Zwei Regionen, zwei Ursachen, dasselbe Bild: An der Agger bei Engelskirchen sind ein Jahr nach dem großen Fischsterben erneut hunderte Fische in Gefahr, weil ein Wasserkraftwerk dem Fluss das Wasser entzieht. In Sachsen sammeln Angler unterdessen tonnenweise verendete Fische aus überhitzten, sauerstoffarmen Gewässern. Das Fischsterben 2026 zeigt, wie schnell ein Lebensraum kippt – und was das für alle bedeutet, die draußen mit der Natur arbeiten.
Worum es geht
Fischsterben ist kein Randthema für Angler. Gesunde Fließgewässer sind Lebensadern für Niederwild, Wasservögel und den gesamten Auenlebensraum. Wo Fische massenhaft verenden, ist das Ökosystem bereits aus dem Gleichgewicht.
Was ist passiert?
An der Agger bei Engelskirchen Ohl-Grünscheid (Nordrhein-Westfalen) verendeten vor gut einem Jahr hunderte Fische, nachdem das nahegelegene Wasserkraftwerk den Wasserfluss unterbrochen hatte. Teile des Flussbetts fielen trocken. Nach WDR-Angaben hat sich die Lage bis heute nicht entspannt: Der Pegel ist erneut extrem niedrig, das Stauwehr so weit hochgezogen, dass die Agger in einem Bereich nicht mehr fließt.
"Uns ist keine Fischschutzmaßnahme bekannt, die in irgendeiner Weise die Lage verändert hätte", sagt Markus Klein, Vorstandsmitglied der Angelsportfreunde Engelskirchen, dem WDR. "In dem Bereich, wo wir das Fischsterben festgestellt haben, hat sich nichts verbessert."
Die Bezirksregierung Köln hat den Betreiber zwar verpflichtet, den Wasserstand nicht mehr schlagartig abzusenken – von März bis Juni nur noch um zehn Zentimeter pro Stunde, von Juli bis Dezember um 30 Zentimeter. Den Anglern reicht das nicht: Bei den aktuellen Niedrigständen sei die Agger stellenweise nicht einmal zehn Zentimeter tief, Fische säßen in Pfützen fest und verendeten beim weiteren Absinken. Die für Umweltstraftaten zuständige Staatsanwaltschaft Dortmund ermittelt weiter gegen zwei Mitarbeiter des Kraftwerksbetreibers.
Zwei Ursachen, ein Muster
Während an der Agger ein menschlicher Eingriff die Ursache ist, trifft Sachsen die Klimaseite des Problems mit voller Wucht.
Agger (NRW): der Kraftwerks-Eingriff
Ein geschlossenes Stauwehr und eine abgeschaltete Turbine ließen Teile des Flusses trockenfallen. Der einzig wirksame Schutz wäre nach Ansicht der Angler eine verbindliche Mindestwasserführung – doch das alte Wasserrecht der Stauanlage sieht eine solche laut Bezirksregierung bislang nicht vor.
Sachsen: Hitze und Trockenheit
Allein 2026 sammelte der Anglerverband Leipzig sieben bis acht Tonnen tote Fische. In der Teichwirtschaft Wermsdorf verendete rund eine Tonne. Wassertemperaturen bis 30 Grad und Füllstände von nur 50 bis 60 Prozent ließen den Sauerstoffgehalt zusammenbrechen.
In beiden Fällen ist der eigentliche Killer derselbe: Sauerstoffmangel. Ob durch trockenfallendes Bett oder durch überhitztes Wasser – sinkt der gelöste Sauerstoff unter die kritische Schwelle, ersticken die Fische. "Forellen angeln sollte man bei diesen Umständen wirklich unterlassen", zitiert die Deutsche Presse-Agentur Martin Schuster, Sprecher des Landesverbands Sächsischer Angler.
Was bedeutet das für Jäger?
Viele Jägerinnen und Jäger sind zugleich Naturnutzer an Bach und Fluss – und als Revierinhaber Anwälte des gesamten Lebensraums. Ein Fischsterben ist ein Frühwarnsignal: Es zeigt, dass ein Gewässer als Nahrungsquelle und Tränke für Wild und Wasservögel ausfällt und dass die Aue unter Stress steht.
Für die Praxis im Revier
Niedrigwasser und Algenteppiche an Revier-Gewässern dokumentieren – mit Datum und Foto. Solche Belege stützen Meldungen an die Untere Wasserbehörde.
Ein akutes Fischsterben sofort der Unteren Wasserbehörde oder der Polizei melden; bei Verdacht auf Einleitung oder Kraftwerks-Eingriff zählt jede Stunde für die Beweissicherung.
Tränken und wildökologisch wertvolle Kleingewässer im Revier in Hitzephasen im Blick behalten – sie fallen als Erste trocken.
Den Schulterschluss mit dem örtlichen Angelverein suchen: Beide Seiten teilen das Interesse an intakten Gewässern.
Hintergrund: Warum warmes Wasser zur Todesfalle wird
Der Zusammenhang zwischen Temperatur und Sauerstoff ist Kernwissen der Gewässerökologie – und prüfungsrelevant für die Jägerprüfung im Fach Wildbiologie und Naturschutz.
Sauerstoff und Temperatur
Je wärmer Wasser wird, desto weniger Sauerstoff kann es physikalisch lösen. Gleichzeitig steigt bei Wärme der Stoffwechsel der Fische, ihr Sauerstoffbedarf wächst also, während das Angebot sinkt. Kaltwasserarten wie die Bachforelle geraten bereits ab etwa 20 Grad Wassertemperatur in Not. Kommt Trockenheit mit niedrigen Pegeln hinzu, erwärmt sich das flache Wasser noch schneller – ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
Für die Teichwirtschaft ist laut ihrem Geschäftsführer der August der kritischste Monat: Hält die Hitze an, drohen weitere Verluste. Auch das macht die beiden Fälle zu mehr als lokalen Meldungen – sie sind ein Muster, das sich mit jedem trockenen Sommer wiederholen dürfte.
Häufige Fragen
Was ist die häufigste Ursache für Fischsterben?
In stehenden und langsam fließenden Gewässern ist Sauerstoffmangel die häufigste Todesursache – meist ausgelöst durch hohe Wassertemperaturen, Nährstoffüberlastung oder Niedrigwasser. Daneben spielen Schadstoff-Einleitungen und, wie an der Agger, technische Eingriffe wie das plötzliche Absenken des Wasserstands eine Rolle.
Wen muss ich informieren, wenn ich ein Fischsterben entdecke?
Die Untere Wasserbehörde des Landkreises und bei Verdacht auf eine Straftat die Polizei. Örtliche Angelvereine und Fischereiberechtigte sollten ebenfalls verständigt werden. Wichtig: Fische nicht entfernen und die Stelle möglichst fotografisch dokumentieren, damit Ursache und Ausmaß später nachvollziehbar sind.
Was hat Fischsterben mit der Jagd zu tun?
Intakte Gewässer sind Teil des Reviers: Sie dienen Wild und Wasservögeln als Tränke und Nahrungsquelle und prägen den Auenlebensraum. Ein Fischsterben ist ein Indikator für ein gestörtes Ökosystem – Gewässer- und Naturschutz gehören deshalb zum Aufgabenfeld jedes Revierinhabers und sind fester Bestandteil der Jägerprüfung.
Fit für die Jägerprüfung: Gewässerökologie, Sauerstoffhaushalt und Naturschutzrecht sind prüfungsrelevant. Mit der Jagdkompass App lernst du alle Themen der Jägerprüfung – kostenlos, offline und mit über 2.500 Fragen. Weitere Meldungen findest du in unserer Kategorie Nachrichten.
Quelle
Diese Meldung basiert auf Berichterstattung des WDR zum Fischsterben an der Agger (Stand 15.07.2026) sowie auf einer dpa-Meldung zum Fischsterben in Sachsen (14.07.2026). Redaktionell aufbereitet und für die Jagdkompass-Leserschaft eingeordnet.