Jagdkompass
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Die Drückjagd: Organisation, Ablauf und Sicherheit

Umfassende Erläuterung der Drückjagd als Gesellschaftsjagd, ihrer Durchführung, des Verhaltens am Stand und wichtiger Sicherheitsaspekte.

22. Februar 2026Drückjagd, Gesellschaftsjagd, Treiber
Die Drückjagd: Organisation, Ablauf und Sicherheit

Die Drückjagd: Effizienz und Sicherheit

Die Drückjagd ist eine Bewegungsjagd auf Schalenwild (Reh, Sau, Rotwild) und Fuchs. Sie findet im Herbst/Winter statt.


1. Definition und Abgrenzung (Prüfungswissen!)

Wie unterscheidet sich die Drückjagd von der Treibjagd?

  1. Drückjagd:
    • Wildart: Schalenwild (Kugel).
    • Methode: Wenige Treiber und langsam arbeitende Hunde "drücken" das Wild sanft aus den Einständen.
    • Tempo: Das Wild soll "vertraut" (langsam, sichernd) kommen.
    • Vorteil: Der Jäger hat Zeit zum sauberen Ansprechen (Alter/Geschlecht) und für einen präzisen Schuss.
  2. Treibjagd:
    • Wildart: Niederwild (Hase, Fasan -> Schrot).
    • Methode: Viele Treiber machen Lärm ("Ho-Rüd-Ho"), schnelle Hunde.
    • Tempo: Das Wild flüchtet panisch ("hochflüchtig").

2. Sicherheit (UVV Jagd) – Lebenswichtig!

Bei keiner Jagdart passieren mehr Unfälle. Daher gelten strengste Regeln (VSG 4.4):

  1. Signalkleidung (Warnkleidung):
    • PFLICHT für ALLE: Schützen, Treiber und Hundeführer müssen Signalband oder Warnwesten tragen (Blaze Orange/Rot).
    • Grund: Unterscheidung von Wild und Mensch im dichten Bestand.
  2. Kugelfang:
    • Schüsse nur bei gewachsenem Boden als Hintergrund.
    • Niemals in Richtung Horizont oder unübersichtliches Dickicht.
  3. Standruhe:
    • Der Stand darf während des Treibens unter keinen Umständen verlassen werden (Lebensgefahr durch Nachbarschützen!).
  4. Schussbereich:
    • Vor Beginn verständigen sich Nachbarn über ihre Positionen.
    • Kein Durchschwingen der Waffe durch die Schützenlinie!

3. Ablauf und Organisation

  1. Anstellen: Die Schützen werden leise zu den Ständen gebracht (Wind beachten!).
  2. Laden: Erst auf dem Stand wird die Waffe geladen.
  3. Das Treiben: Die Hunde (Stöberhunde) suchen selbstständig großräumig. Treiber gehen langsam durch die Dickungen.
  4. Hahn in Ruh: Mit dem Abblasen (Jagdhornsignal) oder einer festen Uhrzeit endet die Jagd sofort. Waffen entladen!
  5. Versorgung: Erst jetzt wird das erlegte Wild geborgen (zum Streckenplatz gebracht) und versorgt (aufgebrochen).

4. Wildbrethygiene bei Drückjagden

Da oft viel Wild in kurzer Zeit fällt:

  • Aufbrechen: Erfolgt heute meist zentral an einem "Aufbrechplatz" (Hygienestation) durch Profis oder unter fließendem Wasser, nicht mehr am Anschuss im Dreck.
  • Auskühlen: Wildkörper dürfen nicht übereinander gestapelt werden (Verhitzungsgefahr!).

5. Jagdstrategie: Intervalljagd

Um Wildschäden zu vermeiden und den Jagderfolg zu sichern, setzt man auf Intervalljagd statt Dauer-Ansitz.

  • Prinzip: Kurze Phasen intensiver Bejagung (z. B. 2–3 Drückjagden im Herbst) wechseln sich mit langen Ruhephasen ab.
  • Effekt: Das Wild wird nicht dauerhaft scheu ("nachtaktiv geschossen"), sondern nutzt die Äsungsflächen auch tagsüber, was die Bejagung erleichtert.

Merksatz:Bei der Drückjagd kommt das Wild vertraut (langsam), bei der Treibjagd flüchtig (schnell). Warnkleidung ist für jeden Teilnehmer Pflicht!

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