Ein Jagdunfall bei der Nachsuche hat in der Steiermark einen 42-jährigen Jagdleiter das Leben gekostet – und zwei Jäger auf die Anklagebank gebracht. Der tödliche Schuss löste sich, als eine geladene Büchse während einer kurzen Fotopause den Besitzer wechselte. Der Fall ist eine bittere Lehrstunde in Waffenhandhabung, wie sie so auch in jeder deutschen Jägerprüfung gefragt wird.
Die Kernbotschaft
Eine Waffe wird niemals geladen und entsichert von Hand zu Hand gereicht. Wer eine gespannte, geladene Büchse übergibt, riskiert genau das, was hier geschah – einen tödlichen Schuss aus nächster Nähe.
Was ist passiert?
Am 25. Januar 2026 war eine Jagdgesellschaft im Süden der Steiermark auf Schwarzwild unterwegs. Einer der Jäger hatte auf ein Wildschwein geschossen, es aber nicht tödlich getroffen. Das kranke Stück verschwand im Wald – der klassische Beginn einer Nachsuche, bei der der verwundete Keiler aufgespürt und erlöst werden soll.
Der Schütze holte seine unter dem Ansitz verwahrte Büchse, um sich gegen einen möglichen Angriff des wehrhaften Stücks zu schützen. Bei der Suche legten die Männer eine kurze Pause ein, in der ein Foto entstand. Dabei wechselte die Waffe erneut die Hände – und in diesem Moment brach der Schuss. Das Geschoss traf den 42-jährigen Jagdleiter in den Hals; er brach zusammen und verstarb noch an der Unfallstelle.
Laut einem Gerichtsgutachter hätte sich der Schuss nur lösen können, wenn die Büchse nachgeladen und der Abzug betätigt worden war. Der Richter hielt dem Schützen vor, eine gespannte und geladene Waffe weitergegeben zu haben.
Das Urteil
Das Landesgericht sah bei beiden Beteiligten eine Sorgfaltspflichtverletzung. Nach Angaben des ORF Steiermark endete der Prozess mit zwei Schuldsprüchen wegen fahrlässiger Tötung.
| Beteiligter | Vorwurf | Kernpunkt |
| 57-jähriger Schütze | grob fahrlässige Tötung | gab die geladene, gespannte Büchse weiter |
| 37-jähriger Begleiter | fahrlässige Tötung | übernahm die Waffe, bevor sich der Schuss löste |
Beide Männer waren mit dem Getöteten befreundet; im Prozess flossen Tränen. Der Fall zeigt, dass ein Jagdunfall nicht nur menschlich verheerend ist, sondern auch strafrechtliche Folgen hat – in Deutschland greift bei vergleichbaren Fällen der Straftatbestand der fahrlässigen Tötung nach § 222 StGB.
Warum die Nachsuche so heikel ist
Die Nachsuche gehört zu den anspruchsvollsten und gefährlichsten Situationen im Jagdbetrieb. Mehrere Personen bewegen sich angespannt, oft in unübersichtlichem Gelände, in Richtung eines verletzten und wehrhaften Stücks. Genau in dieser Anspannung passieren Fehler bei der Waffenhandhabung.
Der entscheidende Fehler im steirischen Fall war die Übergabe einer geladenen und gespannten Waffe. Die eiserne Regel lautet: Zum Übergeben, Ablegen, Überklettern von Hindernissen oder für ein Foto wird die Waffe entladen. Eine kurze Handbewegung – Patrone raus, Verschluss auf, sichtbar leer – hätte den tödlichen Schuss verhindert.
Was bedeutet das für Jäger?
Der Fall führt drei Grundregeln vor Augen, die jeder Jungjäger für die Prüfung lernt und die im Revier über Leben und Tod entscheiden.
Konkret im Revier beachten
Waffe nur entladen übergeben. Vor jeder Übergabe Patronenlager öffnen und leeren Zustand sichtbar zeigen. Das gilt auch bei einem schnellen Foto.
Mündungsdisziplin. Die Mündung zeigt zu jedem Zeitpunkt in eine sichere Richtung – nie auf einen Menschen, nie in Kopfhöhe der Gruppe.
Erst laden am Stand. Die Waffe wird erst am Ansitz oder unmittelbar vor der Abgabe des Schusses geladen und gespannt, nicht schon auf dem Weg dorthin.
Klare Absprache bei der Nachsuche. Wer führt, wer ist Schütze, wer bleibt zurück – Rollen und Standorte müssen vorher festgelegt sein.
Hintergrund: Wie viele Jagdunfälle gibt es wirklich?
Belastbare Zahlen sind überraschend schwer zu bekommen. Der Deutsche Jagdverband weist darauf hin, dass das Statistische Bundesamt Jagdunfälle durch Schusswaffen nicht gesondert ausweist. Eine offizielle, bundesweite Jagdunfall-Statistik existiert schlicht nicht – Meldungen stützen sich überwiegend auf Presseberichte.
Was wir wissen
Rund 384.500 Menschen besitzen in Deutschland einen Jagdschein. Schwere Unfälle sind gemessen daran selten – aber wenn sie passieren, geht es fast immer um Fehler bei der Waffenhandhabung: unbeabsichtigte Schussabgabe, mangelnde Mündungsdisziplin, geladene Waffen im falschen Moment.
Was das heißt
Weil verlässliche Zahlen fehlen, ist Prävention umso wichtiger. Die Unfallverhütungsvorschriften der Jagd (UVV Jagd) und die Grundregeln der Waffensicherheit sind kein bürokratischer Ballast, sondern die wirksamste Versicherung gegen genau solche Tragödien.
Häufige Fragen
Darf ich bei der Nachsuche eine geladene Waffe tragen?
Ja – auf der Nachsuche ist eine schussbereite Waffe sinnvoll, weil ein wehrhaftes, krankes Stück angreifen kann. Entscheidend ist die Handhabung: Sobald die Waffe übergeben, abgelegt oder nicht unmittelbar zum Schuss gebraucht wird, gehört sie entladen. Geladen und gespannt bleibt sie nur in der Hand des Schützen, mit der Mündung in sichere Richtung.
Warum wird eine Waffe zum Übergeben entladen?
Weil die Übergabe einer der häufigsten Momente für Unfälle ist. Beim Wechsel der Hände kann der Abzug ungewollt betätigt werden. Eine entladene, offen gezeigte Waffe kann nicht losgehen – das ist die einzige zuverlässige Absicherung.
Welche Konsequenzen hat ein fahrlässiger Jagdunfall in Deutschland?
Ein tödlicher Jagdunfall kann als fahrlässige Tötung (§ 222 StGB) verfolgt werden, dazu drohen der Entzug des Jagdscheins und der waffenrechtlichen Erlaubnis sowie zivilrechtliche Ansprüche. Auch ohne Verletzte kann unsachgemäße Waffenhandhabung die Zuverlässigkeit nach dem Waffengesetz infrage stellen.
Prüfungswissen sichern: Waffenhandhabung, UVV Jagd und das Verhalten bei der Nachsuche sind fester Bestandteil der Jägerprüfung. Mit der Jagdkompass App lernst du alle prüfungsrelevanten Themen rund um Waffensicherheit und Jagdrecht – kostenlos und offline. Weitere aktuelle Meldungen findest du in unseren Nachrichten, und den kompletten Prüfungsstoff gibt es in der Jagdkompass App.
Quelle
Diese Meldung basiert auf einem Bericht des ORF Steiermark zum Prozess um den tödlichen Jagdunfall vom 25. Januar 2026 sowie auf Hintergrunddaten des Deutschen Jagdverbands. Redaktionell aufbereitet für die Jagdkompass-Leserschaft.