Jagdkompass
Wild & Natur

Elch in Vorpommern: Bis zu 600 Kilo auf der Landstraße – und schießen darf ihn niemand

Ein Elch zieht von Greifswald Richtung Barther Bodden, die Polizei warnt Autofahrer. Was bei einer Begegnung gilt und warum Jäger ihn nicht erlegen dürfen.

LMLorena de MarcoElch, Wildunfall, Mecklenburg-Vorpommern

Ein Elch ist in Vorpommern unterwegs, und die Polizeiinspektion Stralsund warnt Autofahrer im Landkreis Vorpommern-Rügen. Für Jäger ist der Fall eindeutig: Elchwild gehört zum jagdbaren Wild, hat aber keine Jagdzeit. Auf der Straße hilft deshalb nur eines: langsam fahren und Abstand halten.

Von Greifswald bis an den Barther Bodden

Nach Angaben der Polizei, über die die Deutsche Presse-Agentur Anfang Oktober berichtete, tauchte das Tier zunächst bei Greifswald auf und zog von dort nach Westen. Gesehen wurde es dann bei Saatel südöstlich von Barth. Zuletzt lief es Richtung Flemendorf und damit nach Nordosten zum Barther Bodden. Wohin er als Nächstes zieht, lässt sich kaum verlässlich sagen. Neue Sichtungen sind jederzeit möglich, auch weit weg vom letzten Punkt.

„Ein so großes Tier ist ungewöhnlich, deswegen haben wir die Warnmeldung herausgegeben“, sagte Polizeisprecherin Juliane Boutalha.

EtappeOrtStand
1Raum Greifswaldeinige Tage vor der Warnung
2Saatel, südöstlich von BarthAnlass der Polizeiwarnung Anfang Oktober
3Richtung Flemendorf / Barther Boddenletzte bekannte Zugrichtung
Reichweitebis zu 150 Kilometeran einem einzigen Tag möglich (Senderdaten aus Polen)
Felder und Feldgehölze bei Flemendorf nahe Barth: In diese Richtung lief der Elch zuletzt. Zwischen Ackerflächen und Bodden kreuzt er zwangsläufig Kreis- und Landstraßen. Foto: der Dänholm grüßt / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Warum ein Zusammenstoß so gefährlich ist

Ein ausgewachsener Elchbulle wiegt 300 bis 600 Kilogramm und hat eine Schulterhöhe von 175 bis 190 Zentimetern. Die Polizei rechnet bei einem Zusammenstoß mit schweren Schäden am Fahrzeug und mit Gefahr für die Insassen.

Dazu kommt die Uhr: Am 25. Oktober wird auf Winterzeit umgestellt. Der Berufsverkehr am Abend fällt dann in die Dämmerung. Der ADAC nennt die Zeit von 6 bis 9 Uhr und von 17 bis 20 Uhr als besonders kritisch für Wildunfälle.

Elch am Straßenrand: das jetzt tun

  • Auf Landstraßen in Vorpommern-Rügen, besonders an Wald- und Feldrändern, die Geschwindigkeit senken.

  • Steht ein Tier am Rand: bremsen, Fernlicht abblenden, hupen. Nicht riskant ausweichen.

  • Mit weiteren Tieren rechnen und nicht aussteigen, um zu filmen oder näher heranzugehen.

  • Nach einem Zusammenstoß: Warnblinker an, Warnweste anziehen, Warndreieck aufstellen, Polizei rufen (110).

  • Das Tier nicht anfassen und nicht mitnehmen. Eine Sichtung ohne Unfall bei der Polizei melden, damit sie die Warnung aktuell halten kann.

Elchwild ist jagdbar, aber das ganze Jahr geschont

Das Bundesjagdgesetz führt Elchwild in § 2 als Haarwild. Wie Rot- und Damwild zählt es zum Schalenwild und damit zum Hochwild. Die Bundesverordnung über die Jagdzeiten setzt für Elchwild aber keine Jagdzeit fest. Nach § 22 Abs. 2 BJagdG ist Wild ohne Jagdzeit „während des ganzen Jahres mit der Jagd zu verschonen“. Kurz gesagt: Der Elch bei Barth darf nicht geschossen werden, weder in Deutschland noch in Polen, woher er kommt.

Eine Ausnahme gibt es nur für den Notfall. Nach § 22a BJagdG ist schwerkrankes Wild unverzüglich zu erlegen, damit es nicht unnötig leidet. Das gilt nach dem Wortlaut auch in der Schonzeit. Liegt ein schwer verletzter Elch nach einem Unfall am Straßenrand, sollte trotzdem nicht der zufällig anwesende Jäger allein entscheiden, sondern die Polizei und der Revierinhaber gemeinsam. Eine eigene Vorgabe des Landes Mecklenburg-Vorpommern für verletzte Elche haben wir nicht gefunden.

Prüfungswissen

Elchwild unterliegt dem Jagdrecht, ist Schalenwild und Hochwild – und hat bundesweit keine Jagdzeit. Diese Kombination fragen Prüfer gern ab, weil sie zeigt: „jagdbar“ heißt nicht „bejagbar“. Mehr zum Elch in Deutschland steht in unserem Beitrag über den Rekord bei den Elchen in Brandenburg.

Der Weg aus dem Oder-Delta

Heimisch ist der Elch in Mecklenburg-Vorpommern seit rund 1.000 Jahren nicht mehr, im Mittelalter wurde er in West- und Mitteleuropa ausgerottet. Auf der polnischen Seite des Oder-Deltas leben nach Angaben von Peter Torkler, Geschäftsführer des Naturschutzvereins „Rewilding Oder Delta“, inzwischen 20 bis 30 Elche. Wird es dort zu eng, suchen junge Tiere neue Gebiete. Ihr Weg führt über die Inseln Wolin und Usedom, wobei sie auch längere Strecken schwimmen.

Wasser ist für Elche kein Hindernis. Auf dem Weg aus dem polnischen Oder-Delta nach Vorpommern legen sie auch längere Strecken schwimmend zurück. Foto: Lesly Derksen / Unsplash+ License

Zwei Jahre lang kamen kaum Tiere, vermutlich weil der Bau einer Schnellstraße in Polen sie gestört hat. Seit die Arbeiten abgeschlossen sind, tauchen sie wieder häufiger auf. Die meisten ziehen weiter nach Brandenburg, wo Fachleute bereits erste sesshafte Tiere vermuten. Bekannt war dort Elchbulle Bert, dessen Tod im Naturpark Nuthe-Nieplitz Anfang Oktober gemeldet wurde. Die Wanderer sind meist junge Bullen. Tot gefundene Elche in Deutschland waren überwiegend ein bis zwei Jahre alt.

Offen ist, ob der Elch bei Barth weiterzieht, umkehrt oder in der Boddenlandschaft bleibt.

Wildbiologie für die Jägerprüfung lernen? Die Jagdkompass-App erklärt Schalenwild, Jagd- und Schonzeiten mit Prüfungsfragen zum Üben. Weitere Meldungen aus der Wildtierwelt findest du in der Rubrik Wild & Natur.

Quelle

Polizeiinspektion Stralsund und Fachleute zitiert nach Deutscher Presse-Agentur: Ostdeutsche Allgemeine, 08.10.2026 · Zugrichtung Flemendorf: Ostseewelle Hit-Radio MV · Rechtslage: § 2, § 22 und § 22a BJagdG, Verordnung über die Jagdzeiten · Verhalten und Uhrzeiten: ADAC Südbayern. Stand: 16.10.2026.

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