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Bundesmeisterschaft im jagdlichen Schießen 2026: Warum in Liebenau der Schaft unten bleiben muss

Anfang September fällt in Liebenau der Titel im jagdlichen Schießen. 690 Startplätze, 350 mögliche Punkte – und bei Gleichstand entscheidet die Flinte.

LMLauritz Maaßen02. September 2026Bundesmeisterschaft, Jagdliches Schießen, Liebenau
Bundesmeisterschaft im jagdlichen Schießen 2026: Warum in Liebenau der Schaft unten bleiben muss

Anfang September treten auf der Schießanlage in Liebenau bei Nienburg bis zu 690 Jägerinnen und Jäger zur Bundesmeisterschaft im jagdlichen Schießen an. Wer noch nie zugesehen hat, erkennt den Unterschied zum olympischen Wurfscheibenschießen an einem Detail: Bis die Scheibe fliegt, muss der Schaft unter dem Ellenbogen bleiben.

Jagdliches Schießen – kurz erklärt

Sportschießen misst Präzision unter genormten Bedingungen. Jagdliches Schießen misst, ob jemand einen Schuss auf Wild beherrscht: geschossen wird auf Wildscheiben statt auf Ringscheiben, aus der Gewehrhaltung, die man auch im Revier hat, und ohne Auflage. Die Regeln stehen in der Schießvorschrift des Deutschen Jagdverbands, zuletzt in der Fassung vom 1. April 2024.

Drei Wettbewerbe, 350 Punkte, ein Stichentscheid

Ein Einzelschütze kann im kombinierten Büchsen- und Flintenschießen höchstens 350 Punkte erreichen. Das Kurzwaffenschießen läuft daneben als eigener Wettbewerb und bringt weitere 200 Punkte – teilnehmen darf daran aber nur, wer auch im kombinierten Schießen startet.

WettbewerbSchuss bzw. ScheibenWertungMaximum
Büchse20 Schuss auf vier Wildscheiben1 Ring = 1 Punkt200 Punkte
Flinte30 Wurfscheiben (15 Trap, 15 Skeet)1 Scheibe = 5 Punkte150 Punkte
Kurzwaffe20 Schuss auf 25 m1 Ring = 1 Punkt200 Punkte

Wie eng das zugeht, zeigt das Vorjahr: Matthias Avenriep gewann 2025 die Gesamtwertung mit 344 von 350 möglichen Punkten. Bei Gleichstand in der Kombination entscheidet nicht die Büchse, sondern das bessere Flintenergebnis – erst danach der Kugelteil.

Die Büchse: vier Wildscheiben, kein einziger aufgelegter Schuss

Die zwanzig Kugelschüsse verteilen sich auf vier Scheiben zu je fünf Schuss, und jede verlangt eine andere Anschlagart:

  • Rehbockscheibe, 100 Meter, stehend angestrichen – die Waffe wird an einem fest eingebauten Pfosten abgestützt.

  • Stehender Überläufer, 100 Meter, stehend freihändig, also nur mit Muskelkraft gehalten.

  • Fuchsscheibe, 100 Meter, liegend freihändig; Schützinnen und Schützen ab 65 dürfen stattdessen vom losen Zielstock schießen.

  • Flüchtiger Überläufer auf 50 oder 60 Meter, stehend freihändig. Die Scheibe läuft von rechts nach links in 1,8 bis 2,0 Sekunden über eine sechs Meter breite Schneise – gemessen vom Erscheinen bis zum Verschwinden des Pürzels.

Der flüchtige Überläufer ist der Prüfstein. Der Schütze ruft „Los!" oder löst selbst aus, die Scheibe erscheint innerhalb von drei Sekunden, und erst dann darf die Waffe aus der jagdlichen Gewehrhaltung in den Anschlag. Wer vorher anlegt oder unbeabsichtigt auslöst, bekommt den Schuss als Fehler angeschrieben.

Mobiler Schießstand in einem Zelt mit Schießtisch und Auflage für Büchsen
Ein mobiler Einschießstand: So kontrolliert man vor dem Wettkampf den Sitz der Büchse – mit Auflage. Genau das ist im Wettbewerb verboten, dort fallen alle zwanzig Kugelschüsse angestrichen, freihändig oder liegend. Foto: Florian Schmidt / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Die Flinte: 30 Wurfscheiben – und ein Streifen auf der Jacke

Auf dem Trapstand stehen die Schützen 11,0 Meter hinter der Vorderkante des Maschinenunterstands und beschießen 15 Wurfscheiben, die vom Boden weg vor ihnen abfliegen. Auf dem Skeetstand kommen 15 weitere dazu, geworfen aus einem Hoch- und einem Niederhaus quer zur Schusslinie: je zwei Scheiben von den Ständen 1 bis 7, dazu eine fünfzehnte vom Niederhaus. Von den Ständen 2, 6 und 7 sind es Doubletten – zwei gleichzeitig geworfene Scheiben, bei denen zuerst die abfliegende, dann die kommende zu treffen ist.

Der Unterschied zum olympischen Trap ist die Anschlagmarkierung: Auf der Anschlagseite der Schießjacke muss ein etwa 25 Zentimeter langer und zwei Zentimeter breiter Streifen dauerhaft angebracht sein. Die untere Schaftspitze muss auf oder unterhalb dieser Markierung liegen, den Körper berühren und dort bleiben, bis die Scheibe erscheint. Der Hauptrichter kontrolliert das mit angelegtem Oberarm und waagerechtem Unterarm. Wer den Schaft vorher hochzieht, schießt nicht mehr jagdlich.

Bei Bundesmeisterschaften ist die Schrotladung außerdem auf 24 Gramm gedeckelt – bei normalen Wettbewerben sind 36 Gramm zulässig. Vernickelte Schrote sind verboten, und beim Durchmesser trennt die Ausschreibung die beiden Stände: höchstens 2,5 Millimeter beim Trap, höchstens 2,0 Millimeter beim Skeet.

Schützin mit Flinte im Anschlag auf einem Trapstand, im Hintergrund die Wurfanlage
Trap in der olympischen Variante: Die Waffe liegt schon vor dem Abruf in der Schulter. Bei der Bundesmeisterschaft im jagdlichen Schießen wäre dieser Anschlag ein Regelverstoß. Foto: Sgt. 1st Class Kulani Lakanaria, U.S. Army / Wikimedia Commons (Public Domain)

Die Kurzwaffe: 25 Meter, verschwindende Scheibe, Waffe im Futteral

Geschossen wird auf die DJV-Scheibe Nr. 7 im Format 780 × 470 Millimeter, deren Bewertung erst beim sechsten Ring beginnt – alles weiter außen zählt null. Die Scheibe steht abgedreht hinter der Deckung und dreht sich für eine feste Zeit heraus. Drei Bedingungen mit zusammen zwanzig Schuss:

  • Zeitschießen: eine Serie mit fünf Schuss. Die Scheibe erscheint fünfmal für je drei Sekunden, dazwischen sieben Sekunden Pause. Der Schütze wartet mit ausgestrecktem Schießarm in etwa 45 Grad zum Boden.

  • Fertigkeitsschießen: zwei Serien à fünf Schuss, Scheibe zehnmal für je vier Sekunden. Hier hängen die Arme herab und die Waffe steckt im untergeschnallten oder in der Kleidung getragenen Futteral – das ist die Bedingung, die der Situation auf der Nachsuche am nächsten kommt.

  • Schnellfeuerschießen: fünf Schuss, während die Scheibe ein einziges Mal für acht Sekunden erscheint.

Überdachte 25-Meter-Schießanlage für Kurzwaffen mit mehreren Ständen und Blick auf die Scheibenanlage
Eine 25-Meter-Kurzwaffenanlage – dieselbe Distanz, auf der die Bundesmeisterschaft alle drei Pistolenbedingungen austrägt. Foto: Kleinkaliberverein Hunstig / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Anmelden kann sich niemand selbst

Startberechtigt sind ausschließlich Mitglieder der Landesjagdverbände, und die Meldung läuft allein über die Landesschießobleute. Die Punktzahl allein reicht nicht: Jeder Landesverband bekommt ein festes Kontingent, das sich an seiner Mitgliederstärke orientiert – Nordrhein-Westfalen 92 Plätze, Niedersachsen 90, Schleswig-Holstein 66, Berlin dagegen 9. Zusammen sind das 690 Startplätze, 294 für Einzelschützen und 396 für Mannschaftsschützen.

Wer überhaupt gemeldet werden darf, muss 2026 bei einer Landesmeisterschaft oder einem Qualifikationsschießen eine Mindestleistung im kombinierten Schießen erreicht haben:

KlasseJahrgängeMindestleistung
Jagdschützenklasse1972–1998320 Punkte
Altersklasse1962–1971315 Punkte
Seniorenklasse1961 und älter310 Punkte
Jugendklasse1999 und jünger280 Punkte
Damenklasse280 Punkte

Eine Mannschaft im kombinierten Schießen umfasst bis zu sechs Schützen, gewertet werden die vier besten – maximal also 1.400 Punkte. Im Kurzwaffenschießen sind es bis zu fünf Schützen, ebenfalls mit den vier besten in der Wertung. Das Nenngeld beträgt 75 Euro je Einzelstarter und 450 Euro je Mannschaft im kombinierten Schießen, für die Kurzwaffe 25 beziehungsweise 125 Euro; es ist Reuegeld. Die Ergebnislisten des Verbands führen darüber hinaus eine „Große Kombination", die in der Schießvorschrift selbst nicht definiert ist.

Woran Starter regelmäßig scheitern

  • Schaft zu früh hochgezogen: Die Markierung wird kontrolliert, höhere Streifen akzeptiert die Wettkampfleitung nicht.

  • Falsche Schrotladung: 24 Gramm sind das Maximum, vernickelte Schrote sind ausgeschlossen.

  • Dreimalige Waffenstörung in einer Serie – danach ist der Schütze aus dem weiteren Schießen raus.

  • Dreimaliges Doppeln der Flinte in einer Serie: Ausschluss aus dem Wettbewerb.

  • Verstoß eines einzigen Mannschaftsmitglieds: Die ganze Mannschaft fliegt aus der Mannschaftswertung, das Startgeld verfällt.

Was in Liebenau steht

Der LJN-Schießstand Liebenau liegt am Kuhlertweg in 31618 Liebenau, rund 15 Kilometer nördlich von Nienburg und etwa 60 Kilometer von Hannover entfernt; im Ortszentrum ist der Weg ausgeschildert. Die Anlage bringt mit, was die drei Wettbewerbe brauchen: Kugelbahnen auf 50 und 100 Meter mit Rehbock-, Keiler- und Fuchsscheibe, einen laufenden Keiler, einen Jagdparcours, Flintenstände samt Skeetanlage, einen Kurzwaffenstand und eine Büchsenmacherwerkstatt mit Meister direkt auf dem Gelände.

Ortsblick auf Liebenau in Niedersachsen mit Wohnhäusern und Straßenzug
Liebenau im Landkreis Nienburg: Im Ortszentrum ist der Weg zum Schießstand ausgeschildert, die Zufahrt zweigt links ab. Foto: Losch / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Drei Sätze zum Merken

  • 350 Punkte sind das Einzelmaximum in der Kombination; bei Gleichstand entscheidet die Flinte.

  • Jagdlich heißt: Wildscheiben, keine Auflage, Schaft unten bis zum Abruf.

  • Ohne Start im kombinierten Schießen kein Start mit der Kurzwaffe.

Was noch offen ist

Zu Zuschauern, Parken und Verpflegung gibt es weiterhin keine Angabe – die Terminliste des Schießstands vermerkt für die Wettkampftage lediglich, dass kein öffentliches Schießen stattfindet, was den Wettkampfbetrieb meint und über Besucher nichts aussagt. Auch die Hausnummer steht einmal als Kuhlertweg 2 und auf der Seite des Schießstands selbst als Kuhlertweg 2a. Auf der Übersichtsseite des Verbands zu den Bundesmeisterschaften stand Ende August 2026 noch die Ausgabe 2025 als aktuelle Veranstaltung.

Wann welche Klasse antritt, wann die Siegerehrungen stattfinden und wie man nach Liebenau kommt, steht im zweiten Teil: der Ablauf der vier Wettkampftage. Wer Trap und Skeet in der sportlichen Variante vergleichen will, findet die Regeln im Beitrag zur DM FITASC Universal Trap in Schale. Was das kommende EU-Verbot für die Schrotmunition bedeutet, steht in unserer Übersicht zum Bleischrotverbot. Zur Abgrenzung lohnt der Blick auf die Deutschen Meisterschaften des Schützenbunds in München – gleiche Disziplinnamen, anderes Regelwerk. Weitere Wettkampftermine sammeln wir unter Sportschießen.

Prüfung im Blick? Anschlagarten, Wildscheiben und Sicherheitsregeln auf dem Schießstand sind Prüfungsstoff – mit der Jagdkompass-App üben Sie genau diese Fragen.

Quelle

Disziplinen, Anschlagarten, Punktwertung und Ausschlussgründe nach der DJV-Schießstandordnung und Schießvorschrift in der Fassung vom 1. April 2024 sowie der Seite Bundesmeisterschaften des Deutschen Jagdverbands, abgerufen am 26. August 2026; dort auch das Ergebnis 2025. Startplatzkontingente, Mindestleistungen, Klassenjahrgänge, Nenngeld, Schrotgrenzen und Scheibenformat nach der Ausschreibung zur DJV-Bundesmeisterschaft 2026, veröffentlicht von der Landesjägerschaft Niedersachsen, abgerufen am 27. August 2026. Termin, Ort und Meldeweg nach dem Terminkalender des Landesjagdverbands Baden-Württemberg. Anlage, Anfahrtsbeschreibung und Belegung des Stands nach Terminen, Anfahrt und Schießstand der LJN-Schießstand Liebenau GmbH. Stand: 27. August 2026.

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