Nach diesem Artikel wissen Sie, welche Fächer eine Herbstzuchtprüfung abfragt, was die Kürzel „o.Sp." und „m.Sp." in der Terminliste bedeuten – und warum die Entscheidung darüber schon bei der Nennung fällt und nicht am Prüfungstag.
Für Einsteiger: Was die HZP ist
Die Herbstzuchtprüfung (HZP) ist neben der Verbandsjugendprüfung (VJP) eine der beiden Zuchtprüfungen des Jagdgebrauchshundverbands. Geprüft werden keine Kunststücke, sondern Anlagen – also das, was der Hund von Natur aus mitbringt – und dazu einige Abrichtefächer. Zugelassen sind Hunde, die im vorhergehenden Kalenderjahr gewölft wurden, bis zu drei Monate ältere und bei der HZP zusätzlich solche aus dem laufenden Kalenderjahr. Die Prüfungsordnung bindet die Termine an die Jahreszeit: Eine VJP darf nur im Frühjahr bis einschließlich 1. Mai stattfinden, eine HZP erst ab dem 1. September. Genau deshalb ist die Saison kurz.
Zwei Buchstabenpaare in der Terminliste, und eines fehlt 336-mal
Die Terminliste des Verbands führt für 2026 in der Fassung vom 8. September 405 Prüfungen bei 209 Vereinen in 15 Bundesländern – nur Berlin kommt nicht vor. In der Spalte „Prüfungsvariante" steht bei jedem Termin entweder „HZP o.Sp.", „HZP m.Sp." oder beides. Sp steht für Spurarbeit, also die Arbeit auf der Spur eines Hasen oder Fuchses, den der Hund nicht mehr sieht.
| Variante | Termine | Anteil |
| nur „o.Sp." – ohne Spurarbeit | 336 | 83 % |
| „o.Sp./m.Sp." – beides möglich | 57 | 14 % |
| nur „m.Sp." – mit Spurarbeit | 12 | 3 % |
Wer die Spurarbeit abgelegt haben will, hat damit bundesweit 69 Gelegenheiten, und sie liegen extrem ungleich: 38 davon in Niedersachsen, elf in Nordrhein-Westfalen, acht in Schleswig-Holstein. In Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, im Saarland, in Sachsen und in Thüringen führt 2026 kein einziger Termin die Spurarbeit.
Warum die Nennung und nicht der Prüfungstag entscheidet
Die Prüfungsordnung ist an dieser Stelle ungewöhnlich hart. Gibt ein Verein Gelegenheit zur Spurarbeit, muss der Führer bei der Nennung verbindlich angeben, ob sein Hund in diesem Fach geprüft werden soll. Sagt er ja, ist die Spurarbeit für ihn Pflichtfach – ein Rückzieher am Prüfungstag ist nicht vorgesehen. Sagt er nein oder findet die Prüfung ohnehin ohne Spur statt, dürfen gezeigte Spurarbeiten nicht bewertet werden; nur die dabei sichtbare Nasenarbeit darf in die Bewertung des Nasengebrauchs einfließen.
Der Grund für die 336 Termine ohne Spur ist vermutlich weniger züchterisch als organisatorisch: Prüft eine Richtergruppe ihre Hunde in allen Fächern, darf sie bei einer HZP mit Spur höchstens vier Hunde übernehmen, ohne Spur fünf. Eine Prüfung mit Spurarbeit kostet den ausrichtenden Verein also Kapazität – bei gleicher Richterzahl passen 20 Prozent weniger Hunde auf den Tag. Belegt ist diese Rechnung, die Motivlage der Vereine ist es nicht; die Terminliste nennt dazu keinen Grund.
Zwölf Fächer, drei davon zählen dreifach
Jedes Fach hat eine Fachwertziffer, mit der die Punkte multipliziert werden. Die Punkteskala reicht von 0 bis 12, wobei ein glattes „sehr gut" 10 Punkten entspricht, ein glattes „gut" 7 und ein glattes „genügend" 4.
| Fach | Art | Fachwertziffer |
| Spurarbeit | Anlage | 3 |
| Nasengebrauch | Anlage | 3 |
| Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer | Anlage | 3 |
| Suche | Anlage | 2 |
| Vorstehen | Anlage | 2 |
| Führigkeit | Anlage | 2 |
| Arbeitsfreude | Anlage | 1 |
| Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer | Anlage | 1 |
| Verlorensuche von Federwild – geflügeltes Huhn, Verlorensuche oder Federwildschleppe | Abrichtung | 1 |
| Haarwildschleppe | Abrichtung | 1 |
| Art des Bringens (Hase, Ente, Federwild) | Abrichtung | 1 |
| Gehorsam | Abrichtung | 1 |
Dazu kommt die Schussfestigkeit bei Feld- und Wasserarbeit, die geprüft, aber nicht mit einer Fachwertziffer gewichtet wird. Die drei Fächer mit der Ziffer 3 sind zugleich die einzigen, in denen überhaupt das Prädikat „hervorragend" mit 12 Punkten vergeben werden darf – Spurarbeit, Nasengebrauch und Stöbern mit Ente. In den Abrichtefächern sind im Bereich „sehr gut" höchstens 10 Punkte möglich. Das ist der Kern der Sache: Von den drei höchstbewerteten Fächern lässt sich genau eines abwählen, und auf vier von fünf Prüfungen wird es einem abgewählt.
Was am Wasser gilt – und warum man es nur einmal richtig machen muss
Die Wasserarbeit läuft in fester Reihenfolge: Schussfestigkeit, Verlorensuchen im deckungsreichen Gewässer, Stöbern mit Ente, Art des Bringens der Ente. Für die Schussfestigkeit wird eine erlegte Ente für den Hund sichtbar weit ins offene Wasser geworfen; nimmt er das Wasser nicht binnen rund einer Minute an, endet die Wasserarbeit für ihn.
Beim Stöbern gelten Grenzen, die den Tag strukturieren: Die Prüfungszeit an einer Ente darf 15 Minuten nicht überschreiten, grundsätzlich wird je Hund nur eine Ente eingesetzt, und eine zweite ist nur zulässig, wenn an der ersten gar nicht geprüft werden konnte. Verwendet werden dürfen nur ausgewachsene Stockenten, deren Flugfähigkeit vorübergehend eingeschränkt wird und die mit Wasser und Deckung vertraut sind; außerhalb der Brutzeit ist die Arbeit mit lebenden Enten ohnehin nicht erlaubt. Zur Wasserarbeit werden nur Hunde zugelassen, deren Führer einen gültigen Jagdschein besitzt – Ausnahmen sind zu begründen.
Und eine Regel spart Wiederholungen: Wer das Fach „Stöbern mit Ente im deckungsreichen Gewässer" einmal mindestens mit „genügend" bestanden hat, darf darin kein zweites Mal geprüft werden. Das Prädikat wird in alle späteren Prüfungszeugnisse übernommen, mit dem Vermerk „lt. Prüfung vom …"; eine Ablichtung gehört zur Anmeldung. Bei Nichtbestehen ist eine einmalige Nachprüfung zulässig.
Vom 3. Oktober an bleiben 87 Termine – in fünf Ländern gar keiner
Die Saison ist zu vier Fünfteln durch. Von den 405 Terminen liegen 317 im September, 81 im Oktober und sieben im November; der letzte Termin des Jahres ist der 12. November.
| Zeitraum | Termine |
| September 2026 | 317 |
| Oktober 2026 | 81 |
| November 2026 | 7 |
| davon am oder nach dem 3. Oktober | 87 |
| davon mit Spurarbeit | 24 |
Wer jetzt noch einen Platz sucht, sucht ihn faktisch in zehn Bundesländern: Niedersachsen (28 Termine am oder nach dem 3. Oktober), Nordrhein-Westfalen (15), Brandenburg (12), Schleswig-Holstein (11), Bayern (6), Mecklenburg-Vorpommern (5), Sachsen-Anhalt (4), Thüringen (3), Hessen (2) und Rheinland-Pfalz (1). In Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg, im Saarland und in Sachsen ist die HZP-Saison 2026 mit dem September zu Ende gegangen. Die dichtesten verbleibenden Tage sind der 17. Oktober mit 15 und der 10. Oktober mit 13 Prüfungen; 354 der 405 Termine liegen auf einem Samstag oder Sonntag.
Wo Nennungen typischerweise scheitern
Spurarbeit zu spät wollen: Wer sie braucht, muss einen Termin mit „m.Sp." wählen und sie in der Nennung ankreuzen. Auf einer Prüfung ohne Spur ist sie am Prüfungstag nicht nachholbar.
Wasserarbeit ohne Jagdschein planen: Ohne gültigen Jagdschein des Führers ist die Zulassung die begründungspflichtige Ausnahme, nicht die Regel.
Das bestandene Entenfach vergessen: Liegt ein Prädikat aus einer früheren Prüfung vor, gehört eine Ablichtung des Zeugnisses zur Anmeldung – sonst fehlt sie am Prüfungstag.
Auf einen zweiten Prüfungstag hoffen: VJP und HZP sind grundsätzlich an einem Tag durchzuführen; eine Fortsetzung am Folgetag ist nur bei Wildmangel zulässig und muss begründet werden.
Den Wurfjahrgang verwechseln: Zur HZP werden auch Hunde aus dem laufenden Kalenderjahr zugelassen – bei der VJP gilt das nicht.
Die Ordnung, nach der geprüft wird, steht zur Neufassung an
Die geltende Prüfungsordnung stammt aus dem Jahr 2018. Die Stammbuchkommission hat einen Entwurf für eine neue Fassung erarbeitet; Zucht- und Prüfungsvereine sowie Kreisjägerschaften konnten bis zum 1. September 2026 Hinweise und Korrekturvorschläge einreichen. Besprochen wird der Entwurf am 25. Oktober 2026 ab 10:00 Uhr auf dem Jagdhof Klein-Heilig-Kreuz in Kleinlüder, Anmeldung bis zum 1. Oktober 2026; Übernachtungen sind selbst zu organisieren. Abgestimmt wird über die neue Ordnung erst auf dem Verbandstag 2027. Eingeladen sind Vereine und Kreisjägerschaften, nicht einzelne Hundeführerinnen und Hundeführer – wer Änderungswünsche hat, bringt sie über seinen Verein ein.
Die drei Sätze, die bleiben sollten
Die Spurarbeit wird bei der Nennung entschieden und ist dann Pflichtfach – 69 der 405 Termine 2026 bieten sie überhaupt an.
Spurarbeit, Nasengebrauch und Stöbern mit Ente zählen dreifach und sind die einzigen Fächer, in denen 12 Punkte möglich sind.
Ein einmal bestandenes „Stöbern mit Ente" wird übernommen und nicht noch einmal geprüft.
Was die Terminliste nicht beantwortet
Die Liste nennt je Termin Bundesland, Verein, Variante, Datum, Ort und einen Ansprechpartner mit Mailadresse und Telefonnummer – mehr nicht. Nenngeld, Meldeschluss, Treffpunkt und Uhrzeit stehen nirgends; sie erfährt man nur beim ausrichtenden Verein. Bei 28 Terminen trägt die Spalte „Weitere Daten" zusätzlich das Kürzel „olE", das der Verband weder in der Liste noch in der Prüfungsordnung auflöst. Und viele Ortsangaben sind bewusst unscharf gehalten („Raum Heilbronn", „siehe Homepage"), weil das Prüfungsrevier erst kurzfristig feststeht: Voraussetzung für eine ordentliche Zuchtprüfung sind mit Niederwild hinreichend besetzte Feldreviere. Ob bei einer Prüfung Federwild erlegt werden darf, muss der Verein vorher in der Ausschreibung veröffentlichen.
Prüfungsbezug. Zuchtprüfungen, Leistungszeichen und die Aufgabenteilung der Jagdhunderassen sind Prüfungsstoff im Fach Jagdhundewesen. Wer die Fächer der HZP einmal durchgegangen ist, hat die Arbeit nach dem Schuss praktisch mitgelernt – genau darauf zielt die Ordnung, wenn sie den „sicheren Verlorenbringer" zur Hauptaufgabe erklärt. Mit der Jagdkompass-App lässt sich das Kapitel gezielt wiederholen.
Die beiden anderen Verbandsprüfungen dieses Herbstes haben wir getrennt aufbereitet: was die Verbandsstöberprüfung verlangt und wo sie 2026 stattfindet und warum sich die 393 Verbandsgebrauchsprüfungen auf vier Oktoberwochenenden drängen. Welche Rasse für welche Arbeit gezüchtet wurde, steht in unserer Übersicht zu den Einsatzgebieten der Jagdhunde. Weitere Termine sammeln wir unter Messen & Veranstaltungen.
Quelle
Termine, Varianten und Vereinsangaben nach der Terminliste „Prüfungstermine HZP 2026" (Dateistand 8. September 2026) des Jagdgebrauchshundverbands, abgerufen am 26. September 2026: Terminübersicht und HZP 2026 als PDF. Fächer, Fachwertziffern, Punkteskala, Zulassungs- und Wasserarbeitsregeln nach der Ordnung für Verbandszuchtprüfungen (VZPO, Fassung 2018), §§ 1, 2, 12, 13 und 14. Zur geplanten Neufassung die Verbandsmeldung „Neue VZPO – Verbandstag 2027" vom 3. Juli 2026. Auszählung der Termine durch die Redaktion.