Die Weihen (Gattung Circus): Die "Gaukler" der Lüfte
Weihen sind schlanke, elegante Greifvögel, die für die Jägerprüfung besonders wegen ihres charakteristischen Flugstils und ihrer Brutbiologie (Bodenbrüter) relevant sind.
1. Allgemeine Merkmale (Das "Gaukeln")
Weihen sind leicht an ihrer Silhouette und ihrem Verhalten zu erkennen:
- Flugbild: Sie fliegen mit V-förmig angehobenen Flügeln.
- Flugstil: Ein schaukelnder, taumelnder Suchflug, der als "Gaukeln" bezeichnet wird. Sie jagen im niedrigen Gleitflug dicht über der Vegetation.
- Körperbau: Schlank, lange Schwingen, langer Stoß (Schwanz).
- Besonderheit (Prüfungswissen!): Weihen besitzen einen eulenartigen Gesichtsschleier (Federkranz um die Augen).
- Funktion: Dieser lenkt Schallwellen zu den Ohren. Weihen jagen (anders als Bussarde) stark nach dem Gehör (Rascheln von Mäusen im Gras).
2. Die drei Arten im Vergleich
In Deutschland unterscheiden wir drei Arten. Die Männchen sind meist bunt/grau, die Weibchen braun ("tarnfarben").
A. Rohrweihe (Circus aeruginosus)
Die größte und häufigste heimische Weihe.
- Lebensraum: Schilfzonen, Gewässerränder ("Der König im Schilf").
- Männchen: Dreifarbig (Brauner Rücken, graue Schwingen, schwarze Spitzen).
- Weibchen (Erkennungsmerkmal): Dunkelbraun mit cremefarbenem Kopf und gelben Schulterflecken ("Scheinwerfer" oder "goldene Haube").
- Status: Nicht gefährdet, häufiger Brutvogel.
B. Kornweihe (Circus cyaneus)
Oft als Wintergast in Deutschland zu sehen.
- Lebensraum: Offene Feldflur, Moore.
- Männchen: Hellgrau bis blaugrau mit schwarzen Flügelspitzen (wirkt fast möwenartig).
- Weibchen (Wichtig!): Braun gestreift, aber mit einem leuchtend weißen Bürzelfleck (Wurzel des Schwanzes). Dieser "weiße Spiegel" ist das sicherste Unterscheidungsmerkmal im Flug!
- Status: In Deutschland vom Aussterben bedroht (als Brutvogel), häufiger als Wintergast.
C. Wiesenweihe (Circus pygargus)
Die kleinste und seltenste Art.
- Lebensraum: Feuchtwiesen, Getreidefelder (Kulturfolger).
- Männchen: Ähnlich der Kornweihe (grau), aber mit einem feinen schwarzen Strich auf der Oberseite der Flügel.
- Weibchen: Sehr schwer von der Kornweihe zu unterscheiden (braun), aber zierlicher.
- Status: Stark gefährdet (Brutschutzprogramme durch Landwirte/Jäger sind essenziell).
3. Fortpflanzung: Bodenbrüter
Alle Weihen sind Bodenbrüter.
- Nest: Das Weibchen baut den Horst am Boden in hoher Vegetation (Schilf, Getreide, Wiesen).
- Gefahr: Da die Brutzeit oft in die Erntezeit (Mahd) fällt, werden viele Gelege durch Mähmaschinen zerstört.
- Gelege: 3–6 Eier.
4. Rechtlicher Status und Jagd
- Jagdrecht: Weihen gehören laut § 2 BJagdG zum Wild (sie unterliegen dem Jagdrecht).
- Schonzeit: Sie haben jedoch eine ganzjährige Schonzeit (stehen unter strengem Naturschutz).
- Aufgabe des Jägers:
- Erkennen: Unterscheidung von jagdbaren Arten (Verwechslungsgefahr gering durch Flugstil).
- Schutz: Zusammenarbeit mit Landwirten. Wenn eine Weihe ins Getreide einfällt ("einschiebt"), könnte dort ein Nest sein. -> Nestschutz vor dem Mähdrescher organisieren (z. B. stehenlassen einer Fläche).
5. Zusammenfassung für die Prüfung
- Erkennungszeichen: V-Stellung der Flügel, "Gaukeln", Gesichtsschleier (Gehör).
- Rohrweihe: Die häufigste (Frau hat goldenen Kopf).
- Kornweihe: Weißer Bürzelfleck (oft im Winter).
- Nest: Bodenbrüter (Gefahr durch Landwirtschaft).
