Bogenlaufen ist die einzige Bogendisziplin, in der die Kondition mit über den Titel entscheidet: Laufrunde, vier Pfeile, wieder Laufrunde – und für jeden Fehlschuss eine Strafrunde. Am 19. und 20. September 2026 trägt der PBC Bürstadt die gemeinsame Deutsche Meisterschaft von Deutschem Bogensportverband und Deutschem Schützenbund aus. Wer zusieht, sollte drei Dinge kennen: die Strafrunden-Rechnung, die beiden Bogenklassen und die Zielgrößen.
Kurz vorweg, falls Sie nur vom Bogenschießen auf der Scheibe kommen
Entschieden wird über die Gesamtzeit, nicht über eine Ringzahl. Der Schuss zählt als Treffer oder als Fehlschuss, und jeder Fehlschuss wird in Metern bezahlt. Das unterscheidet die Disziplin grundlegend vom Scheiben- oder Feldbogenschießen, wo jeder einzelne Ring in die Wertung eingeht.
Der Wettkampf in Zahlen
| DM Bogenlaufen 2026 | |
| Termin | 19.–20.09.2026 |
| Ausrichter | PBC Bürstadt e.V. |
| Austragungsort | gegenüber Bubenlachring 73A, 68642 Bürstadt |
| Laufstrecke Erwachsene | 4 × ca. 900 m |
| Laufstrecke U10 bis U15 | 4 × ca. 500 m |
| Schießen | 3 Serien à 4 Pfeile (bis U15: 3 Pfeile) |
| Strafrunde | 15 % der Laufrunde je Fehlschuss |
| Startgeld | 35,00 € · U-Klassen 20,00 € · Staffel 20,00 € |
| Meldeschluss | 15.08.2026 (vorbei) |
| Wertungen | Einzel, Staffel, Mixstaffel |
Diese Angaben stammen aus der Ausschreibung des Deutschen Schützenbundes mit Stand 11. August 2026. Das Mannschaftsgeld für die Staffel wird vor Ort bezahlt; Qualifikationsergebnisse waren für die Meldung nicht nötig, was das Feld ausdrücklich für Vereinssportler ohne Ranglistenplatz öffnet.
Wie ein Durchgang abläuft
Begonnen wird mit einer Laufrunde. Danach folgt an der Schießlinie eine Serie von vier Pfeilen, dann wieder eine Laufrunde – dreimal Schießen, viermal Laufen. In den Altersklassen U18 bis Ü50 wechselt dabei die Schießposition: stehend, kniend, stehend. Die jüngeren Klassen schießen durchgehend stehend.
Die Pfeile dürfen an der Schießlinie liegen bleiben, gezogen wird erst nach dem kompletten Lauf. Genau deshalb schreibt die Ausschreibung vor, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer zwölf Pfeile dabeihat (bis U15: neun) – wer nach der ersten Serie nachlegen müsste, hätte nichts mehr zu schießen.
Der Bogen wird mitgeführt, nicht abgestellt. Erlaubt sind ein am Bogen montiertes Traggestell und eine Pfeilhalterung; wer ein solches Gestell nutzt, muss den Bogen in der Laufrunde auf dem Rücken tragen. Pfeile dürfen im Rückenköcher mitlaufen, müssen aber auch bei einem Sturz fest sitzen.
Was ein Fehlschuss in Metern kostet
Die Strafrunde ist nicht fest, sondern misst 15 Prozent der jeweiligen Laufrunde. Bei rund 900 Metern sind das etwa 135 Meter, bei den 500-Meter-Runden der jüngsten Klassen rund 75 Meter. Je nach Tempo geht dafür etwa eine halbe Minute drauf – und weil pro Serie vier Pfeile geschossen werden, können sich in einem Lauf schnell mehrere Runden summieren.
Das verschiebt die Taktik: Wer läuferisch stark ist, kann sich am Stand mehr Zeit lassen; wer sicher trifft, spart sich das Risiko. Bei mehr als zwölf Meldungen pro Klasse werden Halbfinals und ein Finale ausgetragen; wie diese Läufe im Einzelnen gewertet werden, führt die Ausschreibung nicht aus.
Zwei Bogenklassen, zwei verschiedene Aufgaben
Gestartet wird in Standardbogen und Traditionellem Bogen. Der Unterschied ist am Gerät sichtbar und wirkt sich direkt auf die Zielgröße aus.
Standardbogen
Recurve- und Blankbögen nach der Wettkampfordnung des DBSV, aber ohne Stabilisatoren. Zusatzgewichte am Bogen dürfen 10 Zentimeter Länge nicht überschreiten. Ohne die langen Stabilisatorstangen ist der Bogen leichter zu tragen – und im Anschlag unruhiger.
Traditioneller Bogen
Neben dem „Traditionell" nach DSB-Definition zählen hier auch Jagdbogen, Langbogen, Primitivbogen und Kompositbogen dazu. Diese Klasse schießt auf die größere Auflage, weil ihr Zielhilfen fehlen.
Die Zielgrößen sind entsprechend gestaffelt:
| Altersklasse | Standardbogen | Traditioneller Bogen | Entfernung |
| U10 | 40 cm | 60 cm | 10 m |
| U12 und U15 | 40 cm | 60 cm | 20 m |
| Alle übrigen Klassen | 20 cm | 40 cm | 20 m |
Zwanzig Zentimeter aus zwanzig Metern mit Puls im roten Bereich: Das ist der Kern der Disziplin. Wer die Bogenklassen im Detail vergleichen will, findet die Unterschiede zwischen Recurve, Compound und Blankbogen in unserem Beitrag zur DM Bogen im Freien in Wiesbaden.
Acht Altersklassen – und ein Feld, das zusammenrücken darf
Gestartet wird von U10 (Jahrgang 2016 und jünger, als Pokalwertung) über U12, U15, U18 und die Klasse Damen/Herren bis zu Ü35, Ü50 und Ü65 (Jahrgang 1960 und älter). Die Staffeln werden zu zwei Blöcken zusammengefasst: bis U15 und ab U18.
Kommt eine Klasse nicht zustande, werden die Gemeldeten in die nächsthöhere Klasse eingeordnet. In Ausnahmefällen dürfen Standard- und Traditionsbögen in einer Altersklasse zusammengelegt werden – jede Startende behält dann ihre eigene Auflage. Nach Meldeschluss sind Bogenklasse, Verein und Altersklasse festgeschrieben.
Eine Disziplin, die gerade erst in die Sportordnung gerutscht ist
Bogenlaufen wurde in Deutschland um 1990 nach dem Vorbild von Biathlon und Ski-Archery erprobt; die Regeln entstanden entsprechend aus deren Wettkampfordnungen. In der Sportordnung des Deutschen Schützenbundes stand die Disziplin lange gar nicht – gewertet wurde nach Teil 10 der Wettkampfordnung des Deutschen Bogensportverbands. Seit 2026 führt die Sportordnung des DSB das Bogenlaufen als eigenes Kapitel 13, inhaltlich deckungsgleich mit dem DBSV-Teil. Die gemeinsame Meisterschaft beider Verbände gibt es seit 2023.
Das erklärt auch die Wertungslage: Zusätzlich zur Mannschaft aus drei Startenden existiert seit 2025 eine Mixed-Team-Wertung. In beiden Staffelformen stehen pro Schießphase zwei Zusatzpfeile zur Verfügung, bevor eine Strafrunde fällig wird – im Einzel gibt es diese Reserve nicht.
Was noch nicht feststeht
Der Zeitplan fehlt. Die Ausschreibung hält ausdrücklich fest, dass der genaue Ablauf erst nach Eingang der Meldungen bekannt gegeben wird – vier Tage vor dem Wettkampf ist er weder beim Verband noch beim Ausrichter veröffentlicht. Damit sind Startzeiten, der Zeitpunkt der Startnummernausgabe und die Uhrzeit der Siegerehrungen offen, ebenso die Zuschauerregeln an der Schießlinie.
Die Aufteilung der Klassen auf die beiden Tage steht dagegen inzwischen fest, und auch Adresse, Parkflächen und Fußwege hat der Ausrichter nachgereicht – beides haben wir im Serviceteil zusammengestellt: wie der Wettkampftag in Bürstadt abläuft. Zugesagt sind Versorgung und Umkleiden vor Ort. Die Gerätekontrolle läuft während des Einschießens; für einen Einspruch werden 25 Euro fällig, die bei Erfolg zurückgehen.
Für Zuschauer am Wettkampftag
Die interessanten Momente liegen an der Schießlinie, nicht auf der Laufstrecke – dort entscheidet sich die Strafrunde.
Am Traggestell auf dem Rücken erkennt man sofort, wer im Standard- und wer im Traditionsbogen startet.
Bei mehr als zwölf Meldungen pro Klasse gibt es Halbfinals und Finale – die spannendsten Läufe stehen dann am Ende.
Startzeit vor der Abfahrt beim Ausrichter erfragen, solange kein Zeitplan veröffentlicht ist.
Weitere Bogenwettkämpfe dieses Herbstes haben wir im Beitrag zur DM Bogen 3D in Neustrelitz beschrieben; alle kommenden Termine sammeln wir unter Sportschießen.
Quelle
Ausschreibung „Gemeinsame DM Bogenlaufen des DBSV und DSB", Stand 11.08.2026: dsb.de · Informationsblatt zum Bogenlaufen und Teilnehmerinformation des Ausrichters: pbcbuerstadt.de · Abgerufen am 14.09.2026.