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Elch Bert ist tot: Neun Jahre lang kannten Forscher jeden seiner Tage – nur nicht, wer ihn in der Brunft traf

Senderelch Bert ist im Naturpark Nuthe-Nieplitz verendet. Die Obduktion fand ein stumpfes Trauma. Ob ein jüngerer Elchbulle oder die Rinder auf seiner Weide es verursachten, bleibt offen.

LMLorena de MarcoElch, Brandenburg, Wildtiermonitoring

Elch Bert, der bekannteste Elch Deutschlands, ist tot. Am Wochenende des 19. und 20. September starb der etwa zehnjährige Bulle im Naturpark Nuthe-Nieplitz südlich von Berlin an schweren inneren Verletzungen – mitten in der Brunft. Sein GPS-Halsband meldete den Tod fast auf die Stunde genau. Wer oder was ihn traf, konnte auch die Obduktion nicht klären.

Ein Mortalitätssignal am Sonntagmorgen

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) hat den Tod am 24. September öffentlich gemacht. Ab dem Samstagmorgen registrierten die Wildbiologen keine Ortswechsel mehr. Am Sonntag gegen 6 Uhr schickte das Halsband ein Mortalitätssignal, also die automatische Meldung, die ein Sender auslöst, wenn sich sein Träger über längere Zeit gar nicht mehr bewegt. Das Tier lag auf der Rinderweide, auf der es sich seit Jahren zur Brunftzeit aufhielt.

Am 21. September obduzierte das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin den Kadaver. Die Pathologen fanden ein stumpfes Trauma an der Flanke mit einem etwa fußballgroßen Hämatom und schwere innere Verletzungen. Das war die Todesursache. Wie die Verletzung entstand, lässt sich im Nachhinein nicht mehr sicher sagen.

Berts Streifgebiet: Schilf, Feuchtwiesen und Weiden im Naturpark Nuthe-Nieplitz, hier bei Stangenhagen (Stadt Trebbin, Landkreis Teltow-Fläming). Rund 10.000 Hektar nutzte der Bulle hier Jahr für Jahr. Foto: Tueffte / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Rivale oder Rind: zwei Erklärungen, kein Beweis

Für das Trauma kommen zwei Verursacher in Frage, und beide passen zur Jahreszeit.

Ein jüngerer Elchbulle

In den Tagen vor Berts Tod hielt sich ein zweiter, jüngerer Bulle in seinem Streifgebiet auf. Treffen zwei Bullen in der Brunft aufeinander, kann es zu heftigen Kämpfen kommen, bei denen die Schaufeln, also das flächig verbreiterte Elchgeweih, als Waffe dienen. Der Jüngere ist inzwischen in nordöstlicher Richtung weitergezogen.

Die Rinder auf der Weide

Bert verbrachte die Brunft seit Jahren auf derselben Rinderweide und näherte sich dort immer wieder den Kühen. Dass ihn dabei ein Rind verletzte, halten die Beteiligten ebenfalls für möglich.

Andere Ursachen nennen weder die Hochschule noch der veröffentlichte Obduktionsbefund. Ob der zweite Bulle selbst verletzt wurde, ist nicht bekannt.

Vom polnischen Jungbullen zum Standelch in Teltow-Fläming

Bert war nie ein typischer Elch für Deutschland, weil er blieb. Die meisten Elche, die aus Polen über die Oder nach Brandenburg kommen, sind junge Bullen auf Wanderschaft, die wieder weiterziehen. Bert dagegen wurde sesshaft. Sein Lebenslauf lässt sich dank der Telemetrie Jahr für Jahr nachzeichnen:

ZeitpunktStation
2016Geburt in Nordostpolen
Februar 2018erste Nachweise in Brandenburg, Beginn der wissenschaftlichen Begleitung
2018größere Wanderungen durch das Land
Frühjahr 2019dauerhaft im Naturpark Nuthe-Nieplitz, Streifgebiet rund 10.000 Hektar
2018 bis 2026fünf verschiedene GPS-Halsbänder, tägliche Standortdaten
Samstag, 19. September 2026keine Ortswechsel mehr
Sonntag, 20. September 2026Mortalitätssignal gegen 6 Uhr
21. September 2026Obduktion am IZW Berlin

Das Streifgebiet von 10.000 Hektar entspricht 100 Quadratkilometern. Bert teilte sich diese Fläche auf die Landkreise Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark auf und lebte außerhalb der Brunft als Einzelgänger.

Betreut haben ihn der Wildbiologe Dr. Frank-Uwe Michler von der Hochschule und Dr. Benjamin Gillich vom Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde. Michler nannte es etwas ganz Besonderes, ein einzelnes Wildtier so lange wissenschaftlich begleiten zu dürfen. Fast neun Jahre lang habe man praktisch jeden Tag gewusst, wo sich Bert aufhielt.

Warum der Datensatz mehr wert ist als der Einzelfall

Bert gehört zu den am längsten telemetrisch überwachten Elchen weltweit. Telemetrie heißt hier: Das Halsband bestimmt per GPS regelmäßig die Position und funkt sie an die Forscher. Aus Tausenden solcher Punkte entsteht ein Bild davon, wo ein Tier frisst, ruht, Straßen quert und wie es auf Störungen reagiert.

Für den Elch in Deutschland ist das besonders wertvoll, weil es kaum Vergleichsdaten gibt. Die Art galt hierzulande lange als ausgestorben und kehrt erst seit einigen Jahren in Einzeltieren aus Polen und Tschechien zurück. Die Deutsche Wildtier Stiftung schätzt den Bestand in Deutschland auf 10 bis 20 Tiere. Wie ein Elch in einer dicht besiedelten, von Straßen zerschnittenen Kulturlandschaft zurechtkommt, lässt sich nur an Tieren wie Bert lernen, und mit ihm endet eine der längsten Zeitreihen, die es dazu gibt.

Ein Elchbulle mit voll ausgebildeten Schaufeln. Die Geweihweite liegt bei 95 bis 117 Zentimetern, abgeworfen wird zwischen Dezember und März. In der Brunft sind die Schaufeln auch Waffe. Foto: Getty Images / Unsplash+ License

Die Brunft reicht beim Elch bis Mitte Oktober, Berts Tod fiel also mitten hinein. Ausgewachsene Bullen wiegen 200 bis 550 Kilogramm, im Einzelfall bis 650. Welche Kräfte bei einem Kampf zweier solcher Tiere wirken, lässt diese Größenordnung erahnen. Mit rund zehn Jahren war Bert zudem kein alter Elch: Die Deutsche Wildtier Stiftung gibt eine Lebenserwartung von 15 bis 20 Jahren an.

Nach der Zählung aus dem Sommer, als erstmals fünf Elche zeitgleich im Land nachgewiesen waren, bleiben rechnerisch vier Tiere in Brandenburg. Ob der junge Bulle, der zuletzt in Berts Streifgebiet stand, sich irgendwo festsetzt oder weiterwandert, zeigt sich erst in den kommenden Wochen.

Elchwild im Jagdrecht: Wild, aber ohne Jagdzeit

Für Jägerinnen, Jäger und Jagdschüler ist Berts Tod auch ein Anlass, den Rechtsstatus sauber einzuordnen, denn er wird oft verkürzt wiedergegeben. Der Elch unterliegt dem Jagdrecht: § 2 Abs. 1 Nr. 1 des Bundesjagdgesetzes (BJagdG) nennt „Elchwild (Alces alces L.)" ausdrücklich als Haarwild. Die Bundesverordnung über die Jagdzeiten setzt für Elchwild aber keine Jagdzeit fest. Damit greift § 22 Abs. 2 Satz 1 BJagdG: Wild, für das eine Jagdzeit nicht festgesetzt ist, ist während des ganzen Jahres mit der Jagd zu verschonen. Die Brandenburger Durchführungsverordnung zum Jagdgesetz (BbgJagdDV) enthält keine abweichende Regel für den Elch.

Rechtsstand: September 2026, Fundstellen geprüft am 27. September 2026.

Elch im Revier: das tun

  • Sichtungen, Fährten oder Fotofallenbilder mit Ort, Datum und Uhrzeit festhalten und an das Elchmonitoring von HNEE und Landeskompetenzzentrum Forst Eberswalde geben.

  • Einen toten Elch nicht bewegen oder aufbrechen, sondern Fundort und Tier fotografieren und umgehend melden. Wie bei Bert klärt nur der unversehrte Tierkörper in der Pathologie die Todesursache.

  • Abstand halten und das Tier nicht bedrängen, gerade jetzt in der Brunft.

  • Für die Prüfung merken: Elchwild ist Haarwild nach § 2 BJagdG, hat aber keine Jagdzeit und ist deshalb nach § 22 Abs. 2 BJagdG ganzjährig geschont.

Wer den Unterschied zwischen „unterliegt dem Jagdrecht" und „darf bejagt werden" am Elch verstanden hat, hat ihn für Wisent, Wildkatze oder Luchs gleich mitgelernt. Die Logik ist dieselbe, und sie ist ein typisches Prüfungsthema. Einen Überblick, wie Bund und Länder die Jagd- und Schonzeiten aufteilen, gibt unser Artikel zu den Jagdzeiten und Schonzeiten in allen 16 Bundesländern. Wie die Brunft beim heimischen Rotwild abläuft, steht im Beitrag zur Hirschbrunft 2026.

Was offen bleibt

Ob die Forscher den verbliebenen jungen Bullen besendern will, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob Berts Daten zusammenfassend ausgewertet und veröffentlicht werden oder was mit dem Kadaver geschieht. Die Frage nach dem Verursacher des Traumas wird sich voraussichtlich nicht mehr beantworten lassen. Sicher ist nur, dass Brandenburg mit Bert das Tier verliert, an dem sich die Rückkehr des Elchs am genauesten beobachten ließ. Wie sich der Bestand im Sommer entwickelt hatte, beschreibt unser Beitrag zum Elch-Rekord in Brandenburg. Weitere Meldungen zu heimischen Wildtieren sammelt die Rubrik Wild & Natur.

Schonzeiten und Wildarten sicher beherrschen: Welche Arten dem Jagdrecht unterliegen und trotzdem keine Jagdzeit haben, gehört zu den Klassikern im Fach Wildbiologie und Jagdrecht. In der Jagdkompass App übst du genau diese Fragen im Fragenkatalog deines Bundeslands und siehst in der Fehlerstatistik, welche Wildarten dir noch durchrutschen.

Quellen

Pressemitteilung der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde vom 24.09.2026 über den Informationsdienst Wissenschaft: Deutschlands berühmtester Elch ist tot – Senderelch „Bert" im Alter von zehn Jahren verendet. Ergänzend: Tagesspiegel und t-online (Hämatom, Rinderweide, Bestand von vier Elchen), Deutsche Wildtier Stiftung (Brunft, Gewicht, Geweih, Lebenserwartung, Bestand), § 2 BJagdG, § 22 BJagdG, Verordnung über die Jagdzeiten, BbgJagdDV.

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