Fast die Hälfte der Menschen, die heute den Jagdschein machen, hat vorher keinen einzigen Jäger in Familie oder Freundeskreis. Das ist das auffälligste Ergebnis der vierten Jungjägerbefragung: Der Anteil dieser Quereinsteiger hat sich seit 2011 verdreifacht. Für die Prüfung selbst ist das kein Nachteil – für die Zeit danach schon.
Die neue Jägergeneration in sieben Zahlen
Der Deutsche Jagdverband (DJV) hat für die Befragung rund 4.600 Antworten von Jagdschülerinnen und Jagdschülern ausgewertet und die Ergebnisse am 29. Oktober 2026 vorgelegt. Wo es einen Vergleichswert gibt, stammt er aus der Befragung von 2011.
| Merkmal | 2026 | Vergleich |
| Ohne Jäger in Familie oder Freundeskreis | knapp 50 % | dreimal so viele wie 2011 |
| Wohnort in einer Stadt über 20.000 Einwohner | jeder Dritte | 2011: jeder Fünfte |
| Frauenanteil in den Jagdkursen | 30 % | um die Hälfte gestiegen in 15 Jahren |
| Durchschnittsalter | 38 Jahre | – |
| Beruf: Angestellte | knapp die Hälfte | – |
| Kosten der Prüfungsvorbereitung | im Schnitt 2.800 Euro | – |
| Wollen ein Ehrenamt übernehmen | über 50 % (Frauen: 60 %) | – |
Die Familie ist nicht mehr der Weg in die Jagd
Lange lief der Einstieg über Vater, Onkel oder den Nachbarn mit Revier. Wer so aufwuchs, kannte Hochsitz, Hund und Wildkammer, bevor er den ersten Lehrgang besuchte. Dieses Muster bricht weg: Fast jeder zweite Prüfling bringt keine solche Verbindung mit. Für die staatliche Prüfung, das sogenannte Grüne Abitur, ist das zunächst egal. Prüfungsstoff, Schießleistung und Waffenhandhabung lernt jeder im Kurs von vorn.
Der Unterschied zeigt sich erst mit dem bestandenen Schein in der Hand. Wer niemanden kennt, hat keinen Begehungsschein – die schriftliche Erlaubnis eines Revierinhabers, in dessen Revier zu jagen – und niemanden, der beim ersten Ansitz neben ihm sitzt. Hier liegt die eigentliche Hürde für die neue Generation, nicht in der Prüfung.
Jeder Dritte kommt aus der Stadt
2011 wohnte jeder fünfte Jagdschüler in einer Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern, heute ist es jeder dritte. Das passt zum Quereinsteiger-Befund: Wer in der Stadt lebt, hat seltener Jäger im Bekanntenkreis und seltener ein Revier in der Nähe. Praktisch heißt das längere Wege zum Schießstand, zum Revier und zur Ausbildung am Wild.
Auch beim Beruf entfernt sich das Bild vom Klischee. Knapp die Hälfte der Befragten sind Angestellte, das Durchschnittsalter liegt bei 38 Jahren. Die Jagd wird damit für viele zum Thema in der Lebensmitte, nicht in der Jugend.
Frauen machen fast ein Drittel der Kurse aus
Der Frauenanteil ist in 15 Jahren um die Hälfte auf 30 Prozent gestiegen. Auffällig ist ein Unterschied bei den Interessen: Jede dritte Jagdschülerin will einen Jagdhund ausbilden oder führen. Frauen wollen zudem häufiger ehrenamtlich mitarbeiten als der Schnitt – 60 Prozent gegenüber gut der Hälfte aller Befragten. Genannt werden vor allem Jungwildrettung, Hege und Umweltbildung.
Die Motive insgesamt haben sich gegenüber den Zwischenergebnissen aus dem Sommer kaum verschoben: Je zwei von drei Befragten nennen das Naturerlebnis und den Beitrag zum Naturschutz, etwa die Hälfte das Wild als Lebensmittel. Nur rund 5 Prozent interessieren sich besonders für Waffen. Die Einordnung dieser Zahlen steht in unserem Beitrag zur Rekordzahl bei der Jägerprüfung 2025.
Warum die Bereitschaft zum Ehrenamt so hoch liegt
Über die Hälfte der Jungjäger will sich ehrenamtlich engagieren. Zum Vergleich: Nach Zahlen des Umweltbundesamts waren 2024 nur 15 Prozent der Deutschen im Umwelt- und Naturschutz aktiv. Ob aus der Absicht im Kurs später tatsächlich ein Ehrenamt wird, misst die Befragung nicht. Sie fragt Jagdschüler vor oder während der Ausbildung, nicht Jäger nach einigen Jahren.
Warum der Anteil der Quereinsteiger so stark wächst, beantworten die vorliegenden Ergebnisse ebenfalls nicht. Naheliegend ist ein Zusammenhang mit dem Interesse an Natur und Wildbret, belegt ist er nicht.
Was die Befragung aussagt – und was nicht
Die Zahlen beschreiben die Teilnehmer der Befragung, rund 4.600 Jagdschülerinnen und Jagdschüler. Wie die Stichprobe zustande kam und ob sie für alle Prüflinge repräsentativ ist, geht aus den veröffentlichten Ergebnissen nicht hervor. Zum Vergleich: 2025 haben bundesweit 18.423 Menschen die Jägerprüfung bestanden. Die 2.800 Euro sind ein Durchschnitt für die Vorbereitung; ob Prüfungsgebühr, Jagdschein und Ausrüstung darin enthalten sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Ohne Jäger im Umfeld: So gelingt der Anschluss
Wer quer einsteigt, sollte die Zeit nach der Prüfung schon während des Kurses planen. Was danach ansteht, beschreibt unser Beitrag zu den ersten Schritten nach dem Jagdschein. Dass ein Jagdschein auch ohne eigenes Revier und ohne Schuss sinnvoll sein kann, zeigt der Artikel Jagdschein ohne jagen.
Fünf Schritte für Quereinsteiger
Bei der Jagdschule nachfragen, ob sie nach der Prüfung Kontakte zu Revieren oder Paten vermittelt – das ist ein Auswahlkriterium für den Kurs.
Früh Kontakt zum örtlichen Hegering oder zur Kreisjägerschaft aufnehmen; dort laufen Gesellschaftsjagden, Arbeitseinsätze und Schießtermine.
Ehrenamt als Türöffner nutzen: Wer bei der Kitzrettung im Frühjahr mithilft, lernt Revierinhaber kennen.
Den Begehungsschein offen ansprechen und Mithilfe im Revier anbieten, etwa beim Bau von Ansitzeinrichtungen.
Nach der Prüfung regelmäßig auf den Schießstand gehen, damit die Sicherheit an der Waffe nicht verloren geht.
Wer noch vor der Kurswahl steht, findet Kriterien im Beitrag Jagdschule finden und eine Aufstellung der Posten unter Jagdschein Kosten. Weitere Beiträge zur Prüfung sammelt die Rubrik Prüfungsvorbereitung.
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Quelle
Deutscher Jagdverband (DJV): Immer mehr Quereinsteiger in die Jagd, Pressemitteilung vom 29. Oktober 2026, mit Ergebnissen der 4. Jungjägerbefragung sowie den Prüfungszahlen 2025. Die Ehrenamtsquote der Gesamtbevölkerung stammt nach Angaben der Pressemitteilung vom Umweltbundesamt.