Die Jagdstrecke Rheinland-Pfalz 2025/26 setzt bei zwei wichtigen Wildarten klare Marken: 106.995 Stück Rehwild stehen in der neuen Landesstatistik, beim Schwarzwild steigt die Zahl auf 70.441 Stück. Auch Waschbär, Feldhase und mehrere Gänsearten legen zu. Für Jäger ist das keine bloße Rangliste, sondern ein Anlass, die Entwicklung im eigenen Revier genauer mit den regionalen Daten abzugleichen.
Strecke ist nicht gleich Bestand
Eine höhere Jagdstrecke beweist für sich allein noch keinen entsprechend größeren lebenden Wildbestand. Jagderfolg, Bejagungsintensität, Witterung, Nahrungsangebot, Fallwild und Meldepraxis beeinflussen die Werte. Belastbar wird die Einordnung erst zusammen mit Revierbeobachtungen, Wildschäden und Monitoringdaten.
Was ist passiert?
Landesforsten Rheinland-Pfalz hat die Streckenstatistik um das Jagdjahr 2025/26 ergänzt. Rehwild erreicht mit 106.995 Stück den höchsten Wert der auf der Seite dargestellten Reihe seit 2013/14. Gegenüber dem Vorjahr entspricht das einem Plus von knapp zwei Prozent. Deutlich stärker steigt Schwarzwild: von 62.005 auf 70.441 Stück, also um rund 13,6 Prozent.
Bei weiteren Haarwildarten verlaufen die Änderungen unterschiedlich. Die Waschbärstrecke wächst um gut 18 Prozent auf 4.960 Stück, während Damwild auf 3.927 und Muffelwild auf 2.169 Stück zurückgeht. Beim Feldhasen stehen 5.009 Stück in der Tabelle, etwa zehn Prozent mehr als 2024/25.
| Wildart | 2024/25 | 2025/26 | Veränderung |
| Rehwild | 104.998 | 106.995 | +1,9 % |
| Schwarzwild | 62.005 | 70.441 | +13,6 % |
| Waschbär | 4.198 | 4.960 | +18,2 % |
| Feldhase | 4.552 | 5.009 | +10,0 % |
| Damwild | 4.626 | 3.927 | −15,1 % |
| Muffelwild | 2.523 | 2.169 | −14,0 % |
Warum Schwarzwild und Waschbär besonders auffallen
Beim Schwarzwild folgt auf den leichten Anstieg im Vorjahr nun ein deutlich größerer Sprung. Das ist für Reviere auch wegen der Prävention gegen die Afrikanische Schweinepest relevant. Fallwild, krank erlegte und verunfallte Wildschweine müssen in Rheinland-Pfalz weiterhin in das vorgesehene Monitoring einfließen. Welche Unterstützung andere Länder bei der Probenahme einsetzen, zeigt unser Beitrag zur ASP-Aufwandsentschädigung in Niedersachsen.
Der Waschbär setzt ebenfalls seinen Aufwärtstrend fort: Seit 2021/22 hat sich die Strecke von 1.931 auf 4.960 Stück mehr als verdoppelt. Das erhöht die Bedeutung eines sauberen Wildtier- und Hygienemanagements. Beim Umgang mit erlegten Tieren lohnt deshalb auch der Blick auf die Hinweise zum Waschbärspulwurm.
Was bedeutet das für Jäger?
Landeswerte geben eine Richtung vor, ersetzen aber keine lokale Analyse. In einem Feldrevier können sich die Ursachen einer höheren Strecke deutlich von denen in Eifel, Hunsrück oder Pfälzerwald unterscheiden. Entscheidend ist deshalb, die eigene Streckenliste mit Sichtbeobachtungen, Wildschäden, Fallwild und den Daten der Hegegemeinschaft oder Jagdbehörde zusammenzuführen.
Für die Revierpraxis
Die eigene Strecke 2025/26 nach Wildart, Fallwildanteil und Jagdart auswerten.
Auffällige Abweichungen mit Nachbarrevieren oder der Hegegemeinschaft vergleichen.
Bei Schwarzwild die Vorgaben zur ASP-Probenahme und Biosicherheit konsequent einhalten.
Steigende Rehwildwerte nicht isoliert deuten, sondern Verbisssituation und waldbauliche Ziele einbeziehen.
Maßnahmen zur Jungwildrettung frühzeitig für die nächste Saison abstimmen; Praxisbeispiele zeigt die Rehkitzrettung mit Drohnen.
Hintergrund: Was die Jagdstrecke aussagt
Was sie gut zeigt
Die gemeldeten Strecken erlauben Vergleiche zwischen Jagdjahren. Mehrjährige Reihen machen sichtbar, bei welchen Wildarten sich Entnahme und registrierte Abgänge dauerhaft verändern.
Was sie nicht allein zeigt
Aus der Strecke lässt sich keine exakte Populationsgröße ablesen. Für Bestandsaussagen braucht es ergänzende Daten aus Monitoring, Lebensraum, Reproduktion, Fallwild und Wildschadensentwicklung.
Für Jagdschein-Anwärter ist die Unterscheidung prüfungsrelevant: Die Strecke dokumentiert das Ergebnis eines Jagdjahres; Hege, Abschussplanung und Wildschadensvermeidung betrachten dagegen den Wildbestand und seine Wirkung im Lebensraum. Informationen zur Ausbildung im Land bündelt unsere Seite zum Jagdschein in Rheinland-Pfalz.
Häufige Fragen
Welche Wildart hat die höchste Strecke in Rheinland-Pfalz?
Unter den ausgewiesenen Haarwildarten liegt Rehwild 2025/26 mit 106.995 Stück vorn, gefolgt von Schwarzwild mit 70.441 Stück.
Bedeutet die höhere Schwarzwildstrecke automatisch mehr Wildschweine?
Nein. Sie kann mit einem höheren Bestand zusammenhängen, wird aber auch durch Jagdintensität, Witterung, Nahrungsangebot und Jagderfolg beeinflusst. Für eine belastbare Aussage müssen weitere Daten hinzukommen.
Warum sind die Zahlen für die Revierplanung wichtig?
Sie liefern einen landesweiten Vergleichsrahmen. Abweichungen im eigenen Revier können dadurch früher auffallen und mit Hegegemeinschaft, Jagdbehörde oder Nachbarrevieren gezielt besprochen werden.
Weitere aktuelle Meldungen zu Wild, Jagdpraxis und Recht findest du in unseren Jagdkompass-Nachrichten.
Quelle
Datengrundlage: Landesforsten Rheinland-Pfalz – Statistik der Jagdstrecken, Tabellenstand mit Jagdjahr 2025/26. Prozentwerte wurden aus den veröffentlichten Jahreswerten berechnet.