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Durchfallquote der Jägerprüfung: 24 Prozent scheitern im ersten Anlauf – und fast nie am Schießstand

24 Prozent fallen bundesweit durch, gemessen am ersten Anlauf. Die Hürde ist der mündlich-praktische Teil – und wiederholt wird meist nur er.

LMLauritz Maaßen23. September 2026Jägerprüfung, Durchfallquote, Wiederholungsprüfung
Durchfallquote der Jägerprüfung: 24 Prozent scheitern im ersten Anlauf – und fast nie am Schießstand

Die Durchfallquote der Jägerprüfung liegt bundesweit bei 24 Prozent – gemessen am ersten Anlauf, nicht am Endergebnis. Wer einen Prüfungsteil verliert, wiederholt in den meisten Bundesländern nur diesen Teil, und bestandene Teile bleiben zwischen 13 Monaten und zwei Jahren gültig.

Wiederholt wird der Teil, der gefehlt hat – nicht die ganze Prüfung

Das Jagdrecht ist Ländersache, und hier trennen sich die 16 Wege am deutlichsten: Die Mehrheit rechnet bestandene Prüfungsteile an, drei Länder verlangen die komplette Prüfung noch einmal.

BundeslandWas wiederholt wirdFrist oder GrenzeFundstelle
Baden-Württembergnur die nicht bestandenen Prüfungsabschnittebestandene Abschnitte 13 Monate gültig§ 14 JPrO
Bayernmündlicher und praktischer Teil, je zweimalzwei Jahre ab bestandenem schriftlichem Teil§ 15 JFPO
Berlinnur die gesamte PrüfungNachholung versäumter Abschnitte in der folgenden Prüfung§ 13 Jagd-/FalkPrV
Brandenburgjedes einzelne Sachgebiet und jeder Schießteil, je zweimal24 Monate ab Prüfungstermin§ 15 JPO
Bremennur die gesamte Prüfungfrühestens nach einem Jahr§ 17 JuFPrüfV
Hamburgnur der nicht bestandene Prüfungsteilalle drei Teile binnen zwölf Monaten ab Zulassung§ 9 JagdPrV
Hessenjeder nicht bestandene Prüfungsteil, zweimalzwei Jahre ab erstem Prüfungstag§ 15 HJagdV
Mecklenburg-Vorpommernjeder Prüfungsteil, einmalzwölf Monate ab Bekanntgabe, frühestens nach drei Tagen§ 13 Abs. 4 JägerPVO
Niedersachsengrundsätzlich alles, Anrechnung auf AntragAntrag binnen eines Jahres, nur einmal nutzbar§ 13 JFPVO
Nordrhein-Westfaleneinmalige Nachprüfung nur im gescheiterten Teilfrühestens drei Monate danach§ 10 DVO LJG-NRW
Rheinland-PfalzNachprüfung in einem selbst gewählten Sachgebietdanach nur noch vollständig§ 30 LJVO
Saarlandeinzelne Prüfungsteilefrühestens zum nächsten Prüfungstermin§ 25 DV-SJG
Sachsenmehrfach, bestandene Teile werden angerechnet18 Monate§ 19 Abs. 3 SächsJagdVO
Sachsen-Anhaltnur die gesamte Prüfungkeine Frist normiert§ 11 LJagdG-DVO
Schleswig-Holsteinnicht bestandene Prüfungsabschnitte, beliebig oftzwölf Monate§ 10 JagdSch1PrV
Thüringennicht bestandene Prüfungsteile, mehrfach und je im vollen Umfangzwölf Monate ab Prüfungsbeginn§ 13 ThürAPOJ

Rechtsstand: September 2026, Fundstellen geprüft am 21.09.2026.

Drei Regeln fallen aus dem Raster. In Nordrhein-Westfalen erfasst die Nachprüfung nur Schießprüfung und mündlich-praktischen Teil: Wer den schriftlichen Teil verliert, wird von der weiteren Prüfung ausgeschlossen und meldet sich komplett neu an. Am schnellsten geht es in Mecklenburg-Vorpommern weiter, wo die Wiederholung schon drei Tage nach der Ergebnismitteilung möglich ist, am langsamsten in Bremen mit einem Jahr Wartezeit. Und nahezu überall gibt es die Sofort-Wiederholung am Prüfungstag – eine verfehlte Schießdisziplin darf in der Regel einmal direkt neu geschossen werden, bevor überhaupt jemand von Durchfallen spricht.

Hände laden eine aufgebrochene Doppelflinte mit einer Patrone.
Laden und Entladen unter Aufsicht: Die Waffenhandhabung ist der einzige Punkt, der zum Ausschluss aus der gesamten Prüfung führen kann. Foto: Getty Images / Unsplash+ License

Die eigentliche Hürde steht nicht am Schießstand

Die Sorge vieler Jagdschüler richtet sich auf das Schießen. Die genaueste Aufschlüsselung, die eine deutsche Behörde je vorgelegt hat, sagt das Gegenteil. In einer Stellungnahme an den Landtag von Baden-Württemberg hat das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz 2023 offengelegt, wo die Prüflinge tatsächlich scheitern:

PrüfungsabschnittAnteil der Prüflinge, die daran scheitern
Schriftlicher Teilunter 5 Prozent
Waffenhandhabung (im jagdlichen Schießen)rund 5 Prozent, 2021/22 knapp 9 Prozent
Büchsenschießen3 Prozent
Flintenschießen1 Prozent
Mündlich-praktischer Teilrund 25 Prozent

Der mündlich-praktische Teil ist damit der Engpass; das Ministerium nennt ihn ausdrücklich den anspruchsvollsten Prüfungsabschnitt. Innerhalb dieses Teils gibt es eine klare Rangfolge: Am häufigsten fielen Prüflinge im Fach „Tierkrankheiten, Wildbret gewinnen und in Verkehr bringen" durch, danach in „Wildtierökologie und Revierbetreuung" sowie im Rechtsfach, erst dann in „Jagdwaffen besitzen und jagdlich einsetzen". Am seltensten scheiterten sie an Jagdhunden und Wildtiermanagement. Rund acht Prozent verloren gleich zwei oder mehr Fächer.

Für die eigene Lernplanung ist das die wichtigste Erkenntnis: Wildbrethygiene und Wildkrankheiten wirken im Kurs wie ein Randthema und entscheiden häufiger als jede Schießdisziplin. Zum zweitstärksten Block führt die Waffenkunde für den Jagdschein.

Hessen ist das Gegenbeispiel, das die Länderunterschiede greifbar macht: Das Regierungspräsidium Kassel meldete für 2025 eine Erfolgsquote von 66 Prozent im schriftlichen Teil, 85 Prozent im praktisch-mündlichen Teil und etwa 95 Prozent in der Schießprüfung. Dort ist der Fragenkatalog die härteste Station – planbar trainieren lässt er sich mit unseren Lernstrategien für die schriftliche Jägerprüfung.

Aufrecht stehende Büchsenpatronen befinden sich in einem schwarzen Kunststoffhalter auf einer dunklen Oberfläche.
Büchsenschießen kostet in Baden-Württemberg drei Prozent der Prüflinge die Prüfung – ein Bruchteil dessen, was der mündlich-praktische Teil fordert. Foto: Oleg Ivanov / Unsplash+ License

Was die 24 Prozent verschweigen

2025 haben bundesweit 18.423 Prüflinge die staatliche Jägerprüfung bestanden – ein Rekordwert, den der Deutsche Jagdverband im Juli 2026 vorgelegt hat. Im selben Zeitraum ist der Anteil derer, die im ersten Anlauf scheitern, um rund ein Drittel auf 24 Prozent gestiegen.

PrüfungsjahrTeilnehmer bundesweitDurchgefallen im ersten Anlauf
202223.71325 %
202322.24823 %
202421.10426 %
202524.07624 %

Wie wenig das über den Ausgang sagt, zeigt Brandenburg, das seine Bilanz als einziges Land nach Versuchen aufschlüsselt. 2025 wurden dort 895 Jägerprüfungen abgelegt, 486 davon erfolgreich – darunter 583 Vollprüfungen und 312 Wiederholungsprüfungen. Aus den Vollprüfungen gingen 273 bestandene Prüfungen hervor, aus den Wiederholungen 213.

Damit lag die Erfolgsquote der Wiederholungsprüfungen bei rund 68 Prozent und die der Erstversuche bei knapp 47 Prozent. Wer mit einem klar benannten Defizit in den zweiten Anlauf geht, besteht also deutlich häufiger als beim ersten Mal – und fast die Hälfte der neuen Brandenburger Jungjäger hatte zuvor mindestens einen Prüfungsteil verloren.

Was die Quote misst – und was nicht

Die Quoten zählen Prüfungsantritte, nicht Personen. Wer im zweiten Versuch besteht, erscheint einmal als Durchfaller und einmal als Bestehender. Zwischen den Ländern ist die Zahl nur eingeschränkt vergleichbar: Manche melden ausschließlich Erstprüfungen, andere zählen Wiederholungsprüfungen mit. Baden-Württemberg weist eigens darauf hin, dass die Bestehensquote unter den Vollprüflingen rund zwei Prozentpunkte höher liegt. Eine amtliche Bundesstatistik zur Jägerprüfung gibt es nicht; die bundesweiten Werte beruhen auf einer Erhebung bei den Ländern.

Jäger mit Flinte führt einen kurzhaarigen Jagdhund an der Leine über eine Wiese.
Jagdhunde und Wildtiermanagement: In Baden-Württemberg das Fach, an dem im mündlich-praktischen Teil am seltensten jemand scheitert. Foto: Getty Images / Unsplash+ License

Nach dem Bescheid: die vier Schritte

  • Den Bescheid genau lesen. Er nennt Prüfungsteil und Sachgebiet, die nicht bestanden sind – nur darauf kommt es für die Wiederholung an.

  • Die Frist des eigenen Landes notieren: 13 Monate, ein Jahr, 18 Monate oder zwei Jahre entscheiden, ob bestandene Teile erhalten bleiben.

  • Die Wiederholung gesondert anmelden. In mehreren Ländern braucht sie eine eigene Zulassung und eine eigene Gebühr; die Beträge stehen in der Übersicht zu den Kosten des Jagdscheins.

  • Bei der unteren Jagdbehörde nach dem nächsten Termin fragen. In einigen Ländern gibt es nur zwei Prüfungstermine im Jahr.

Das fragt die Prüfung

Die Wiederholungsregeln selbst sind kein Prüfungsstoff – die Zuständigkeit dahinter schon. Im Fach Jagdrecht wird regelmäßig abgefragt, wer die Jägerprüfung abnimmt und wer den Jagdschein erteilt. Die Antwort lautet in beiden Fällen: die untere Jagdbehörde des Landkreises oder der kreisfreien Stadt. Merksatz: Geprüft wird beim Kreis, geregelt wird im Land, gerahmt wird im Bund.

Wie tief ein Land das ausgestaltet, zeigt der Leitfaden zur Jägerprüfung in Bayern; weitere Service-Stücke sammelt die Rubrik Prüfungsvorbereitung.

Wer nach einem verlorenen Prüfungsteil weiterlernt, braucht keine zweite Runde über alles, sondern die Schwachstelle. In der Jagdkompass-App liegt der Fragenkatalog des eigenen Bundeslands, die Fehlerstatistik ist nach Fächern aufgeschlüsselt – nach wenigen Durchgängen zeigt sich, ob wirklich die Wildbrethygiene das Problem ist.

Quelle

Deutscher Jagdverband, „So viel Jägernachwuchs wie noch nie", 3. Juli 2026: jagdverband.de · DJV, „21.104 Jägerprüfungen in Deutschland", 6. Mai 2025: jagdverband.de · DJV, „Interesse an der Jägerausbildung ungebremst hoch", 21. Juni 2024: jagdverband.de · Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 17/5552 vom 11. Oktober 2023, Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: landtag-bw.de · Regierungspräsidium Kassel, Pressemitteilung vom 21. November 2025: rp-kassel.hessen.de · Landesjagdverband Brandenburg, „Jägerprüfungen 2025 in Brandenburg: Zahlen bleiben konstant", 17. April 2026: ljv-brandenburg.de · Landesnormen wie in der Tabelle zitiert.

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