Jagdkompass
SportschießenSportschießen

DM Bogen Wiesbaden: Beide Recurve-Titel fallen im Stechen – in der Jugend entscheiden 2,67 Zentimeter

Die Deutsche Meisterschaft Bogensport im Freien ist entschieden. Johanna Klinger und Mathias Kramer gewinnen erst mit dem Stechpfeil, beide Compound-Titelverteidiger scheitern vorher.

LMLauritz Maaßen15. September 2026Bogensport, Deutsche Meisterschaft, Wiesbaden
DM Bogen Wiesbaden: Beide Recurve-Titel fallen im Stechen – in der Jugend entscheiden 2,67 Zentimeter

Die Deutsche Meisterschaft Bogensport im Freien in Wiesbaden ist entschieden – und sie endete so eng, wie sie begonnen hatte: Beide Recurve-Titel der Erwachsenen fielen erst mit dem Stechpfeil, beide Compound-Titelverteidiger schieden vor den Medaillenmatches aus, und in der Recurve-Jugend lagen zwischen Gold und Silber am Ende 2,67 Zentimeter.

Vom 11. bis 13. September schossen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf dem Sportplatz Kleinfeldchen und in der Finalarena auf dem Bowling Green. Der letzte Pfeil der siebten Wiesbadener Meisterschaft schlug am Sonntag um 16.17 Uhr in der 70 Meter entfernten Scheibe ein. Das sind die Entscheidungen der sechs Hauptklassen nach den Wettkampfberichten des Deutschen Schützenbunds:

KlasseDeutscher Meister 2026Finalergebnis
Recurve FrauenJohanna Klinger (PSV München)5:5 gegen Elisa Tartler, Stechen 10 zu 9
Recurve MännerMathias Kramer (BSC Werlte)5:5 gegen Jonathan Vetter, Stechen 9 zu 8
Compound FrauenJennifer Walter (SV Weil im Schönbuch)143:138 gegen Katharina Landrock
Compound MännerYannic Arnold (TV Schiefbahn)145:141 gegen Ruven Flüß
Blankbogen FrauenDiana Wiesner (BSV Ulm)23 Ringe Vorsprung vor Julie Jakobs
Blankbogen MännerTimo Durchdewald (SV Nieder-Florstadt)637 Ringe, elf Ringe vor Timo Heydasch

Zwei Recurve-Finals, zwei Stechpfeile

Bei den Frauen trafen die Erste und die Zweite der Qualifikation aufeinander – und trennten sich nach fünf Sätzen 5:5. Elisa Tartler (SV Bavaria Thulba), die kurz vor der Meisterschaft ihren Rücktritt vom Leistungssport erklärt hatte, legte im Stechen eine Neun vor. Johanna Klinger (PSV München) konterte mit der Zehn und gewann ihren ersten Titel bei den Frauen. Bronze holte Elina Idensen (BSC BB-Berlin), ebenfalls im Stechen, gegen Titelverteidigerin Charline Scheiding.

Bei den Männern standen sich mit Jonathan Vetter (SGi Ditzingen) und Mathias Kramer (BSC Werlte) zwei Team-Europameister gegenüber, die im Mai in Antalya gemeinsam Gold gewonnen hatten. Vetter führte 5:3 und hätte ein Unentschieden im letzten Satz gebraucht; Kramer holte ihn mit 27:26 ein und traf im Stechen eine Neun, als Vetter nur die Acht gelang. Für Kramer ist es der erste DM-Titel bei den Männern, nachdem er auf demselben Platz bereits zweimal bei den Junioren gewonnen hatte.

Mehrere Pfeile stecken nebeneinander in einer hölzernen Zielscheibe
Beim Stechen schießen beide Finalisten einen einzigen Pfeil. Zählt der Ringwert gleich, entscheidet der gemessene Abstand zum Scheibenmittelpunkt. Foto: Gabriela / Unsplash+ License

Im Compound zählte die Qualifikation am wenigsten

Kein Wettbewerb zeigte deutlicher, wie wenig die Rangliste nach 72 Qualifikationspfeilen über den Ausgang sagt. Bei den Männern schoss Simon Moritz (Bogenschützen TSV Natternberg) 709 Ringe und lag damit vor Paolo Kunsch (705) und Leon Hollas (701) – in der ersten Hälfte verfehlte er nur zwei von 36 Pfeilen die Zehn. Im Achtelfinale unterlag er Kai Fath mit 145:146. Die kompletten Top vier der Qualifikation schieden noch vor dem Viertelfinale aus.

Am Ende gewann Yannic Arnold (TV Schiefbahn) mit 145:141 gegen Ruven Flüß, nach eigener Aussage mit der Taktik, den Gegner bewusst vorschießen zu lassen. Zwei Wochen nach seinem Titel im 3D-Bogenschießen war es sein erster über 50 Meter. Bei den Frauen setzte sich Jennifer Walter (SV Weil im Schönbuch) mit 143:138 gegen Katharina Landrock durch; die Vorentscheidung fiel in der dritten Passe, in der Walter 30 Ringe und damit drei mehr als ihre Gegnerin erzielte. Die beiden Titelverteidiger kamen gar nicht so weit: Leon Hollas schied im Achtelfinale aus, Alessa Thiel bereits in der Qualifikation.

2,67 Zentimeter und ein Rekord aus der Blank-Jugend

Das engste Finale des Wochenendes schossen zwei Vereinskollegen: In der Recurve-Jugend trennten sich Jannik Heinrich und Johann Conrad (beide BSSC Olympia) 5:5. Im Stechen platzierten beide ihren Pfeil in der Zehn – Heinrichs Pfeil lag 2,67 Zentimeter näher am Zentrum. Anders als im Satzsystem ist hier kein Ausgleich mehr möglich: Der Messwert entscheidet, und der Titel geht an denjenigen, dessen Pfeil dem Mittelpunkt näher steckt.

Den bemerkenswertesten Einzelwert lieferte Theresa Mitterer (Alztaler Schützen Emmerting) in der Blank-Jugend. Bei ihrer ersten Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft kam sie auf 558 Ringe und verbesserte den deutschen Rekord um genau einen Ring. Zur Halbzeit hatte sie noch zwei Ringe hinter Markus Krinn gelegen, am Ende waren es fünf Ringe Vorsprung.

Blick über die Rasenfläche des Bowling Green in Wiesbaden auf das Kurhaus
Der Bowling Green in Wiesbaden, hier mit Blick auf das Kurhaus: Auf dieser Rasenfläche standen die Finalarena und die Scheiben für die Medaillenmatches. Foto: Gerda Arendt / Wikimedia Commons (CC0)

Warum die Zahlen im Programm zweimal etwas anderes bedeuten

Wer die Ergebnisliste liest, findet zwei völlig verschiedene Arten von Zahlen – und das erklärt einen Teil der Überraschungen. In den Klassen mit Finalrunde (Recurve und Compound bei Erwachsenen, Junioren und Jugend) zählt die Qualifikation nur für die Setzliste. Danach beginnt das K.-o.-System, in dem ein einzelner schwacher Satz ein ganzes Wochenende beenden kann. In den Master-, Senioren- und Blank-Klassen dagegen entscheidet die reine Ringzahl über 72 Pfeile; dort gewinnt, wer über den gesamten Wettkampf hinweg am stabilsten bleibt.

Dazu kam ein Wetterwechsel innerhalb von 24 Stunden: Am Samstag fielen die Compound-Entscheidungen bei 25 Grad und Sonnenschein, am Sonntag setzte bereits vormittags Regen ein und blieb bis zu den Recurve-Finals. Belastbare Aussagen über den Einfluss auf einzelne Ergebnisse lassen sich daraus nicht ableiten – der Verband hat dazu keine Auswertung vorgelegt.

Was die Ringzahlen aussagen – und was nicht

Ein Ergebnis von 709 Ringen in der Qualifikation und ein 145:141 im Finale sind nicht vergleichbar: Die Qualifikation umfasst 72 Pfeile, ein Compound-Finale 15. Ein Vergleich über Jahre hinweg funktioniert außerdem nur innerhalb derselben Distanz und Scheibenauflage – Arnolds Titel über 50 Meter lässt sich nicht mit seinem 3D-Titel verrechnen.

Mehrere Personen schießen auf einem Freiluft-Bogensportplatz
Freiluft-Wettkämpfe werden über 70, 60 oder 50 Meter geschossen – je nach Klasse und Bogenart. Genau deshalb sind Ringzahlen aus verschiedenen Klassen nicht direkt vergleichbar. Foto: Gabriela / Unsplash+ License

Berlin stellt die Nachwuchsmeister

Auffällig ist die Bilanz eines einzelnen Vereins: Der BSSC Olympia aus Berlin stellte in der Recurve-Jugend beide Goldfinalisten der männlichen Klasse, die Meisterin der weiblichen Jugend (Lina Koslowski) und die Bronzemedaillengewinnerin Pia Kallina. Bei den Juniorinnen ging der Titel mit Melina Koepper an den zweiten Berliner Verein BSC BB-Berlin, deren Vereinskollegin und Titelverteidigerin Lisa Lucks Silber holte. Bei den Junioren gewann Leon Zemella (BSC Ibbenbüren) seinen ersten Einzeltitel im Freien.

Wie der Wettkampf in Wiesbaden organisiert war und welche Zeiten galten, steht im Service-Artikel zur DM Bogen in Wiesbaden. Wie eine ganz andere Bogendisziplin gewertet wird, erklärt der Beitrag zum Bogenlaufen in Bürstadt. Weitere Wettkampfergebnisse und Termine sammeln wir unter Sportschießen.

Wettkampfregeln, Distanzen und Wertungen sicher im Kopf? Wer für die Jägerprüfung lernt oder sein Wissen rund um Schießsport und Waffenrecht auffrischen will, findet die passenden Lerninhalte in der Jagdkompass-App.

Quelle

Wettkampfberichte zur Deutschen Meisterschaft Bogensport im Freien in Wiesbaden vom 11.09.2026, 12.09.2026 und 13.09.2026 beim Deutschen Schützenbund. Abgerufen am 14.09.2026.

Teilen:WhatsAppFacebookX