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Guga-Jagd gestoppt: Schottland verbietet die Basstölpel-Jagd erstmals seit rund 400 Jahren

Schottlands Naturschutzbehörde NatureScot verweigert 2026 erstmals die Lizenz für die Guga-Jagd auf Sula Sgeir. Was der Fall über wissenschaftsbasierte Bejagung lehrt.

LMLorena de Marco20. August 2026Basstölpel, Artenschutz, Schottland
Guga-Jagd gestoppt: Schottland verbietet die Basstölpel-Jagd erstmals seit rund 400 Jahren

Es ist eine der ältesten Jagdtraditionen Europas – und in diesem Sommer fällt sie zum ersten Mal seit rund 400 Jahren aus: Schottlands Naturschutzbehörde NatureScot hat die Lizenz für die Guga-Jagd, die traditionelle Basstölpel-Jagd auf der Felseninsel Sula Sgeir, verweigert. Ausschlaggebend war kein Aktivismus, sondern ein neues wissenschaftliches Bestandsmodell. Für uns ist das ein Lehrstück über wissenschaftsbasierte Bejagung – ein Prinzip, das auch jede deutsche Jägerprüfung durchzieht.

Worum geht es?

Die Guga-Jagd ist die jährliche Ernte junger Basstölpel (gälisch: guga) auf der unbewohnten Insel Sula Sgeir vor der schottischen Nordwestküste. Zehn Männer aus dem Dorf Ness auf der Isle of Lewis fahren jeden August rund 64 Kilometer über offene See, um die Jungvögel zu fangen. 2026 wird daraus nichts.

Was ist passiert?

Am Montag, den 3. August 2026, hat das Board von NatureScot – der staatlichen Naturschutzbehörde Schottlands – den Lizenzantrag der „Men of Ness" für die diesjährige Guga-Jagd abgelehnt. Es ist laut der Behörde die erste Ablehnung in der über 500-jährigen dokumentierten Geschichte dieser Tradition, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht.

Die Begründung ist ausdrücklich fachlich: NatureScot ließ ein aktualisiertes Populationsmodell für die Basstölpel von Sula Sgeir erstellen. Ergebnis laut Behörde: Eine nachteilige Auswirkung auf den Bestand sei „möglich" – und zwar sowohl bei den beantragten 2.000 Jungvögeln als auch bei einer reduzierten Menge von nur 500 Tieren.

„Nach Prüfung des Antrags anhand der Gesetzeslage und der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse hat unser Board entschieden, die Lizenz zu verweigern", teilte NatureScot nach der Sitzung mit. Man habe „ein aktualisiertes Populationsmodell in Auftrag gegeben, um die Auswirkung der Guga-Jagd auf den Basstölpel-Bestand vorherzusagen".

Wichtig für die Einordnung: Die Jagd bleibt nach schottischem Recht grundsätzlich zulässig. Das Wildlife and Countryside Act sieht eine gesonderte Ausnahme für die Bejagung der Basstölpel auf Sula Sgeir zu Ernährungszwecken vor. Die „Men of Ness" dürfen also in kommenden Jahren erneut eine Lizenz beantragen. Verboten ist die Tradition damit nicht – sie ist für 2026 nur nicht genehmigt.

Die unbewohnte Felseninsel Sula Sgeir im Nordatlantik
Schauplatz der Guga-Jagd: die unbewohnte Felseninsel Sula Sgeir, rund 64 km vor der schottischen Nordwestküste. Foto: Rude Health / geograph.org.uk / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Warum jetzt der Stopp? Die Zahlen

Frühere Modelle, mit denen die Nachhaltigkeit der Ernte bewertet wurde, stammten aus der Zeit vor der großen Geflügelpest-Welle. Erst das 2026 fertiggestellte Modell rechnet die Vogelgrippe zusammen mit weiteren Belastungen durch – und verschiebt damit das Gesamtbild.

FaktorBedeutung für den Bestand
Vogelgrippe (HPAI)Massive Verluste in Seevogelkolonien, Erholung dauert Jahre
Beifang in der FischereiZusätzliche, schwer kalkulierbare Sterblichkeit
Offshore-WindparksWeitere kumulative Belastung des Lebensraums
Guga-JagdEntnahme von bis zu 2.000 Jungvögeln pro Jahr

Erst in der Summe dieser Faktoren – so die Bewertung – wird eine nachteilige Wirkung auf die Kolonie wahrscheinlich. Das Scottish Seabird Centre verwies zudem auf einen Rückgang der Basstölpel um rund 17 Prozent im nordöstlichen Atlantik; in einer solchen Lage zähle „jede vermeidbare Belastung".

Was bedeutet das für Jäger?

Der Fall wirkt exotisch, das Prinzip dahinter ist es nicht. Auch in Deutschland steht jede Bejagung unter dem Vorbehalt eines gesicherten, nachhaltig nutzbaren Bestands – geregelt über Jagd- und Schonzeiten, Artenschutzrecht und die EU-Vogelschutzrichtlinie. Basstölpel sind hierzulande streng geschützt; die einzige deutsche Brutkolonie befindet sich auf dem Lummenfelsen von Helgoland und wird nicht bejagt.

Das nimmst du mit

  • Bestand vor Tradition: Nutzung setzt einen tragfähigen Bestand voraus – kein Brauch und kein Erntewert hebelt das aus.

  • Kumulative Belastungen mitdenken: Nicht die Jagd allein, sondern Seuchen, Beifang und Lebensraumverlust zusammen entscheiden über die Tragfähigkeit.

  • Seuchengeschehen ist Bestandsmanagement: Wer Totfunde meldet und Hygiene ernst nimmt, liefert genau die Daten, auf denen solche Entscheidungen fußen.

Junger Basstölpel mit weißem Daunengefieder im Nest
Der Guga – ein junger Basstölpel. Genau diese Jungvögel werden bei der Ernte entnommen. Foto: Hobbyfotowiki / Wikimedia Commons (CC0)

Hintergrund: Tradition trifft Wissenschaft

Traditionell galten die eingesalzenen Vögel als wichtiger Bestandteil der Winterversorgung in Ness; heute gilt Guga-Fleisch nur noch manchen als Delikatesse und wird als „acquired taste", also gewöhnungsbedürftig, beschrieben. Die Vögel werden mit einer Stange und Schlinge von den Klippen geholt, ausgenommen, gesalzen und in Salzlake haltbar gemacht.

Ausgewachsener Basstölpel mit gelblichem Kopf und dunklen Flügelspitzen
Der Basstölpel (Morus bassanus) ist der größte Seevogel des Nordatlantiks – und in Deutschland streng geschützt. Foto: El gato Tito / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Die Befürworter

Vertreter der Gemeinde von Ness sehen eine jahrhundertealte, identitätsstiftende Tradition. Sie verweisen darauf, dass die Bestandsprognosen im Gutachten nicht durchweg negativ seien, und kritisieren, dass nicht einmal eine stark reduzierte Ernte genehmigt wurde.

Die Kritiker

Tier- und Artenschutzorganisationen fordern seit Jahren ein Ende der Jagd. Sie werten die Entscheidung als überfälligen Schritt zum Schutz einer international bedeutsamen Kolonie und als Erfolg einer wissenschaftsbasierten Linie.

Nicht unerwähnt bleiben darf die aufgeheizte Stimmung rund um den Fall: Nach Behörden- und Medienangaben kam es im Vorfeld zu Protesten bis hin zu Sachbeschädigungen an öffentlichem Eigentum und Festnahmen. Beide Seiten betonen, dass die Entscheidung allein auf der wissenschaftlichen Bewertung beruhen müsse – nicht auf dem Druck der lautesten Stimme.

Häufige Fragen

Ist die Guga-Jagd damit für immer verboten?

Nein. Die Lizenz wurde nur für 2026 verweigert. Die Bejagung bleibt gesetzlich möglich; künftige Anträge sind erlaubt. Ob sie Erfolg haben, hängt von der Erholung des Bestands und neuen wissenschaftlichen Bewertungen ab.

Warum ist ausgerechnet die Vogelgrippe so entscheidend?

Die Geflügelpest hat in vielen Seevogelkolonien schwere Verluste verursacht. Ein Bestand, der ohnehin unter Druck steht, verträgt zusätzliche Entnahmen schlechter – deshalb kippt das neue Modell die frühere Bewertung. Mehr dazu in unserem Überblick zur Vogelgrippe bei Wildvögeln.

Dürfte man Basstölpel in Deutschland jagen?

Nein. Basstölpel sind in Deutschland streng geschützt und unterliegen keiner Jagdzeit. Die deutsche Brutkolonie auf Helgoland steht unter Naturschutz.

Wissenschaftsbasiertes Bestandsmanagement ist Prüfungsstoff. Wer den Jagdschein anstrebt, lernt genau diese Zusammenhänge aus Artenschutz, Schonzeiten und Wildbiologie. Mit Jagdkompass bereitest du dich strukturiert auf die Jägerprüfung vor. Wie stark der Faktor Bestand wiegt, zeigt auch der Fall Auerhuhn im Schwarzwald; weitere Meldungen findest du in unseren Nachrichten, etwa zum Robbensterben vor Rügen.

Quelle

Fakten und Zitate nach STV News („Islanders refused permission to hold annual guga hunt", 3. August 2026) sowie der offiziellen Mitteilung von NatureScot. Quelle: STV News

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