Die Schwarzwildstrecke in Deutschland ist wieder gestiegen: Im Jagdjahr 2024/25 kamen bundesweit 569.019 Wildschweine zur Strecke – rund 26.581 Stück mehr als im Jahr davor. Das geht aus der Jagdstatistik des Deutschen Jagdverbands hervor. Für Jäger, Landwirtschaft und die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ist die Zahl mehr als eine Randnotiz – sie zeigt, wie viel Arbeit die Reviere aktuell in die Schwarzwildjagd stecken.
Das Wichtigste zuerst
Die gestiegene Strecke ist kein Zeichen für „zu viele" Wildschweine, die verschwinden – sondern für einen intensiven Jagddruck. Kurz gehaltene Bestände sind das zentrale Werkzeug gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP).
Was ist passiert?
Nach den vom Deutschen Jagdverband (DJV) zusammengeführten Meldungen der Länder wurden im Jagdjahr 2024/25 bundesweit 569.019 Stück Schwarzwild erlegt. Das sind 26.581 Wildschweine mehr als im vorangegangenen Jagdjahr – ein Anstieg von rund fünf Prozent. Damit setzt sich die Erholung nach dem ungewöhnlich schwachen Jagdjahr 2022/23 fort, in dem mit 462.220 Stück ein deutlicher Einbruch verzeichnet worden war.
Von einem Rekord ist die aktuelle Strecke allerdings weit entfernt: Die mit Abstand höchste Schwarzwildstrecke der vergangenen Jahrzehnte wurde im Jagdjahr 2019/20 mit 882.231 erlegten Wildschweinen erreicht. Die Streckenhöhe schwankt beim Schwarzwild traditionell stark – vor allem, weil Mastjahre mit vielen Bucheckern und Eicheln die Vermehrung befeuern und die Bestände von Jahr zu Jahr in die Höhe treiben können.
Die Zahlen im Überblick
| Jagdjahr | Schwarzwildstrecke (Deutschland) |
| 2019/20 (Rekord) | 882.231 |
| 2022/23 (Tiefpunkt) | 462.220 |
| 2023/24 | 542.438 |
| 2024/25 | 569.019 |
Die Zahlen machen deutlich: Das Schwarzwild bleibt auf hohem Niveau, und die Jägerschaft hält den Druck hoch. Genau das ist politisch und tierseuchenrechtlich gewollt.
Regionales Beispiel: Brandenburg
Wie stark die Entwicklung regional ausfallen kann, zeigt Brandenburg – ein Bundesland, das seit Jahren im Zentrum der ASP-Bekämpfung steht. Laut dem brandenburgischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium (MLEUV) stieg die Schwarzwild-Jagdstrecke dort im Jagdjahr 2024/25 auf 60.208 Stück – ein Plus von 13.608 Wildschweinen oder 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die höchsten Zuwächse meldeten die Landkreise Havelland und Potsdam-Mittelmark sowie die Stadt Potsdam.
Insgesamt wurden in Brandenburg 119.219 Stück Schalenwild erlegt. Während die Schwarzwildstrecke kräftig zulegte, gingen die Strecken bei Rot-, Dam- und Rehwild zurück – beim Rehwild etwa auf 45.351 Stück (minus sieben Prozent).
Waschbär & Co.: Raubwild auf Rekordkurs
Nicht nur beim Schwarzwild zeigt die Statistik nach oben. In Brandenburg erreichte die Waschbär-Jagdstrecke mit 43.694 erlegten Tieren ein Allzeit-Hoch (plus 32 Prozent). Gemeinsam machen die invasiven Arten Waschbär, Marderhund und Mink dort inzwischen rund 63 Prozent der gesamten Raubwildstrecke aus.
Das ist kein Zufall, sondern gezieltes Wildtiermanagement: Waschbär und Marderhund setzen bodenbrütenden Vögeln, Amphibien und Reptilien zu. Wo Jäger diese Neozoen konsequent bejagen, entlasten sie bedrohte heimische Arten.
Was bedeutet das für Jäger?
Für die Praxis im Revier bestätigt die Statistik einen klaren Auftrag: Schwarzwild kurz halten, sauber melden, Wildbret hygienisch behandeln.
Konkret jetzt tun
Schwerpunkt Bachen und Frischlinge: Wer die Reproduktion drückt, senkt den Bestand nachhaltiger als einzelne Keiler.
Kirrung und Nachtansitz nutzen, wo erlaubt – gerade in Mastjahren zahlt sich Kontinuität aus.
Fallwild und verendete Stücke melden: In ASP-Gebieten ist die Meldung von Kadavern Pflicht und entscheidend für die Früherkennung.
Wildbrethygiene beachten: Trichinenprobe nicht vergessen, Kühlkette einhalten.
Invasive Arten mitdenken: Waschbär und Marderhund konsequent bejagen – ein aktiver Beitrag zum Artenschutz.
Hintergrund: Warum die Schwarzwildjagd so wichtig ist
Schwarzwild und ASP
Die Afrikanische Schweinepest ist für Haus- und Wildschweine fast immer tödlich, für den Menschen aber ungefährlich. Ein niedriger Schwarzwildbestand verlangsamt die Ausbreitung, weil das Virus weniger empfängliche Tiere findet. Deshalb ist die Schwarzwildstrecke auch ein tierseuchenpolitischer Gradmesser.
Warum die Bestände wachsen
Milde Winter, nährstoffreiche Maisflächen und gute Mastjahre sorgen für hohe Überlebens- und Reproduktionsraten. Schon eine Bache kann jährlich für spürbaren Zuwachs sorgen – Schwarzwild zählt zu den anpassungsfähigsten Wildarten Europas.
Warum das die Jagd fordert
Steigende Bestände bedeuten mehr Wildschäden in der Landwirtschaft, mehr Wildunfälle und ein höheres Seuchenrisiko. Die Jägerschaft steht damit unter anhaltendem Druck, hohe Strecken zu erzielen – Jahr für Jahr.
Häufige Fragen
Ist die Schwarzwildstrecke 2024/25 ein Rekord?
Nein. Mit 569.019 Wildschweinen liegt sie zwar über dem Vorjahr, aber deutlich unter der Rekordstrecke von 882.231 Stück aus dem Jagdjahr 2019/20.
Warum sollen Jäger vor allem Bachen und Frischlinge bejagen?
Weil sich der Bestand über die Reproduktion reguliert. Wer den weiblichen Zuwachs reduziert, bremst das Populationswachstum wirksamer als der Abschuss einzelner starker Keiler – ein Kernthema auch in der Jägerprüfung.
Was hat der Waschbär mit der Jagdstatistik zu tun?
Waschbär, Marderhund und Mink sind invasive Arten. Ihre steigenden Strecken zeigen, dass die Jägerschaft aktiv Wildtiermanagement zum Schutz heimischer Arten betreibt.
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Quelle
Bundesweite Schwarzwildstrecke: Jagdstatistik des Deutschen Jagdverbands (DJV). Regionale Zahlen und Einordnung: Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg (MLEUV), Pressemitteilung „Jagdstrecke 2024/25".