Tuberkulose bei Wildtieren ist zurück in den Schlagzeilen: In der thüringischen Rhön und im bayerischen Alpenraum ist der Erreger 2026 erneut bei Rotwild, Schwarzwild und Fuchs nachgewiesen worden. Für Jägerinnen und Jäger ist das mehr als eine Randnotiz – denn die Wild-Tuberkulose ist eine Zoonose, die unter bestimmten Umständen auch den Menschen erreichen kann.
Wichtig beim Aufbrechen
Auffällige Veränderungen an Lunge, Brust- und Bauchfell oder Lymphknoten sind ein Warnsignal. Verdächtiges Stück nicht verwerten, Aufbruch nicht in der Landschaft belassen und das zuständige Veterinäramt informieren.
Was ist passiert?
Die Wildtier-Tuberkulose beschäftigt 2026 gleich mehrere Regionen. Im Wartburgkreis in Thüringen laufen seit Jahren Monitoring-Programme – und die Zahlen aus dem Jahr 2025 sind deutlich: Laut Landesjagdverband Thüringen wurde die Tuberkulose dort bei rund 9,7 Prozent des untersuchten Rotwilds, bei 3,6 Prozent des Schwarzwilds und bei 2,6 Prozent der beprobten Füchse festgestellt. Anfang Januar 2026 kam in Thüringen erstmals ein positiver Dachs hinzu. Betroffen waren unter anderem Reviere rund um Kaltennordheim und Weilar; als Erreger wurde Mycobacterium bovis bestimmt.
Parallel bittet das Landratsamt Schmalkalden-Meiningen nach einem Tuberkulose-Verdacht bei Schwarzwild im Bereich Zillbach ausdrücklich Jäger und Tierhalter um erhöhte Aufmerksamkeit. Der Befund reiht sich in ein Bild ein, das die Behörden seit Langem beobachten.
Wo die Tuberkulose gerade steht
Auch im bayerischen Alpenraum ist die Erkrankung ein Dauerthema. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) untersucht seit der Jagdsaison 2011/12 systematisch Rotwild entlang der Alpenkette – bis Ende der Saison 2024/25 waren es gut 9.500 Stück. Der in Rotwild und Rind isolierte Erreger ließ sich dabei ausnahmslos als Mycobacterium caprae bestimmen. Im Landkreis Oberallgäu wies das LGL in den Saisons 2022/23 und 2023/24 jeweils zwei Fälle nach; in der Saison 2024/25 kam bei 460 Untersuchungen bis Jahresende ein weiterer Fall hinzu.
Über die Grenze hinweg zeigt sich, wie hartnäckig der Erreger ist: Im amtlichen Tuberkulose-Gebiet in Tirol wurden im Jagdjahr 2025/26 nach Angaben der AGES 138 Stück Rotwild beprobt, zehn davon waren positiv – eine Nachweisrate von 7,25 Prozent.
| Region | Ergebnis | Quelle |
| Wartburgkreis (Thüringen), 2025 | Rotwild 9,7 %, Schwarzwild 3,6 %, Fuchs 2,6 % | LJV Thüringen |
| Bayerischer Alpenraum, seit 2011/12 | ~9.500 Rotwild beprobt, Erreger M. caprae | LGL Bayern |
| Tirol (amtl. Tbc-Gebiet), 2025/26 | 138 Rotwild beprobt, 10 positiv (7,25 %) | AGES |
Was bedeutet das für Jäger?
Die Wild-Tuberkulose verläuft schleichend und ist dem lebenden Stück meist nicht anzusehen. Erkennbar wird sie oft erst beim Aufbrechen – an knotigen, verkästen Veränderungen an Lunge, Rippenfell oder Lymphknoten. Genau deshalb sind Jägerinnen und Jäger die entscheidenden „Augen im Revier".
Konkret jetzt tun
Beim Aufbrechen Organe und Lymphknoten bewusst ansehen; auf knotige oder verkäste Veränderungen achten.
Einweghandschuhe tragen, Hände und Messer danach gründlich reinigen und desinfizieren.
Verdächtiges Stück nicht verwerten und dem zuständigen Veterinäramt zur Untersuchung melden.
In ausgewiesenen Tuberkulose-Gebieten Wildbret erst nach negativem Untersuchungsergebnis verwerten.
Wildbret grundsätzlich gut durchgaren – das inaktiviert den Erreger zuverlässig.
Hintergrund: Zoonose mit Reservoir im Rotwild
Zusammen mit österreichischen Kollegen haben Fachbehörden das Rotwild im Alpenraum als Reservoir für Mycobacterium caprae identifiziert – die Population hält den Erreger also dauerhaft im Umlauf. Schwarzwild und Fuchs gelten eher als Anzeiger, die das Geschehen mittragen und sichtbar machen. Für die Bekämpfung ist das ein Grund, warum das Monitoring über erlegte Stücke so wichtig ist.
Für das Wild
Tuberkulose ist eine chronische bakterielle Erkrankung. Betroffene Stücke magern über Monate ab; der Erreger verbreitet sich über Atemwege, Ausscheidungen und gemeinsame Suhlen und Kirrungen.
Für den Menschen
Eine Ansteckung ist grundsätzlich möglich, aber nur bei sehr engem Kontakt – etwa beim Umgang mit stark verändertem Aufbruch. Für Waldbesucher besteht laut Behörden kein Grund zur Sorge; Hygiene und durchgegartes Wildbret sind der wirksame Schutz.
Häufige Fragen
Ist Wildbret von tuberkulosekranken Stücken gefährlich?
Sichtbar verändertes Wildbret gehört nicht auf den Teller. In ausgewiesenen Tuberkulose-Gebieten sollte erlegtes Wild vor der Verwertung untersucht werden. Unverändert erscheinendes, gründlich durchgegartes Wildbret gilt als unbedenklich – im Zweifel entscheidet das Veterinäramt.
Woran erkenne ich Tuberkulose beim Aufbrechen?
Typisch sind knotige, gelblich-verkäste Veränderungen an Lunge, Brust- und Bauchfell sowie an den Lymphknoten. Solche Befunde sind ein klares Signal, das Stück nicht zu verwerten und melden zu lassen.
Warum ist das für die Jägerprüfung relevant?
Wildkrankheiten und Zoonosen sind fester Bestandteil der Jägerprüfung. Wer Tuberkulose, ihre Anzeichen und den hygienischen Umgang mit Aufbruch und Wildbret kennt, sammelt Prüfungswissen und schützt sich zugleich in der Praxis.
Wildkrankheiten sicher lernen: Zoonosen wie die Tuberkulose sind typischer Prüfungsstoff. Mit der Jagdkompass App bereitest du dich kostenlos und offline auf die Jägerprüfung vor. Mehr aktuelle Meldungen findest du in unseren Nachrichten, etwa zur Afrikanischen Schweinepest oder zu invasiven Arten wie Nutria und Waschbär. Frisch in die Jagd gestartet? Dann hilft dir unser Überblick zu den ersten Schritten nach dem Jagdschein.
Quelle
Diese Meldung basiert auf Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), des Landesjagdverbands Thüringen, des Landratsamts Schmalkalden-Meiningen sowie der österreichischen AGES. Redaktionell aufbereitet für die Jagdkompass-Leserschaft.