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Deutsche Schlangenarten: alle sieben heimischen Arten sicher bestimmen

Sieben Schlangenarten leben in Deutschland, nicht sechs – und nur zwei sind giftig. Merkmalstabelle, Pupillentest und die drei Verwechslungen, die im Revier wirklich passieren.

LMLorena de Marco14. September 2026Schlangen, Artenbestimmung, Reptilien
Deutsche Schlangenarten: alle sieben heimischen Arten sicher bestimmen

Es sind sieben, nicht sechs: So viele deutsche Schlangenarten leben heute zwischen Nordsee und Alpen, und nur zwei davon tragen Gift. Die Bestimmung beginnt immer am Auge – senkrechter Pupillenschlitz heißt Viper, runde Pupille heißt Natter. Nach diesem Artikel ordnen Sie jede heimische Art an drei Merkmalen ein: Pupille, Nackenzeichnung, Vorkommen.

Die sieben heimischen Arten im Merkmalsvergleich

ArtLängePupilleZeichnung am Kopf und VorderkörperVorkommen in DeutschlandRote Liste 2020
Kreuzotter50–70 cmsenkrechter Schlitzdunkles Zickzackband, drei große Kopfschilderzerstreut in Mooren, Heiden und Mittelgebirgen; in Rheinland-Pfalz ausgestorben2 – stark gefährdet
Aspisviper60–70 cm, selten 85 cmsenkrechter Schlitzaufgeworfene Schnauzenspitze, viele kleine Kopfschuppen, versetzte Querbarrennur Südschwarzwald, rund 2,5 km² zwischen 450 und 800 m1 – vom Aussterben bedroht
Ringelnatterbis 1,5 mrundgelbe, schwarz umrandete Halbmondflecken hinter den Schläfenweite Teile des Landes, stets gewässernah3 – gefährdet
Barren-RingelnatterWeibchen bis 2 mrunddunkle Querbarren an den Flanken, Halbmonde blasserlinksrheinisch in RLP, Saarland und NRW, Rheinaue bei Mannheim, Taunusnicht bewertet
Würfelnatterbis 1 mrundwürfelartige dunkle Flecken, extrem wassergebundenMosel, Nahe und Lahn; Wiederansiedlung an der Elbe bei Meißen1 – vom Aussterben bedroht
Schlingnatter60–70 cmrunddunkler Streif durchs Auge, paarige Flecken, dunkles NackenbandBergland, Heiden, Steinriegel; allein in NRW über 250 Vorkommen3 – gefährdet
Äskulapnatter1,2–1,5 m, maximal 180 cmrundglänzend gelbbraun, fast ungemustert, raue Seitenschuppenunterer Neckar, Rheingau und Taunus, Donauhänge bei Passau, Inn- und Salzachtal2 – stark gefährdet

Die Gefährdungskategorien stammen aus der Roten Liste der Kriechtiere Deutschlands des Rote-Liste-Zentrums, Bezugsstand 2019, veröffentlicht 2020.

Bevor Sie loslegen

Zwei Familien reichen für die Einordnung. Vipern (Kreuzotter, Aspisviper) sind kurz, gedrungen und giftig. Nattern (Ringel-, Barren-Ringel-, Würfel-, Schling- und Äskulapnatter) sind schlank, lang und ungiftig. Schlangen sind kein jagdbares Wild – im Artenkatalog des § 2 Bundesjagdgesetz kommt keine einzige vor. Für Jäger ist das trotzdem Pflichtstoff: Ansprechen, in Ruhe lassen, richtig melden.

Die Pupille entscheidet in drei Sekunden

Wer nah genug herankommt, um das Auge zu sehen, braucht keine weiteren Merkmale. Die beiden Giftschlangen haben eine senkrecht geschlitzte Pupille wie eine Katze; alle fünf Nattern haben eine runde. Das Merkmal ist unabhängig von Färbung, Alter und Geschlecht – und genau deshalb belastbar, während Grundfarbe und Musterkontrast bei fast jeder Art stark schwanken.

Kopf einer Kreuzotter im Profil mit großen Kopfschildern und senkrecht geschlitzter Pupille
Kreuzotter im Profil: senkrechter Pupillenschlitz und drei große, glatte Schilder auf dem Kopfdach – das Viperngesicht. Foto: Vladimír Dvořáček / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).
Kopf einer Ringelnatter mit gelben Halbmondflecken hinter den Schläfen und runder Pupille
Ringelnatter, dasselbe Detail zum Vergleich: runde Pupille und die gelben, schwarz gefassten Halbmonde im Nacken. Foto: George Chernilevsky / Wikimedia Commons (gemeinfrei).

Auf Distanz übernimmt das Rückenmuster. Das Zickzackband der Kreuzotter zieht als durchgehendes Band über den ganzen Rücken – bei der Aspisviper ist genau dieses Band in versetzte Querbarren aufgelöst. Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg nennt als zweites Trennmerkmal die Beschilderung: Kreuzottern tragen drei große Kopfschilder, Aspisvipern viele kleine Schuppen und eine leicht aufgestülpte Schnauzenspitze. Der Unterschied ist praktisch nur im Südschwarzwald relevant – anderswo gibt es die Art schlicht nicht.

Warum Deutschland seit 2017 sieben Schlangenarten hat

Die meisten Übersichten zählen sechs Arten. Das ist der Stand vor August 2017: Damals werteten Forschende der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung um Uwe Fritz die Erbinformation von mehr als 1.600 Ringelnattern aus zwei Kontaktzonen aus – und stuften die westliche Form, die Barren-Ringelnatter, als eigene Art Natrix helvetica ein. Bekannt gemacht wurde der Befund unter anderem vom NABU, der schon damals darauf hinwies, dass beide Arten dadurch seltener sind als bislang angenommen.

Dunkle Barren-Ringelnatter mit hellem Nackenband, aufgerollt im Gras
Barren-Ringelnatter: heller Grundton, deutlich abgesetztes Nackenband und dunkle Querbarren an den Flanken. Sie lebt links des Rheins in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in NRW. Foto: Benny Trapp / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Ehrlicherweise ist die Zahl damit nicht endgültig geklärt: Die Rote Liste 2020 führt Natrix helvetica bereits getrennt, lässt sie aber als „nicht bewertet" stehen, weil belastbare Bestandsdaten für die abgetrennte Art fehlen. Fachliche Steckbriefe, etwa der AG Feldherpetologie, behandeln sie weiterhin als Unterart der Ringelnatter. Wer „sechs" sagt, liegt nach der älteren Systematik richtig; wer „sieben" sagt, folgt dem aktuellen Forschungsstand. Für die Bestimmung im Gelände ändert das ohnehin nichts – beide sehen sich ähnlich und sind beide harmlos.

Wo welche Art überhaupt vorkommt

Der Ort ist das stärkste Ausschlusskriterium, das die meisten Bestimmungen überspringen. In Nordrhein-Westfalen etwa sind überhaupt nur drei Arten zu erwarten: Ringelnatter, Schlingnatter und Kreuzotter. Wer dort eine große, glänzende Schlange am Ast sieht, hat keine Äskulapnatter gefunden – die lebt Hunderte Kilometer entfernt am unteren Neckar, im Rheingau und an den warmen Donauhängen bei Passau. In Bayern besiedelt sie laut Landesamt für Umwelt vier voneinander getrennte Gebiete im Südosten, darunter das Inntal bei Simbach und die Salzach bei Burghausen.

Würfelnatter schwimmt mit erhobenem Kopf an der Wasseroberfläche eines Flusses
Würfelnatter in der Lahn bei Miellen – eines der letzten natürlichen Vorkommen Deutschlands neben Mosel und Nahe. Die Art jagt tauchend Fische. Foto: Henry Sonnet / Wikimedia Commons (CC BY 4.0).

Am engsten wird es bei den seltensten beiden. Die Würfelnatter hält sich nur noch an naturnahen Abschnitten von Mosel, Nahe und Lahn sowie an einem Wiederansiedlungsstandort an der Elbe bei Meißen; gegenüber 1985 sind rund 85 Prozent des Bestands verschwunden. Die Aspisviper existiert in Deutschland auf gerade einmal 2,5 Quadratkilometern im Südschwarzwald. Umgekehrt gilt: Eine Schlange im See ist fast immer eine Ringel- oder Barren-Ringelnatter, denn nur diese Gruppe und die Würfelnatter schwimmen regelmäßig.

Die drei Verwechslungen, die im Revier wirklich passieren

Die erste ist die folgenreichste: Schlingnatter statt Kreuzotter. Beide sind gedrungen, braun und gemustert, beide sonnen sich an Steinriegeln. Die Schlingnatter hat aber eine runde Pupille, einen dunklen Streif quer durchs Auge und statt des durchgehenden Zickzacks zwei Reihen paariger Flecken.

Schlingnatter mit paarigen dunklen Rückenflecken und dunklem Augenstreif zwischen Laub
Schlingnatter: paarige Flecken statt durchgehendem Zickzackband und ein dunkler Streif durchs Auge. Sie ist ungiftig und wird trotzdem am häufigsten für eine Kreuzotter gehalten. Foto: Nicolas Weghaupt / Wikimedia Commons (CC0).

Die zweite ist ein Prüfungsklassiker: Blindschleiche statt Schlange. Sie ist eine beinlose Echse, kein Kriechtier der Schlangenordnung – erkennbar an beweglichen Augenlidern, einem geringelten Körper ohne abgesetzten Hals und der glatten, gleichmäßigen Beschuppung.

Kopf einer Blindschleiche mit ausgestreckter Zunge und deutlich sichtbarem Augenlid
Blindschleiche im Detail: Das bewegliche Augenlid verrät die Echse. Schlangen haben stattdessen eine feste, durchsichtige Brille über dem Auge. Foto: Petar Milošević / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0).

Die dritte betrifft die beiden Ringelnattern untereinander und ist harmlos, weil beide ungiftig sind – wer sie trennen will, achtet auf die dunklen Querbarren an den Flanken und den blasseren Grundton der westlichen Art.

Typische Fehler beim Ansprechen

  • Nach der Grundfarbe gehen: Kreuzottern reichen von hellgrau bis komplett schwarz, Ringelnattern ebenso. Farbe trennt keine Art.

  • Die Kopfform überschätzen: Auch Nattern plätten den Kopf bei Bedrohung dreieckig. Das Auge lügt nicht, der Umriss schon.

  • Ein aufgerolltes Tier nach der Länge schätzen und dann bestimmen.

  • Zum Fotografieren aufscheuchen oder mit dem Stock bewegen – das ist der häufigste Weg zu einem Abwehrbiss und obendrein verboten.

Invasive Schlangen in Deutschland: eine Art auf der EU-Liste, keine in der Natur

Die Frage taucht regelmäßig auf, die Antwort ist kurz. Auf der Unionsliste invasiver gebietsfremder Arten nach der EU-Verordnung 1143/2014 steht genau eine Schlange: die Kettennatter Lampropeltis getula, aufgenommen 2022 – und sie kommt in Deutschland nicht vor. Etablierte Populationen gebietsfremder Schlangen gibt es hier bislang nicht; einzelne exotische Funde gehen auf entwichene oder ausgesetzte Terrarientiere zurück. Anders sieht es bei Nutria, Waschbär und anderen invasiven Arten aus, die in vielen Revieren längst zum Alltag gehören.

Anfassen ist verboten – bei allen sieben Arten

Sämtliche heimischen Schlangen sind mindestens besonders geschützt, mehrere darüber hinaus streng geschützt. § 44 Absatz 1 Nummer 1 Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, ihnen nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten; Nummer 3 schützt zusätzlich Fortpflanzungs- und Ruhestätten. Bei streng geschützten Arten kommt nach Nummer 2 das Verbot hinzu, sie während Fortpflanzung, Aufzucht, Überwinterung und Wanderung erheblich zu stören. Welche Art in welche Kategorie fällt, ergibt sich aus § 7 Absatz 2 Bundesnaturschutzgesetz zusammen mit Anlage 1 der Bundesartenschutzverordnung und Anhang IV der FFH-Richtlinie – dort stehen Schlingnatter, Äskulapnatter und Würfelnatter, nicht aber Kreuzotter und Ringelnatter.

Rechtsstand: September 2026, Fundstellen geprüft am 8. September 2026.

Die drei Sätze, die im Gelände reichen

  • Runde Pupille: ungiftig. Senkrechter Schlitz: Viper, also Kreuzotter oder – nur im Südschwarzwald – Aspisviper.

  • Durchgehendes Zickzackband gehört der Kreuzotter, paarige Flecken der Schlingnatter, gelbe Halbmonde im Nacken der Ringelnatter.

  • Bewegliche Augenlider heißen Echse: Das ist eine Blindschleiche, keine Schlange.

Das fragt die Prüfung

Der Fragenkatalog will drei Dinge sicher hören: dass in Deutschland zwei Giftschlangenarten leben (Kreuzotter und Aspisviper), dass die Blindschleiche eine Echse ist, und dass keine Schlange dem Jagdrecht unterliegt, sondern alle dem Artenschutzrecht. Wer die Merkmalstabelle oben einmal durchgeht und die Pupillenregel behält, hat den Reptilienteil abgedeckt. Systematisch weiter geht es mit den Grundlagen der Jagdökologie; wer das Ansprechen als Fertigkeit üben will, findet dieselbe Merkmalslogik im Flugbildvergleich von Habicht und Mäusebussard.

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Quelle

Artstatus und Systematik der Barren-Ringelnatter, Artenporträt der Würfelnatter sowie die Übersicht zur EU-Unionsliste stammen vom NABU: Beschreibung von Natrix helvetica auf Grundlage der Untersuchung der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, Artenporträt Würfelnatter und Unionsliste zur EU-Verordnung 1143/2014. Gefährdungskategorien: Rote Liste der Kriechtiere Deutschlands 2020, Rote-Liste-Zentrum. Aspisviper: Waldnaturschutz-Informationssystem der FVA Baden-Württemberg. Äskulapnatter in Bayern: Artensteckbrief des Bayerischen Landesamts für Umwelt. Schlingnatter in NRW: Naturschutzinformationen des LANUV NRW. Zugriffsverbote: Bundesumweltministerium zum besonderen und strengen Artenschutz.

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