Jagdkompass
NachrichtenTierseuchen

Vogelgrippe bei Wildvögeln 2026: Was Jäger jetzt über die Geflügelpest wissen müssen

Die Vogelgrippe trifft Wildvögel längst auch im Sommer. Was die aktuelle FLI-Einschätzung bedeutet und wie Jäger mit toten Wildvögeln und Wasserwild richtig umgehen.

LMLorena de Marco27. Juli 2026Vogelgrippe, Geflügelpest, Wildvögel
Vogelgrippe bei Wildvögeln 2026: Was Jäger jetzt über die Geflügelpest wissen müssen

Die Vogelgrippe bei Wildvögeln ist längst kein reines Winterthema mehr: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) meldet auch im Sommer 2026 laufend Nachweise der Geflügelpest, zuletzt Anfang Juli in Niedersachsen. Für Jäger heißt das: Wer im Revier auf tote Wasser-, Raben- oder Greifvögel stößt oder Wasserwild bejagt, sollte die aktuelle Lage kennen – und wissen, was zu tun ist.

Wichtig im Revier

Tote oder kranke Wildvögel niemals mit bloßen Händen anfassen und keine Federn sammeln. Verdächtige Funde – besonders Wasservögel, Greifvögel, Möwen oder Kraniche – dem zuständigen Veterinäramt melden.

Was ist passiert?

Die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI) des Subtyps H5N1 – umgangssprachlich Vogelgrippe oder Geflügelpest – zirkuliert 2026 weiter in deutschen Wildvogelbeständen. In seiner Risikoeinschätzung vom 7. Juli 2026 stuft das Friedrich-Loeffler-Institut das Risiko der Ausbreitung in wildlebenden Wasservogelpopulationen und des Eintrags in Geflügelhaltungen für den Sommer als gering ein. Entwarnung ist das aber nicht: Anfang Juli wurde das Virus in einer Kleinsthaltung im niedersächsischen Landkreis Wesermarsch nachgewiesen – die Tiere hatten sich nach Einschätzung der Behörden wahrscheinlich über Wildvögel angesteckt.

Weserfähre bei Lemwerder an der Weser in der Wesermarsch, Niedersachsen
Die Wesermarsch bei Lemwerder an der Weser: In diesem Landkreis wurde Anfang Juli 2026 ein H5N1-Nachweis bestätigt – der Kontakt zu Wildvögeln entlang der Gewässer gilt als wahrscheinliche Eintragsquelle. Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Der Fall reiht sich in ein anhaltendes Geschehen ein. Seit Jahresbeginn 2026 wurde das Virus bei mehr als 1.500 Wildvögeln festgestellt; hinzu kommen zahlreiche Ausbrüche in Nutzgeflügel- und Kleinstbeständen. Die schwere Welle des Winterhalbjahrs 2025/26 hatte vor allem ziehende Arten getroffen – unter den Kranichen wütete die Vogelgrippe so stark wie nie zuvor in Deutschland.

Welche Arten besonders betroffen sind

Wie sich das Geschehen verteilt, zeigt der jüngste detaillierte FLI-Bericht für den März 2026: 449 positive Wildvogel-Nachweise in 14 Bundesländern. Die Verteilung macht deutlich, worauf Jäger achten sollten.

ArtengruppeNachweise (März 2026)
Gänse195
Schwäne102
Greifvögel63
Möwen26

Auffällig ist der hohe Anteil bei Greifvögeln: Sie infizieren sich häufig, wenn sie geschwächte oder verendete Wasservögel schlagen und fressen. Wer die heimischen Arten sicher unterscheiden will, findet in unserem Überblick zum Greifvögel bestimmen am Flugbild eine Orientierung.

Kranich (Grus grus) auf einer Wiese
Kraniche gehörten in der Welle 2025/26 zu den am stärksten betroffenen Arten – das Massensterben unter ziehenden Kranichen war das bislang größte in Deutschland. Foto: Simon Mannweiler / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Warum die Vogelgrippe kein reines Winterthema mehr ist

Früher trat die Geflügelpest fast nur mit dem herbstlichen Vogelzug auf. Inzwischen weist das FLI das Virus ganzjährig nach – auch in den Sommermonaten. Das verändert die Risikolage für alle, die mit Wildvögeln in Kontakt kommen.

Für Wildvögel

Vor allem Wildenten können das Virus in sich tragen und ausscheiden, ohne selbst sichtbar zu erkranken. Sie gelten damit als stille Überträger, die das Geschehen über Gewässer und Rastplätze weitertragen.

Für Säugetiere

Das Virus springt zunehmend auf Säugetiere über. Für den März 2026 meldet das FLI Nachweise bei 7 Rotfüchsen und 5 Waschbären in mehreren Bundesländern – Tiere, die infizierte Vögel gefressen hatten.

Rotfuchs auf einer Wiese
Rotfüchse gehören zu den Säugetieren, bei denen H5N1 nachgewiesen wurde – meist nach dem Fressen infizierter Vögel. Foto: Romzig / Wikimedia Commons (CC0).

Auch wenn eine Ansteckung des Menschen mit H5N1 in Deutschland sehr selten ist: Der Übergang auf Füchse, Waschbären und Hauskatzen zeigt, dass das Virus die Artgrenze überschreiten kann. Das ist ein Grund mehr, im Revier konsequent auf Hygiene zu achten – so wie es sich auch bei anderen Tierseuchen wie der Tuberkulose bei Wildtieren bewährt hat.

Was bedeutet das für Jäger?

Jäger sind oft die Ersten, die auffällige Wildvögel im Revier bemerken – und ein wichtiges Frühwarnsystem für die Veterinärämter. Gleichzeitig können sie das Virus über Kleidung, Schuhe, Hund oder Fahrzeug verschleppen.

Konkret jetzt tun

  • Tote Wasser-, Greif- und Rabenvögel sowie Möwen dem Veterinäramt melden, nicht anfassen, keine Federn mitnehmen.

  • Nach Kontakt mit Wildvögeln in den nächsten 48 Stunden keine Geflügelhaltung betreten.

  • Die Jagd auf Wasserwild in Befallsgebieten zurückhaltend ausüben, um infizierte Vögel nicht aufzuscheuchen und zu verteilen.

  • Hunde von verendeten Vögeln und toten Tieren fernhalten; nach dem Bergen Hände gründlich waschen, Ausrüstung reinigen.

  • Regionale Allgemeinverfügungen des Kreisveterinäramts beachten – sie können zusätzliche Einschränkungen enthalten.

Der bewusste Umgang mit dem Hund am und im Wasser ist dabei nicht nur wegen der Vogelgrippe wichtig – das zeigt auch unsere Meldung zu den Blaualgen in der Donau.

Hintergrund: So wird die Lage überwacht

Wer die Zahlen liefert

Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) ist das nationale Referenzlabor für Tierseuchen. Es bündelt die Nachweise aus den Bundesländern im TierSeuchenInformationsSystem (TSIS) und veröffentlicht regelmäßig eine Risikoeinschätzung zur Aviären Influenza. Die konkreten Schutzmaßnahmen – etwa eine Stallpflicht oder Sperrzonen – ordnen die Kreisveterinärämter vor Ort an.

Für Jagdschein-Anwärter ist das Thema doppelt relevant: Anzeigepflichtige Tierseuchen, Zoonosen und der hygienische Umgang mit Fallwild gehören zum Prüfungsstoff im Fach Wildkrankheiten. Wer die Meldewege und Schutzmaßnahmen kennt, punktet nicht nur in der Prüfung, sondern handelt im Revier richtig.

Häufige Fragen

Darf ich Wasserwild bejagen, wenn Vogelgrippe im Umlauf ist?

Grundsätzlich ja, solange keine behördliche Sperrzone oder Allgemeinverfügung etwas anderes regelt. In Befallsgebieten wird jedoch empfohlen, die Bejagung von Wasserwild zurückhaltend auszuüben, um infizierte Vögel nicht aufzuscheuchen. Maßgeblich sind immer die Anordnungen des zuständigen Veterinäramts.

Kann mein Jagdhund sich mit H5N1 anstecken?

Ein Restrisiko besteht, denn das Virus wurde bereits bei Füchsen, Waschbären und Katzen nachgewiesen. Halte deinen Hund von verendeten Vögeln fern und lass ihn kranke oder tote Tiere nicht apportieren, wenn Vogelgrippe im Gebiet auftritt.

Was mache ich mit einem toten Wildvogel im Revier?

Nicht mit bloßen Händen anfassen. Melde den Fund dem Veterinäramt, das über eine Untersuchung entscheidet. Besonders Wasservögel, Greifvögel, Möwen und Kraniche gelten als aussagekräftige Indikatortiere für das Seuchengeschehen.

Wildkrankheiten sicher lernen: Zoonosen und Tierseuchen wie die Vogelgrippe sind typischer Prüfungsstoff. Mit der Jagdkompass App bereitest du dich kostenlos und offline auf die Jägerprüfung vor. Mehr aktuelle Meldungen findest du in unseren Nachrichten, etwa zur Tuberkulose bei Wildtieren oder zu invasiven Arten wie Nutria und Waschbär. Frisch dabei? Dann hilft dir unser Überblick zu den ersten Schritten nach dem Jagdschein.

Quelle

Diese Meldung basiert auf Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI) sowie den Hinweisen des NABU zur Vogelgrippe. Redaktionell aufbereitet für die Jagdkompass-Leserschaft.

Teilen:WhatsAppFacebookX