Der Hitzesommer 2026 war in Baden-Württemberg der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – und er hat an Bächen, Flüssen und Weihern Spuren hinterlassen, die in keiner amtlichen Statistik stehen. Wer sie kennt, sind die Vereine vor Ort. Bis zum 27. September 2026 können sie melden, was der Sommer an ihren Gewässern angerichtet hat.
Welche acht Angaben gefragt sind
Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg hat seine Mitglieder, Vereinsvorstände und Gewässerwarte – jene Ehrenamtlichen, die ein Vereinsgewässer fachlich betreuen – um eine formlose Rückmeldung per E-Mail gebeten. Ein Pflichtformular gibt es nicht, kurze oder lückenhafte Meldungen sind ausdrücklich willkommen. Abgefragt werden acht Punkte:
| Angabe | Warum sie zählt |
| Gewässername, Gewässertyp (Fließgewässer, See, Weiher), Gemeinde oder Landkreis | macht regionale und gewässertypische Unterschiede überhaupt erst sichtbar |
| Beobachtete Niedrigwasserstände und trockengefallene Abschnitte | zeigt, wo Lebensraum nicht nur belastet war, sondern zeitweise verschwunden ist |
| Auffällig hohe Wassertemperaturen und Sauerstoffmangel, soweit gemessen | Messwerte sind gegenüber Behörden belastbarer als Eindrücke |
| Fischsterben: Zeitraum, betroffene Arten, geschätztes Ausmaß | beziffert den Schaden und ordnet ihn zeitlich ein |
| Ergriffene Maßnahmen: Notabfischung, Belüftung, Umsetzen, Einschränkung der Fischerei | dokumentiert, was das Ehrenamt selbst geleistet hat |
| Zusammenarbeit mit Behörden, Feuerwehr und anderen Stellen | zeigt, wo Meldeketten funktioniert haben und wo nicht |
| Aussagekräftige Fotos oder Videos mit Ort und Datum | belegt, was sich in Sätzen schlecht transportieren lässt |
| Weitere Beobachtungen zu Wasserqualität und Algenbildung | erfasst Folgeerscheinungen, die erst nach der Hitze auftreten |
Eine Notabfischung ist dabei kein Routineeinsatz: Dabei werden Fische aus einem Abschnitt, der trockenzufallen oder umzukippen droht, mit dem Elektrofischereigerät oder dem Kescher herausgeholt und in ein stabileres Gewässer umgesetzt – aufwendig, genehmigungspflichtig und für die Tiere selbst eine Belastung.
Warum auch Vereine ohne Schaden schreiben sollen
Der Verband bittet ausdrücklich auch um Rückmeldungen aus Vereinen, deren Gewässer den Sommer weitgehend unbeschadet überstanden haben. Der Grund ist methodisch: Melden sich nur die Betroffenen, entsteht ein Zerrbild, in dem jedes Gewässer im Land am Limit scheint. Erst die Fehlanzeigen zeigen, welche Gewässertypen und welche Regionen stabil geblieben sind – und damit, woran das liegen könnte.
21,1 Grad und 153 Liter: der Sommer hinter dem Aufruf
Die Rahmendaten liefert der Deutsche Wetterdienst. Baden-Württemberg kam im Sommer 2026 auf ein Mittel von 21,1 Grad und lag damit 4,9 Grad über dem langjährigen Klimawert – der wärmste Sommer im Land seit Beginn der Reihe 1881. Rund 35 heiße Tage mit mindestens 30 Grad wurden im Landesmittel gezählt, den Landesrekord markierte Waghäusel-Kirrlach am 27. Juni mit 41,4 Grad. Beim Niederschlag blieb es bei 153 Litern pro Quadratmeter und damit bei rund 52 Prozent des Solls – einer der fünf trockensten Sommer seit 1881.
Für Gewässer wirken beide Größen zusammen, und zwar ungünstig: Warmes Wasser kann physikalisch weniger Sauerstoff lösen als kaltes, gleichzeitig schrumpft bei Niedrigwasser der Wasserkörper, der diesen Sauerstoff überhaupt aufnehmen kann. Kaltwasserarten wie Bachforelle und Äsche geraten dadurch zuerst in Not – ein Zusammenhang, der auch in der staatlichen Fischerprüfung regelmäßig abgefragt wird.
Bis zum 27. September erledigen
Gewässerwarte und Jugendleiter kurz abfragen, was ihnen zwischen Juni und August aufgefallen ist.
Vorhandene Messwerte zu Temperatur und Sauerstoff heraussuchen – auch Einzelmessungen helfen.
Fotos und Videos aus dem Sommer sichten und mit Ort und Datum versehen.
Notabfischungen, Belüftungsaktionen und freiwillige Angelverzichte mit Datum notieren.
Eine formlose E-Mail an die Bundesgeschäftsstelle in Backnang schicken; bei Rückfragen helfen die Bezirksgeschäftsstellen.
Wofür die Daten gebraucht werden – und was offenbleibt
Der Verband will mit den Meldungen ein realistisches Bild der Lage gegenüber Fischereibehörden, Wasserwirtschaftsverwaltung, Politik und Öffentlichkeit zeichnen und daraus unterstützende Maßnahmen anstoßen. Was das konkret heißen kann, ist bislang nicht beziffert: Ein Termin für eine Auswertung liegt ebenso wenig vor wie eine Zusage über Hilfen oder Besatzmittel. Und weil die Teilnahme freiwillig ist, wird das Ergebnis eine Sammlung von Einzelbeobachtungen bleiben, kein repräsentativer Landesdurchschnitt. Je mehr Vereine antworten, desto belastbarer wird es trotzdem.
Häufige Fragen zur Meldefrist am 27. September
Können auch einzelne Anglerinnen und Angler melden?
Der Aufruf richtet sich an die Vereine. Wer als Einzelmitglied Auffälligkeiten beobachtet hat, bringt sie am besten über den eigenen Vorstand oder den Gewässerwart ein – gebündelt sind die Angaben für die Auswertung deutlich brauchbarer.
Ersetzt die Meldung eine Anzeige bei einem laufenden Fischsterben?
Nein. Die Sammelabfrage blickt zurück; ein akutes Fischsterben gehört unverzüglich der zuständigen Fischereibehörde oder der Polizei gemeldet, damit Proben genommen und Ursachen gesichert werden können. Für diesen Fall gibt es einen eigenen Alarmplan Fischsterben samt Faltblatt.
Gewässer, Fischarten und Rechtsgrundlagen für die Fischerprüfung kompakt? In der Jagdkompass-App lernst du die Zusammenhänge zwischen Temperatur, Sauerstoff und Fischbestand mit Karteikarten und Prüfungsfragen. Weitere Meldungen rund ums Wasser findest du in der Rubrik Angeln – etwa zur Niedrigwasserlage in Baden-Württemberg 2026, zum Fischsterben durch Hitze in Sachsen und zu den Kormoranschäden in Europa.
Quelle
Aufruf an die Vereine: Auswirkungen des Hitzesommers 2026, Landesfischereiverband Baden-Württemberg e. V., veröffentlicht am 20. August 2026. Wetterdaten: Deutscher Wetterdienst, Deutschlandwetter im Sommer 2026, 31. August 2026. Stand dieses Artikels: 12. September 2026.