Einführung in das Haarwild
Dieser Artikel gibt eine Einführung in das Thema Haarwild, einem zentralen Bestandteil der Jagd. Wir betrachten die Definition, die rechtliche Einteilung und biologische Besonderheiten.
Was ist Haarwild?
Haarwild umfasst alle Säugetiere, die dem Jagdrecht unterliegen. Es grenzt sich vom Federwild (Vögel) ab. Das Bundesjagdgesetz (§ 2 BJagdG) definiert Wild als "wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen".
- Wichtig: Auch Tierarten, die eine ganzjährige Schonzeit genießen (z. B. Wildkatze, Fischotter oder Luchs), zählen zum Haarwild, sofern sie im Gesetz gelistet sind.
Die Einteilung des Wildes
1. Rechtliche Einteilung: Hochwild und Niederwild
Diese historische Unterscheidung ist für das Pachtrecht und den Abschussplan entscheidend.
- Hochwild:
- Dazu gehört alles Schalenwild (Rotwild, Damwild, Gamswild, Schwarzwild, Elchwild etc.) mit einer wichtigen Ausnahme: das Rehwild.
- Weiterhin gehören zum Hochwild: Das Auerwild, der Steinadler und der Seeadler.
- (Merksatz: "Das Reh ist nieder, die Sau ist hoch.")
- Niederwild:
- Dazu gehört das Rehwild.
- Alle übrigen Haarwildarten (Feldhase, Fuchs, Dachs, Marder etc.).
- Alles Federwild (außer Auerwild, Stein- und Seeadler).
2. Biologische Einteilung
Neben der rechtlichen Trennung gibt es biologische Gruppen:
- Schalenwild: Alles Wild mit Hufen/Klauen (Paarhufer).
- Raubwild: Fleischfressende Beutegreifer (z. B. Fuchs, Dachs, Marder, Waschbär).
- Hasenartige: Feldhase und Wildkaninchen (besitzen Stiftzähne hinter den Nagezähnen).
Biologische Besonderheiten und Lebensweise
Rehwild (Capreolus capreolus)
- Klasse: Gehört biologisch zum Schalenwild, rechtlich aber zum Niederwild.
- Geschlechtsreife: Weibliche Stücke werden meist als Schmalreh (im 2. Lebensjahr) beschlagen.
- Geweihbildung (Gehörn):
- Das Bockkitz schiebt bereits im ersten Herbst/Winter (ca. 4–6 Monate alt) kleine "Erstlingsknöpfe".
- Diese werden im späten Winter abgeworfen. Das erste "richtige" Gehörn (oft Spießer oder Gabler) wächst dann im Frühjahr des zweiten Lebensjahres und ist meist im Mai/Juni fertig verfegt (mit ca. 12 Monaten).
- Säugezeit: Die Ricken säugen die Kitze meist bis September/Oktober.
Feldhase (Lepus europaeus)
- Gebiss: Gehört nicht zu den Nagetieren, sondern zu den Hasenartigen (Lagomorpha). Erkennungsmerkmal sind die Stiftzähne (ein zweites Paar kleiner Schneidezähne direkt hinter den oberen großen Nagezähnen).
- Superfötation (Doppelbefruchtung): Die Häsin kann bereits erneut befruchtet werden, während sie noch tragend ist (ca. 4 Tage vor dem Setzen der aktuellen Jungen). Dies erhöht die Reproduktionsrate enorm.
Revierarten: Hochwild- vs. Niederwildrevier
Diese Unterscheidung ist verwaltungsrechtlich relevant.
- Hochwildrevier: Ein Revier, in dem Hochwild (meist Rot-, Dam- oder Gamswild) als Standwild vorkommt (es hält sich dort dauerhaft auf).
- Hinweis: Obwohl Schwarzwild rechtlich Hochwild ist, wird ein Revier, in dem "nur" Sauen und Rehe vorkommen, pachtrechtlich oft noch als Niederwildrevier behandelt (je nach Landesrecht).
- Niederwildrevier: Ein Revier, in dem hauptsächlich Niederwild (Rehwild, Hase, Fasan) vorkommt. Hochwild (wie Rotwild) tritt hier nur als Wechselwild (gelegentlich durchziehend) auf.
Hege und Kümmern
Ein wichtiger Aspekt der Hege ist die Beobachtung der Wildgesundheit.
- Kümmern: Bezeichnet Wild, das körperlich schwach entwickelt ist und deutlich unter dem Durchschnittsgewicht liegt.
- Ursachen: Krankheiten (Parasiten), Äsungsmangel, zu hohe Wilddichte (Sozialstress) oder ständige Beunruhigung durch Menschen.
Jagd- und Schonzeiten
Die Jagdzeiten dienen der nachhaltigen Nutzung, während die Schonzeiten primär dem Tierschutz und der Aufzucht der Jungtiere dienen (Elterntierschutz § 22 BJagdG).
- Verbindlichkeit: Die Jagdzeiten sind gesetzlich festgelegt. Innerhalb der Schonzeiten ist die Jagd verboten.
- Föderalismus: Die Bundesländer können die Jagdzeiten des Bundesjagdgesetzes erweitern oder verkürzen (z. B. ganzjährige Jagdzeit auf Frischlinge zur Seuchenbekämpfung).
Fazit
Das Thema Haarwild ist ein wichtiger Bestandteil der Jägerprüfung. Besonders die Einordnung des Rehwildes als Niederwild und die biologischen Besonderheiten wie die Superfötation beim Hasen oder der Gehörnzyklus beim Rehbock sind prüfungsrelevant.
