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Waffenkontrollen in Schleswig-Holstein: Ab 2027 kommen mindestens 30 Prozent unangemeldet – obwohl das Land die Hälfte will

Schleswig-Holstein schreibt erstmals eine Quote für unangekündigte Aufbewahrungskontrollen fest. Warum es 30 und nicht 50 Prozent sind und welche Kreise 2025 die meisten Verstöße fanden.

LMLauritz MaaßenWaffenkontrolle, Aufbewahrungskontrolle, Waffenrecht

Wer in Schleswig-Holstein eine Waffenbesitzkarte hat, muss ab 2027 häufiger mit Besuch ohne Vorwarnung rechnen: Das Innenministerium ergänzt seinen Kontrollerlass um eine verbindliche Quote für unangekündigte Waffenkontrollen von mindestens 30 Prozent. Das ist weniger, als das Ministerium den Waffenbehörden selbst empfiehlt. Der Grund dafür liegt in der Fläche.

Mindestens 30 Prozent ab dem Berichtsjahr 2027

Die Neuregelung steht in der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des SPD-Abgeordneten Niclas Dürbrook (Landtagsdrucksache 20/4874 vom 8. Oktober 2026). Danach ergänzt das Innenministerium seinen Erlass vom 6. Oktober 2022, der bisher nur die Menge der Kontrollen regelte: Jede Waffenbehörde der Kreise und kreisfreien Städte soll jährlich zehn Prozent der bei ihr gemeldeten Waffenbesitzer vor Ort kontrollieren. Ab dem Berichtsjahr 2027 müssen zusätzlich mindestens 30 Prozent dieser Besuche unangekündigt stattfinden. Das Land erhebt den Anteil dann erstmals statistisch.

Bisher gab es dafür nur eine mündliche Leitlinie aus einer Dienstbesprechung im November 2022: Die Mehrheit der Kontrollen solle möglichst unangekündigt erfolgen. Diese Erwartung bekräftigt das Ministerium sogar – mindestens die Hälfte der Besuche soll ohne Vorwarnung kommen. Verbindlich festgeschrieben werden aber nur 30 Prozent.

Warum die Quote unter der eigenen Empfehlung liegt

Den Abstand begründet das Ministerium mit dem Aufwand in den großen Flächenkreisen. Lange Anfahrten zwischen den Wohnorten und viele Waffenbesitzer binden dort mehr Personal als in Kiel oder Neumünster. Trifft eine Kontrolle niemanden an, muss die Behörde ein zweites Mal hinfahren. Der verpasste Besuch zählt nicht, die Zeit dafür fehlt aber für eine andere Kontrolle. Eine zu hohe Pflichtquote für Überraschungsbesuche könnte also die Zehn-Prozent-Vorgabe gefährden. Die 30 Prozent sollen den Behörden Zeit geben, ihre Abläufe umzustellen. Nach dem ersten Jahr will das Ministerium die Regel mit den Kreisen auswerten.

Ein Vergleich, wie oft angekündigte und unangekündigte Kontrollen Mängel finden, existiert nicht. Die Statistik unterscheidet beide Formen bislang nicht. Nach Angabe der Waffenbehörden entdecken sie Verstöße bei beiden Kontrollarten.

Das Innenministerium in Kiel an der Förde: Von hier kommt der Kontrollerlass, den das Land für 2027 um die 30-Prozent-Quote ergänzt. Foto: Bjoertvedt / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Kontrollen und Verstöße 2025 in allen 15 Waffenbehörden

Die Zahlen für 2025 zeigen, wie unterschiedlich die Kreise kontrollieren und wie unterschiedlich viel sie dabei finden.

WaffenbehördeKontrollen ohne AnlassWaffenbesitzer (30.06.2025)QuoteOrdnungswidrigkeitenStraftaten
Kiel2731.03226,45 %20
Flensburg8035622,47 %04
Rendsburg-Eckernförde6584.54814,47 %12
Steinburg2241.63213,73 %2021
Nordfriesland2892.10913,70 %290
Pinneberg3092.30813,39 %25
Neumünster3430611,11 %10
Plön2342.24610,42 %01
Dithmarschen2402.37210,12 %20
Lübeck1061.05610,04 %103
Ostholstein2772.8869,60 %5112
Stormarn2222.5798,61 %00
Herzogtum Lauenburg2442.8498,56 %03
Segeberg2383.5216,76 %112
Schleswig-Flensburg1143.2203,54 %101
Land gesamt3.54233.02012,20 %13954

Hinzu kamen 41 Kontrollen aus konkretem Anlass oder Verdacht. Wegen der festgestellten Verstöße leiteten die Behörden 2025 insgesamt 86 Widerrufsverfahren ein. Am Ende eines solchen Verfahrens kann der Verlust von Waffenbesitzkarte und Jagdschein stehen.

Auffällig ist der Abstand zwischen Nachbarkreisen. Ostholstein fand bei 280 Kontrollen 63 Verstöße, Stormarn bei 233 Kontrollen keinen einzigen. Die SPD sieht darin einen Hinweis darauf, dass Ankündigungen Zeit zum Aufräumen geben. Dürbrook kommentierte die Unterschiede gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit den Worten: „Das wird kaum ein Zufall sein." Belegt ist dieser Zusammenhang nicht, denn den Anteil unangekündigter Besuche je Kreis gibt es noch nicht. Für das Innenministerium ist das Ergebnis ein Beleg, dass die Kontrollen Mängel aufdecken. Die SPD hält 30 Prozent für zu wenig.

Was die 12,2 Prozent bedeuten

Die landesweite Quote ist der ungewichtete Durchschnitt der 15 Kreisquoten. Kiel mit rund 1.000 Waffenbesitzern zählt darin so viel wie Rendsburg-Eckernförde mit über 4.500. Teilt man die 3.542 Kontrollen durch alle 33.020 Waffenbesitzer, kommt man auf rund 10,7 Prozent. Die Zehn-Prozent-Vorgabe ist damit landesweit erfüllt, wenn auch knapper, als die Zahl 12,2 vermuten lässt.

Was die Quote für einen einzelnen Waffenbesitzer heißt

Ein Rechenbeispiel auf Basis der Mindestwerte: Kontrolliert ein Kreis genau zehn Prozent seiner Waffenbesitzer und davon genau 30 Prozent ohne Ankündigung, steht statistisch bei 3 von 100 Waffenbesitzern pro Jahr jemand unangemeldet vor der Tür. Landesweit wären das bei den Zahlen von 2025 gut 1.000 Überraschungsbesuche. Setzen die Kreise die Empfehlung der Hälfte um, wären es rund 1.770.

Am Recht selbst ändert sich nichts. Nach § 36 Absatz 3 WaffG müssen Waffenbesitzer der Behörde Zutritt zu den Räumen gewähren, in denen Waffen und Munition liegen. Gegen den Willen des Inhabers darf sie Wohnräume nur betreten, um dringende Gefahren für die öffentliche Sicherheit abzuwehren. Wie heikel solche Besuche für beide Seiten sein können, zeigte zuletzt die tödliche Waffenkontrolle in Berngau.

Nach dem Revier gehören Flinte und Patronen in den Schrank: Bei einer Aufbewahrungskontrolle zählt der Zustand zu Hause, nicht im Revier. Foto: Getty Images / Unsplash+ License

So bist du auf einen unangemeldeten Besuch vorbereitet

  • Waffen nach dem Revier- oder Standgang sofort in den Schrank, nicht erst am Abend.

  • Schlüssel oder Code so verwahren, dass Mitbewohner ohne Erlaubnis nicht herankommen.

  • Kaufbeleg oder Typenschild des Waffenschranks griffbereit halten. Für Schränke, die schon vor dem 6. Juli 2017 genutzt wurden, gilt nach § 36 Absatz 4 WaffG Bestandsschutz.

  • Prüfen, ob die Munition so aufbewahrt ist, wie es die Schrankklasse vorschreibt.

  • Bei Fragen zur eigenen Aufbewahrung vorher die Waffenbehörde des Kreises anrufen und nicht bis zum Besuch warten.

Mehr zur Befestigung des Schranks steht in unserem Beitrag Waffenschrank verankern.

Was bis 2027 noch offen ist

Den genauen Wortlaut des ergänzten Erlasses hat das Ministerium noch nicht veröffentlicht. Offen ist auch, wie die Kreise einen nicht angetroffenen Waffenbesitzer zählen und ob das Land Kreise unter 30 Prozent ähnlich anschreibt wie 2025 Segeberg und Schleswig-Flensburg, die die Zehn-Prozent-Vorgabe deutlich verfehlt hatten. Eine Reaktion der Jagd- und Schützenverbände auf die neue Quote war bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Auf Bundesebene läuft parallel die Evaluierung des Waffenrechts. Ihr Ergebnis könnte die Regeln für Kontrollen insgesamt verändern.

Landeshaus in Kiel: Über eine Kleine Anfrage im Landtag wurde die neue Kontrollquote öffentlich. Foto: Rüdiger Stehn / CC BY-SA 2.0 / Wikimedia Commons

Aufbewahrung ist Prüfungsstoff. Die Jagdkompass-App trainiert Aufbewahrungsvorschriften, Zuverlässigkeit und Waffenerlaubnisse mit Prüfungsfragen aus allen Bundesländern. Weitere Urteile und Gesetzesänderungen findest du in der Rubrik Recht.

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