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Streit ums Jagdgesetz: Kommt das umstrittene Jagdgesetz in Rheinland-Pfalz jetzt doch?

Das umstrittene Jagdgesetz in Rheinland-Pfalz soll zum 1. April 2027 in Kraft treten – doch Verordnungsentwürfe und Verbändebeteiligung fehlen. Der LJV fordert eine inhaltliche Überarbeitung.

LMLauritz Maaßen05. August 2026Jagdgesetz, Rheinland-Pfalz, Jagdrecht
Streit ums Jagdgesetz: Kommt das umstrittene Jagdgesetz in Rheinland-Pfalz jetzt doch?

Das umstrittene Jagdgesetz in Rheinland-Pfalz bleibt ein Streitfall: Die Novelle soll zum 1. April 2027 in Kraft treten – doch bis heute gibt es weder einen Entwurf der zugehörigen Landesjagdverordnung noch eine fachliche Abstimmung mit den Verbänden. Der Landesjagdverband (LJV) Rheinland-Pfalz fordert deshalb eine spürbare inhaltliche Überarbeitung, während die neue politische Mehrheit im Land das Gesetz im Wahlkampf noch klar abgelehnt hatte. Für Jäger und Jagdschein-Anwärter beginnt damit eine Phase der Unsicherheit: Was ab 2027 im Revier gilt, ist derzeit offen.

Stichtag steht, Inhalt offen

Trotz fehlender Verordnungsentwürfe und abgesagter Fachworkshops hält die Landesregierung am Inkrafttreten zum 1. April 2027 fest. Ohne Überarbeitung würde das Gesetz so gelten, wie es die frühere Koalition beschlossen hat – gegen den erklärten Widerstand von Jägerschaft und heutiger Regierungspartei.

Was ist passiert?

Wie das Jagdmagazin PIRSCH berichtet, hat eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag den aktuellen Stand der Jagdgesetz-Novelle offengelegt. Das Ergebnis: Es existiert bislang kein Entwurf der Landesjagdverordnung, eine fachliche Abstimmung der Regelungsbereiche hat nicht stattgefunden, die angekündigten Fachworkshops wurden abgesagt, und eine Beteiligung der Verbände gab es ebenfalls nicht. Am geplanten Inkrafttreten zum 1. April 2027 hält die Landesregierung dennoch fest.

Das eigentliche Gesetz war noch von der früheren Regierungskoalition verabschiedet worden – gegen erheblichen Protest aus der Jägerschaft. Seit der Landtagswahl haben sich die politischen Rahmenbedingungen jedoch grundlegend verändert: Die CDU hatte sich seinerzeit klar gegen das Gesetz positioniert, und auch der designierte Ministerpräsident sprach sich in einem Video gegen die Novelle aus.

LJV-Präsidentin Dr. Gitta Greif-Werner erwartet nach eigenen Worten „jetzt eine spürbare inhaltliche Überarbeitung" – und darüber hinaus einen offenen Gesetzgebungsprozess sowie eine ernsthafte fachliche Diskussion.

Besonders kritisch sieht der Verband den Plan, Gesetz und Verordnungen parallel zu konsultieren. Das sei „rechtlich fragwürdig" und praxisfern, so Greif-Werner: „Ein Gesetz setzt den rechtlichen Rahmen, quasi das Fundament." Erst wenn dieses Fundament stehe, könnten die Verordnungen sinnvoll ausgestaltet werden.

Der Stand der Novelle im Überblick

PunktStand laut Anfrage und LJV
Inkrafttreten des Gesetzesunverändert geplant zum 1. April 2027
Entwurf der Landesjagdverordnungliegt nicht vor
Fachliche Abstimmung der Regelungsbereichebislang nicht erfolgt
Fachworkshops zur Jagdverordnungabgesagt
Verbändebeteiligungbislang nicht erfolgt
Position des LJVinhaltliche Überarbeitung und offener Prozess gefordert

Um nicht nur zu kritisieren, sondern eigene Vorschläge auf den Tisch zu legen, hat der Landesjagdverband einen Expertenkreis unter Leitung von Klaus Nieding eingerichtet. Dieser erarbeitet fachliche Hinweise zur Umsetzung des Gesetzes und konkrete Formulierungsvorschläge, die dem zuständigen Ministerium zu Beginn der Beratungen vorgelegt werden sollen. Als Leitbilder nennt der Verband Subsidiarität, regionale Verantwortung, einen echten Wald-Wild-Ausgleich und die Zusammenarbeit von Jägern und Förstern.

Was bedeutet das für Jäger?

Für die Praxis gilt zunächst: Bis zum Inkrafttreten der Novelle bleibt das bisherige Landesjagdgesetz maßgeblich. Wer in Rheinland-Pfalz jagt oder dort seinen Jagdschein macht, sollte die Entwicklung aber genau verfolgen – denn ein neues Jagdgesetz verändert typischerweise zentrale Punkte des Revieralltags, von Abschussregelung und Wildschadensfragen bis zum Verhältnis von Wald und Wild.

Heikel ist vor allem die Verordnungslücke: Ein Gesetz ohne ausgearbeitete Durchführungsverordnungen lässt viele Detailfragen offen, die Jäger im Alltag unmittelbar betreffen. Genau hier setzt die Kritik des LJV an – und genau deshalb ist der Zeitplan bis April 2027 ambitioniert.

Das können Jäger in Rheinland-Pfalz jetzt tun

  • Entwicklung verfolgen: Mitteilungen von LJV, Kreisgruppen und Ministerium im Blick behalten – der Beratungsprozess soll jetzt beginnen.

  • Bis auf Weiteres gilt das aktuelle Landesjagdgesetz: laufende Abschusspläne, Pachtverträge und Reviervereinbarungen ändern sich vorerst nicht.

  • Verbändebeteiligung nutzen: Wer Praxiserfahrung einbringen will, kann das über die Kreisgruppen und den Expertenkreis des LJV tun.

  • Jagdschein-Anwärter: In der Prüfung zählt das geltende Recht. Änderungen ab 2027 würden erst nach Verkündung prüfungsrelevant.

Hintergrund: Warum Gesetz und Verordnung zusammengehören

Das Landesjagdgesetz

Setzt den rechtlichen Rahmen: Wer darf jagen, wie werden Reviere organisiert, welche Grundsätze gelten für Abschussregelung, Wildschaden und Wald-Wild-Verhältnis. Es wird vom Landtag beschlossen.

Die Landesjagdverordnung

Füllt den Rahmen mit Detailregeln – etwa zu Jagdzeiten und Verfahrensfragen. Sie wird vom Ministerium erlassen und muss zum Gesetz passen. Genau diese Entwürfe fehlen in Rheinland-Pfalz bislang.

Einordnung

Rheinland-Pfalz ist kein Einzelfall: Jagdrecht ist in Deutschland weitgehend Ländersache, und Novellen sind regelmäßig politisch umkämpft – zuletzt etwa bei der Jagdzeitenverordnung in Thüringen oder beim Neustart des Bayerischen Jagdverbands. Der Ausgang in Mainz dürfte deshalb auch über das Land hinaus beachtet werden.

Greif-Werner macht zugleich deutlich, dass die Jägerschaft die neue Landesregierung an ihren Ankündigungen messen wird: „Vertrauen entsteht nicht durch Ankündigungen, sondern durch nachvollziehbare Ergebnisse." Die Jägerinnen und Jäger in Rheinland-Pfalz wollten keine politischen Debatten, sondern verlässliche und praxistaugliche Regeln.

Häufige Fragen

Gilt das neue Jagdgesetz in Rheinland-Pfalz schon?

Nein. Die Novelle ist zwar verabschiedet, soll aber erst zum 1. April 2027 in Kraft treten. Bis dahin gilt das bisherige Landesjagdgesetz – und ob die Novelle unverändert kommt, ist nach dem Regierungswechsel offen.

Warum ist das Jagdgesetz so umstritten?

Die Novelle wurde von der früheren Regierungskoalition gegen breiten Protest der Jägerschaft beschlossen. Kritisiert werden neben Inhalten vor allem das Verfahren: abgesagte Fachworkshops, fehlende Verbändebeteiligung und die parallel geplante Konsultation von Gesetz und Verordnungen, die der LJV für rechtlich fragwürdig hält.

Was fordert der Landesjagdverband konkret?

Eine spürbare inhaltliche Überarbeitung des Gesetzes, einen offenen Gesetzgebungsprozess mit echter fachlicher Diskussion sowie Regelungen nach den Leitbildern Subsidiarität, regionale Verantwortung und Wald-Wild-Ausgleich. Ein Expertenkreis unter Klaus Nieding legt dazu eigene Formulierungsvorschläge vor.

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Quelle

Diese Meldung basiert auf einem Bericht von PIRSCH (Alexander Losert, 03.08.2026). Zitate von LJV-Präsidentin Dr. Gitta Greif-Werner nach PIRSCH. Redaktionell aufbereitet und eingeordnet für die Jagdkompass-Leserschaft.

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