Einführung in den Landbau für Jäger
Der Landbau (Ackerbau) bestimmt den Lebensraum des Niederwildes und ist der Ort, an dem wirtschaftlich bedeutende Wildschäden entstehen können. Jäger müssen die landwirtschaftlichen Abläufe kennen, um Wildschäden vorzubeugen und den Lebensraum aktiv mitzugestalten.
1. Bodenbearbeitung und Auswirkungen
Die Art der Bodenbearbeitung entscheidet oft über das Überleben von Niederwild (Hasen, Rebhühner).
- Der Pflug (Wendende Bearbeitung):
- Der Boden wird "umgedreht" (gewendet). Ernterückstände und Unkrautsamen werden tief vergraben.
- Jagdliche Folge: Die Ackerfläche ist "schwarz". Es gibt keine Deckung und kaum Äsung für das Wild. Nester können zerstört werden.
- Grubber / Scheibenegge (Nicht-wendende Bearbeitung / Mulchsaat):
- Der Boden wird nur gelockert, aber nicht gewendet. Pflanzenreste (Stoppeln) bleiben an der Oberfläche.
- Jagdliche Folge: Bietet hervorragende Deckung und Nahrung (Insekten, Ausfallgetreide) für Junghasen und Küken. Hegerisch sehr wertvoll!
2. Die wichtigsten Kulturpflanzen und Schadensphasen
Ein Schwerpunkt in der Prüfung ist das Wissen, wann welche Frucht für welches Wild attraktiv ist (Wildschadensabwehr).
FruchtartKritische Phase (Wildschaden)HauptverursacherMais1. Aussaat (Saatgutaufnahme)<br>2. Milchreife (Kolbenbildung im Sommer)Schwarzwild (bricht in den Mais), Fasan/Taube (Saat)Getreide (Weizen)Milchreife (Korn ist weich und süß)Schwarzwild (drückt Getreide nieder -> "Lager"), RotwildRapsWinter (grüne Pflanze ist einzige Äsung)Rehwild, FeldhaseKartoffelnNach der Saat & vor der ErnteSchwarzwild (sucht oft Engerlinge, wühlt dabei Knollen raus)Grünland (Wiesen)Ganzjährig (Herbst/Frühjahr)Schwarzwild (Wiesenschaden/Umbruch nach Würmern)
Achtung Raps: Frisst Rehwild im Winter fast ausschließlich Raps (Monokultur), droht die Rapsblindheit. Die Senfölglykoside führen zu Vergiftungen und Schäden am Zentralnervensystem.
3. Düngung und Pflanzenschutz
- Düngung:
- Organisch: Mist, Gülle (fördert Bodenleben).
- Mineralisch: Stickstoff, Phosphor, Kalium (Kunstdünger).
- Pflanzenschutz:
- Herbizide: Gegen Unkraut (reduziert Äsungsvielfalt).
- Insektizide: Gegen Schadinsekten.
- Nützlinge: Ein wichtiger Nützling in der Landwirtschaft ist der Marienkäfer (frisst Blattläuse) oder die Florfliege. (Hinweis: Die Rote Waldameise ist ein Nützling des Waldes, nicht des Ackers).
4. Wildschäden in der Landwirtschaft (Rechtliche Lage)
Gemäß § 29 Bundesjagdgesetz (BJagdG) ist nicht jeder Schaden ersatzpflichtig.
Ersatzpflichtig ist Schaden durch:
- Schalenwild (Wildschweine, Rehe, Rotwild, Damwild).
- Wildkaninchen (Achtung: Nicht der Feldhase!).
- Fasanen.
Schäden durch andere Tiere (Feldhasen, Tauben, Gänse, Dachse) müssen gesetzlich nicht ersetzt werden, sofern im Pachtvertrag nichts anderes vereinbart wurde.
Meldefrist:Der Landwirt muss den Schaden innerhalb von einer Woche nach Kenntnisnahme bei der Gemeinde anmelden.
5. Prävention und Zusammenarbeit
- Schadensabwehr:
- Elektrozäune (besonders bei Mais).
- Bejagungsschneisen im Mais (vom Landwirt angelegt).
- Lenkungsfütterung/Ablenkfütterung (im Wald, um Sauen vom Feld fernzuhalten).
- Kitzrettung (Mähtod):
- Die erste Grünlandmahd (Mai/Juni) fällt genau in die Setzzeit der Rehe.
- Maßnahmen: Drohnen mit Wärmebildkamera, Vergrämen am Vorabend, Mähen von innen nach außen (damit Wild fliehen kann).
- Zwischenfrüchte (Greening):
- Landwirte säen nach der Ernte oft Senf oder Phacelia. Dies bietet dem Wild im Herbst wichtige Deckung und Äsung.
Fazit
Jäger müssen wissen, dass die Milchreife (bei Mais und Getreide) die kritischste Zeit für Schwarzwildschäden ist. Zudem ist die Unterscheidung wichtig: Verbiss an Bäumen ist Forstschaden, Lagergetreide ist Landwirtschaftsschaden.
