Die Durchfallquote der Jägerprüfung liegt bundesweit bei 24 Prozent – gemessen am ersten Anlauf, nicht am Endergebnis. Wer einen Prüfungsteil verliert, wiederholt in den meisten Bundesländern nur diesen Teil, und bestandene Teile bleiben zwischen 13 Monaten und zwei Jahren gültig.
Wiederholt wird der Teil, der gefehlt hat – nicht die ganze Prüfung
Das Jagdrecht ist Ländersache, und hier trennen sich die 16 Wege am deutlichsten: Die Mehrheit rechnet bestandene Prüfungsteile an, drei Länder verlangen die komplette Prüfung noch einmal.
| Bundesland | Was wiederholt wird | Frist oder Grenze | Fundstelle |
| Baden-Württemberg | nur die nicht bestandenen Prüfungsabschnitte | bestandene Abschnitte 13 Monate gültig | § 14 JPrO |
| Bayern | mündlicher und praktischer Teil, je zweimal | zwei Jahre ab bestandenem schriftlichem Teil | § 15 JFPO |
| Berlin | nur die gesamte Prüfung | Nachholung versäumter Abschnitte in der folgenden Prüfung | § 13 Jagd-/FalkPrV |
| Brandenburg | jedes einzelne Sachgebiet und jeder Schießteil, je zweimal | 24 Monate ab Prüfungstermin | § 15 JPO |
| Bremen | nur die gesamte Prüfung | frühestens nach einem Jahr | § 17 JuFPrüfV |
| Hamburg | nur der nicht bestandene Prüfungsteil | alle drei Teile binnen zwölf Monaten ab Zulassung | § 9 JagdPrV |
| Hessen | jeder nicht bestandene Prüfungsteil, zweimal | zwei Jahre ab erstem Prüfungstag | § 15 HJagdV |
| Mecklenburg-Vorpommern | jeder Prüfungsteil, einmal | zwölf Monate ab Bekanntgabe, frühestens nach drei Tagen | § 13 Abs. 4 JägerPVO |
| Niedersachsen | grundsätzlich alles, Anrechnung auf Antrag | Antrag binnen eines Jahres, nur einmal nutzbar | § 13 JFPVO |
| Nordrhein-Westfalen | einmalige Nachprüfung nur im gescheiterten Teil | frühestens drei Monate danach | § 10 DVO LJG-NRW |
| Rheinland-Pfalz | Nachprüfung in einem selbst gewählten Sachgebiet | danach nur noch vollständig | § 30 LJVO |
| Saarland | einzelne Prüfungsteile | frühestens zum nächsten Prüfungstermin | § 25 DV-SJG |
| Sachsen | mehrfach, bestandene Teile werden angerechnet | 18 Monate | § 19 Abs. 3 SächsJagdVO |
| Sachsen-Anhalt | nur die gesamte Prüfung | keine Frist normiert | § 11 LJagdG-DVO |
| Schleswig-Holstein | nicht bestandene Prüfungsabschnitte, beliebig oft | zwölf Monate | § 10 JagdSch1PrV |
| Thüringen | nicht bestandene Prüfungsteile, mehrfach und je im vollen Umfang | zwölf Monate ab Prüfungsbeginn | § 13 ThürAPOJ |
Rechtsstand: September 2026, Fundstellen geprüft am 21.09.2026.
Drei Regeln fallen aus dem Raster. In Nordrhein-Westfalen erfasst die Nachprüfung nur Schießprüfung und mündlich-praktischen Teil: Wer den schriftlichen Teil verliert, wird von der weiteren Prüfung ausgeschlossen und meldet sich komplett neu an. Am schnellsten geht es in Mecklenburg-Vorpommern weiter, wo die Wiederholung schon drei Tage nach der Ergebnismitteilung möglich ist, am langsamsten in Bremen mit einem Jahr Wartezeit. Und nahezu überall gibt es die Sofort-Wiederholung am Prüfungstag – eine verfehlte Schießdisziplin darf in der Regel einmal direkt neu geschossen werden, bevor überhaupt jemand von Durchfallen spricht.
Die eigentliche Hürde steht nicht am Schießstand
Die Sorge vieler Jagdschüler richtet sich auf das Schießen. Die genaueste Aufschlüsselung, die eine deutsche Behörde je vorgelegt hat, sagt das Gegenteil. In einer Stellungnahme an den Landtag von Baden-Württemberg hat das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz 2023 offengelegt, wo die Prüflinge tatsächlich scheitern:
| Prüfungsabschnitt | Anteil der Prüflinge, die daran scheitern |
| Schriftlicher Teil | unter 5 Prozent |
| Waffenhandhabung (im jagdlichen Schießen) | rund 5 Prozent, 2021/22 knapp 9 Prozent |
| Büchsenschießen | 3 Prozent |
| Flintenschießen | 1 Prozent |
| Mündlich-praktischer Teil | rund 25 Prozent |
Der mündlich-praktische Teil ist damit der Engpass; das Ministerium nennt ihn ausdrücklich den anspruchsvollsten Prüfungsabschnitt. Innerhalb dieses Teils gibt es eine klare Rangfolge: Am häufigsten fielen Prüflinge im Fach „Tierkrankheiten, Wildbret gewinnen und in Verkehr bringen" durch, danach in „Wildtierökologie und Revierbetreuung" sowie im Rechtsfach, erst dann in „Jagdwaffen besitzen und jagdlich einsetzen". Am seltensten scheiterten sie an Jagdhunden und Wildtiermanagement. Rund acht Prozent verloren gleich zwei oder mehr Fächer.
Für die eigene Lernplanung ist das die wichtigste Erkenntnis: Wildbrethygiene und Wildkrankheiten wirken im Kurs wie ein Randthema und entscheiden häufiger als jede Schießdisziplin. Zum zweitstärksten Block führt die Waffenkunde für den Jagdschein.
Hessen ist das Gegenbeispiel, das die Länderunterschiede greifbar macht: Das Regierungspräsidium Kassel meldete für 2025 eine Erfolgsquote von 66 Prozent im schriftlichen Teil, 85 Prozent im praktisch-mündlichen Teil und etwa 95 Prozent in der Schießprüfung. Dort ist der Fragenkatalog die härteste Station – planbar trainieren lässt er sich mit unseren Lernstrategien für die schriftliche Jägerprüfung.
Was die 24 Prozent verschweigen
2025 haben bundesweit 18.423 Prüflinge die staatliche Jägerprüfung bestanden – ein Rekordwert, den der Deutsche Jagdverband im Juli 2026 vorgelegt hat. Im selben Zeitraum ist der Anteil derer, die im ersten Anlauf scheitern, um rund ein Drittel auf 24 Prozent gestiegen.
| Prüfungsjahr | Teilnehmer bundesweit | Durchgefallen im ersten Anlauf |
| 2022 | 23.713 | 25 % |
| 2023 | 22.248 | 23 % |
| 2024 | 21.104 | 26 % |
| 2025 | 24.076 | 24 % |
Wie wenig das über den Ausgang sagt, zeigt Brandenburg, das seine Bilanz als einziges Land nach Versuchen aufschlüsselt. 2025 wurden dort 895 Jägerprüfungen abgelegt, 486 davon erfolgreich – darunter 583 Vollprüfungen und 312 Wiederholungsprüfungen. Aus den Vollprüfungen gingen 273 bestandene Prüfungen hervor, aus den Wiederholungen 213.
Damit lag die Erfolgsquote der Wiederholungsprüfungen bei rund 68 Prozent und die der Erstversuche bei knapp 47 Prozent. Wer mit einem klar benannten Defizit in den zweiten Anlauf geht, besteht also deutlich häufiger als beim ersten Mal – und fast die Hälfte der neuen Brandenburger Jungjäger hatte zuvor mindestens einen Prüfungsteil verloren.
Was die Quote misst – und was nicht
Die Quoten zählen Prüfungsantritte, nicht Personen. Wer im zweiten Versuch besteht, erscheint einmal als Durchfaller und einmal als Bestehender. Zwischen den Ländern ist die Zahl nur eingeschränkt vergleichbar: Manche melden ausschließlich Erstprüfungen, andere zählen Wiederholungsprüfungen mit. Baden-Württemberg weist eigens darauf hin, dass die Bestehensquote unter den Vollprüflingen rund zwei Prozentpunkte höher liegt. Eine amtliche Bundesstatistik zur Jägerprüfung gibt es nicht; die bundesweiten Werte beruhen auf einer Erhebung bei den Ländern.
Nach dem Bescheid: die vier Schritte
Den Bescheid genau lesen. Er nennt Prüfungsteil und Sachgebiet, die nicht bestanden sind – nur darauf kommt es für die Wiederholung an.
Die Frist des eigenen Landes notieren: 13 Monate, ein Jahr, 18 Monate oder zwei Jahre entscheiden, ob bestandene Teile erhalten bleiben.
Die Wiederholung gesondert anmelden. In mehreren Ländern braucht sie eine eigene Zulassung und eine eigene Gebühr; die Beträge stehen in der Übersicht zu den Kosten des Jagdscheins.
Bei der unteren Jagdbehörde nach dem nächsten Termin fragen. In einigen Ländern gibt es nur zwei Prüfungstermine im Jahr.
Das fragt die Prüfung
Die Wiederholungsregeln selbst sind kein Prüfungsstoff – die Zuständigkeit dahinter schon. Im Fach Jagdrecht wird regelmäßig abgefragt, wer die Jägerprüfung abnimmt und wer den Jagdschein erteilt. Die Antwort lautet in beiden Fällen: die untere Jagdbehörde des Landkreises oder der kreisfreien Stadt. Merksatz: Geprüft wird beim Kreis, geregelt wird im Land, gerahmt wird im Bund.
Wie tief ein Land das ausgestaltet, zeigt der Leitfaden zur Jägerprüfung in Bayern; weitere Service-Stücke sammelt die Rubrik Prüfungsvorbereitung.
Wer nach einem verlorenen Prüfungsteil weiterlernt, braucht keine zweite Runde über alles, sondern die Schwachstelle. In der Jagdkompass-App liegt der Fragenkatalog des eigenen Bundeslands, die Fehlerstatistik ist nach Fächern aufgeschlüsselt – nach wenigen Durchgängen zeigt sich, ob wirklich die Wildbrethygiene das Problem ist.
Quelle
Deutscher Jagdverband, „So viel Jägernachwuchs wie noch nie", 3. Juli 2026: jagdverband.de · DJV, „21.104 Jägerprüfungen in Deutschland", 6. Mai 2025: jagdverband.de · DJV, „Interesse an der Jägerausbildung ungebremst hoch", 21. Juni 2024: jagdverband.de · Landtag von Baden-Württemberg, Drucksache 17/5552 vom 11. Oktober 2023, Stellungnahme des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz: landtag-bw.de · Regierungspräsidium Kassel, Pressemitteilung vom 21. November 2025: rp-kassel.hessen.de · Landesjagdverband Brandenburg, „Jägerprüfungen 2025 in Brandenburg: Zahlen bleiben konstant", 17. April 2026: ljv-brandenburg.de · Landesnormen wie in der Tabelle zitiert.