65 Medaillen, davon 34 goldene: Bei der 31. Vorderlader-Weltmeisterschaft in Eisenstadt hat das 25-köpfige deutsche Team praktisch jeden zweiten Bewerb gewonnen, an dem es teilnahm. Die bemerkenswerteste Entscheidung fiel dabei nicht auf der Anzeige, sondern unter dem Messgerät: Im Bewerb Vetterli Replika trafen drei Schützen die maximal möglichen 100 Ringe – Gold ging an den Deutschen Michael Sturm, weil sein schlechtester Treffer einen halben Millimeter näher am Zentrum lag.
Die WM in Zahlen
Ausgetragen wurde die Weltmeisterschaft der MLAIC, des internationalen Dachverbands der Vorderladerschützen, vom 16. bis 22. August auf der Landeshauptschießstätte in Eisenstadt; die Wurfscheibenbewerbe liefen im niederösterreichischen Tattendorf. Für Österreich war es nach 2013 und 2018 die dritte MLAIC-Großveranstaltung. Der Deutsche Schützenbund beziffert die Ausbeute seines 25-köpfigen Aufgebots auf 65 Medaillen.
| Kennzahl | Wert |
| Teilnehmende gesamt | 361 aus 23 Nationen |
| Starts | 1.731 |
| Deutsches Aufgebot | 25 Schützinnen und Schützen |
| Medaillen Deutschland | 65 (34 Gold, 19 Silber, 12 Bronze) |
| Medaillen Österreich (Gastgeber) | 21 (1 Gold, 10 Silber, 10 Bronze) |
| Bester Einzelathlet | Michael Sturm: 13 Titel, 1 Bronze |
Ein halber Millimeter zwischen Gold und Silber
Der Bewerb Vetterli Replika zeigte, wie eng Vorderladerschießen auf Weltniveau geworden ist. Sturm, der Österreicher Andreas Högl und der Slowake Vladimir Jurca erzielten jeweils das Ringmaximum von 100 Ringen. Weil damit nichts entschieden war, zählte die Lage der Treffer: Högls schlechtester Zehner lag nach der Auswertung des Österreichischen Schützenbundes einen halben Millimeter weiter vom Zentrum entfernt als der von Sturm, Jurcas Treffer zwei Millimeter. Aus dem Dreifach-Maximum wurden Gold, Silber und Bronze.
Sturm holte die beiden Unterlegenen bei der Siegerehrung sofort mit auf die oberste Stufe des Podests – eine Geste, die das Publikum mit Applaus quittierte.
Solche Nachmessungen waren in Eisenstadt kein Einzelfall. Gleich mehrere Titel gingen mit eingestelltem Weltrekord an deutsche Schützen: Ute Gretz traf mit dem Steinschlossgewehr 50 m Replika (Pennsylvania) 100 Ringe, Peter Käpernick erzielte dieselbe Zahl mit dem Perkussionsgewehr Original (Vetterli), Kilian Fichtl kam mit dem Dienstgewehr Original (Lamarmora) auf 98 Ringe.
Warum bei dieser WM über 60 Titel zu vergeben waren
Eine Medaillenbilanz von 65 Stück wirkt spektakulär, bis man sich das Wettkampfprogramm ansieht. Fast jede Disziplin ist zweimal ausgeschrieben: einmal für Originalwaffen aus der jeweiligen Epoche, einmal für Nachbauten. Dazu kommen Einzel- und Mannschaftswertungen, Juniorenklassen und einige Kombinationsbewerbe. So entstanden über 60 Entscheidungen – bei durchschnittlich knapp fünf Starts pro Teilnehmer.
Genau hier liegt die deutsche Stärke: Das DSB-Team war in nahezu allen Waffengattungen aufgestellt, von der Steinschlosspistole über den Perkussionsrevolver bis zur Perkussionsflinte. Teamchef Leonhard Brader hob hervor, dass jede gemeldete deutsche Mannschaft eine Medaille gewann und am Ende jeder Teilnehmer mindestens einmal auf dem Podest stand. Als Grund nannte er den Zusammenhalt in der Gruppe, nicht einzelne Ausnahmekönner.
Was der Medaillenspiegel aussagt – und was nicht
Vorderladerschießen ist eine Nischendisziplin mit vergleichsweise kleinen Starterfeldern. Wer in vielen Bewerben antritt und in jedem eine komplette Mannschaft stellen kann, sammelt zwangsläufig mehr Medaillen als ein Verband mit wenigen Spezialisten. Die 65 Medaillen belegen also Breite und Organisationskraft des deutschen Aufgebots – ob es die höchste Ausbeute der DSB-Geschichte ist, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor. Der Verband spricht lediglich davon, dass bei früheren internationalen Meisterschaften stets 50 Medaillen und mehr erreicht wurden.
Michael Sturm gewinnt in einer Woche 13 Titel
Herausragender Einzelathlet war Michael Sturm aus Tüngental mit sechs Einzel- und sieben Mannschaftstiteln plus einer Einzelbronzemedaille. Seine Titel verteilen sich über sehr unterschiedliche Waffen: Perkussionsgewehr, Steinschlossgewehr 100 m liegend (Maximilian) und Dienstgewehr 50 m stehend (Lamarmora, Replika).
Ähnlich breit aufgestellt waren Ute Gretz (siebenmal Gold, zweimal Silber) und Kilian Fichtl (sechsmal Gold, zweimal Silber). Andreas Wimmer kam auf vier Titel, Robert Zipperer auf drei, Franz Lotspeich holte im Flintenbereich zwei Einzelsiege. Für den Gastgeber Österreich blieb bei 55 Startern eine einzige Goldmedaille: Alexander Kaltenbach, Gerhard Sperrer und Robert Szuppin gewannen den Mannschaftsbewerb Egg, geschossen mit Steinschlosspistolen aus der Zeit um 1800. Dazu kamen zwölf vierte Plätze – kein anderes Team verpasste das Podest so oft so knapp.
Zwei Tonnen Ausrüstung und ein Bus ab Lützenhardt
Der logistische Aufwand hinter der Bilanz ist beträchtlich. Das Team reiste im Bus an, Abfahrt um vier Uhr morgens im baden-württembergischen Lützenhardt, mit Zwischenhalt in Bayern für zwölf weitere Teilnehmer und rund zwei Tonnen Ausrüstung an Bord. Dass der Startpunkt so weit im Süden lag, ist kein Zufall: Der Schwerpunkt des deutschen Vorderladerschießens liegt in Bayern und Baden-Württemberg.
Wer selbst mit Vorderladern schießen will
Für Erwerb, Aufbewahrung und Verwendung von Schwarzpulver ist eine Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz nötig – umgangssprachlich „Pulverschein“.
Voraussetzung sind ein anerkannter Lehrgang, ein Mindestalter von 21 Jahren sowie Zuverlässigkeit und persönliche Eignung; der Erlaubnisschein gilt fünf Jahre.
Das Bedürfnis wird in der Regel über die Vereinsmitgliedschaft und die tatsächlich geschossene Disziplin nachgewiesen. Zuständig ist die örtliche Kreisverwaltung, nicht die Waffenbehörde des Bundes.
Nächste Station: Ranglisten und Deutsche Meisterschaft
Für deutsche Vorderladerschützen läuft der Weg zu internationalen Starts weiter über die nationalen Ranglistenwettbewerbe und die Deutsche Meisterschaft. Wann und wo die nächste MLAIC-Meisterschaft stattfindet, war bei Redaktionsschluss nicht veröffentlicht. Die vollständigen Ergebnislisten aus Eisenstadt liegen bei beiden Verbänden vor.
Vergleichbare Wettkampfformate begleiten wir laufend in unserer Rubrik Sportschießen – zuletzt etwa die WM-Nominierungen im olympischen Sportschießen, die parallel laufende Deutsche Meisterschaft in München und die Armbrust-EM in Châteauroux.
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Quelle
Deutscher Schützenbund: WM Vorderlader Eisenstadt – DSB-Team mit überragender Bilanz und Deutsches Team unaufhaltsam, 21. und 23. August 2026
Österreichischer Schützenbund: MLAIC Vorderlader Heimweltmeisterschaft in Eisenstadt, 24. August 2026, inklusive offizieller Ergebnisliste
Kreis Soest: Sprengstoffrecht – Erlaubnis nach § 27 SprengG
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