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Hecht am Steinhuder Meer: Entnahmefenster von 50 bis 90 Zentimetern gilt ab sofort

Nach dem Hitzesterben im Juni greift Niedersachsen mitten in der Saison durch: Am Steinhuder Meer darf nur noch Hecht zwischen 50 und 90 Zentimetern entnommen werden. Der kapitale Fisch muss zurück.

LMLorena de Marco29. August 2026Hecht, Steinhuder Meer, Entnahmefenster
Hecht am Steinhuder Meer: Entnahmefenster von 50 bis 90 Zentimetern gilt ab sofort

Am Steinhuder Meer gilt für den Hecht ab sofort ein Entnahmefenster von 50 bis 90 Zentimetern. Mitnehmen darf man nur noch Fische innerhalb dieser Spanne – alles darunter und alles darüber geht schonend zurück ins Wasser, auch der kapitale Meterhecht. Auslöser ist das Hitzesterben Ende Juni, bei dem in Niedersachsens größtem See über 1.000 große Laichhechte verendeten.

Was jetzt ins Maß fällt – und was zurück muss

Ein Entnahmefenster ist kein Mindestmaß mit Deckel obendrauf, sondern eine Spanne: Nur wer dazwischen liegt, darf mitgenommen werden. Die neue Fischereiordnung des Anglerverbands Niedersachsen mit Stand August 2026 setzt den Hecht damit auf dieselbe Logik wie den Zander, für den am Steinhuder Meer längst eine Obergrenze gilt.

ArtMindestmaß bzw. EntnahmefensterSchonzeit
Hecht50–90 cm (neu)1.2. – 15.4.
Zander50–75 cm1.2. – 31.5.
Flussbarsch0–40 cm
Karpfenab 40 cm
Schleieab 30 cm
Aalab 50 cm15.10. – 28.2.

Wichtig ist der zweite Teil der Regel, der beim schnellen Lesen gern untergeht: Zurückgesetzte Fische müssen in die Fangstatistik eingetragen werden – mit Datum, Art und Länge, genau wie entnommene. Der 96er Hecht verschwindet also nicht aus den Büchern, nur weil er wieder schwimmt. Genau diese Daten sollen im Herbst zeigen, wie stark der Bestand tatsächlich gelitten hat. Ähnlich funktioniert die Meldepflicht bei anderen Beschränkungen, etwa rund um die Aalschonzeit an Nord- und Ostsee.

Vor dem nächsten Ansitz erledigen

  • Angeltag mit Datum vor dem ersten Wurf in die Fangstatistik eintragen, ohne Fang eine Leermeldung setzen.

  • Jeden Hecht mit Länge notieren – auch zurückgesetzte, händisch auf der Papierkarte oder digital in der hejfish-App.

  • Abhakmatte oder breite Maßschale mitführen; als Landehilfe nur den Kescher, Fischgreifer und Gaffs sind untersagt.

  • Fang spätestens nach Ablauf der Fischereierlaubnis auf hejfish.com abschließen – bei ausbleibender Meldung kann die nächste Erlaubnis verweigert werden.

Weite Wasserfläche des Steinhuder Meeres unter blauem Himmel
Das Steinhuder Meer bei Steinhude: Niedersachsens größtes Stillgewässer ist im Mittel nur rund 1,4 Meter tief – kühle Tiefenzonen, in die Hechte bei Hitze ausweichen könnten, gibt es hier nicht. Foto: Kevin Kepa / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Fünf Tage über 30 Grad – warum es die größten Hechte traf

Ende Juni kletterte das Wasser im Bereich Steinhude fünf Tage lang auf 30 bis 32 Grad. Weil Wind und Wellen den flachen See ständig komplett durchmischen, herrschten diese Temperaturen von der Oberfläche bis zum Grund. Hechte sind dabei deutlich empfindlicher als andere große Raubfische: Zander kommen mit rund 28 Grad zurecht, Welse mit über 30 Grad, während Hechte schon ab etwa 23 Grad dauerhaft unter Stress stehen.

Der Sauerstoffgehalt lag mit 6,5 bis 7,8 Milligramm pro Liter selbst an den heißesten Tagen im ordentlichen Bereich – deshalb starben andere Arten kaum, neben den Hechten wurden nur vereinzelt Flussbarsche und Quappen gefunden. Für die großen Fische reichten diese Werte trotzdem nicht. Verbandsbiologe Matthias Emmrich geht von Organversagen aus: Bei großen Individuen steht weniger Kiemenoberfläche und Herzleistung pro Körpermasse zur Verfügung, gleichzeitig treibt die Hitze den Sauerstoffbedarf hoch. Das Ergebnis ist eine physiologische Hypoxie, also eine kritische Unterversorgung von Zellen und Gewebe – obwohl im Wasser rechnerisch genug Sauerstoff war.

Passend dazu waren die Opfer fast ausschließlich Hechte ab 60 Zentimetern Länge. Getroffen hat es damit ausgerechnet die Laichfische, die den Bestand tragen. Dass Hitzeperioden Gewässer bis an diese Grenze bringen, war 2026 kein Einzelfall – an der Agger und in Sachsen endeten ähnliche Wetterlagen ebenfalls mit toten Fischen, und was anhaltende Hitze für Tiere, Wald und Gewässer bedeutet, zeigte sich in diesem Sommer bundesweit.

Europäischer Hecht (Esox lucius) in Seitenansicht im Wasser
Hechte ab 60 Zentimetern waren die Hauptopfer des Sterbens – dieselbe Größenklasse, die das neue Fenster ab 90 Zentimetern nun konsequent schützt. Foto: Georg Mittenecker / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.5)

Ein Enddatum nennt die Verfügung nicht

Erlassen hat die Regelung das Land Niedersachsen als Eigentümer des Gewässers, nach einem Termin im Landwirtschaftsministerium. Sie gilt ab sofort und mitten in der laufenden Saison – ein Ablaufdatum ist bislang nicht genannt. Im Herbst sollen Untersuchungen zum Hechtbestand folgen; erst danach lässt sich beziffern, wie viel vom Laichfischbestand übrig ist. Bis dahin bleibt offen, ob das Fenster in dieser Form bestehen bleibt, verschärft oder wieder gelockert wird. Realistisch ist, dass die Erholung Jahre dauert.

Flaches Ostufer des Steinhuder Meeres mit breitem Schilf- und Verlandungsgürtel
Das Naturschutzgebiet Ostufer Steinhuder Meer mit seinem breiten Verlandungsgürtel: In solchen Flachwasserzonen laichen Hechte – hier zeigt sich im Herbst, ob genug Nachwuchs die Lücke füllt. Foto: Puusterke / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Häufige Fragen zum Entnahmefenster am Steinhuder Meer

Was passiert, wenn ich einen 95er Hecht trotzdem mitnehme?

Verstöße gegen die Fischereiordnung können mit dem entschädigungslosen Entzug des Fischereierlaubnisscheins geahndet werden, dazu kommt ein befristetes oder dauerhaftes Angelverbot für das Steinhuder Meer – unabhängig von einem möglichen Straf- oder Bußgeldverfahren.

Gilt das Fenster auch für Gastangler mit Tageskarte?

Ja. Die Fischereiordnung bindet jeden Inhaber eines Fischereierlaubnisscheins für dieses Gewässer, unabhängig davon, ob die Karte für einen Tag oder eine Saison gilt.

Regeln an Gewässern ändern sich derzeit schneller als die Angelsaison lang ist. Aktuelle Meldungen zu Schonzeiten, Sperrungen und Bestandsentwicklungen sammeln wir laufend in unseren Nachrichten.

Quelle

Fischereiordnung für die Ausübung der Angelei im Steinhuder Meer, Stand 08/2026, sowie die Mitteilungen des Anglerverbands Niedersachsen e. V. zum neuen Entnahmefenster und zum Hechtsterben im Juni 2026. Ergänzend die Pressemitteilung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) zum hitzebedingten Fischsterben in den Uferbereichen des Sees.

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