Jagdkompass
Pflanzen-, Wild- und JagdkundeWildkrankheiten

Einführung in Wildkrankheiten

Überblick über Wildkrankheiten, ihre Ursachen, Übertragung und Bedeutung für die Jagd. Erkennen, Vorbeugen und Handeln bei Wildkrankheiten.

06. März 2026Wildkrankheit, Zoonose, Tollwut
Einführung in Wildkrankheiten

Einführung in die Wildkrankheiten

Das Wissen um Wildkrankheiten ist für Jäger aus drei Gründen essenziell: Wildbrethygiene (Schutz des Verbrauchers), Eigenschutz (Zoonosen) und Hege (Gesunderhaltung der Bestände).

1. Ursachen und Erreger

Man unterscheidet Krankheiten nach ihren Auslösern. Diese Unterscheidung ist wichtig, da Viren nicht mit Antibiotika behandelt werden können, Bakterien hingegen schon.

  • Viren: Winzige Erreger, die Wirtszellen benötigen.
    • Beispiele: Afrikanische & Europäische Schweinepest (ASP/ESP), Tollwut, Myxomatose (Kaninchen), RHD (Chinaseuche).
  • Bakterien: Einzellige Lebewesen.
    • Beispiele: Tularämie (Hasenpest), Tuberkulose, Gamsblindheit, Moderhinke.
  • Parasiten:
    • Endoparasiten (Innen): Trichinen, Lungenwürmer, Bandwürmer (Fuchsbandwurm), Leberegel.
    • Ektoparasiten (Außen): Räude (Grabmilben), Zecken, Läuse, Dasselfliegen.
  • Sonstige: Vergiftungen (Botulismus bei Wasserwild), Prionen (CWD bei Hirschen), Mangelerscheinungen.

2. Übertragungswege

  • Tröpfcheninfektion: Husten/Niesen (direkter Kontakt).
  • Schmierinfektion: Über Kot, Urin oder Speichel (indirekt an Kirrungen oder Suhlen).
  • Vektoren: Überträger wie Zecken (FSME, Borreliose) oder Mücken (Myxomatose).
  • Oral: Aufnahme von infiziertem Fraß oder finnigem Fleisch (Trichinen).

3. Zoonosen (Gefahr für den Menschen)

Zoonosen sind Krankheiten, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind. Hier ist höchster Eigenschutz geboten (Handschuhe!).

Wichtige Zoonosen in der Prüfung:

  1. Tollwut (Virus): Tödliche Enzephalitis. Übertragung durch Biss/Speichel. Deutschland gilt aktuell als tollwutfrei (terrestrisch), aber Fledermaustollwut existiert noch.
  2. Tularämie / Hasenpest (Bakterium): Hochinfektiös! Übertragung schon durch Hautkontakt oder Einatmen von Fellstaub beim Abbalgen. Symptome: Grippeähnlich, geschwollene Lymphknoten.
  3. Fuchsbandwurm (Parasit): Lebensgefährliche Zerstörung der menschlichen Leber. Eier werden über Kot/Fell/Beeren aufgenommen.
  4. Trichinellose (Parasit): Befällt die Muskulatur. Tödlich oder chronisch schmerzhaft.
    • Pflicht: Jedes Stück Schwarzwild, Dachs und Nutria muss amtlich untersucht werden!
  5. FSME & Borreliose: Übertragung durch Zecken.

4. Erkennen in der Praxis (Lebendbeschau)

Der Jäger muss das Wild vor dem Schuss ansprechen ("Lebendbeschau"), um kranke Stücke zu erkennen ("Bedenkliche Merkmale").

Warnsignale:

  • Verhalten: Verlust der Scheu (Tollwut/Tularämie), Absondern vom Rudel, Torkeln, Apathie.
  • Körper: Struppiges Fell im Sommer (verspäteter Haarwechsel), extreme Abmagerung ("Kümmern"), Schwellungen, nackte Hautstellen (Räude), Durchfall ("verschmutzter Spiegel").

5. Maßnahmen und Prävention

Hege und Jagdbetrieb

  • Dichteanpassung: Zu hohe Wilddichten fördern Seuchen (Stress und Kontakt). Abschusspläne erfüllen!
  • Hygiene: Sauberkeit an Fütterungen und Kirrungen (Kot entfernen, Futter nicht verrotten lassen).
  • Impfung: Schluckimpfung (Köder) war erfolgreich gegen Tollwut beim Fuchs. Bei Schweinepest (ASP) gibt es aktuell keine Impfung.

Verhalten bei Verdacht

  1. Erlegen: Kranke Stücke (Hegeabschuss) müssen erlegt werden, um die Ansteckungskette zu unterbrechen.
  2. Sicherheit: Einweghandschuhe und Mundschutz tragen. Kadaver nicht offen transportieren (Schweißwanne).
  3. Meldepflicht (Anzeigepflicht): Bei Verdacht auf Tierseuchen (ASP, Tollwut, Vogelgrippe) muss unverzüglich das Veterinäramt informiert werden.
  4. Fallwild: Tod gefundenes Wild ist niemals genusstauglich. Es darf nicht verwertet werden.

6. Rechtliche Grundlagen

  • Tiergesundheitsgesetz (TierGesG): Regelt die Bekämpfung von Seuchen (früher Tierseuchengesetz).
  • Tierische Nebenprodukte-Beseitigungsgesetz (TierNebG): Regelt die entsorgung von kranken Kadavern (Konfiskat) über die Tierkörperbeseitigungsanstalt (TBA).
  • EU-Hygienepaket: Regelt den Status des Jägers als Lebensmittelunternehmer.

Zusammenfassung

Wildkrankheiten bedrohen Wildbestand und Mensch.

  • Viren: ASP (Sauen), Tollwut (Fuchs).
  • Bakterien: Tularämie (Hase).
  • Parasiten: Räude (Gams/Fuchs/Sau), Trichinen (Sau/Dachs).
  • Pflicht: Trichinenbeschau bei Allesfressern und Meldung bei Seuchenverdacht!
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