Nach diesem Text können Sie die beiden Wettbewerbe auseinanderhalten, die am 25. und 26. September 2026 im Landesleistungszentrum Hannover ausgetragen werden: Sie wissen, welche Waffe wo zugelassen ist, in welchen Anschlägen geschossen wird, wie gewertet wird – und warum die offene Visierung mehr Ringe verlangt als die geschlossene.
Für Einsteiger: Wie man auf so eine Startliste kommt
Bei einer Deutschen Meisterschaft meldet sich niemand selbst an. Die Landesverbände melden ihre Schützen anhand der Ergebnisse der Landesmeisterschaft; wer über der Limitringzahl liegt, bekommt eine Startkarte. Für Hannover lief diese Frist am 14. Juli 2026 ab. Die Limitzahlen und die Teilnehmerliste stehen seit dem 27. Juli fest.
Zwei Wettbewerbe, zwei Schießstände, ein Gelände
Ausgetragen wird an der Wilkenburger Straße 30 in Hannover-Wülfel. Nach dem Kalendereintrag des Deutschen Schützenbundes fallen dort an zwei Tagen die Titel in zwölf Wettbewerben: vier im Kleinkaliber-Unterhebelrepetierer und acht im Ordonnanzgewehr – dort wird jede Altersklasse zweimal gewertet, einmal für Waffen mit geschlossener und einmal für Waffen mit offener Visierung.
Die beiden Disziplinen laufen auf verschiedenen Anlagen, und beide liegen im Freien. Der Betreiber führt für den Stützpunkt eine 100-Meter-Freianlage mit 16 Ständen und eine 50-Meter-Freianlage mit 36 Ständen. Genau in diese Raster passen die Standnummern der Teilnehmerliste: Das Ordonnanzgewehr trägt die Nummern 201 bis 216, der Unterhebelrepetierer die Nummern 302 bis 335. Regen ist also keine Randnotiz, sondern Teil des Wettkampfs.
Ordonnanzgewehr: 100 Meter, halb liegend, halb stehend
Zugelassen sind Repetiergewehre, die bis einschließlich 31. Dezember 1963 als Ordonnanzwaffen geführt wurden – also militärische Dienstwaffen mit Kammerverschluss. Einzellader, Selbstlader und ausgerechnet Unterhebelrepetierer sind hier ausdrücklich ausgeschlossen. Den Nachweis, dass seine Waffe originalgetreu ist, muss der Schütze selbst führen. Geschossen wird mit handelsüblichen oder wiedergeladenen Zentralfeuerpatronen.
Das Programm umfasst 40 Schuss in 45 Minuten auf elektronische Scheiben, die Hälfte liegend freihändig, die Hälfte stehend freihändig. Ein originalgetreuer Gewehrriemen ist nur im Liegendanschlag erlaubt und muss mit beiden Enden an der Waffe befestigt sein; vor dem Stehendschießen wird er abgenommen oder hängt lose. Probeschüsse gibt es im Liegen unbegrenzt und vor dem Stehendteil höchstens fünf – alle innerhalb der 45 Minuten, sie kosten also Wettkampfzeit.
Die Zehn misst auf 100 Meter 50 Millimeter im Durchmesser, jeder weitere Ring kommt in Abständen von 25 Millimetern dazu. Gewertet wird nach Zentrumswertung: Die Mitte des Einschusslochs muss innerhalb des Rings liegen. Spezielle Schießbekleidung ist erlaubt.
Unterhebelrepetierer: 50 Meter, fünf Schuss in 75 Sekunden
Der zweite Wettbewerb ist das Gegenteil in fast jedem Punkt. Zugelassen sind Unterhebelgewehre im Kaliber .22 lr, deren Magazin mindestens fünf Patronen fasst – der Repetierhebel unter dem Abzugsbügel lädt bei jeder Bewegung die nächste Patrone. Größe und Gewicht sind frei, müssen aber der Originalwaffe entsprechen; Laufgewichte, Lochschäfte und Handstützen sind verboten, ein Gewehrriemen ebenfalls. Die Visierung muss typgemäß und offen bleiben: V- und U-Kimmen, Blatt, Dach, Perlkorn, allenfalls eine typgemäße Lochkimme. Ringkorne und moderne Matchvisierungen sind draußen.
Auch hier sind es 40 Schuss, aber ganz anders verteilt: 20 stehend und 20 kniend, jeweils in vier Serien zu fünf Schuss, und jede Serie dauert 75 Sekunden. Ein Sitzend-Ersatzanschlag ist nicht vorgesehen. Vor dem Wettkampf gibt es fünf Minuten Probeschießen im Stehen. Geladen wird auf Kommando mit einer Minute Ladezeit, die Serien starten und enden per Signalton. Gewertet wird großzügiger als beim Ordonnanzgewehr: Der höhere Ring gilt schon dann, wenn das Geschoss den begrenzenden Kreis sichtbar berührt hat.
Der auffälligste Unterschied steht in der Bekleidungsregel. Erlaubt ist normale Alltags- und Straßenkleidung. Schießjacke, Schießhose, Schießschuhe und Schießhandschuhe sind verboten – und ausdrücklich auch typische Westernkleidung.
Die beiden Regelwerke nebeneinander
| Ordonnanzgewehr | KK-Unterhebelrepetierer | |
| Entfernung | 100 m, Freianlage | 50 m, Freianlage |
| Waffe | Militärrepetierer bis 31.12.1963, Zentralfeuer | Unterhebelgewehr .22 lr, Magazin ≥ 5 Patronen |
| Anschläge | 20 liegend + 20 stehend, freihändig | 20 stehend + 20 kniend |
| Zeit | 40 Schuss in 45 Minuten am Stück | 8 Serien à 5 Schuss, je 75 Sekunden |
| Visierung | zwei getrennte Wertungen: offen und geschlossen | nur offen und typgemäß |
| Gewehrriemen | liegend erlaubt, stehend nicht | verboten |
| Kleidung | Schießbekleidung erlaubt | Straßenkleidung, keine Westernkleidung |
| Wertung | Zentrumswertung | Ring gilt bei sichtbarer Berührung |
| Startgeld | 69,00 € je Einzelwettbewerb | 39,00 € je Einzelwettbewerb |
Die offene Visierung verlangt mehr Ringe – und niemand erklärt, warum
Die korrigierte Limitliste vom 27. Juli zeigt ein Muster, das man andersherum erwarten würde. In jeder der vier Altersklassen liegt die Zulassungsgrenze für die offene Visierung höher als für die geschlossene: 303 gegenüber 286 Ringen in der Klasse Herren I, 301 zu 281 in Herren II, 294 zu 280 in Herren III und 290 zu 277 in Herren IV. Beim Unterhebelrepetierer liegen die Limits deutlich darüber, zwischen 316 und 325 Ringen – 50 Meter mit Kleinkaliber sind eben nicht 100 Meter mit Zentralfeuer. Die Mannschaftslimits betragen 974 Ringe im Unterhebelrepetierer sowie 849 und 907 Ringe im Ordonnanzgewehr. Eine Begründung für das Gefälle zwischen den beiden Visierungswertungen steht in keinem der veröffentlichten Dokumente.
Gestartet wird ausschließlich in den Herrenklassen I bis IV, die den Jahrgängen 1956 bis 2005 entsprechen, also 21 bis 70 Jahren. Damenklassen und die Klasse Herren V ab 71 Jahren führen weder die Limitliste noch die Teilnehmerliste. Die Ausschreibung liefert dafür eine mögliche Erklärung: Ein Wettbewerb wird nur ausgetragen, wenn die Landesverbände wenigstens zehn Einzelschützen oder fünf Mannschaften melden.
Drei Irrtümer, die Startplätze kosten können
Ordonnanzgewehr heißt nicht „altes Militärgewehr". Unterhebelrepetierer und Selbstlader sind in diesem Wettbewerb ausgeschlossen, auch wenn sie Dienstwaffen waren.
Das Startgeld ist Reuegeld: Es wird auch fällig, wenn man nicht antritt. Beim Ordonnanzgewehr sind das 69 Euro je Wettbewerb, und geschlossene und offene Visierung sind zwei Wettbewerbe.
Ohne amtlichen Lichtbildausweis geht nichts. Er ist zusammen mit der Startkarte vorzuzeigen; fehlt der Identitätsnachweis bis zum Ende des Durchgangs, werden von der ersten Serie zwei Ringe abgezogen.
Die drei Sätze zum Merken
Freitag ist Ordonnanzgewehr mit geschlossener Visierung, Samstag laufen Unterhebelrepetierer und offene Visierung.
Beide Anlagen liegen im Freien – Wetterkleidung gehört zur Ausrüstung, beim Unterhebelrepetierer aber keine Schießjacke.
Die Startnummer wird sichtbar auf dem Rücken getragen und muss mit der Startkarte übereinstimmen.
Der Punkt, an dem es für Jäger interessant wird
Alle Sportwaffen brauchen ein in Deutschland gültiges Beschusszeichen – mit einer Ausnahme, die genau diese Meisterschaft betrifft: Originale Vorderlader und Ordonnanzgewehre aus der Zeit vor Einführung der Beschusspflicht sind davon ausgenommen. Wer als Jägerin oder Jäger mit einem alten Militärrepetierer aus dem Familienbesitz liebäugelt, findet hier den seltenen Fall, in dem ein solches Stück sportlich gebraucht werden kann statt nur im Schrank zu stehen. Was das für die Zahl der eintragbaren Langwaffen bedeutet, ist eine eigene Frage – und die wird derzeit ohnehin politisch neu verhandelt.
Was die Unterlagen noch offenlassen
Ein Zeitplan als eigenes Dokument liegt nicht vor; die Startzeiten stehen bislang nur personenbezogen in der Teilnehmerliste. Zuschauerregelung, Parken und Anfahrt hat der Ausrichter nicht veröffentlicht, ebenso wenig Zeiten für Startnummernausgabe, Waffenkontrolle und Siegerehrung. Auch die Zahl der Zugelassenen lässt sich nicht sauber beziffern: Die Limitliste führt zwar Zählspalten, erläutert deren Bezeichnungen aber nicht. Bekannt ist immerhin der Rahmen der Ehrungen – Urkunden für die Plätze eins bis sechs im Einzel und eins bis drei in der Mannschaft, geehrt werden die ersten drei, in Vereinskleidung und ohne Kopfbedeckung. Das Meisterschaftsabzeichen bekommt, wer im ersten Drittel der Rangliste landet.
Dieselbe Anlage richtet zwei Wochen später die Deutschen Meisterschaften im Auflageschießen aus. Wie eine Meisterschaft dieser Größenordnung im Betrieb aussieht, zeigen die Titelkämpfe im Sportschießen in München-Hochbrück. Wie viele Langwaffen überhaupt auf die Waffenbesitzkarte dürfen, klärt unser Überblick; über die geplante Obergrenze für Langwaffen wird gerade gestritten. Weitere Termine: Sportschießen.
Quelle
Deutscher Schützenbund: Kalendereintrag zur DM Ordonnanzgewehr/Unterhebelrepetierer mit Limitzahlen und Teilnehmerliste (beide Stand 27.07.2026), Terminübersicht (Stand 13.08.2026), Ausschreibung „Allgemeines" (Stand 21.01.2026) und Altersklassen (Stand 20.11.2025), Disziplinbeschreibung Ordonnanzgewehr, Regelwerk Unterhebelrepetiergewehr sowie die Anlagenübersicht des Bundesstützpunkts Hannover. Abgerufen am 23. August 2026.