxomavirus-Variante ist in Stadt und Landkreis Straubing angekommen – vier Wochen vor Beginn der Feldhasen-Jagdzeit in Bayern.

LMLorena de Marco18. September 2026Myxomatose, Feldhase, Wildkrankheiten
Myxomatose bei Feldhasen erreicht Straubing: Ob die Hasenjagd ab 16. Oktober ruht, entscheidet das Fallwild

Die Myxomatose beim Feldhasen ist in Niederbayern angekommen: Das hasenadaptierte Myxomavirus wurde im Landkreis Straubing-Bogen und inzwischen auch im Stadtgebiet Straubing nachgewiesen. In Bayern öffnet die Jagdzeit auf den Feldhasen am 16. Oktober – ob im Revier dann tatsächlich gejagt wird, hängt nicht am Kalender, sondern am Fallwild.

Kranke Hasen nicht anfassen

Auffällig schwache, apathische oder verendete Feldhasen dürfen weder gepflegt noch mitgenommen werden. Wer ein krankes Tier transportiert, verschleppt den Erreger in ein bisher freies Gebiet.

Fünf Fälle im Landkreis, zwei in der Stadt

Das Landratsamt Straubing-Bogen meldete am 8. September den Erstnachweis im Kreisgebiet: Bei mehreren verendeten und schwer erkrankten Feldhasen wurde eine an Hasen angepasste Variante des Myxomavirus gefunden, in fünf Fällen labordiagnostisch bestätigt. Betroffen sind die Gemeindebereiche Parkstetten, Aiterhofen und Kirchroth. Wenig später zog die Stadt Straubing nach: Zwei tote Feldhasen aus dem südlichen Stadtgebiet wurden positiv getestet, womit der Erreger auch in der städtischen Hasenpopulation angekommen ist. Die Stadt übernimmt die Vorsichtsmaßnahmen des Kreises unverändert.

Erkrankte Tiere zeigen Schwellungen an Augenlidern, Ohren und Genitalschleimhäuten, verklebte Augen, Entzündungen an Nase und Lippen sowie Apathie. Das auffälligste Merkmal im Revier ist ein anderes: Die Hasen verlieren ihren Fluchtinstinkt. Wer im Feld einen Hasen findet, der sich nicht drücken und nicht hochmachen will, hat sehr wahrscheinlich ein krankes Tier vor sich.

Weiher im Naherholungsgebiet bei Parkstetten zwischen Ober- und Unterharthof
Parkstetten im Landkreis Straubing-Bogen gehört zu den drei Gemeindebereichen mit bestätigten Nachweisen. Foto: Edelmauswaldgeist, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons

Eine Kaninchenkrankheit, die gelernt hat, Hasen zu töten

Myxomatose ist in Deutschland alles andere als neu – aber sie war bisher eine Kaninchenkrankheit. Das Myxomavirus aus der Familie der Pockenviren wurde 1952 gezielt nach Europa gebracht, um Wildkaninchen zu dezimieren; die Bestände brachen damals um rund 99 Prozent ein. Feldhasen blieben weitgehend verschont oder erkrankten nur mild.

Das änderte sich 2018: In Spanien und Portugal trat eine neue Variante (ha-MYXV) auf, die den Iberischen Feldhasen befiel und dort etwa 55 Prozent der infizierten Tiere tötete. 2024 erreichte der hasenadaptierte Erreger Nordrhein-Westfalen und breitete sich von dort seuchenartig aus, 2025 folgten Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Schleswig-Holstein lagen bis Ende 2025 Nachweise aus neun Kreisen und einer kreisfreien Stadt vor – von einer weiten Verbreitung im Land ist inzwischen auszugehen. Die Sterblichkeit unter infizierten Feldhasen liegt bei etwa 80 Prozent, die Inkubationszeit bei wenigen Tagen.

Europäisches Wildkaninchen sitzt auf einer kurzrasigen Grünfläche
Für Wild- und Hauskaninchen bleibt Myxomatose gefährlich – Hauskaninchen lassen sich impfen, für Feldhasen gibt es keinen Impfschutz. Foto: John Torcasio / Unsplash+ License

Übertragen wird das Virus über Stechinsekten und Körperflüssigkeiten. Nach Erkenntnissen des Friedrich-Loeffler-Instituts spielt die Hasendichte für die Ausbreitung nur eine geringe Rolle – entscheidend ist die Dichte der Überträger, vor allem Stechmücken. Das erklärt, warum die Ausbrüche im Spätsommer gipfeln und warum auch dünn besetzte Reviere betroffen sein können. Für Menschen ist der Erreger nach aktuellem Kenntnisstand ungefährlich; außer Wild- und Hauskaninchen sind keine weiteren Tierarten betroffen. Halterinnen und Halter von Hauskaninchen können impfen lassen, für den Feldhasen gibt es diese Möglichkeit nicht. Weitere Krankheitsbilder, die im Revier auffallen können, sammelt unsere Einführung in die Wildkrankheiten.

Der 16. Oktober ist kein Startsignal

In Bayern beginnt die Jagdzeit auf den Feldhasen am 16. Oktober – zwei Wochen später als die bundesrechtliche Regelfrist, die am 1. Oktober öffnet. Wie die Länder von der Bundesfrist abweichen, zeigt unsere Übersicht zu Jagd- und Schonzeiten.

Der Deutsche Jagdverband empfiehlt, in Revieren mit vermehrtem Fallwild auf Hasenjagden zu verzichten. Wo Fasanen besetzt sind, sollten Treibjagden bis vier Wochen nach dem letzten Myxomatose-Fall ruhen. Hundearbeit am Hasen und die Weitergabe von Schleppenwild aus betroffenen Gebieten sind zu unterlassen. Umgekehrt gilt aber auch: Revierinhaber mit stabilen Besätzen und geringen Fallwildzahlen können die Bejagung fortführen. Ein pauschales Jagdverbot gibt es nicht – die Entscheidung trifft der Revierinhaber anhand der eigenen Zahlen.

Genau deshalb ist die Herbsttaxation dieses Jahr mehr als Statistikpflicht: Ohne Zähldaten fehlt die Grundlage für die Entscheidung. Wie die Erfassung 2026 abläuft, steht in unserem Beitrag zur Feldhasenzählung.

Eine Ausnahme kennt die Empfehlung ausdrücklich: Sichtbar schwer kranke Tiere dürfen im Rahmen von Hegeabschüssen auch außerhalb der regulären Jagdzeit entnommen werden, um ihnen weiteres Leid zu ersparen.

Im Revier jetzt konkret

  • Verendete und auffällige Feldhasen mit genauem Fundort dem Jagdpächter oder dem Veterinäramt melden; im Straubinger Stadtgebiet ist das Amt für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärwesen zuständig.

  • Ein bis zwei gut erhaltene Tierkörper zur Untersuchung einsenden, die übrigen Kadaver ordnungsgemäß beseitigen – niemals im Revier liegen lassen, vergraben oder auf den Luderplatz bringen.

  • Funde zusätzlich im Tierfund-Kataster erfassen, mit Foto und dem Vermerk „Verdacht auf Myxomatose“.

  • Kleidung, Schuhwerk und Ausrüstung nach dem Aufenthalt in betroffenen Revieren reinigen und desinfizieren.

  • Hundearbeit am Hasen aussetzen und kein Schleppenwild aus betroffenen Gebieten weitergeben.

Geschützte Landschaft entlang der Donau bei Bogen im Landkreis Straubing-Bogen
Die Donauniederung bei Bogen im Landkreis Straubing-Bogen: Reviere mit stabilen Besätzen dürfen weiter bejagen, entscheidend ist das Fallwild vor Ort. Foto: Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 3.0, Wikimedia Commons

Ob der Erreger bleibt, ist noch offen

Wie weit sich das Virus in Niederbayern ausbreitet, ist nicht abzusehen – die Behörden kündigen an, die Entwicklung zu beobachten, konkrete Prognosen liegen nicht vor. Offen ist auch, ob der Erreger dauerhaft bleibt. Fachlich gilt als wahrscheinlich, dass sich Myxomatose beim Feldhasen etabliert, weil das Virus in Überträgern und Umwelt überwintern kann. Für die betroffenen Besätze hat das eine Konsequenz, die gegen den jagdlichen Reflex läuft: Jeder Hase, der eine Infektion übersteht, trägt Antikörper und damit die Chance auf eine Resistenzentwicklung, wie sie beim Wildkaninchen über Jahrzehnte stattgefunden hat. Wie schnell das geht und ob es überhaupt gelingt, lässt sich derzeit nicht beantworten.

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Quelle

Landratsamt Straubing-Bogen, Pressemitteilung „Myxomavirus bedroht Feldhasen“ vom 8. September 2026: landkreis-straubing-bogen.de · Stadt Straubing, „Myxovirus bei Feldhasen nachgewiesen“: straubing.de · Deutscher Jagdverband, „Myxomatose bei Feldhasen breitet sich aus“: jagdverband.de · Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen / Forschungsstelle für Jagdkunde und Wildschadenverhütung: ljv-nrw.de · Landesjagdverband Schleswig-Holstein, Tierfund-Kataster: ljv-sh.de · Jagdzeiten: Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Energie: stmwi.bayern.de

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