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Elche in Brandenburg: Fünf Tiere gleichzeitig – Rekord und was er für Jäger bedeutet

In Brandenburg streifen fünf Elche gleichzeitig – ein Rekord. Die Tiere schwimmen aus Polen über die Oder ein. Was hinter der Rückkehr der größten Hirschart steckt und warum sie auch Jäger angeht.

LMLorena de Marco06. August 2026Elch, Brandenburg, Rückkehrer
Elche in Brandenburg: Fünf Tiere gleichzeitig – Rekord und was er für Jäger bedeutet

So viele Elche wie derzeit gab es in Brandenburg noch nie gleichzeitig: Wildtierexperten registrieren aktuell fünf verschiedene Tiere im Land – ein Rekord. Die größte Hirschart der Welt schwimmt dafür aus Polen über die Oder ein. Für Jägerinnen und Jäger ist das mehr als eine schöne Naturmeldung, denn die imposanten Rückkehrer bringen auch Fragen zu Verkehrssicherheit, Schonzeit und Monitoring mit.

Kurz gesagt

Mindestens fünf Elche halten sich zeitgleich in Brandenburg auf – so viele wie nie. Die Tiere stammen überwiegend aus der nordostpolnischen Population und wandern über die Oder ein. Der Elch unterliegt in Deutschland zwar dem Jagdrecht, ist aber ganzjährig geschont und darf nicht bejagt werden.

Was ist passiert?

Nach Einschätzung von Wildtierexperten halten sich derzeit fünf verschiedene Elche gleichzeitig in Brandenburg auf – nach Angaben des Wildbiologen Frank-Uwe Michler von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde ein neuer Rekord. Gemeinsam mit dem Landeskompetenzzentrum Forst betreut Michler das Elch-Monitoring im Land. Normalerweise seien es über das gesamte Jahr verteilt vier bis sechs Elche, die durch Brandenburg streifen – dass sich gleich fünf Tiere zeitgleich im Bundesland aufhalten, sei bemerkenswert.

Konkret gehen die Fachleute laut Bericht von zwei kürzlich gesichteten Elchen im Oder-Spree-Kreis aus, dazu vom bekannten Senderelch „Bert" in der Nuthe-Nieplitz-Region und einem weiteren jungen Bullen im Barnim. Zusätzlich sei Anfang Juni ein Elch an einer Grünbrücke über die A12 in eine Fotofalle geraten. Brandenburg gilt Michler zufolge als wichtigstes Bundesland für Elchwanderungen nach Deutschland.

Flusslauf der Alten Oder im Nationalpark Unteres Odertal in Brandenburg
Wandergrenze und Einfallstor zugleich: die Oder im Nationalpark Unteres Odertal (Brandenburg). Viele Elche durchschwimmen den Grenzfluss aus Polen. Foto: Leonhard Lenz / Wikimedia Commons (CC0)

Woher die Tiere kommen

Die meisten Elche stammen aus der großen nordostpolnischen Population, wo sich die Bestände in den vergangenen Jahren deutlich erholt haben. Vor allem junge Tiere begeben sich auf Wanderschaft, um neue Lebensräume oder einen Fortpflanzungspartner zu finden. „Sie durchqueren Polen, schwimmen durch die Oder und erreichen schließlich Brandenburg", wird der Wildbiologe zitiert. Im Winter nutzen die Tiere dafür teils vereiste Übergänge.

Für Aufsehen sorgte zuletzt ein Elch-Duo nahe Grünheide, das am Autobahndreieck Spreeau gesehen wurde. Normalerweise sind Elche Einzelgänger: In rund 95 Prozent der Fälle handele es sich um einzelne Tiere, meist um junge Männchen, so Michler. Zwei gemeinsam wandernde Elche seien in Deutschland äußerst selten. Die wahrscheinlichste Erklärung: Es handele sich um Geschwister im zweiten Lebensjahr, die nach der Geburt des nächsten Kalbs von der Mutter vertrieben wurden und noch eine Weile zusammenbleiben.

Schwimmender Elch mit Kopf und Geweih über der Wasseroberfläche
Elche sind ausdauernde Schwimmer und überwinden auch breite Flüsse. So gelangen sie aus Polen über die Oder nach Brandenburg. Foto: AnxuEst / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Elch in BrandenburgAngabe (laut Bericht)
Aktuell zeitgleich nachgewiesen5 Tiere (Rekord)
Sonst pro Jahr durchziehend4 bis 6 Tiere
Anteil Einzelgängerrund 95 Prozent, meist junge Bullen
Herkunft der meisten Tierenordostpolnische Population
Langfristig für möglich gehaltenkleiner Bestand von bis zu 20 Tieren

Was bedeutet das für Jäger?

Der Elch ist die größte Hirschart der Welt – ein ausgewachsener Bulle kann eine erhebliche Wucht auf die Straße bringen. Gerade an Wanderkorridoren wie rund um die A12 steigt damit das Risiko schwerer Wildunfälle. Anders als bei Reh oder Schwarzwild ist ein Elch auf der Fahrbahn eine Ausnahme, auf die kaum jemand vorbereitet ist. Wer im Revier von durchziehenden Elchen weiß, sollte das Umfeld und betroffene Behörden entsprechend sensibilisieren.

Konkret jetzt tun

  • Elch-Sichtungen, Trittsiegel oder Fotofallenbilder dokumentieren (Ort, Datum, Uhrzeit) und dem Elch-Monitoring der Hochschule Eberswalde bzw. dem Landeskompetenzzentrum Forst melden.

  • An bekannten Wanderkorridoren und Grünbrücken auf Wildwechsel achten; Verkehrsteilnehmer und Jagdgenossen für die Gefahr großer Wildtiere sensibilisieren.

  • Merken: Der Elch ist ganzjährig geschont und darf nicht bejagt werden – er ist ausschließlich ein Fall fürs Monitoring, nicht für die Strecke.

  • Für die Jägerprüfung: Der Elch (Alces alces) als größte Hirschart, sein Lebensraum und sein Schutzstatus sind sicheres Steckbrief-Wissen.

Hintergrund: Ein Rückkehrer aus eigener Kraft

Warum sie wiederkommen

Über lange Zeit war der Elch in Deutschland ausgerottet – Lebensraumverlust und intensive Bejagung ließen den Bestand in Mitteleuropa verschwinden. Dank strenger Schutzregeln und erholter Bestände in Polen und Tschechien wandern heute wieder einzelne Tiere aus eigener Kraft ein.

Warum Brandenburg?

Das Land bietet mit ausgedehnten Feuchtgebieten, Schilfflächen und dünn besiedelten Landschaften geeignete Lebensräume. Kommt es während der Brunft zur Begegnung von Bulle und Kuh, könnte erstmals seit Jahrzehnten wieder eine kleine Population entstehen.

Elche sind an kühle Regionen angepasst und leiden unter Wärme: Schon Temperaturen über fünf Grad bedeuten im Winter Stress, im Sommer fühlen sie sich bei mehr als 20 Grad zunehmend unwohl. Deshalb verbringen sie die warme Jahreszeit oft in Feuchtgebieten, stehen stundenlang im Wasser oder verstecken sich tagsüber in Schilf- und Moorlandschaften. Aktiv werden sie meist nachts – weshalb viele Menschen die Tiere trotz ihrer Größe selten zu Gesicht bekommen. Der bekannte Senderelch „Bert" lebt inzwischen seit rund acht Jahren dauerhaft in einem etwa 10.000 Hektar großen Streifgebiet und weicht Menschen konsequent aus.

Weite Feuchtwiesen und Gräben im Oderbruch in Brandenburg
Ideales Elch-Land: Feuchtgebiete wie das Oderbruch in Brandenburg bieten Wasser, Deckung und Ruhe. Foto: TobiPro / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Für den Umgang mit den seltenen Gästen soll in Brandenburg ein Managementplan sorgen, der laut Monitoring kurz vor der Veröffentlichung steht. Er regelt, wie Behörden reagieren, wenn sich ein Elch etwa auf eine Autobahn verirrt oder in Siedlungsnähe auftaucht. Vorrang haben demnach Vergrämung und Umsiedlung aus einem Gefahrenbereich; eine Tötung wäre nur in extremen Gefahrensituationen denkbar.

Häufige Fragen

Darf man Elche in Deutschland jagen?

Nein. Der Elch unterliegt in Deutschland zwar dem Jagdrecht, ist aber ganzjährig geschont und darf nicht bejagt werden. Für die Jägerschaft ist er vor allem als Teil des Wildtiermonitorings und der Revierbeobachtung relevant.

Sind Elche für Menschen gefährlich?

Elche gelten nicht als aggressiv und meiden Menschen normalerweise großräumig. Wer einem Tier begegnet, sollte Abstand halten, es nicht bedrängen und höchstens aus sicherer Entfernung ein Foto machen. Die größte praktische Gefahr geht von Kollisionen im Straßenverkehr aus.

Wie viele Elche leben dauerhaft in Deutschland?

Bislang sind Elche hierzulande Ausnahmegäste, die überwiegend aus Polen einwandern. Für Brandenburg halten Fachleute langfristig einen kleinen Bestand von bis zu 20 Tieren für möglich – vorausgesetzt, es kommt zu erfolgreicher Fortpflanzung.

Fit für Revier und Prüfung: Wildbiologie, Schonzeiten und Wildtiermanagement gehören zum Jagdscheinwissen. Mit der Jagdkompass App lernst du kostenlos und flexibel für die Jägerprüfung. Weitere aktuelle Meldungen findest du in unseren Nachrichten – etwa zum tödlichen Wildunfall mit einem Reh in Bayern, zum Wolf im Jagdrecht Brandenburg oder zur Schonzeit-Debatte um die Nandus am Schaalsee.

Quelle

Diese Meldung basiert auf einem Bericht von WEB.DE News (dpa). Hintergrundangaben zum rechtlichen Status des Elchs nach dem NABU. Redaktionell aufbereitet für die Jagdkompass-Leserschaft.

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