Rund 300 Hektar Wald stehen in der Gemeinde Hürtgenwald im Kreis Düren in Flammen, der Ortsteil Gey mit gut 1.800 Einwohnern ist seit den frühen Morgenstunden vollständig evakuiert. Wer dort ein Revier betreut, kommt derzeit nicht hinein – und das liegt nicht nur am Feuer, sondern an dem, was seit 1944 im Boden dieses Waldes liegt.
Extreme Gefahr
Die Warn-App NINA zeigt für den Bereich die höchste Warnstufe an. Der Kreis Düren bittet, den Bereich um Gey, Großhau, Kleinhau und die L 25 großräumig zu meiden.
Wie sich die Lage in einer Nacht zuspitzte
Das Feuer brach am späten Donnerstagnachmittag in einem Waldstück nördlich von Großhau und östlich von Gey aus. Zunächst brannten nach Angaben der Gemeinde rund 25 Hektar; die Gemeinde rief die Großschadenslage aus – die Stufe, ab der Kreis und Land die Einsatzleitung mit zusätzlichen Kräften unterstützen. In der Nacht drehte der Wind. Kurz vor vier Uhr morgens ordnete die Feuerwehr die Evakuierung von Gey an, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf eine Polizeisprecherin meldete. Zu diesem Zeitpunkt war die Flammenfront noch rund 270 bis 300 Meter vom Ortsrand entfernt.
Bis zum Freitagmorgen hatte sich die brennende Fläche nach Angaben des Kreises Düren mehr als verzehnfacht. Im Einsatz waren rund 300 Kräfte, darunter Feuerwehren aus Köln und Düsseldorf sowie das Technische Hilfswerk. Die Bundeswehr ist mit zwei Panzern vor Ort, die Wege im Waldgebiet freiräumen, drei Löschhubschrauber unterstützen aus der Luft. Landrat Ralf Nolten beschrieb gegenüber dem WDR ein Feuer, das sich in der Nacht schnell über die Baumkronen ausgebreitet habe und am Morgen noch nicht unter Kontrolle gewesen sei. Verletzte gab es bis dahin nicht, die Brandursache ist offen.
Ein Wald voller Kampfmittel bremst die Löscharbeiten
Was diesen Einsatz von anderen Sommerbränden unterscheidet, liegt unter der Bodenoberfläche. Der Hürtgenwald war von Herbst 1944 bis Anfang 1945 Schauplatz einer der verlustreichsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs auf deutschem Boden. Handgranaten, Artilleriegeschosse und Munitionsreste stecken bis heute im Boden; das steile, zerklüftete Gelände hat eine flächendeckende Räumung nie zugelassen. Nach Darstellung der Aachener Zeitung detonierte während des Einsatzes wiederholt Altmunition, und eines der Feuer bewegte sich auf ein früheres Munitionsdepot bei Düren zu.
Für die Feuerwehr heißt das: Sie kann Brandherde nicht überall direkt angreifen, sondern muss aus sicherer Entfernung arbeiten – ein Grund für den massiven Einsatz von Hubschraubern und Räumpanzern. Für Revierinhaber heißt es, dass die Gefahr mit dem letzten Glutnest nicht endet. Ein Bodenfeuer legt Kampfmittel frei, verlagert sie und beschädigt Zünder. Wer nach der Freigabe die ersten Kontrollgänge macht, bewegt sich in einem Wald, dessen Oberfläche sich verändert hat.
Für Reviere im Umfeld gilt Rückzug statt Kontrollgang
Wer trotz Sperrung ins Einsatzgebiet fährt, blockiert Zufahrten für Löschfahrzeuge und bindet Kräfte, die anderswo gebraucht werden. Das gilt derzeit für diese Bereiche:
| Bereich | Status (Stand 14.08., vormittags) |
| Ortsteil Gey | vollständig evakuiert, Anlaufstelle Grundschule Straß |
| Ortsteil Großhau | gefährdet, Bewohner bleiben vorerst, Bundesstraßenabschnitt gesperrt |
| B 399 entlang des Brandgebiets | für den Verkehr gesperrt |
| Kleinhau und L 25 | großräumig meiden |
| Nideggen und Kreuzau | Rauchwarnung, Aufenthalt in Gebäuden möglich |
Konkret jetzt tun
Reviergänge, Ansitze und Kirrungskontrollen im Bereich Gey, Großhau, Kleinhau und L 25 aussetzen, bis der Kreis Düren freigibt.
Kein eigenes Löschen, keine Erkundungsfahrt mit dem Revierfahrzeug: Die Einsatzleitung koordiniert über die Feuerwehr, nicht über Einzelinitiative.
Hochsitze, Fütterungen und Wildkameras nicht bergen, solange die Fläche gesperrt ist.
Rauch- und Feuerbeobachtungen ausschließlich über 112 melden, nicht über die Bürgertelefone der Evakuierung.
Nach der Freigabe Wege nicht verlassen und jeden Munitionsfund unberührt lassen sowie der Polizei melden.
Was noch nicht feststeht
Ob weitere Ortsteile evakuiert werden müssen, ist offen; Großhau mit gut 500 Einwohnern gilt als gefährdet, die Bewohner konnten bislang bleiben. Auch die Brandursache liegt nicht vor. Wann der Wald wieder betreten werden darf, hängt von der Freigabe durch den Kreis Düren ab – bei kampfmittelbelasteten Flächen kann das deutlich länger dauern als das Ablöschen selbst. Wie stark der Wildbestand betroffen ist, lässt sich seriös erst nach dem Einsatz beurteilen.
Häufige Fragen zur Sperrung im Hürtgenwald
Gilt die Sperrung auch für eine Nachsuche oder Wildfolge?
Ja. Eine Sperrung aus Gründen der Gefahrenabwehr geht dem Jagdausübungsrecht vor. Wer aus tierschutzrechtlichen Gründen in den gesperrten Bereich muss, klärt das vorab mit der Einsatzleitung oder der Kreisverwaltung ab und fährt nicht auf eigene Faust.
Woran erkenne ich, dass die Sperrung aufgehoben ist?
An den amtlichen Kanälen: den Warn-Apps NINA und KATWARN, den Mitteilungen der Gemeinde Hürtgenwald und den Meldungen des Kreises Düren. Ein zurückgehender Rauch über dem Wald ist keine Freigabe.
Waldbrandlagen gehören zum Prüfungsstoff und zur Revierpraxis gleichermaßen. Wie sich Gefahrenstufen, örtliche Verbote und Zuständigkeiten unterscheiden, zeigt der Fall Wiesbaden mit Warnstufe 5; wie ein Brand im schwer zugänglichen Hangwald verläuft, der Waldbrand bei Plauen. Wenn nach einer Katastrophe ein ganzes Waldgebiet gesperrt bleibt, gelten ähnliche Regeln wie nach den Sturmschäden in der Sächsischen Schweiz. Alle laufenden Meldungen bündelt unsere Rubrik Nachrichten. Mit der Jagdkompass-App lernst du die Rechtsgrundlagen dazu kostenlos für die Jägerprüfung.
Quelle
Angaben nach Mitteilungen der Gemeinde Hürtgenwald und des Kreises Düren sowie den unten verlinkten Berichten. Stand: 14. August 2026, vormittags. Die Lage kann sich kurzfristig ändern.