Der zweite größere Waldbrand im Saarland binnen vier Tagen hat am Sonntag rund 400 Einsatzkräfte in den Landkreis Neunkirchen geführt – nach etwa 510 Kräften beim Brand am Wingertsweiher wenige Tage zuvor. Für Revierinhaber in der Region bedeutet das gesperrte Waldflächen und Wege, die als Anfahrtsrouten gebraucht werden.
Vier Tage, zwei Großlagen, ein Landkreis
Der erste Brand begann am Donnerstag, 13. August, gegen 16:10 Uhr in einem Waldstück am Wingertsweiher zwischen Ottweiler und Steinbach. Nach der Einsatzbilanz des Kreisfeuerwehrverbands Neunkirchen waren rund 510 Kräfte von Feuerwehr, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, DRK, THW, Polizei, Energieversorger und Bauhof eingebunden. Ein nahegelegener Wohnwagenstellplatz und eine angrenzende Gaststätte wurden vorsorglich geräumt, die B420 und die Zufahrt zum Wingertsweiher komplett gesperrt. Erst am Freitag kurz nach 14 Uhr – nach 22 Stunden – konnte die Feuerwehr die Einsatzstelle an den Forst übergeben.
Drei Tage später, am Sonntag, 16. August, brannte es bei Hirzweiler in der Gemeinde Illingen. Rund sechs Hektar Waldfläche seien nach Drohnenvermessung betroffen, teilte das saarländische Innenministerium mit; Innenminister Reinhold Jost machte sich vor Ort ein Bild. Diesmal unterstützte ein Löschhubschrauber die Kräfte am Boden. Weil sich das Feuer in Richtung eines Hofes ausbreitete, wurden dort vorsorglich alle Pferde evakuiert.
| Wingertsweiher, Ottweiler | Hirzweiler, Illingen | |
| Beginn | Do, 13. August, 16:10 Uhr | So, 16. August |
| Kräfte | rund 510 | rund 400 |
| Besonderheit | 22 Stunden Einsatzdauer, Nachtbetrieb mit THW-Ausleuchtung | Löschhubschrauber, rund 6 Hektar per Drohne vermessen |
| Räumung | Wohnwagenstellplatz, Gaststätte | Pferde eines angrenzenden Hofes |
| Sperrung | B420 und Zufahrt zum Wingertsweiher | Wald gesperrt, Gebiet weiträumig meiden |
Nicht die Fläche war der Engpass, sondern der Weg zum Wasser
Sechs Hektar sind, gemessen an Großbränden der vergangenen Jahre, keine außergewöhnliche Zahl. Der Kräfteansatz erklärt sich über etwas anderes: In beiden Fällen lag das Feuer in weitläufigem, teils schwer zugänglichem Gelände. Am Wingertsweiher mussten Schlauchleitungen über mehrere Kilometer verlegt werden, um überhaupt genug Löschwasser in das Brandgebiet zu fördern; alarmiert wurden dafür der Wasserförderzug und der Waldbrandzug des Landkreises, dazu kamen geländegängige Tanklöschfahrzeuge und Unterstützung aus dem Landkreis St. Wendel und dem Saarpfalz-Kreis. Für Hirzweiler beschrieb das Innenministerium dieselbe Kombination als anspruchsvoll: schwieriges Gelände und aufwendige Löschwasserversorgung.
Das ist der Punkt, an dem der Einsatz die Revierstruktur berührt. Eine Wasserstrecke funktioniert nur, wenn der Weg über die gesamte Länge befahrbar und frei bleibt. Jeder abgestellte Pkw an einer Schranke, jede zugewachsene Wendemöglichkeit verlängert die Zeit, bis Wasser an der Flammenfront ankommt.
Um in dem unübersichtlichen Gelände überhaupt ein verlässliches Lagebild zu bekommen, setzte die Einsatzleitung am Wingertsweiher mehrere Drohneneinheiten ein. Deren Aufnahmen dienten der Beurteilung der Ausbreitung und der Koordination der Kräfte – dieselbe Technik lieferte bei Hirzweiler die Flächenangabe.
Ein gesperrter Wald bindet auch die Jagdausübung
Für Hirzweiler galt die Aussage der Feuerwehr unmissverständlich: „Wir bitten die Bevölkerung, das Gebiet zu meiden und die Zufahrten für anrückende Rettungskräfte freizuhalten." Der Wald sei gesperrt. Eine jagdliche Fahrberechtigung auf Waldwegen hebt eine solche Sperrung nicht auf – sie gilt für Revierinhaber wie für alle anderen.
Das jetzt im betroffenen Revier tun
Sperrungen einhalten und das Einsatzgebiet nicht eigenständig kontrollieren.
Fahrzeuge außerhalb möglicher Anfahrtsrouten abstellen; Schranken, Wendeplätze und Wegekreuzungen frei halten.
Ansitze und geplante Jagden verschieben, bis die zuständige Stelle den Bereich freigibt.
Rauch oder Glut über 112 melden – mit genauem Standort, Ausmaß und Angabe der Vegetation.
Erst nach Freigabe Bilanz ziehen: beschädigte Einrichtungen dokumentieren, Gefahrenbäume dem Forst überlassen.
Auch nach dem sichtbaren Ende bleibt Zeitdruck bestehen. Am Wingertsweiher suchten die Kräfte die ganze Nacht und bis in den Freitagmittag nach Glutnestern, weil Wind verborgene Glut jederzeit wieder anfachen kann. Eine Freigabe kommt deshalb regelmäßig später, als der Blick aus der Ferne nahelegt.
Was zu den Ursachen bisher nicht vorliegt
Zu keinem der beiden Brände ist bislang eine bestätigte Ursache öffentlich benannt worden; auch belastbare Angaben zu Wildverlusten fehlen. Beide Lagen fallen in eine Phase, in der der Deutsche Wetterdienst für weite Teile Deutschlands eine hohe bis sehr hohe Waldbrandgefahr ausweist – ausgetrocknete Böden und trockene Luftmassen verstärken sich gegenseitig.
Wie eng benachbart diese Meldungen derzeit auftreten, zeigt der Waldbrand im Schwarzen Holz bei Plauen ebenso wie die Warnstufe 5 in Hessen. Dass dieselbe Trockenheit auch abseits von Feuer wirkt, ordnet das Wasserentnahmeverbot in Schmalkalden-Meiningen ein.
Weitere datumsbezogene Meldungen zu Wild, Jagdrecht und Reviersicherheit stehen in den Jagdkompass-Nachrichten.
Quellen
Einsatzverlauf, Kräftezahlen und Sperrungen am Wingertsweiher: Kreisfeuerwehrverband Neunkirchen, Meldung vom 15. August 2026. Lage bei Hirzweiler, Flächenangabe des saarländischen Innenministeriums und Zitat der Feuerwehr: dpa-Meldung vom 16. August 2026. Waldbrandgefahr: Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes.