Einsatzgebiete von Jagdhunden: Praxis und Prüfungswissen
"Jagd ohne Hund ist Schund." Dieser alte Leitsatz spiegelt sich auch in den Gesetzen wider. In fast allen Bundesländern ist der Einsatz von brauchbaren Jagdhunden für bestimmte Jagdarten (Nachsuche, Wasserjagd, Suchjagd) gesetzlich vorgeschrieben.
1. Systematik der Rassen (JGHV-Gruppen)
In der Prüfung wird meist nach der Einteilung des Jagdgebrauchshundverbands (JGHV) gefragt. Man unterscheidet sechs Gruppen:
- Vorstehhunde: (z. B. Deutsch Drahthaar, Pointer). Allrounder, die Wild durch "Vorstehen" anzeigen.
- Stöberhunde: (z. B. Deutscher Wachtelhund, Cockerspaniel). Arbeiten selbstständig in der Dickung.
- Schweißhunde: (z. B. Bayerischer Gebirgsschweißhund). Spezialisten für die Nachsuche auf Schalenwild.
- Erdhunde: (z. B. Teckel, Terrier). Arbeit unter der Erde (Baujagd).
- Apportierhunde: (z. B. Labrador Retriever). Spezialisten für die Arbeit nach dem Schuss (Niederwild/Wasser).
- Bracken: (z. B. Deutsche Bracke). Die älteste Jagdhundegruppe, "Laute Jäger" auf der Spur (Hasenjagd).
2. Die Jagdarten im Detail
A. Buschieren (Die "Suche unter der Flinte")
- Definition: Der Hund sucht in unübersichtlichem Gelände (hohes Gras, Senf, lichter Wald), entfernt sich dabei aber nie weiter als Schrotschussentfernung (ca. 30 m) vom Jäger.
- Ziel: Das Wild (Fasan, Hase) wird hochgemacht oder vorgestanden, damit der Jäger es sofort erlegen kann.
- Anforderung: Höchster Gehorsam und ständiger Blickkontakt zum Führer ("Scheibenwischer-Suche").
B. Stöbern (Die selbstständige Arbeit)
- Definition: Der Hund wird geschnallt (abgeleint) und sucht selbstständig große Dickungskomplexe (Wald/Mais) ab, ohne direkten Kontakt zum Führer.
- Ziel: Das Wild finden und es durch Spurlaut (Bellen auf der Fährte) den Schützen zuführen ("Drücken").
- Wichtig: Der Hund muss "bogenrein" sein (darf das Wild nicht aus dem Treiben herausjagen) und darf nicht "überjagen" (stundenlanges Verschwinden).
C. Wasserarbeit
- Pflicht: Bei der Jagd auf Wasserfederwild (Enten) ist ein brauchbarer Hund gesetzlich vorgeschrieben.
- Aufgabe: Stöbern im Schilf ("Stöbern hinter der Ente") und Apportieren der geschossenen Ente aus tiefem Wasser.
D. Baujagd
- Einsatz: Fuchs- oder Dachsjagd.
- Ablauf: Der Erdhund "schlieft" in den Bau ein und sprengt (treibt) den Fuchs vor die Flinte des wartenden Jägers.
- Gefahr: Beim Dachs besteht hohe Verletzungsgefahr für den Hund.
E. Nachsuche (Schweißarbeit)
- Riemenarbeit: Der Hund folgt am langen Schweißriemen (Leine) der Wundfährte zum verendeten Stück.
- Hetzjagd/Bail: Ist das Stück noch mobil, wird der Hund geschnallt, stellt das Stück ("Bail") und bindet es durch Verbellen, bis der Jäger den Fangschuss antragen kann.
3. Fachbegriffe und Fehler (Prüfungswissen!)
In der Prüfung müssen Sie das Verhalten des Hundes fachgerecht beschreiben ("Jägersprache").
BegriffBedeutungBewertungVorstehenDer Hund verharrt regungslos vor dem Wild (oft mit gehobenem Vorderlauf).Erwünscht (bei Vorstehhunden).SpurlautDer Hund bellt auf der Fährte, auch wenn er das Wild nicht sieht (nur Geruch).Erwünscht (beim Stöbern/Brackieren).SichtlautDer Hund bellt nur, wenn er das Wild sieht.Akzeptabel, aber Spurlaut ist besser (Warnung für das Wild).AnschneidenDer Hund frisst das gefundene Wild an.Schwerer Fehler (Untauglichkeit).KnautschenDer Hund beißt zu fest zu und beschädigt das Wildbret/Knochen.Fehler (Wertminderung des Wildbrets).SchussfestigkeitDer Hund erschrickt nicht beim Schuss.Voraussetzung für die Brauchbarkeit.SchusshitzigkeitDer Hund springt beim Schuss sofort los (ohne Kommando).Fehler (Sicherheitsrisiko, "Einspringen").
4. Ausbildung und Gehorsam (Appell)
Ohne Gehorsam nützt die beste Nase nichts.
- Grundkommandos: Sitz, Platz, Bleib, Hier.
- Trillerpfiff (Down): Das wichtigste Notbremse-Kommando. Auf den Pfiff muss der Hund sofort ins "Platz" gehen (egal was passiert), z. B. wenn ein Hase aufsteht und der Hund nicht hetzen soll ("Hasenreinheit").
- Apport:
- Freiverlorensuche: Der Hund sucht selbstständig nach geschossenem Wild und bringt es.
- Einweisen: Der Jäger lenkt den Hund mit Handzeichen in das Zielgebiet.
Zusammenfassung
Jagdhunde werden nach ihrem Haupteinsatzzweck (Vorstehen, Stöbern, Erdarbeit, Nachsuche) eingeteilt.
- Buschieren: Kurz, unter der Flinte (Gehorsam!).
- Stöbern: Weit, selbstständig (Spurlaut!).
- Fehler: Anschneiden (Fressen) und Knautschen (Zerbeißen) sind Disqualifikationsgründe.
- Gesetz: Brauchbare Hunde sind Pflicht bei Nachsuche, Wasserjagd und Drückjagden.
