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Schrotgrößen-Tabelle für die Jagd: Größeres Schrot verlängert die Schussentfernung nicht

Welche Schrotgröße auf welches Wild? 2,5 mm fürs Rebhuhn bis 4 mm für den Fuchs – wirksam bis 35 Meter. Dazu Garbe, Deckung, Choke und 12/70 so, wie die Jägerprüfung fragt.

LMLauritz MaaßenWaffenkunde, Jägerprüfung, Schrot

Welche Schrotgröße auf welches Wild? Die Jägerprüfung ordnet dem Rebhuhn 2,5 Millimeter zu, der Stockente 3, dem Hasen 3,5 und dem Fuchs 4 Millimeter. Für die drei größeren Stärken nennt sie dieselbe Grenze: zuverlässig wirksam bis 35 Meter. Größeres Schrot bringt mehr Wucht je Korn, aber weniger Körner in der Garbe – und es gefährdet das Hintergelände weiter.

SchrotstärkeWild und Aussage der PrüfungKörner in 32 g BleiGefährdungsbereich
2,5 mmRebhuhn – „zweckmäßig"rund 345250 m
3 mmbreit vorbeistreichende Stockente – wirksam bis 35 mrund 200300 m
3,5 mmHase – wirksam bis 35 mrund 125350 m
4 mmbreit vorbeiflüchtender Fuchs – wirksam bis 35 mrund 85400 m

Die Körnerzahlen sind Rechenwerte für reines Blei; Hartblei und Fertigungstoleranzen verschieben sie etwas. Der Gefährdungsbereich folgt der Faustregel Schrotstärke in Millimetern mal 100 Meter.

Nach diesem Artikel können Sie jeder Schrotstärke das passende Wild zuordnen, Garbe, Deckung und Würgebohrung erklären und die Zahlen auf der Patronenschachtel lesen. Wie Schrot in das ganze Prüfungsfach passt, zeigt der Überblick Waffenkunde für den Jagdschein.

Vorwissen in drei Begriffen

  • Schrotgarbe: die Wolke aus Schrotkörnern, die sich nach der Mündung in die Breite und in die Länge zieht.

  • Deckung: wie dicht und gleichmäßig die Körner eine Fläche treffen. Zu dünne Deckung heißt, dass zu wenige Körner das Wild erreichen.

  • Würgebohrung (Choke): eine Verengung des Flintenlaufs an der Mündung, die die Garbe enger zusammenhält.

Wer diese drei sicher erklären kann, überspringt den Kasten.

Mehr Millimeter, weniger Körner: der Tausch hinter jeder Schrotstärke

Die Masse eines Schrotkorns wächst mit der dritten Potenz seines Durchmessers. Ein 4-mm-Korn wiegt deshalb rund viermal so viel wie ein 2,5-mm-Korn, und aus derselben 32-Gramm-Ladung werden statt etwa 345 nur noch etwa 85 Körner. Mehr Masse je Korn heißt mehr Energie beim Auftreffen, weniger Körner heißen eine lückenhaftere Deckung. Jede Schrotstärke ist ein Kompromiss zwischen beidem: Kleines Federwild wie das Rebhuhn bietet wenig Trefferfläche und braucht viele Körner, Hase und Fuchs sind größer und schwerer, dort muss das einzelne Korn mehr Energie ins Ziel tragen.

Was sich mit der Stärke nicht verschiebt, ist die Schussentfernung. Der Fragenkatalog zur Jägerprüfung des Bayerischen Staatsministeriums für Landwirtschaft und Forsten setzt für 3 mm auf die Stockente, 3,5 mm auf den Hasen und 4 mm auf den Fuchs jeweils 35 Meter als Grenze des zuverlässig wirksamen Schusses. Größeres Schrot rettet keinen zu weiten Schuss, es verdünnt nur die Garbe.

Die Gefahr endet dagegen nicht bei 35 Metern. Für das Hintergelände gilt Schrotstärke in Millimetern mal 100 Meter, bei 3,5 mm also 350 Meter und damit das Zehnfache der Schussentfernung. Wer auf der Treibjagd seinen Schusssektor prüft, rechnet mit dieser Zahl.

Garbe und Deckung: was die Sechzehnfelderscheibe zeigt

Die Garbe wird mit der Entfernung nicht nur breiter, sondern auch länger. Ihr Wirkungsträger ist die Kerngarbe mit rund 85 Prozent der Schrote; sie streckt sich auf etwa ein Zehntel der Schussentfernung, auf 35 Meter also auf rund dreieinhalb Meter. Auf ein vorbeistreichendes Ziel trifft deshalb keine flache Scheibe aus Schrot, sondern eine langgezogene Wolke.

Wie gut Flinte, Choke und Patrone zusammen decken, wird in Deutschland auf der Sechzehnfelderscheibe geprüft: ein geviertelter Innenkreis von 35 Zentimetern und ein Außenring mit zwölf Feldern und 75 Zentimetern Durchmesser, beschossen aus 35 Metern. Ausgewertet wird, welcher Anteil der Ladung im 75er-Kreis liegt und wie gleichmäßig sich die Körner auf die Felder verteilen. Eine Garbe mit Lücken im Innenkreis deckt schlecht, auch wenn der Gesamtanteil stimmt. Welche Patrone aus der eigenen Flinte gut deckt, zeigt deshalb erst das Schussbild auf der Scheibe, nicht die Tabelle.

Die Würgebohrung sitzt an der Mündung und formt die Garbe

Der Choke ist eine Verengung des Laufs am Mündungsende. Sie reicht je nach Auslegung von etwa einem Zehntel bis rund einem Millimeter und hält die Garbe auf größere Entfernung enger zusammen. Gekennzeichnet sind die Grade mit Sternchen, Kerben, Ringen oder Farben; die genauen Maße weichen von Hersteller zu Hersteller ab.

BezeichnungVerengung (Richtwert)EnglischAnteil 3-mm-Schrot im 75-cm-Kreis auf 35 m
Zylinder0 mm––
Viertelchoke (¼)0,25 mmimproved cylinder (IC)etwa 55 %
Halbchoke (½)0,50 mmmodified (M)etwa 60 %
Dreiviertelchoke (¾)0,625–0,75 mmimproved modified (IM)etwa 65 %
Vollchoke (1/1)0,85 mmfull (F)über 70 %
Chokeprofile im Längsschnitt, die Verengung stark überhöht: A ist die zylindrische Bohrung ohne Choke, E der Normal-Choke mit konischer Verengung und parallelem Endstück, H ein Paradox-Profil mit Zügen für Flintenlaufgeschosse. Zeichnung: Thuringius / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Zweiläufige Flinten tragen meist zwei verschiedene Bohrungen, etwa Viertel- und Vollchoke. Der erste Schuss fällt aus dem weiteren Lauf auf nahes Wild bis etwa 25 Meter; flüchtet das Wild, geht der zweite Schuss auf größere Entfernung aus dem engeren Lauf. Bei der Doppelflinte ist das in der Regel der linke, bei der Bockdoppelflinte der obere Lauf. Wie sich die beiden Bauformen unterscheiden, steht in Arten von Büchsen, Flinten und Kombinierten.

Mündung einer Bockflinte im Kaliber 12 mit eingesetzten Wechselchokes: Welcher der beiden Läufe enger gebohrt ist – in der Regel der obere –, fragt die Prüfung ab. Foto: Kartouche / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

12/70 auf der Schachtel: Kaliber und Hülsenlänge

Die Angabe 12/70 nennt das Kaliber 12 und die Hülsenlänge von 70 Millimetern. Die Hülsenlänge gilt für die geöffnete Hülse nach dem Schuss, wenn sich der sternförmig gefaltete Verschluss am Hülsenmund aufgestellt hat; die ungeschossene Patrone ist kürzer.

Das Flintenkaliber ist kein Millimetermaß, sondern eine alte Gewichtsangabe: Kaliber 12 bedeutet, dass zwölf Bleikugeln vom Durchmesser der Laufbohrung zusammen ein englisches Pfund, also 453,6 Gramm, wiegen. Je größer die Zahl, desto kleiner die Bohrung – Kaliber 12 entspricht 18,53 Millimetern, Kaliber 20 nur 15,63. Bei gleicher Schrotstärke fasst die Patrone im größeren Kaliber mehr Körner.

Schrotpatrone beim Laden einer Doppelflinte: Erst beim Schuss öffnet sich die gefaltete Stirnseite der Hülse und erreicht die Länge, die auf der Schachtel steht. Foto: Getty Images / Unsplash+ License

Blei oder Weicheisen: warum das leichtere Korn größer sein muss

Weicheisen, oft Stahlschrot genannt, ist deutlich leichter als Blei: Eisen hat eine Dichte von rund 7,9, Blei von 11,3 Gramm pro Kubikzentimeter. Ein 3,5-mm-Weicheisenkorn wiegt deshalb nur so viel wie ein Bleikorn von etwa 3,1 Millimetern. Wer die Kornmasse von 3-mm-Blei erreichen will, braucht rechnerisch rund 3,4 Millimeter Weicheisen. Die Entfernung verlängert das nicht: Mit Weicheisen werden Tiere jenseits von 30 Metern deutlich öfter verletzt statt getötet.

Gebraucht wird bleifreies Schrot vor allem am Wasser. Seit Februar 2023 ist Schrot mit einem Bleigehalt ab 1 Prozent EU-weit in Feuchtgebieten und in einer Pufferzone von 100 Metern verboten; schon das Mitführen auf dem Weg dorthin zählt. Ob die eigene Flinte bleifreies Schrot verträgt, hängt von Lauf und Beschuss ab, der Deutsche Jagdverband verweist dafür auf die Hinweise des Beschussamts Ulm. Wie es mit dem allgemeinen Verbot weitergeht, steht in Bleischrotverbot beschlossen: sieben Jahre Übergangsfrist.

Fundstelle: Anhang XVII Eintrag 63 der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006, geändert durch Verordnung (EU) 2021/57.

Posten und Flintenlaufgeschoss: was aus der Flinte auf Schalenwild darf

Auf Schalenwild ist Schrot tabu, gleich welcher Stärke. Das Bundesjagdgesetz verbietet, mit Schrot, Posten – so heißen die groben Schrote –, gehacktem Blei, Bolzen oder Pfeilen auf Schalenwild, Wölfe und Seehunde zu schießen, ausdrücklich auch als Fangschuss. Ausgenommen sind nur das Töten von in Fallen gefangenen Wölfen und der Fangschuss auf Wölfe mit Schrot.

Fundstelle: § 19 Abs. 1 Nr. 1 BJagdG.

Rechtsstand: September 2026, Fundstellen geprüft am 30. September 2026.

Wer aus der Flinte eine Sau erlegen will, braucht ein Flintenlaufgeschoss: ein einzelnes Geschoss für den glatten Lauf, bekannteste Bauart ist das Brenneke-Geschoss. Seine Präzision reicht auf erwachsenes Schwarzwild bis etwa 45 Meter, der Gefährdungsbereich ist mit 1.500 Metern anzusetzen. Für Büchsenpatronen setzt dasselbe Gesetz Mindestenergien je Wildart, die in Geschossenergie und ihre Bedeutung in der Jagd erklärt sind.

Die Verwechslungen, die bei Schrot Punkte kosten

  • Schrotnummer und Millimeter gleichsetzen. Die internationale Skala reicht von Nr. 1 (4 mm) bis Nr. 10 (1,7 mm), je kleiner die Nummer, desto größer das Korn – und die Nummern weichen von Land zu Land ab. In Deutschland zählt der Durchmesser in Millimetern.

  • Kaliber 20 für die größere Bohrung halten. Es ist umgekehrt.

  • Die 70 in 12/70 für die Länge der ungeschossenen Patrone halten.

  • Die Würgebohrung für den Drallgeber halten. Drall geben Züge und Felder im Büchsenlauf, der Choke formt nur die Garbe.

Drei Sätze, die durch das Thema Schrot tragen

  • Mehr Millimeter heißen mehr Energie je Korn und weniger Körner – die Grenze von 35 Metern bleibt.

  • Der Choke sitzt an der Mündung und hält die Garbe zusammen; enger gebohrt ist bei der Doppelflinte meist der linke, bei der Bockflinte der obere Lauf.

  • Gefährdet ist das Hintergelände bis Schrotstärke mal 100 Meter, beim Flintenlaufgeschoss bis 1.500 Meter.

Offen lässt der Katalog, welche Stärke er für Fasan, Taube oder Kaninchen vorsieht; dazu enthält er keine Frage. Und seine Weicheisen-Frage stammt aus der Zeit vor dem Feuchtgebietsverbot: Dass Stahlschrot an Gewässern verwendet wird, steht darin, dass bleifreies Schrot dort inzwischen Pflicht ist, noch nicht.

Das fragt die Prüfung zu Schrot und Choke

Die folgenden Fragen stehen im Wortlaut im Katalog zum schriftlichen Teil. Andere Länder formulieren anders, fragen aber dieselben Zusammenhänge ab.

  • „Bis zu welcher Entfernung ist der Schrotschuss mit 3,5 mm Schrot auf einen Hasen zuverlässig wirksam?" Bis 35 Meter. Merksatz: Die Stärke ändert die Wucht, nicht die Entfernung.

  • „Wie weit kann ein Schrotschuss das Hintergelände gefährden?" Schrotstärke in Millimetern mal 100 Meter. Merksatz: Millimeter mal hundert.

  • „Welcher Lauf einer Doppelflinte hat in der Regel die engere Choke-Bohrung (Würgebohrung)?" Der linke; bei der gebräuchlichen Bockdoppelflinte der obere. Merksatz: Der zweite Schuss geht weiter, also aus dem engeren Lauf.

  • „Was bezeichnet die auf einer Schrotpatronenschachtel aufgedruckte Zahlenangabe ‚12/70'?" Kaliber 12, Hülsenlänge 70 mm. Merksatz: Erst das Kaliber, dann die Hülse nach dem Schuss.

  • „Welche Schrotstärke verwendet man zweckmäßigerweise für die Jagd auf Rebhühner?" 2½ mm. Merksatz: Kleines Federwild, kleines Korn, viele Körner.

Ob die Zuordnung sitzt, zeigt sich erst beim Abfragen. In der Jagdkompass-App liegt der Fragenkatalog des eigenen Bundeslands mit den Fragen zu Schrot, Choke und Flintenmunition, im Prüfungsmodus mit Zeitlimit; die Fehlerstatistik je Sachgebiet zeigt, ob „Millimeter mal hundert" und die 35 Meter schon sicher sitzen. Weitere Grundlagen stehen in der Rubrik Waffen & Ausrüstung und in der Jagdlichen Waffenkunde.

Quellen

  • Bayerisches Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, Jägerprüfung in Bayern – Fragenkatalog zum schriftlichen Teil (Stand Februar 2004), Sachgebiet 1, Fragen 49, 50, 78–80, 84, 121, 124, 126, 129, 130, 152–154 und 159–161

  • Bundesjagdgesetz, § 19

  • Deutscher Jagdverband, Bleifreie Munition, zum Bleischrotverbot in Feuchtgebieten und zu den Hinweisen des Beschussamts Ulm

  • Wikipedia, Flinte (Choke-Maße und Trefferanteile, Sechzehnfelderscheibe, Kerngarbe, Kaliber), Schrotkugel (Nummernsystem, Weicheisen) und Flintenmunition (Aufbau der Patrone)

  • Körnerzahlen und Weicheisen-Vergleich: eigene Berechnung mit den Dichten von Blei (11,34 g/cm³) und Eisen (7,87 g/cm³)

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