Die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) ist auf dem Vormarsch: Der aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Neozoon bildet unterirdische Superkolonien mit Millionen Tieren, verdrängt heimische Ameisenarten und wandert mit dem Klimawandel immer weiter nach Norden. Für Jägerinnen und Jäger ist die invasive Art mehr als eine Gartenplage – sie ist ein Lehrstück über Neozoen und die Verdrängung heimischer Arten im Revier.
Warum das Jäger angeht
Wo sich Tapinoma magnum ausbreitet, verschwinden heimische Ameisen – und mit ihnen eine wichtige Nahrungsgrundlage und ein zentraler Baustein des Waldökosystems. Invasive Arten zu erkennen und zu melden gehört zum Selbstverständnis jedes Revierinhabers.
Was ist passiert?
Die Große Drüsenameise breitet sich seit Jahren in Deutschland aus – und der Trend beschleunigt sich. Erstmals nachgewiesen wurde die Art laut Umweltbundesamt (UBA) im Jahr 2009. Ihren Schwerpunkt hat sie bislang in wärmeren Regionen wie Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz, doch inzwischen wandert sie spürbar nach Norden – unter anderem nach Bayern, wo Fachleute vor massiven Schäden warnen.
Eingeschleppt wird die Art vor allem über mediterrane Großgehölze: Oliven-, Feigenbäume und Palmen aus Gärtnereien und Gartencentern bringen die Ameise samt Nest mit. Der Klimawandel erledigt den Rest – milde Winter und heiße Sommer schaffen der wärmeliebenden Art ideale Bedingungen.
Das UBA betont, dass schnelles Handeln und ein koordiniertes Vorgehen aller Beteiligten entscheidend sind, um die Ausbreitung einzudämmen. Einen eigenen Fach-Workshop dazu richtete die Behörde im Juni 2025 aus.
Superkolonien statt Einzelvölker
Was Tapinoma magnum so durchsetzungsstark macht, ist ihre Sozialstruktur. Statt einzelner Völker bildet die Art riesige, unterirdisch vernetzte Superkolonien – mit über einer Million Arbeiterinnen und mehreren hundert Königinnen, teils auf Flächen von bis zu einem Hektar. Zwischen den Nestern verlaufen breite, mehrspurige „Ameisenautobahnen", die aggressiv verteidigt werden.
| Merkmal | Große Drüsenameise |
| Herkunft | Mittelmeerraum, in DE seit 2009 |
| Kolonieform | Superkolonie, > 1 Mio. Arbeiterinnen |
| Königinnen | mehrere hundert pro Kolonie |
| Aktivität | schon ab ca. 3 °C aktiv |
| Ausbreitung | über mediterrane Kübelpflanzen |
Weil die Kolonien viele Königinnen haben (Polygynie) und schon bei rund 3 °C aktiv sind, ist die Art extrem schwer zu bekämpfen – eine vollständige Ausrottung ist bislang nirgends gelungen.
Woran man sie erkennt
Die Große Drüsenameise ähnelt heimischen Arten und ist für Laien leicht zu verwechseln. Ein paar Merkmale helfen bei der Bestimmung:
Größe: Arbeiterinnen werden etwa 2 bis 5 mm groß, in einem Volk treten unterschiedlich große Tiere auf.
Färbung: dunkelbraun bis schwarz, eher matt als glänzend.
Geruch: Bei Störung geben die Tiere ein intensives Wehrsekret ab, das an ranzige Butter, Aceton oder Blauschimmelkäse erinnert – daher der Name „Drüsenameise".
Ameisenstraßen: auffällig breite, stark frequentierte Laufwege und Sand-/Erdauswurf an den Nestern.
Was bedeutet das für Jäger?
Für das Revier ist die Ausbreitung invasiver Arten ein Dauerthema – vom Waschbär bis zur Nilgans. Die Große Drüsenameise reiht sich hier ein: Als aggressiver Konkurrent verdrängt sie über ihr toxisches Wehrsekret heimische Ameisenarten. Das trifft ein Ökosystem, in dem Ameisen als Beute (etwa für den Grünspecht), als Bodenbearbeiter und als Gesundheitspolizei des Waldes eine tragende Rolle spielen – heimische Waldameisen stehen nicht ohne Grund unter besonderem Schutz.
Konkret jetzt tun
Auffällige, ungewöhnlich große Ameisenkolonien mit breiten Straßen im Revier oder am eigenen Grundstück im Blick behalten.
Verdächtige Funde den zuständigen Naturschutz-/Umweltbehörden melden – Jäger sind das Auge in der Fläche.
Beim Kauf von Kübelpflanzen und Gartenerde Wurzelballen und Substrat auf Ameisennester kontrollieren.
Nester nicht selbst mit Chemie behandeln – die Bekämpfung gehört in Fachhände.
Hintergrund: Neozoen in der Jägerprüfung
Invasive Arten – fachlich Neozoen (Tiere) bzw. Neophyten (Pflanzen) – sind fester Bestandteil der Jägerprüfung im Fach Wildbiologie und Naturschutz. Die Große Drüsenameise ist ein Musterbeispiel dafür, wie eine eingeschleppte Art heimische Konkurrenten verdrängt und ein Ökosystem umbaut.
Für das Ökosystem
Verdrängung heimischer Ameisen, Störung von Nahrungsketten und Bodenlebensgemeinschaften. Die Kolonien können ganze Kleinlebensräume dominieren.
Für Infrastruktur
Untergrabene Gehwege, Fundamente und Gräber, gestörte Strom- und Internetleitungen. Betroffen sind auch Reviereinrichtungen wie Wege und Ansitze.
Wer die ökologischen Grundprinzipien hinter solchen Verdrängungsprozessen verstehen will, findet sie in unseren Grundlagen der Ökologie für die Jägerprüfung. Wie sehr der Klimawandel die Ausbreitung wärmeliebender Arten begünstigt, zeigt auch unser Beitrag zur Hitzewelle und ihren Folgen für Tiere, Wald und Pflanzen. Und dass Artenschutz keine Einbahnstraße ist, belegt das Comeback der Wildkatze in Deutschland.
Häufige Fragen
Ist die Große Drüsenameise für Menschen gefährlich?
Direkt gefährlich ist sie nicht – ihr Wehrsekret kann aber Hautreizungen auslösen. Die eigentlichen Probleme sind ökologischer und materieller Natur: Verdrängung heimischer Arten und Schäden an Bauwerken und Leitungen.
Wie kommt die Art nach Deutschland?
Überwiegend als blinder Passagier in Wurzelballen mediterraner Kübelpflanzen aus dem Gartenhandel. Von dort breitet sie sich eigenständig weiter aus – begünstigt durch milde Winter.
Kann man Tapinoma magnum bekämpfen?
Nur schwer. Wegen der vielen Königinnen und der weit verzweigten Superkolonien ist eine vollständige Ausrottung bislang nicht gelungen. Fachleute setzen unter anderem auf wiederholte Heißwasserbehandlungen – das gehört in professionelle Hände.
Fit für die Jägerprüfung: Neozoen, Ökologie und Naturschutz sind prüfungsrelevant. Mit der Jagdkompass App lernst du alle Themen der Jägerprüfung – kostenlos, offline und mit über 2.500 Fragen. Weitere Meldungen findest du in unserer Kategorie Nachrichten.
Quelle
Diese Meldung basiert auf Informationen des Umweltbundesamts sowie Berichten des Bayerischen Rundfunks und regionaler Medien (Juli 2026). Redaktionell aufbereitet für die Jagdkompass-Leserschaft.