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Einführung in das Haarwild: Definition, Lebensweise und Jagd

Haarwild umfasst alle jagdbaren Säugetiere. Lerne die Definition, Einteilung und Lebensweise kennen. Wichtige Aspekte für die Jägerprüfung und die Jagdpraxis.

12. März 2026Haarwild, Wild, Jagdrecht
Einführung in das Haarwild: Definition, Lebensweise und Jagd

Einführung in das Haarwild

Dieser Artikel gibt eine Einführung in das Thema Haarwild, einem zentralen Bestandteil der Jagd. Wir betrachten die Definition, die rechtliche Einteilung und biologische Besonderheiten.

Was ist Haarwild?

Haarwild umfasst alle Säugetiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Es grenzt sich vom Federwild (Vögel) ab. Das Bundesjagdgesetz (§ 2 BJagdG) definiert Wild als "wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen".

Wichtig: Auch Tierarten, die eine ganzjährige Schonzeit genießen (z. B. Wildkatze oder Fischotter), zählen zum Haarwild, sofern sie im Gesetz gelistet sind.

Die klassische Einteilung: Hochwild und Niederwild

Die wichtigste Unterscheidung im deutschen Jagdrecht ist die historische Trennung zwischen Hochwild und Niederwild.

  1. Hochwild:
    • Dazu gehört alles Schalenwild (Rotwild, Damwild, Gamswild, Schwarzwild, Elchwild etc.) mit einer wichtigen Ausnahme: das Rehwild.
    • Weiterhin gehören zum Hochwild: Das Auerwild, der Steinadler und der Seeadler.
    • (Merksatz: "Das Reh ist nieder, die Sau ist hoch.")
  2. Niederwild:
    • Dazu gehört das Rehwild.
    • Alle übrigen Haarwildarten (Feldhase, Fuchs, Dachs, Marder etc.).
    • Alles Federwild (außer Auerwild, Stein- und Seeadler).

Kategorien in der Jägersprache

Neben der rechtlichen Trennung gibt es biologische Gruppen:

  • Schalenwild: Alles Wild mit Hufen/Klauen (Paarhufer). Dazu zählen u. a. Rotwild, Damwild, Schwarzwild, Muffelwild, Gamswild und Rehwild.
  • Raubwild: Fleischfressende Beutegreifer, die dem Jagdrecht unterliegen (z. B. Fuchs, Dachs, Baum- und Steinmarder, Iltis, Wiesel, Waschbär).
  • Hasenartige: Feldhase und Wildkaninchen (besitzen Stiftzähne hinter den Nagezähnen).

Biologische Besonderheiten (Beispiele)

Rehwild (Capreolus capreolus)

  • Klasse: Gehört zum Niederwild (obwohl es Schalenwild ist).
  • Geschlechtsreife: Weibliche Stücke werden meist als Schmalreh (im 2. Lebensjahr) beschlagen, selten schon als Kitz im ersten Herbst.
  • Geweihbildung:
    • Das Bockkitz schiebt bereits im ersten Herbst (ca. 4–5 Monate alt) kleine "Erstlingsknöpfe".
    • Diese werden im Winter abgeworfen. Das erste "richtige" Gehörn (oft Spießer oder Gabler) wächst dann im Frühjahr des zweiten Lebensjahres.
  • Säugezeit: Die Ricken säugen die Kitze meist bis September/Oktober.

Feldhase (Lepus europaeus)

  • Gebiss: Gehört nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Hasenartigen (Lagomorpha), erkennbar an den Stiftzähnen hinter den oberen Schneidezähnen.
  • Superfötation (Doppelbefruchtung): Die Häsin kann bereits erneut befruchtet werden, während sie noch tragend ist (ca. 4 Tage vor dem Setzen). Dies erhöht die Reproduktionsrate.

Revierarten: Hochwild- vs. Niederwildrevier

Diese Unterscheidung ist verwaltungsrechtlich relevant (z. B. für die Pachtsteuer oder Abschussplanung).

  • Hochwildrevier: Ein Revier, in dem Hochwild (meist Rot-, Dam- oder Gamswild) als Standwild vorkommt (es hält sich dort dauerhaft auf). Schwarzwild kommt heute fast überall vor, macht ein Revier aber oft erst dann zum "Hochwildrevier" im pachtrechtlichen Sinne, wenn es als Standwild bewirtschaftet wird.
  • Niederwildrevier: Ein Revier, in dem hauptsächlich Niederwild (Rehwild, Hase, Fasan) vorkommt. Hochwild (wie Rotwild) tritt hier nur als Wechselwild (gelegentlich durchziehend) auf.

Hinweis: Da das Schwarzwild rechtlich zum Hochwild gehört, aber flächendeckend vorkommt, wird umgangssprachlich oft differenziert, ob es sich um ein reines "Rehwildrevier" oder ein Revier mit "Dauervorkommen von Sauen" handelt.

Hege und Kümmern

Ein wichtiger Aspekt der Hege ist die Beobachtung der Wildgesundheit.

  • Kümmern: Bezeichnet Wild, das körperlich schwach entwickelt ist und unter dem Durchschnittsgewicht liegt.
  • Ursachen:
    • Krankheiten (Parasiten).
    • Äsungsmangel (schlechter Lebensraum).
    • Zu hohe Wilddichte (Sozialstress).
    • Ständige Beunruhigung.

Jagd- und Schonzeiten

Die Jagdzeiten dienen der nachhaltigen Nutzung, während die Schonzeiten primär dem Tierschutz und der Aufzucht der Jungtiere dienen (Elterntierschutz § 22 BJagdG).

  • Rahmen: Das Bundesjagdgesetz gibt den Rahmen vor.
  • Länderkompetenz: Die Bundesländer können die Jagdzeiten erweitern oder verkürzen (z. B. Aufhebung der Schonzeit für Überläufer zur Seuchenbekämpfung).

Fazit

Die Kenntnis über Haarwild geht weit über das reine Ansprechen hinaus. Die korrekte Einteilung in Hoch- und Niederwild sowie das Wissen um biologische Details (Geweihzyklus, Fortpflanzung) sind prüfungsentscheidend.

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