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Auerhuhn im Schwarzwald: Nur noch 93 Hähne – warum jetzt die Jäger gefragt sind

Die Balzplatzzählung 2026 zählt nur noch 93 balzende Auerhähne im Schwarzwald – so wenige wie nie. Was der Tiefstand für Prädatorenmanagement, Jagd und die Prüfung bedeutet.

LMLorena de Marco31. Juli 2026Auerhuhn, Schwarzwald, Artenschutz
Auerhuhn im Schwarzwald: Nur noch 93 Hähne – warum jetzt die Jäger gefragt sind

Das Auerhuhn ist der Charaktervogel des Schwarzwalds – und es wird immer einsamer. Bei der Balzplatzzählung 2026 wurden nur noch 93 balzende Auerhähne erfasst, im Jahr zuvor waren es 103. Damit rutscht der Bestand unter die Marke von 100 Tieren und markiert einen neuen Tiefstand. Für Jägerinnen und Jäger ist das mehr als eine Naturschutzmeldung: Beim Erhalt der Art spielen sie eine tragende Rolle.

Bestand auf Rekordtief

Mit 93 nachgewiesenen Hähnen liegt der Schwarzwald-Bestand erstmals klar unter 100 Tieren – und unter dem bisherigen Tiefpunkt. Ob es sich um eine Schwankung oder den Beginn eines dauerhaften Rückgangs handelt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.

Was ist passiert?

Jedes Frühjahr zählen Forstleute, Wildtierfachleute und ehrenamtliche Helfer die balzenden Auerhähne an ihren angestammten Balzplätzen im Schwarzwald. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) führt die Einzelbeobachtungen zusammen. Das Ergebnis 2026 fällt ernüchternd aus: 93 balzende Hähne, rund zehn weniger als im Vorjahr.

„Das Auerhuhn ist der Charaktervogel des Schwarzwalds und ist vom Aussterben bedroht. Mit 93 gezählten Hähnen liegen wir bei unter 100 nachgewiesenen Tieren", erklärte die Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, Marion Gentges, laut Mitteilung der Landesregierung vom 17. Juli 2026. Es sei noch nicht abschätzbar, ob es sich nur um Populationsschwankungen oder eine echte Abnahme handle.

Der Schwarzwald ist das letzte große Rückzugsgebiet des Auerhuhns in Mitteleuropa außerhalb der Alpen. Nach den Monitoring-Daten der FVA lag der bisherige Tiefpunkt im Jahr 2022 bei 97 balzenden Hähnen – die aktuelle Zählung unterschreitet auch diesen Wert.

Blick über die lichten Höhenlagen des Nationalparks Schwarzwald am Schliffkopf
Kernlebensraum des Auerhuhns: die lichten Höhenlagen des Schwarzwalds, hier am Schliffkopf im Nationalpark Schwarzwald. Foto: Luis Scheuermann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Ein Lichtblick kommt aus dem Nationalpark Schwarzwald: Nach gezielten Pflegeeingriffen im Rahmen des Auerhuhn-Notfallplans stieg die Zahl der balzenden Hähne dort bis 2026 auf 31 – ein Beleg dafür, dass die Schutzmaßnahmen dort greifen, wo sie konsequent umgesetzt werden.

Die Zahlen im Überblick

Die Balzplatzzählung ist die wichtigste Kennzahl für den Zustand der Population. Der Blick auf die vergangenen Jahre zeigt, wie klein der Bestand inzwischen ist:

ZählungBalzende Hähne im Schwarzwald
2022 (bisheriger Tiefpunkt)97
Vorjahr (2025)103
202693
davon im Nationalpark Schwarzwald31

Weil die Population ohnehin so klein ist, fallen schon kleine Verluste stark ins Gewicht. Jedes verlorene Balzgebiet und jede Störung während der Aufzucht kann den Trend beschleunigen.

Was bedeutet das für Jäger?

Das Auerhuhn ist in Deutschland ganzjährig geschont – es hat keine Jagdzeit und darf nicht bejagt werden. Der Beitrag der Jägerschaft liegt deshalb woanders: beim Lebensraum und beim Beutegreifer-Druck. Landesjägermeister Dr. Jörg Friedmann betont, dass der Schutz des Auerhuhns nur im Schulterschluss von Forst, Jagd und Naturschutz gelingen könne; die Jägerschaft bringe sich seit Jahren beim Monitoring ein und engagiere sich gemeinsam mit ForstBW in Modellprojekten zum Prädatorenmanagement.

Rotfuchs steht aufmerksam am Waldrand
Steigende Bestände von Fuchs und Marder erhöhen den Druck auf Gelege und Küken des Auerhuhns. Foto: The Forest Vixen / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Konkret für die Praxis

  • Prädationsdruck senken: Fuchs, Marder und Wildschwein in Auerhuhn-Kerngebieten konsequent und tierschutzgerecht bejagen – Gelege und Küken bodenbrütender Arten profitieren direkt.

  • Beim Monitoring mitwirken: Balzplatz-Beobachtungen, Federn oder Losungsfunde an die FVA bzw. den Landesjagdverband melden.

  • Ruhezonen respektieren: Ansitz, Drückjagd und Nachsuche in Balz- und Aufzuchtgebieten zeitlich und räumlich abstimmen; Störungen im Frühjahr vermeiden.

  • Lebensraum mitgestalten: Mit Waldbesitzern und ForstBW lichte, beerkrautreiche Waldstrukturen fördern.

Hintergrund: Warum verschwindet das Auerhuhn?

Das Auerhuhn braucht viel Platz und einen ganz bestimmten Waldtyp. Weil es auf ein Mosaik aus lichten, störungsarmen Wäldern angewiesen ist, reagiert es empfindlich auf jede Veränderung seines Lebensraums.

Lebensraum unter Druck

Dichter werdende Waldbestände nehmen dem Auerhuhn die lichten, beerkrautreichen Flächen, die es zum Überleben braucht. Der Klimawandel und weniger strukturreiche Wälder verschärfen das Problem.

Mehr Beutegreifer

Steigende Populationen von Fuchs und Marder erhöhen die Verluste bei Gelegen und Küken. Genau hier setzt das jagdliche Prädatorenmanagement an – ein zentraler Baustein des Schutzkonzepts.

Das Land setzt mit dem Maßnahmenplan 2023–2028 auf Lebensraumaufwertung und stellt dafür nach Angaben der Landesregierung jährlich rund 500.000 Euro Fördermittel bereit, vor allem für Privat- und Kommunalwaldbesitzer. Als Schirmart steht das Auerhuhn dabei stellvertretend für eine ganze Artengemeinschaft: Wer seinen Lebensraum sichert, hilft auch Arten wie dem Haselhuhn, dem Sperlingskauz oder zahlreichen Insekten.

Häufige Fragen

Darf man das Auerhuhn bejagen?

Nein. Das Auerhuhn ist in Deutschland ganzjährig geschont und steht auf der Roten Liste. Es hat keine Jagdzeit und darf nicht erlegt werden. Für die Jagdprüfung ist wichtig: Auerhuhn, Birkhuhn und Haselhuhn gehören zu den Raufußhühnern und sind besonders geschützt.

Was ist eine Schirmart?

Eine Schirmart ist eine Art mit großen Lebensraumansprüchen, unter deren „Schutzschirm" viele weitere Arten profitieren. Sichert man den strukturreichen Bergwald des Auerhuhns, kommt das automatisch einer ganzen Lebensgemeinschaft zugute.

Was können Jäger konkret zum Schutz beitragen?

Vor allem drei Dinge: den Druck durch Beutegreifer wie Fuchs und Marder senken, sich am Monitoring beteiligen und in Balz- und Aufzuchtgebieten Störungen vermeiden. Das wirkt am besten im Verbund mit Forst und Naturschutz.

Prüfungswissen wie Raufußhühner, Schonzeiten und Prädatorenmanagement sicher drauf? Mit der Jagdkompass-App übst du diese Themen genau so, wie sie in der Prüfung drankommen. Weitere aktuelle Meldungen findest du in unserer Kategorie Nachrichten – etwa dazu, wie Rabenvögel richtig bejagt werden, warum am Schaalsee nur noch 39 Nandus leben oder wie ein Gericht die Biber-Verordnung stoppte.

Quelle

Bestandszahlen, Zitate und Fördermittel: Landesregierung Baden-Württemberg, „Weniger Auerhähne als im Vorjahr" (17.07.2026). Ergänzende Angaben zum Notfallplan im Nationalpark Schwarzwald sowie zum Auerhuhn-Monitoring der FVA.

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