Die Pirsch: Aktive Jagd im Revier
Die Pirsch ist die anspruchsvollste Form der Einzeljagd. Der Jäger wartet nicht, bis das Wild kommt, sondern er sucht es aktiv. Dies erfordert körperliche Fitness, lautloses Bewegen und ständige Beachtung des Windes.
1. Grundlagen und Taktik
- Prinzip: Langsames, fast lautloses Durchstreifen des Reviers ("Schleichen").
- Der Wind: Das wichtigste Element! Man pirscht immer gegen den Wind. Hat man den Wind im Rücken, treibt man das Wild vor sich her.
- Bewegung: Man steht mehr, als man geht. (Faustregel: 2–3 Schritte machen, dann stehenbleiben und "glasen").
- Zeitpunkt: Besonders erfolgversprechend nach einem Regenschauer (Wild tritt zum Trocknen/Äsen aus) oder bei Nebel (verdeckt den Jäger).
2. Ausrüstung (Optimiert für Bewegung)
Anders als beim Ansitz zählt hier jedes Gramm.
- Waffe: Führige Repetierbüchse (kurzer Lauf).
- Sicherheit: Sie wird geladen, aber gesichert (oder entspannt) getragen.
- Optik:
- Leichtes Fernglas (8x42 oder 10x42). Ein 8x56 ist für die Pirsch meist zu schwer und klobig.
- Ggf. Entfernungsmesser (wichtig im fremden Gelände).
- Kleidung: Absolut geräuschlos (Loden, Fleece). Keine "raschelnden" Kunstfasern!
- Der Pirschstock (Zielstock):
- Unerlässlich für einen sicheren Schuss. Da man keine Kanzelauflage hat, benötigt man den Stock als Vorderschaftauflage, um ein Verreißen durch den hohen Puls zu verhindern.
3. Sicherheit (UVV Jagd - Prüfungsfalle!)
Wie verhält man sich an Hindernissen?
- Hochsitz: Beim Besteigen von Leitern wird die Waffe entladen und umgehängt.
- Hindernisse: Beim Übersteigen von Zäunen, Gräben oder Baumstämmen muss die Waffe entladen oder zumindest der Verschluss geöffnet werden.
- Mündung: Zeigt niemals auf den eigenen Körper oder Begleiter.
4. Begriffsdefinition: Wildzeichen vs. Pirschzeichen
In der Prüfung wird hier oft genau unterschieden:
A. Wildzeichen (Vor dem Schuss)Alles, was verrät, dass Wild da ist:
- Fährten/Spuren: Trittsiegel im Boden.
- Losung: Kot.
- Fegestellen/Plätzstellen: Reviermarkierungen.
- Äsung/Verbiss: Fraßspuren an Pflanzen.
- Wechsel: Pfade des Wildes.
B. Pirschzeichen (Nach dem Schuss)Zeichen am Anschuss, die verraten, wo/ob man getroffen hat:
- Schweiß: Blut.
- Schnitthaar: Abgeschossene Haare.
- Knochensplitter: Röhrenknochen etc.
- Wildbret/Gewebe: Lungenstücke, Leberstücke.
5. Abgrenzung zu anderen Jagdarten
- Ansitz: Passives Warten.
- Buschieren (Suchjagd):
- Aktives Suchen mit dem Hund (meist Vorstehhund) auf Niederwild (Hase/Fasan) mit der Flinte.
- Unterschied zur Pirsch: Bei der Pirsch (Schalenwild/Büchse) will man unentdeckt bleiben. Beim Buschieren macht der Hund das Wild hoch.
- Nachsuche: Das Suchen von krankem/verletztem Wild mit dem Schweißhund (nicht zu verwechseln mit der normalen Pirsch).
Merksatz für die Praxis:"Wer pirscht, muss schleichen wie ein Fuchs, den Wind prüfen wie ein Hirsch und schießen wie ein Scharfschütze (Pirschstock!). An Zäunen heißt es: Patronen raus!"
