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Rehkitzrettung mit Drohnen: Rekordjahr 2026 – was Jäger jetzt wissen müssen

7590 Rehkitze vor dem Mähtod gerettet – neuer Rekord. Warum Wärmebilddrohnen die Kitzrettung verändern und was das für Jäger und Landwirte bedeutet.

LMLorena de Marco04. August 2026Rehkitz, Rehkitzrettung, Mähtod
Rehkitzrettung mit Drohnen: Rekordjahr 2026 – was Jäger jetzt wissen müssen

Die Rehkitzrettung erlebt ein Rekordjahr: Zwischen April und Juli haben ehrenamtliche Teams mit Wärmebilddrohnen so viele Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt wie nie zuvor. Für Jägerinnen, Jäger und alle, die den Jagdschein anstreben, ist das mehr als eine gute Nachricht – es zeigt, wie sich Wildtierschutz, Landwirtschaft und moderne Technik in der Praxis verzahnen und welche Rolle Revierinhaber dabei spielen.

Das Wichtigste in Kürze

Der Verein Rehkitzrettung Schweiz meldete Ende Juli eine Rekordbilanz: rund 7590 gerettete Rehkitze, rund 800 ehrenamtliche Drohnenteams und 73.000 abgesuchte Hektar Wiesenfläche. In Deutschland fördert der Bund die Anschaffung von Wärmebilddrohnen 2026 erneut – mit bis zu 3000 Euro je Gerät.

Was ist passiert?

Wie der Verein Rehkitzrettung Schweiz in seiner Saisonbilanz mitteilte, spürten Freiwillige zwischen April und Juli 2026 landesweit rund 7590 Rehkitze im hohen Gras auf und bewahrten sie vor dem Tod durch Mähmaschinen – ein neuer Rekord. Nach Angaben des öffentlich-rechtlichen Senders SRF standen dafür rund 800 ehrenamtliche Drohnenteams im Einsatz. Die Zahl der Einsatztage stieg gegenüber dem Vorjahr um 1400 auf 7700.

Insgesamt seien 73.000 Hektar Wiesenfläche abgesucht worden, teilte der Verein mit – das entspricht rund 730 Quadratkilometern und damit gut der halben Fläche des Kantons Aargau.

Bemerkenswert ist die Bilanz laut Verein gerade deshalb, weil der April trocken und warm war: Viele Landwirtinnen und Landwirte konnten ihre Wiesen früh mähen, teils noch bevor die ersten Kitze gesetzt wurden. Möglich wurde der Rekord vor allem durch die Ausbildung neuer Pilotinnen und Piloten.

Person steuert eine Drohne über einem landwirtschaftlichen Feld
Vor dem ersten Schnitt suchen Teams die Wiesen frühmorgens per Drohne ab – die Wärmebildkamera macht die im Gras versteckten Kitze sichtbar. Foto: United Soybean Board / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Warum der Mähtod so viele Kitze trifft

Rehgeißen legen ihre Jungen in den ersten Lebenswochen bevorzugt im hohen Gras ab. Dort verlassen sich die Kitze auf ihren angeborenen Duckreflex: Statt zu fliehen, drücken sie sich reglos an den Boden – ein wirksamer Schutz vor Fuchs und Beutegreifern, aber fatal gegenüber dem Mähwerk. Der Kreiselmäher erfasst ein geducktes Kitz, ohne dass Fahrerin oder Fahrer es vom Schlepper aus sehen können.

Genau in diese Zeit fällt der erste Grasschnitt. Die offizielle Statistik weist laut Rettungsorganisation im Schnitt rund 1500 beim Mähen getötete Rehkitze pro Jahr allein in der Schweiz aus – Fachleute gehen von einer deutlich höheren Dunkelziffer aus. Ähnlich ist die Lage in Deutschland und Österreich, wo Jägerschaft und Landwirtschaft in denselben Wochen gegen den Mähtod arbeiten.

Traktor mit Kreiselmähwerk mäht eine Wiese
Der Kreiselmäher ist schnell und flächig – ein geducktes Kitz hat keine Chance, wenn die Fläche vorher nicht abgesucht wurde. Foto: Joris Egger / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Was bedeutet das für Jäger?

Der Schutz von Wild vor vermeidbarem Leid gehört zum Kern der Weidgerechtigkeit – und beim Mähtod sind Revierinhaber oft die zentrale Schnittstelle. Wer weiß, wann der Nachbarlandwirt mäht, kann rechtzeitig eine Drohnenkontrolle organisieren, Flächen abgehen oder mit Vergrämung arbeiten. Das ist nicht nur ethisch geboten, sondern auch tierschutzrechtlich relevant: Wer eine Mahd ohne zumutbare Schutzmaßnahmen durchführt, riskiert einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Konkret vor der Mahd tun

  • Kontakt zu den Landwirten im Revier halten und Mähtermine frühzeitig abfragen.

  • Flächen am Morgen der Mahd per Wärmebilddrohne absuchen – Kitze sind bei kühler Bodentemperatur am besten sichtbar.

  • Gefundene Kitze nie mit bloßen Händen anfassen: mit Grasbüschel greifen oder in eine Kiste setzen, damit die Geiß sie wieder annimmt.

  • Von außen nach innen mähen oder Flächen akustisch/optisch verblenden, wenn keine Drohne verfügbar ist.

  • Einsätze und Funde dokumentieren – das schützt auch rechtlich ab.

Für Jagdschein-Anwärter ist das Thema doppelt lehrreich: Es verbindet Wildbiologie (Setzzeit und Verhalten des Rehwilds), Tierschutzrecht und die Zusammenarbeit von Jagd und Landwirtschaft – Bausteine, die in der Jägerprüfung immer wieder abgefragt werden.

Hintergrund: Technik, Förderung und Grenzen

Wie die Drohne das Kitz findet

Wärmebildkameras erkennen die Körperwärme des Kitzes im kühlen Morgengras als hellen Punkt. Deshalb starten die Teams meist vor Sonnenaufgang: Je größer der Temperaturunterschied zwischen Tier und Umgebung, desto zuverlässiger die Ortung. Später am Tag heizt sich die Wiese auf und die Trefferquote sinkt.

Was der Bund fördert

In Deutschland unterstützt der Bund die Anschaffung von Drohnen mit Wärmebildtechnik 2026 erneut. Nach Angaben des zuständigen Bundesministeriums stehen dafür rund 2,1 Millionen Euro bereit; gefördert wird je Drohne ein Festbetrag von bis zu 3000 Euro. Antragsberechtigt sind unter anderem Vereine, die Kitzrettung organisieren.

Luftbild einer landwirtschaftlich geprägten Landschaft mit Wiesen und Feldern im Aargauer Reusstal
730 Quadratkilometer Wiesenfläche wurden 2026 abgesucht – gut die halbe Fläche des Kantons Aargau (im Bild das Aargauer Reusstal). Foto: Joris Egger / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

So wirksam die Drohne ist, sie hat Grenzen: Nasses oder hohes Wetter, aufgeheizte Böden und Zeitdruck vor der Mahd erschweren die Suche. Und die Technik ersetzt nicht die Absprache – ohne den Mähtermin des Landwirts fliegt die beste Drohne am falschen Tag. Der Rekord 2026 gelang nicht durch mehr Geräte allein, sondern durch mehr ausgebildete Menschen, die sie einsetzen.

Häufige Fragen

Warum fliehen Rehkitze nicht vor dem Mäher?

In den ersten Lebenswochen haben Kitze einen Duckreflex: Sie bleiben reglos liegen, statt zu fliehen. Das schützt vor Beutegreifern, macht sie aber für Mähmaschinen unsichtbar.

Darf ich ein gefundenes Kitz einfach hochheben?

Besser nicht mit bloßen Händen. Fasse es mit Handschuhen und einem Grasbüschel an oder setze es in eine luftige Kiste am Feldrand, damit die Geiß es nach der Mahd wieder annimmt.

Muss ein Landwirt vor dem Mähen absuchen lassen?

Wer eine Wiese mäht, muss zumutbare Maßnahmen ergreifen, um Wildtiere zu schützen. Unterbleibt das trotz bekannter Gefahr, kann ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegen. Die Drohnenkontrolle ist die derzeit wirksamste Maßnahme.

Ob Setzzeit, Wildbiologie oder Tierschutzrecht: Wer für den Jagdschein lernt oder sein Wissen auffrischt, findet in der Jagdkompass-App strukturierte Inhalte mit Prüfungsfragen. Weitere aktuelle Meldungen sammeln wir in unseren Nachrichten. Passend dazu: alles zum Rehwild in der Blattzeit, die Gefahr durch Wildunfälle mit Rehen im Sommer und die Rückkehr eines Beutegreifers beim Luchs im Schwarzwald.

Quelle

SRF (öffentlich-rechtlicher Rundfunk), Meldung vom 28.07.2026: Freiwillige retten 7590 Rehkitze vor dem Mähertod, auf Basis der Saisonbilanz des Vereins Rehkitzrettung Schweiz. Angaben zur deutschen Drohnenförderung nach dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat.

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